Nichts zu tun
Ok, so wenig ist es vielleicht auch nicht, aber im Kindergarten doch fast. Ich sitz halt rum und suche Beschäftigung. Aber ich weiß nicht, ob die irgendwas von mir erwarten, weswegen ich mir ein wenig blöd vorkomme! Aber mit meinen wenigen Sprachkenntnissen, kann ich auch nicht wirklich was machen. Denn so gut wie alles erfordert ein Gespräch mit den Kindern, was aber nicht möglich ist. Morgen werde ich daher zur Leiterin gehen und ihr sagen, dass ich eigentlich wegen der Forschung hier bin und ob sie einverstanden sei. Dann ist es wenigstens in Ordnung, wenn ich in der Ecke sitz und Chinesisch lern und in mein Notizblock schaue. Morgen gehts nur nächsten Englischstunde =/, aber ich hab ein Lied im Internet gefunden, bei dem man verschiedene Körperteile durchs Singen erlernt. Das wird hoffentlich was.
Gestern Abend bin ich zum ersten Mal in die Stadt gefahren. Ich traf mich mit einem Deutschen (Tim), der auch ein Praktikum macht. Wir aßen zusammen, gingen in Bars und fanden einen DVD-Laden. Dort in der Innenstadt ist wenigtstens Leben! Nicht so wie hier draußen in der Einöde...Ich nutze gleichzeitig die Chance in der Stadt zu sein und ging groß Einkaufen. Nun kann ich eine schicke Tischlampe mit gelber Birne!, einen speziellen Tee-Trinkbecher, einen Rasierer (hab meinen auf dem Waschbecken liegen lassen -_- ) und diverse Kleinigkeiten und Süßgeiten mein eigen nennen! So ein Licht macht das Leben deutlich angenehmer und außerdem kann ich nun ohne weiteres im Bett lesen oder noch abends was lernen.
Der Tag heute war geprägt von der Suche nach einem Fitnessstudio und meinem Spaziergang zum Meer. Meine Praktikumsstelle liegt ja nur 10-20min zu Fuß davon entfernt, eine Schande also, wenn ich das nicht nutze! Und nun weiß ich definitiv, dass ich nochmal dort hin muss an einem sonnigen Tag: Sandstrand! Man muss sich nur den Müll wegdenken, der immer mal wieder dort rumliegt ^^. Gerade eben sind meine Gasteltern extra mit mir zu einem ihrer Fitnessstudios gefahren, damit ich es mir anschauen konnte. Das Studio bietet wirklich einiges, aber eine 30er-Karte kostet stolze 1800Yuan, was 6Eur pro Besuch entspricht. Bei 2x Training die Woche wären das 48Euro im Monat. Das weiß ich noch nicht, ob ich das mache. Effektiv wäre es schon, aber soviel Geld habe ich nun auch nicht und die Rumreiserei im Dezember wird nicht billig. Leider ist auch der Fitnessraum in einem mega, super, schicken Hotel, den ich heute Mittag aufsuchte, so teuer und bietet sogar noch viel weniger. Ich denke deswegen, dass ich mir dafür lieber selbst ein Hantelset kauf und im Zimmer trainiere...naja, mal noch überlegen.
Mit meiner Familie verstehe ich aber super. Heute meinte sie sogar, als ich mich für die Begleitung bedankte, dass wir doch nun eine Familie seien. Ich versuche auch mich möglichst angemessen zu verhalten. Laut grölendes Rumgebrülle im besoffenen Zustand nach einer durchzechten Nacht lass ich dann wohl lieber bleiben ;).
Das Essen ist soweit auch lecker, wenn man den ungewohnten Geschmack an sich ungeachtet lässt. Durch die Nähe zum Meer, gibt es jedes Mal mindestens ein Gericht mit Meeresfrüchten. So kam ich mittlerweile schon in den Genuss Muscheln zu essen oder kleine Tintenfischchen. Nur einen normalen Fisch mit Gräten lässt sich einfach nicht mit Stäbchen essen. Eine Tortur!
