Ein erlebnisreicher Tag (Do, 17.09.09)
Er begann eigentlich recht unspektakulär. Ich war ein wenig im Rückstand mit meiner Schlafmenge, war am Vormittag im Kindergarten und schlief/döste am frühen Nachmittag im Bett, anstatt Chinesisch am Schreibtisch zu lernen. Auf 16Uhr traf ich mich mit Josefine in der Altstadt. Ich häng auch mal ein Bild im Anhang. Bei B wohne ich, der erste Punkt ist mein Kindergarten und A ist die Altstadt, in der die deutschen ihre Stadt gründeten. Dort befinden sich diese alten Gebäude, der Bahnhof, eine Einkaufsstraße etc. Es gibt zwar auch lebhafte und sich lohnende Orte, die näher liegen, aber das ist nun mal die Entfernung, die ich gestern mal wieder zurückgelegt habe, auch, weil sich Josefines Hostel in der Nähe befindet. Nun ratet mal, wie viele Kilometer diese Strecke lang ist. Sage und schreibe 20km! Das ist so weit wie nach Sindelfingen reinzufahren, doch hier kurve ich nicht zwischen Wiesen und Wäldern, sondern nur durch die Stadt. Für diese Strecke braucht man mit dem Bus im Schnitt 1h10min. In dieser Zeit, kann ich von Freiburg aus, weiter als nach Karlsruhe fahren. Von Ostelsheim aus ist das fast bis nach Ulm. Und von Freiburg nach Konstanz damals hab ich, wenn es gut lief, 1h30min gebraucht. Man stellt sich hier also die Frage: „Hmm, was mach ich heut Nachmittag? Ein bisschen durch Ulm schlendern? Joh, warum nicht, liegt ja fast um die Ecke!“
Den Anfang unserer Tour machte der Pier von Qingdao – einem Wahrzeichen der Stadt, nicht nur, weil man ihn auf den Bierflaschen der Marke Tsingtau sehen kann. Er ist 440m lang und wurde eigentlich als Militärhafen von den Deutschen errichtet. Heute nutzen ihn Touristen oder ältere Chinesen, die nicht wissen, wo sie sonst einen Sprungturm finden können. Wir sahen einen Mann, der hinten bei der Pagode von der Mauer aus andauernd kunstvoll ins Wasser sprang. Warum auch nicht und das Publikum war ihm sicher ;).
Nach einem längeren Gespräch über Sinn und Unsinn schriftlicher Leistungen und Anforderungen im Studium, gingen wir nicht mehr auf den sich hinter uns befindenden Hügel, sondern gleich in Richtung einem leckeren Jiaozi-Restaurant, das Josefine am Vortag gefunden hatte. Jiaozi sind, für alle Unwissenden, im Prinzip kleine Maultäschchen. Mit Teig ummanteltes Fleisch und Gemüse (http://www.fongkee.com/images/dumplings.jpg). Aber die Bestellung war ein einziges Missverständnis, wie es schon lange nicht mehr vorkam. Da Josefine Vegetarierin ist und ich mit Fleisch hier auch keine guten Erfahrungen gemacht habe, wollten wir nur Gerichte mit Gemüse. Wir fragten also nach vegetarischen Jiaozi, bekamen welche mit Meeresfrüchten angeboten, bei denen wir die Krabben aber weglassen konnten. Soweit so gut. Meinen Wunsch nach angebratenen Jiaozi hat sie wohl auch nicht verstanden. Sie verwies uns auf den Menüpunkt shaokao, was sowas wie Grillen bedeutet. Zwar eigentlich nur im Zusammenhang mit Fleisch, aber ok, wer weiß. So gut kenn ich mich nicht aus. Sie zeigte uns einen Punkt auf der Karte und auch nach zweimaligen Nachfragen, bestätigte sie uns, dass dies ein vegetarisches Gericht sei. Die fünf fettigen, gegrillten Fleischspiese, die wir kurze Zeit später erhielten, sprachen eine andere Sprache! Und nicht mal lecker waren sie, weswegen ich sie einfach auf den leeren Nachbartisch positionierte. Erwähnenswert ist, dass der Kellner nach Abräumen der Essensreste, die sich neben meinen Fleischspiesen befanden, sich die fünf