Montag, 7. September 2009
Horrorgeschichten
Heut' hab ich mich mit einer Marokkanerin, die auch ein Praktikum hier macht, getroffen. Boah, hat die mir Schreckensgeschichten über andere Praktikanten, deren Familien und der Organisation an sich erzählt! Sie zahlt zB für ihr Appartment 600Eur, obwohl vergleichbare sonst 200-300Euro kosten. Oder dass manche in ihren Familien den Kindern jeden Tag ne Stunde Englisch beibringen sollen und das sogar in dem Vertrag mit der Familie als Bezahlung für den Aufenthalt stehe. Obwohl man als Praktikant davon nichts wusste und denkt, dass die monatlichen 100Eur an die Familie gehen. Sie hat mir einiges erzählt, bei dem ich natürlich nie weiß, in wie weit es stimmt. Aber auch von anderen Quellen hab ich ähnliches gehört.

Ihre Hauptaspekte:

- Die Mitarbeiter der Agentur seien nur vordergründig so nett und verständnisvoll. Wenn es ernst wird, sieht es anders aus.
- Die behalten einen Haufen mehr Geld, als was sie eigentlich sollten. Laut der Marokkanerin muss man nur einmal 240.- für die Prakikumsvermittlung zahlen. EInmal am Anfang, also es sei egal, ob man länger bleibe. Aber ich zB zahle diese 240.- auch jeden Monat. Was davon wohin geht, weiß ich nicht. Oder ob ich am Anfang hätte sagen können, ich würde nur einen Monat bleiben und mir dann den Rest selbst organisiert hätte... .

Mein Fazit:

Hoffen, dass ich nie Probleme haben werde und alles selber regeln kann.

Zwar bisschen doof, weil ich denen ja n Haufen Geld dafür geb, aber immerhin besser, als am Ende noch mehr gezahlt zu haben. Ich kann mich ja sonst nicht beklagen. Habe mit meiner Familie riiiesiges Glück gehabt, vor allem, nachdem ich nun weiß, was einen sonst erwarten kann!! Hoffe nur, dass dies auch so bleibt.

Mittlerweile soll ich im Kindergarten übrigens 3x die Woche ne halbe Stunde unterrichten. Aber mit welchem Material? Die haben nur ein seltsamen Englischbuch, dass ich mir mal genauer ansehen muss. Aber prinzipiell ist es völlig meine Entscheidung. Muss mir nun also einen Lehrplan erstellen....Gottes Willen! In einem riesigen Büchergeschäft fand ich heute leider keine Lehrbücher, die für Kinder ihres Alters geeignet wären. Schade, dass ich nichts in Beijing gekauft habe. Dafür hab ICH mir ein deutsches Chinesisch-Lehrbuch gegönnt, dass mir eine Chinesisch-Dozentin empfohl. Eine komplett neue Reihe, aus der wir in dem Intensivkurs in Freiburg Material entnahmen.

Toi toi toi also, dass bei mir alles klappen wird. Mit der Visumsverlängerung muss ich mich irgendwie auch selbst drum kümmern. Das ist zwar tierisch nervig und aufwendig, aber mir kam zu Ohren, dass die Leute über die Agentur 70Eur zahlten, aber es eigentlich nur 16.- kosten würde. Das ist mir, ehrlich gesagt, zu unsicher, deswegen frag ich die erst gar nicht! Aber das wird noch ein bisschen knifflig, weil ich ja einen Monat länger bleib, als was ich Praktikum mach.

Das bringt mich zu dem nächsten Punkt, dass ich mit dem Gedanken spiele meine Forschung so schnell wie möglich zu Ende zu bringen, um das Praktikum eventuell früher zu beenden. So wirklich bringt es mir nichts, glaub ich zumindest bisher. Denn zudem wurde ich heute aufgefordert auch in der restlichen Zeit mit den Kindern Englisch zu reden und ihnen Dinge in Englisch zu beizubringen. Aber ich weiß nicht, wie die sich das vorstellen. Denn die verstehn mich ja Null und immer, wenn ich anfange auf ein Ding zu zeigen und es zu bennenen, schaun sie mich kurz an, verlieren das Interesse und widmen sich anderen Dinge. Aber was sollte auch sonst passieren? Aaaaach, ich weiß noch nicht. Mal schaun, was die Zeit so bringt. Auf jeden Fall bin ich jetzt Englisch Lehrer und muss mir was einfallen lassen. Wenn man didaktisch und pädagogisch nichts weiß, ist das natürlich ein Kinderspiel :P.

Der 2h Spaziergang gerade eben mit Andine, einer anderen Praktikantin, die nächste Woche wieder heimfährt, war auf jeden Fall schön und ne nette Abwechslung. Außerdem lertne ich so die Gegend um die Bier-Stadt bisschen kennen. Heute wars aber ziemlich kalt und windig! Hoffe, das wird wieder, damit ich mal schwimmen kann!