Achja, einen Hausschlüssel besitze ich mitterlweile auch und eine Karte zum Busfahren, damit ich nicht immer passendes Kleingeld dabei haben muss. Man wirft das hier meist in eine Box beim Busfahrer. Aber wenn mans nicht passend hat, hat man eben Pech und muss mehr bezahlen! Deswegen bin ich auch schon nächsten Minihändler an der Bushaltestelle gegangen, um mir irgendeinen Mist zu kaufen, nur damit ich Kleingeld rauskriege.
Und sonst? Hmmm, irgendwas war glaub noch. Aber mir fällts nicht ein. Egal.
Achja, dieses Bierfestival noch. Das Gelände wird nicht für das einmalige Fest im Jahr hergerichtet, sondern dort stehen das ganze Jahr über Fahrgeschäfte. Nur völlig verlassen und ungenutzt. Das Gelände heißt Bier-Stadt und so auch die Bushaltestelle daneben. Ob das Gelände öfters als einmal im Jahr genutzt wird, weiß ich noch nicht.
Hey, meine Gastmutter hat mir schon wieder geschnittenes Obst gebracht. So war das bisher jeden Abend. Ist ja schon fast so gut wie zu Hause, aber nur fast! :)
Doch bestimmt macht sie das nur jetzt am Anfang, um sich einzuschleimen!...
Spaß! ;)
Ok, nü aber jut.
Hasta luego oder 回头见!,
Stefan oder 米赛凡 (mi saifan)
stefanreiss am 02. September 09
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Erster Arbeitstag (Mo, 31.08.09)
Mein Arbeitsplatz ist zum Glück doch so nahe, wie mir gesagt wurde. Die erste Gastfamilie war 6km davon entfernt, jetzt sind es nur noch 3km. Leider ist sind meine Wohnung sowie die Arbeitsstelle zwar in einer ruhigen und sauberen Gegend, doch weit ab vom Schuss und vom Zentrum der Stadt.
Der Chinese, der mich auch schon vom Bahnhof abholte, brachte mich heute zum Kindergarten. Dafür sollte ich anfangs in deren Büro kommen, stieg zwar an der richtigen Haltestelle aus, aber war nicht in der Lage das Gebäude zu finden. Nur sporadisch scheinen Nummern und Namen an den Wänden zu stehen. Auch ein Anruf bei ihm half nicht weiter. Die Dinge, die ich in Reichweite sah, sagten ihm alle nichts. Deswegen lief ich halt noch ein bisschen fröhlich um den Häuserblock, las auf meiner Karte oder fragte Passanten, die mir letztendlich das richtige Gebäude zeigten. Im Nachhinein merkte ich dann, dass es genau das selbe Gebäude war, von dem ich dem Chinesen ein Ladenschild beschrieben hatte, in der Hoffnung, dass er es kenne.
Die Mädels auf der Arbeit sind alle sehr nett. Ich schreib extra nicht Leute, weil ich bisher noch kein männliches Objekt in dem Gebäude gesehn habe. Ich wurde einer Lehrerin zugeteilt und begleitete sie in ihre Klasse, die den malerischen Namen 馨馨班 (xinxin ban) trägt, was Duftende Klasse/Gruppe bedeutet. Dass die ganze vorherige Organisation nur brüchig funktionierte, bemerkte ich daran, dass die Leiterin noch meinte, ich würde bis 17Uhr arbeiten. Aber das ließ sich ohne weiteres Nachfragen wieder auf 12Uhr abändern.
*Mein Gott*
Zwischenmeldung: Ich sitz gerade wieder im 5. Stock meines Hochhauses und hör immer wieder die Leute, die unten rumlungern. Also ich sag mal so: Das, was er sich da gerade durch den Hals hochgezogen und ausgespuckt hat, kam von gaaanz weit unten, wenn ihr versteht was ich meinte.