Spiese wieder schnappte und kurzerhand wieder auf den Grill legte. Endlich mal ein Chinese, der nicht so verschwenderisch mit Nahrungsmitteln umgeht ;). Das nächste Highlight war der Berg Muscheln, den wir auf den Tisch gestellt bekommen haben. Wir ließen ihn ungefragt zurückgehen, weil wir uns sicher waren es nicht bestellt zu haben. Einen Augenblick später kam die andere Bedienung zurück und meinte vorwurfsvoll, aber etwas hilflos, dass sie mich doch gefragt hätte, ob ich das wollte. Und nach kurzem Hin und Her wurde mir klar, dass sie die Silbe La meinte. Für mich hörte sich der Satz an, als wollte sie wissen, ob ich dieses eine Gericht scharf oder nicht scharf wollte. Was ich natürlich mit einem Ja quittierte. Wie soll ich denn erwarten, dass sie mich einfach frägt, ob ich noch Gericht XY bestellen möchte. Ou mann! Aber zu meiner Verteidigung: die Muscheln waren wirklich scharf, scheint also so, dass ich die Silbe richtig verstand. Nur eben nicht den Rest des Satzes ;). Naja, so sah ich mich also vor einem Berg Muscheln wieder (ca 2-3cm große), von denen ich bisher nie mehr als 10 gegessen hatte :P. Zu guter letzt kamen unsere vegetarischen Jiaozi, die zum Glück auch lecker waren. Dass wir aber den falschen Essig zum Tunken dazu nahmen, merkten wir erst, nachdem ich den ganzen Teller damit übergossen hatte. Aber es kann ja auch nicht alles perfekt laufen.
Auf dem Weg zur Bushaltestelle – wir wollten zurück in den anderen Teil der Stadt, in dem es diese Riesensupermarkt Jialefu, die Book City und die Bars gibt – trafen wir auf einen Mann, der Kalligraphie auf 30cm breiten Bändern schrieb. Da meine Wand im Zimmer immernoch ungemütlich kahl ist und ich auf der Suche nach etwas bin, fragte ich ihn kurzerhand, ob er auch meinen Namen darauf schreiben könnte. Klar, meinte er und bat mich ihn auf einen Zettel zu schreiben. Ich sollte mich neben ihn setzen und warten. Kurze Zeit später begann er auf einem postkartengroßen Stück Papier meinen Namen zu schreiben. Der Verdacht war groß, dass er wohl die Spruchbänder nicht hier anfertigte. Naja, ok. Zwar zu klein für die Wand, aber dennoch schön und nur 1Eur (10RMB) teuer. Aber dann schrieb er meinen Namen ein zweites Mal darauf, jedoch in einem anderen Stil und bat mich einen davon auszuwählen. Sichtlich verwirrt entschied ich mich für die klassische Variante. Daraufhin schrieb er auf eine weitere Postkarte meinen Namen in weitern zwei Stilen und bat mich nun von allen einen auszuwählen. Ich war sichtlich verwirrt, weil ich nicht genau wusste, was er von mir wollte und warum er nicht endlich begann ein großes Band zu beschriften. Mittlerweile gesellten sich andere chinesische Passanten zu uns und beobachteten das Geschehen. Nachdem ich mich für eine Variante entschied, gab er mir seinen Füller in die Hand und forderte mich auf den Namen schreiben zu üben. Das gab mir völlig den Rest und ich verstand nicht, was ich hier eigentlich tat. War er denn einfach nur nett zu einem Ausländer und ließ ihn bisschen kritzeln, bevor er mit der eigentlich Arbeit begann? Aber dann wurde uns langsam klar, was hier geschah. Ich befand mit an einem Stand, an dem Chinesen eine englische Unterschrift erhielten und üben konnten. Ich dagegen hielt eine Variante einer chinesischen Unterschrift in den Händen und übte meinen Namen als solche zu schreiben! Nun machte auch das Plakat unter den anfänglichen Kalligraphien Sinn, auf dem sich musterartig zick Unterschriften befanden.