Samstag, 5. September 2009
Ein durchwachsenes Wochenende (05.+06.08.09)
Das Wochenende begann gut. Im Kindergarten erreichte ich bei meiner Lehrerin abermals eine neue Ebene und werde nun von ihr nicht nur als Englisch-Teacher, sondern auch als Klavier-Teacher bezeichnet. Hallooo? Im Grunde lag es nur daran, dass ich ein von ihr beigebrachtes Kinderlied schnell lernte und die drei Akkorde, die man mit der linken Hand spielt ein wenig aufteilte und man sie mit zwei Händen spielt. Bei einem Duett hört sich das schöner an. Also wirklich nichts besonderes, aber ihr scheints gefallen zu haben. Naja ^^:

Freitag war nun der erste Abend, an dem wir Tanzen gehen wollten. Um uns "aufzuwärmen" kauften wir n paar Dosen Bier und setzten uns gemütlich an die Strandpromenade Qingdaos, mit herrlichem Blick auf dessen Wahrzeichen und den bunt blinkenden Hochhäusern. Selbst blinkende Drachen gab es zu bewundern. Das erste Mal, dass ich so was sah, obwohl ich mich wundern müsste, dass diese nicht weiter verbreitet sind. LEDs an Drachen eigentlich eine logische Folge in China.
Da Bier allein aber zu wenig hergibt, außer man trinkt es in Massen, gönnten wir uns noch eine 125mm Flasche Baijiu, also diesem weißen, 60%igem Schnaps, den ich schon letzten März kennenlernte. Kostet ja nur 30ct ;). Eigentlich wollten wir die Flasche ja nicht leer machen, aber irgendwie war sie es dann doch ^^.

Angeheitert fuhren wir in Richtung einer Gegend mit einigen Weggehmöglichkeiten. Während der Busfahrt musste uns ein Kind, das auf dem Schoß seines Vaters war, unentwegt anstarren. Es war aber sehr schüchtern und verschränkte die Arme vor den Augen, als es von Tim angeschaut wurde. Er nutzte die Gelegenheit und wollte mit dem Kind scherzen. Dafür ging er recht nahe an das Gesicht des Kindes heran und wartete bis es die Arme wegnahm. Aber der Versuch ging nach hinten los. Das Kind erschrack sich fürcherlich und musste bitterlich anfangen zu weinen und zu schreien. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lustig das für mich war. Vor allem in meinem eh schon sehr fröhlichen Zustand.

Die Bar Le Beng fanden wir dieses Mal zum Glück. Wir suchten sie schon am Abend zuvor, und ehrlich gesagt waren wir letztes Mal nur zu blind, denn wir sind schon 2x daran direkt vorbeigelaufen oder haben in dem direkt daneben liegenden Supermarkt eingekauft. Aber dennoch blieb unsere damalige Suche erfolglos. Dieses Mal aber nicht. Ich fand den Abend super. Es kam gute Musik, die Preise warn ok und ich hab nette neue Leute kennen gelernt. Tim hats jedoch weniger gefallen, weil er nicht damit rechnete, dass die Bar DER Ausländertreff ist. 75% oder mehr Nicht-Chinesen, davon bestimmt 80% Deutsche. Aber wat solls, hauptsache die Stimmung ist gut. Wir gingen zwar auch in zwei Chinesendiskos, aber in der einen gabs ne Razzia und die andere war ein Neureichen-Treff, in dem es keine Tanzfläche gab, sondern nur Tische und in dem man nur teure Gedecke bestellen kann. Also solche Lokalitäten, die es auch in Dalian gab.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich wandern gehn. Da ich aber die Zeit nicht wusste, ließ ich mir einen Zettel schreiben. Dummerweise stand da nicht ne Uhrzeit drauf, sondern er war voll gekritzelt mit einem ganzen Text. Wuuuuaah, wie soll ich das denn lesen? Zumindest an diesem Abend hab ichs nicht mehr hingekriegt. Am nächsten Morgen stand ich um 9Uhr (Restalkohol jedoch inklusive) selbständig auf (geweckt wurde ich bis dahin nicht, seltsamerweise) und versuchte es nochmal mit dem Text und erfuhr, dass diese Wandergruppe immer Sonntags und nicht Samstags in die Berge ginge. Zudem aber diesen So es ausfiele, weil sie zu einem Weinfest gingen. Ich war total stolz auf mich, dass ich bis auf 2x nachschlagen alles verstanden habe. Das lustigste war, dass eine Redewendung benutzt wurde, die ich erst einen Tag zuvor zufällig gelernt hatte.