*Zwischenmeldung Ende*
Ich ging also mit ihn diese Gruppe ohne irgendwelche Anweisungen zu erhalten. Deswegen saß ich den Tag über in einer Ecke, beobachtete das Geschehen, half bei Aufforderung oder wenn ich selbst die Möglichkeit sah. Es wurde gesungen, gemalt, geschlafen (nach dem Essen, was übrigens sehr lecker war, legen sich alle für 2h aufs Ohr) und frei gespielt. Nachdem das Eis aufgetaut war, waren auch die Kinder nicht mehr so schüchtern. Aber es ist wahnsinnig schwer sie zu verstehen. Zum einen fehlen mir einfach viele Vokabeln und zum anderen sprechen sie manchmal sehr leise und undeutlich, vor allem, wenn sie noch etwas kleiner sind.
Meine Gruppe besteht aus nur 7 Kindern, wobei ich nicht weiß, wo ich morgen sein werde. Der Umgang mit ihnen ist sehr herzlich. Es wird geholfen, gelobt oder über den Rücken gestreichelt. Aber er kann bei Ermahnung aus streng werden, wobei nicht zurückgeschreckt wird das Kind vor der Gruppe offen zu ermahnen.
Da die Betreuerinnen Lehrerin Sounso angesprochen werden, nannte mich die Beutreuerin meiner Gruppe folgerichtig Teacher, wenn sie mich ansprach ^^.
Insgesamt betrachtet war es aber eher langweilig für mich. Ich bin gespannt, was ich sonst zu tun haben werde. Doch bin ich gezwungen mehr Vokabeln zu lernen und endlich ein Notizbuch zu kaufen, damit ich a) neue Vokabeln notieren und b) Notizen für meine Forschung machen kann. Das bringt mich auch gleich zu dem Punkt, dass ich für diese Forschung unbedingt noch was lesen muss, damit ich bald damit beginnen kann gezielt Beobachtungen durchzuführen.
Morgen Nachmittag gehts dafür in den großen Carrefour, in dem ich außerdem eine Nachttischlampe kaufen möchte. Ich hab hier nur eine, die schon beim schief Anschauen den Hals krumm legt und nicht mehr viel mitmacht. Denn in dem Zimmer gibt es, weil es ein Büro ist, nur eine kalte, weiße Neonröhre, die unglaublich schrecklickes Licht produziert. Hmm und wenn ich mir die Wände hier anschaue, wären Poster auch nicht verkehrt. Nachdem dies alles erledigt ist, treffe ich mich mit einem Deutschen am Abend, um ein Bier trinken zu gehn oder so. Freu mich schon mal wieder unverkrampft und locker palabern zu können.
Also, haltet die Ohren steif!
stefanreiss am 31. August 09
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Oktoberfest in China (So, 30.08.09)
Gerade eben waren wir auf dem Internationalen Bierfest von Qingdao - quasi dem Oktoberfest von China, wenn auch nicht von der Größe, aber von der Art. Und es gab alles, was es für ein gutes Fest bedarf: Bierzelte, Fahrgeschäfte, kleine Händler, Essen, Bier, laute Musik, viele Leute, Trinkwettbewerbe und bunt blinkende Dinge, die man auf dem Kopf tragen kann ^^.