Am Ende hielt ich also kein großes Spruchband für die Wand in den Händen, nicht mal ein Bild in Postkartengröße, sondern war in der Lage in Chinesisch stilvoll zu unterschreiben! Das war echt komisch. Aber das in Zusammenhang mit meinem Siegel! Höhöhö
Bis um 23Uhr oder so saßen wir nach diesem Ereignis bei Tommyboy, einer Kette, an der es verschiedene Sorten Kaffee und Tee gibt, welche geschmacklich vielleicht sogar mit dem teuren Starbucks konkurrieren können, doch das bin ich noch am Austesten. Sehr müde und wissend, dass ich am nächsten Tag früh raus müsste, wollte ich eigentlich in naher Zeit nach Hause fahren. Meine Begleitung war aber seltsamerweise nicht müde und wollte noch irgendetwas unternehmen. Da man schließlich nur einmal lebte und man nicht immer so spießig sein muss, willigte ich ein noch etwas zu machen. Keine 15min später lagen wir auf einem Massagetisch und ließen uns für 118RMB (12Eur also) 90min komplett im chinesischen/japanischen Stil massieren. Dazu gehörten fast jeder Teil unseres Körpers, eine Ölmassage am Rücken und das Herumlaufen mit ihren Füßen auf unserer Rückseite. Nach dieser Behandlung um halb 1 liefen wir entspannt in Richtung Meer, genossen das Rauschen und die Lichter der Stadt. Um 3Uhr nachts oder so, kam ich zu Hause an. Die Arbeit würde morgen ruhen, da war ich mir sicher. Besser mal wieder ausschlafen. Aber ich traute mich heut früh nicht dort anzurufen. Was wäre, wenn meine Lehrerin Han ans Telefon ginge?! Bestimmt wäre alles kein Problem gewesen, aber nun bin ich einfach nicht hin uns sage ihnen am Mo, dass ich krank war und wohl schlechte Meeresfrüchte gegessen habe (also die Hälfte der Geschichte stimmt doch!). Ich hätte sogar versucht sie telefonisch zu erreichen, aber hab ich die falsche Nummer?! Ob meine Gastmutter heute früh mitkriegte, dass ich das Haus nicht verließ?
Schön aber ist, dass ich mittlerweile die Nacht durchschlafen kann und nur nach 7Uhr laufend aufwache. Aber das ok ist.
Im Anhang noch ein paar Bilder. Man beachte die tollen Kostüme, die wir für die Massage erhielten und den Grad der "Verklatschtheit". Ua fotographische Experimente mit 15s Belichtungszeit. Um den Unterschied zu erkennen ist auch das mit normaler Belichtungszeit da.
stefanreiss am 18. September 09
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Die letzen Tage (bis 13.09.09)
Ok, was ist in den letzten Tag so alles passiert? Ich vergess alle Dinge, die sich dann vielleicht doch lohnen würden erzählt zu werden recht schnell, weswegen ich mir eine Stichwortliste erstellt habe.
Auf dieser steht zum Beispiel: Spinnen. Ich lief da so, mitten in der Stadt, Richtung Jialefu, ahnte nichts böses und erfreute mich an dem 50cm breiten Grünstreifen mit Bäumen, der neben der Busspur angelegt wurde. Doch bei genauerem Hinsehen, erkannte ich dicke, weißliche Fädengewirre darin. Immer wieder in den Lücken. Bei noch genauerem Hinsehen und einer gewissen Vorahnung, wer diese Fäden produziert hat, blickte ich abermals dem Schrecken ins Angesicht. Monsterspinnen – und nicht nur eine – die mich doch sehr stark in die beim Shaolin-Kloster erinnerten. Bäh!