Ok, was nun machen? Ich wusste es nicht. Dafür ging ich am Abend mit den Deutschen aus der Sprachschule in einen Karaoke-Club. Das sind Lokalitäten, in denen man sich einen Raum mieten kann, der mit Sofas, einem Fernseher, bunten Lichtern und einer Karaoke-Maschine bestückt ist. Getränke kann man sich auch bestellen und hat somit einen eigenen Party-Raum. Hat auch Spaß gemacht. Es gab zwar weniger englische als chinesische Lieder und manchmal davon nur sehr seltsame Cover-Versionen mit alternativen Videos, aber Abba gab es zum Beispiel. Was will ich mehr? Und nach nem Fläschen Baijiu lässts sich sowieso prima singen ;-)

Ich war nur ein wenig unsicher mit dem Alkohol, weil mein Magen ersten nicht so ganz will und ich zweitens ja am nächsten Tag zum Weinfest ginge. Was da passieren würde, müsste klar sein. Aber es kam alles ganz anders. Zum Mittagessen fragte ich meine Gastmutter ob eine Freundin, die ich gestern kennen lernte und hier ganz in der Nähe wohnte, auch zum Fest mitkönnte. Anfangs blickte sie mich ein wenig verwirrt an, was daran lag, dass diese Gruppe nicht um 7Uhr abends dahin fahre, sondern 7Uhr morgens! Wie bitte? Aber warum fährt man um diese Uhrzeit auf ein Weinfest?! Also hatte es sich damit erledigt.
Alternativen? Keine wirklichen. Wollte mich mit dem Mädel treffen, das kam aber auch nicht zu Stande, deswegen blieb ich den ganzen Sonntag zu Hause. Schrecklich... .
Aber hey, mein Gastbruder hat morgen Geburstag. Und weil er den ganzen Tag an der Schule sein würde (heute Abend und gestern war er es übrigens auch!) und man somit keine Zeit zum Feiern haben würde, wurde sein Geburtstag einfach vorgelegt! Deswegen gab es nach einem reichhaltigen Mittagessen Kuchen vom Konditor. Eine truamhaft verzierte Torte mit Rosen oben drauf. Der Kuchen war in einem Karton verpackt und besaß kleine Papptellerchen, einen Tortenheber und Platikspieße, damit man direkt mit Essen beginnen konnte. Aber das hintert Chinesen auch nicht daran den Kuchen mit Stäbchen zu essen. Unglaublich... -_- . Jedoch lecker war er ^^.

Da ich mich nun mit niemanden mehr getroffen habe, schaue ich Mall Cop im Internet, fernsteuere Ahmets PC und rette ihn vor der Totalzerstörung und triste mein Dasein, bevor ich ins Bett geh, um morgen meiner Tätigkeit als Alleskönner (haha) nachzugehn.

Gute Nacht, Freunde!



Donnerstag, 3. September 2009
Eine neue Ebene erreicht (Do, 03.09.08)
Die Sonne scheint, ich hör chinesische Rockmusik und habe gerade mein zweites von vielen Eissorten probiert. Unten vor den Hochhäusern gibts einen kleinen Ich-führe-alles-von-Gemüse-über-Springseile-bis-Hühnerfüße-Supermarkt. Da ein Eis am Stil hier bei 5ct beginnt, aber manchmal sogar 13ct kostet, kann man hier richtig günstig dick werden ^^. Ne Spaß, aber zumindest gibts so viele Sorten, die alle mal probiert werden wollen. Ich muss mich nur vor dem Bohneneis mit ganzen Stückchen in Acht nehmen...aber sonst... . Heute gabs Milcheis (meinte er zumindest XD) mit Rosinen. Sehr lecker!

Aber ok, was ich eigentlich erzählen wollte, ist, dass ich im Kindergarten eine neue Ebene erreicht habe mit meiner Lehrerin. Ich brachte heute mein eigentliches Anliegen vor, weswegen ich in dem Kindergarten bin und glücklicherweise stimmte die Leiterin zu! Am Anfang war es irgendwie seltsam in meiner Ecke zu sitzen und nichts wirklich zu machen, als mal den Tisch zu decken oder abzuräumen. Demgemäß wusste die Lehrerin (sie ist übrigens erst 21 Jahre alt, also keine ältere Frau) irgendwie nicht, was sie von mir halten sollte. Aber das ist nun soweit geklärt. Zudem bin ich jetzt ihr English Teacher und sie meine Chinesisch Lehrerin. Heute begannen wir schon damit ein wenig intensiver uns gegenseitig was beizubringen. Und dann spielt sie ja noch Klavier, auf dem ich ihr heute das Heart and Soul Duett beigebracht habe. In etwa das selbe, dass ich mit meinen Schwestern gespielt habe. Das bringe ich ihr nun bei und sie mir im Gegenzug chinesische oder koreanische Lieder.

Das heißt nun, dass meine Zeit dort endlich Spaß macht und ich was sinnvolles mache. Die restliche Zeit über lerne ich Vokabeln und beobachte die Szenerie, um dann doch noch was für meine Forschung zu tun.
Jedenfalls sieht sie mich nun mit ganz anderen Augen. Der Respekt ist (oder scheint mir zumindest) größer zu sein und es ist viel herzlicher, nicht so unpersönlich. Davor unterhielten wir uns auch nie wirklich, weil ichs noch nicht gut genug kann.

Achja, mein Englisch Unterricht war heute auch super. Man bekommt langsam ein Gefühl dafür, mit welchen Methoden man die Kinder motiviert. Zwar ist der Lernerfolg dabei nicht allzu groß, aber das muss er in ihrem Alter ja gar nicht sein. Außerdem bin ich froh, wenn die Kinder glücklich sind und die Leitung des Kindergarten somit mit mir zufrieden. So what... :P