Ich war das erste Mal schwimmen! Ganz nett, aber kalt und ich fand keine Möglichkeit einen Wasserball oder andere kleine Spielchen zu kaufen. Schwimmringe, Badeanzüge und Kinderspielzeug kein Problem, aber sonst gibts nichts. Dafür bin ich extra an jeder Straße vorbeigelaufen, bevor ich zum Strand einbog, in der Hoffnung, dass ich in der nächsten einen Supermarkt oder so finde. Leider ohne Erfolg, nur mit dem Ergebnis, dass ich die 3x Strecke von der Bushaltestelle lief. Umziehen konnte ich mich in einem schmuddeligen Gebäude, das Schließfächer, Massenduschen und Fitnessgeräte vor der Tür bot. Aber der Sand war super und wenn die Sonne scheint, macht es Spaß dort zu liegen.
Dann war dem letzt mal irgend ein Feiertag. Nur daran erkennbar, dass man im Laufe des Tages immer wieder lautes Böllergeknalle hören konnte. Boah, das erinnerte mich nur wieder daran, dass ich mir auch unbedingt welche besorgen muss. Raketen gabs auch immer wieder welche. Eine Session davon wurde zwischen den zwei Gebäuden neben meinem Hochhaus gestartet. Nachts um 23Uhr oder was. Es gab einen lauten Knall, bunte Lichter am Himmel und seltsame blinkende Lichter auf dem Parkplatz. Was war denn da unten los und weswegen tutet es so laut? Es lag daran, dass durch den lauten Knall der ersten Rakete lauter Alarmanlagen der Autos aktiviert wurden. Allein von meinem Fenster aus waren es 11 Autos, die sich mit ihren Lichtern und Geräuschen dem bunten Treiben am Himmel anschließen wollten.
Ein anderer Feiertag wurde in meinem Kindergarten bekannt gegeben. (Kleiner Hinweis: Zwar alles Feiertage, aber normale Arbeitstage) Es war der Tag der Lehrer. Dafür kam irgendein jüngeres Mädel zu uns, die den Kindern mit ihrem zu leisen Handy und ihrer schlechten Stimme ein Lied vortanzte. Das ganze war so lächerlich und weil sie ein recht kurzes T-shirt anhatte, war das einzige, was meine Aufmerksamkeit errang, die schwarzen Haarbüschel, die aus ihren Achseln ragten. Bah, wie schrecklich. Ich konnte einfach nicht weggucken =/ . Nachher mussten wir sogar mitmachen und seltsamerweise kannten meine Kolleginnen das Lied und den Tanz schon.
Dass das wohl doch kein selbstüberlegter Unfug dieses Mädels war, belegte sich gestern. Alle Mitarbeiter des Kindergartens machten einen Tagesausflug. Und anstatt Wandern oder ein anderes Abenteuer, landete ich in chinesischer Erlebnispädagogik. Ich sah mich in einem Raum wieder, in dem mit seltsam albernen Spielchen die Gruppe aufgelockert werden sollte und wir uns ein Gruppenlied, -name, -motivationsspruch und –flagge ausdachten. Oder besser die anderen. Ich verstand rein sprachlich einfach nur Null und langweilte mich demnach. Das war leider auch während des Tages öfters der Fall. Insgesamt machten wir 6 Spielchen, welche Gruppenzusammengehörigkeit, Teamwork, Motivation und Überwindung demonstrieren sollten. Also ganz klassisch das sich zurückfallen lassen in die Arme der anderen, auf einer 10m hohen Planke auf eine 1m entfernte Springen, Von einem 10m hohen Stamm zu einem Trapez springen oder andere Dinge. Das Gespräch nach solchen Übungen ist hier das wichtigste und genau das habe ich nie verstehen können. Schade eigentlich. Doch wenigstens fragte mich der Leiter, weswegen ich so ein großes Herz hätte. In China hat man ein großes Herz, wenn man mutig ist. Das fragte er deswegen, weil ich bei den hohen Sprungsachen keine Angst zeigte und sie recht schnell absolvierte. Hehe :). Aber die Erklärung ist recht einfach: Weil ich ganz genau weiß, dass ich gesichert bin. Den andern war das irgendwie weniger bewusst.
Ein weiterer negativer Punkt war der Zwang in der Sonne stehen zu müssen. Es war so heiß und die Aufgaben lagen immer in er prallen Sonne. Ich wollte immer in den Hintergrund und somit Schatten verschwinden, wurde aber immer wieder zurückgepfiffen, damit ich mit den anderen dem aktuellen Akteur zujubeln kann und ihn motivieren. Ein Sonnenbrand ist Zeuge dieser Untat ;).
Das Essen war aber lecker, die Aussicht atemberaubend (direkt am Meer mit Bergen im Hintergrund) und ich hab nun einen viel besseren und engeren Draht zu meinen Kolleginnen. Achja, ich war den Tag über sogar der Fahnenträger ;).
Bewundert hab ich den Enthusiasmus vieler von ihnen bei den Aufgaben und der Motivation. Die waren voll dabei, wenn man den Gruppenspruch laut rief. ZB während man die Hände auf dem Rücken des Nächsten legt, um ihm Kraft und Motivation zu geben. Oder wenn man nach der Aufgabe glücklich durch die Reihen läuft und alle mit einem „Yeah“ in beide Hände klatscht.
Heute, am Sonntag, ruhte ich mich erstmal ausgiebig aus, um Schlafmängel auszugleichen. Josefine, Tim und ich sind zum „Alten Steinmenschen“ gefahren, waren in einer Algenzucht spazieren und sind danach zum Strand nochmal Baden. Da ich keine Badehose dabei hatte, musste ich mit meiner schwarzen Boxershort improvisieren. Diese ist aber schon kampferprobt, weil ich mit so einer schon in Konstanz baden war. Nur trocken wurde sie nicht mehr schnell genug ^^. Noch ein Highlight gabs in der Algenzucht. Das waren mehrere vom Meer mit Steinen abgetrennte Becken, zwischen denen ich mit meinen Flipflops gelaufen bin. Leider war dies das Zuhause von Tausenden mutierten Kellerasseln. Es wuselte so sehr von diesen Viechern, dass bei jedem meiner Schritte ein Schwarm in die nächstbeste Ritze verschwunden ist. Ohne dieses Auseinanderdriften hätte ich keinen Schritt machen können, ohne welche zu töten. Manchmal war das schon bisschen eklig.
Jetzt sitz ich hier und warte auf Josefine, die mit mir hier isst und telefonier zwischendurch mit Daniel aus meinem Wohnheim. Durch peterzahlt hab ich so die Möglichkeit noch Kontakt mit ihm zu halten und erfahr die neusten Geschehnisse aus Freiburg oder den Inhalt wichtiger Briefe von mir.
Guten Appetit,
Stefan
stefanreiss am 14. September 09
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Immer mehr Arbeit und toller Besuch (bis Mi, 09.09.09)
Heh, 09.09.09, was für ein tolles Datum! Mir noch gar nicht aufgefallen! :)
Ich glaub', die spinnen. Aber typisch chinesisch...normalerweise sollte ich nur 2x die Woche jeweils 30min die Kinder Englisch unterrichten, kein Problem also. Am Mo kamen sie dann und meinten, dass ich nun 3x die Woche unterrichten solle...also gut. Doch dann kam die Frau am nächsten Tag wieder und berichtete mir, dass der Plan abermals geändert wurde. Ergebnis: Jeden Tag! Hallooo? Gehts noch und warum sagt ihr mir das nicht gleich? Vor allem dieses Hintenrumgetue regte mich im Nachhinein wirklich auf. Zudem die Frage, was ich die dann lehren soll. Bei 2x die Woche schaffe ich es vielleicht mich mit Spielen und wirklich einfachen Dingen durchzumogeln (ist ja auch meine Aufgabe). Aber bei jedem Tag Unterricht ist dieses Material vielleicht nach nem Monat aufgebraucht, und dann? Dann bin ich ja wirklich auf einen Lehrplan, ein Konzept angewiesen, welches ich zum einen von denen erhalten müsste aber wenn nicht, ich mir selbst besorgen müsste, aber ja in dem Buchladen schon nichts gefunden habe. Doofe Sache...Doch Ende gut, alles gut. Mein Versuch mir in meiner Lehrerin und diesem Mädel, das halt irgendwie immer da ist, ich sie aber nicht verstand warum, Verbündete zu suchen, scheint funktioniert zu haben. Ich klagte ihnen halt mein Leid, in der Hoffnung sie würden mich verstehen und auf „meiner“ Seite stehen. Zumindest sagte sie mir heute früh, dass sie mit der Chefin gesprochen hätte und das alles Unsinn sei, ich immer noch Di und Do nur unterrichten würde. Häh, und wieso nun auf einmal doch? Hm, egal, Hauptsache es klappt. Ich vermute mal stark, dass die Chefin von diesen „neuen“ Regelungen gar nichts wusste und das auf dem Mist dieser einen Mitarbeiter wuchs. Da fällt mir noch die Geschichte ein, dass ich vor ner Woche die Chefin sprechen wollte, um ihr mein eigentliches Vorhaben darzulegen, ich aber nicht den Ausdruck für Chefin wusste, sondern nur einen umganssprachlichen, der übersetzt „Altes Brett“ bedeutet. Ein bisschen peinlich die Mitarbeiterinnen das zu fragen. Manche von ihnen kannten diesen Begriff nicht mal -.- .
Gestern Abend war ich mit paar Mädels im Tai Dong Nachtmarkt, einem großen Tourigebiet, in dem es allerlei zu kaufen und eine sogenannte Bierstraße gibt, shoppen. Zusammenschraubbare Stäbchen waren meine einzige Ausbeute, aber die sind schon praktisch. Eine Tasche fand ich erst heute, damit ich endlich mal ein paar Sachen mitschleppen kann, ohne gleich den riesigen Rucksack nehmen zu müssen.
Meine Jacke hab ich immer noch nicht wieder gefunden. Mein schwarzes Dieseljäckchen. Das wollte ich nach den 4 Monaten eh hier lassen, aber solange wollte ich die noch benutzen! Fragt mich ja nicht, wo die sein kann. Hab die erst einmal getragen, total seltsam!
Nachdem es gestern so windig und kalt, dass ich leicht frieren musste, war es heute wieder heiß und sonnig. Zudem kam Besuch aus Deutschland zu mir. Josefine, eine Kommilitonin aus Freiburg, die in Dalian einen Sprachkurs wie ich letzten März besuchte, reist einen Monat durchs Land und macht momentan Zwischenstopp in Qingdao. Weil ihr Hostel am anderen Ende der Stadt, in dem Teil, in dem die Deutschen damals ihre Stadt Tsingtau gründeten, kam ich in den Genuss diese Gegend anzuschauen. 1,5h brauchte ich, bis ich bei ihr war. Aber es lohnte sich. Wir sind ewig viel umhergelaufen, sahen so aber recht viel dieser Gegend. Von der deutschen Kolonialzeit, die 1917 endete, steht halt nicht mehr allzu viel in Qingdao. Der Bahnhof, eine Katholische Kirche, die Brauerei und paar mehr (Herrschafts-)Häuser. Zwischen diesen zu wandeln ist wahrlich lustig, weil man sich super vorstellen kann diese Gebäude exakt so in Deutschland zu sehen.
Da meine Bilder vom Handy teilweise sogar ansehnlich sind, lad ich n paar Bilder mit hoch. Ab sofort lass ich meine Kamera aber nicht mehr zu Hause! Der Strand ist übrigens der hier gleich um die Ecke, nennt sich „Alter Steinmensch Strand“, weil es an dessen Ende einen Felsen gibt, der wie ein alter Mann aussieht.
stefanreiss am 10. September 09
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