Ich musste die ganze Zeit schmunzeln, als ich dort entlang lief. Alle großen Marken waren vertreten: Stuttgarter Hofbräu, Paulaner, Erdinger, Bitburger, Heineken, Claussener, Krombacher und noch paar mehr. Im HB Hofbräu Bier München kehrten wir schließlich ein und gönnten uns einen Krug Bier. Den durfte zwar ich schier alleine leeren, weil mein Gastvater und -bruder nicht so viel zu trinken scheinen, aber der Abend war definitiv eine mords Gaudi! Auf Bühnen gaben mega laut Sänger ihr Talent zum Besten und die Masse machte kräftig mit. Der Sänger in unserem Zelt konnte den Leuten gut einheizen, was vielleicht daran lag, dass er nach fast jedem Lied für das Publikum - jaja, natürlich ^^ - einen Becher Bier exte. Was aber völlig fehl am Platze für eine gute Party war, waren die Aufforderungen dieses Sängers zwischendurch. Immer wieder Mal sprach er die Leute an, die auf den blau-weißen Bierbänken tanzten, dass sie sich doch der Sicherheit wegen hinsetzen sollten. Wahrscheinlich musste er das sagen, so wie die Warnhinweise auf Kippenschachteln in Deutschland.
In der Ecke, in der wir saßen, war ich 'der' Held. Jeder von der fünfköpfigen Gruppe neben uns wollte ein persönliches Foto mit mir haben. Und abgesehn von den Leuten, die einfach so ein Foto von mir machten, gab es noch das eine Mädel, das gleich mehrere von mir machte, mit mir anstoß (sie war vielleicht 10) und mir bei einem Bild die Kamera schier auf die Nase drückte :).
Ein anderes Highlight waren die Trinkwettbewerbe, bei deinen jeweils drei Leute auf Zeit eine Flasche oder einen Krug leeren mussten.
Total lustig diese ganze Szenerie mit den deutschen Marken. Ein wenig stolz darauf, dass die das alles so toll finden, fühlt man sich dann schon!
Hier noch ein paar Bilder ;)
stefanreiss am 31. August 09
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Ankunft in Qingdao (Sa, 29.08.2009)
Sodele, jetzt bin ich also in Qingdao. Der Tag gestern war recht unspektakulär. Dominiert von der sechstündigen Zugfahrt halt. Im Zug, eine Stunde vor Ankunft ungefähr, hat mich ein Chinese angesprochen. Sein Englisch war schlecht, aber er verdeutlichte mir, dass er noch nie einen ausländischen Freund gehabt hätte, aber gerne einen haben würde. Deswegen solle ich mit ihm doch mal weggehen....häh? Darauf war ich nun nicht gefasst. Wie sollte ich ihm denn nun klar machen, dass ich das eigentlich gar nicht wollte? Er würde nächsten Monat in Qingdao studieren. Und dann fragte er noch, ob ich nicht mit ihm an seiner Station aussteigen könnte. Er würde mich gerne seiner Familie vorstellen. Hallo? Bin ich 'n Ausstellungsstück, oder was? Ich musste höflich ablehnen und dachte, dass meine Ausrede, dass mich einer von der Agentur am Bahnhof abholen würde und dort wartete, ausreiche. Aber davon ließ er sich nicht beeindrucken. Ich solle diesen halt einfach anrufen und morgen kommen. Ne du, mein Freund, lass ma gut sein. Ich vertröstete ihn damit, dass ich ihm eine SMS schreiben würde, sobald ich eine Simkarte besäße. Mittlerweile hab ich eine, was mach ich nur? Ich wollte nicht unhöflich zu ihm sein und es ist ja auch ganz nett, aber wenn ich das nicht möchte? Deswegen schreib ich ihm einfach gar nichts, das wird wohl das beste sein.
Dummerweise schenkte er mich auch noch ganz stolz scharfe Hühnerfüße. Also eingeschweist in einer Packung. Hhhmmmm, lecker. Woher kannte er nur meine Leibspeise?! Und jetzt spiel da mal ehrliche Begeisterung... . Damit die Sache ausgeglichen blieb, schenkte ich ihm einen Fruchtriegel vom Aldi, den ich dabei hatte.
Der junge Mann, ungefähr mein Alter, der mich vom Bahnhof abholte, war sehr nett. Er spricht gut Englisch und brachte mich zu meiner Familie. Auch diese ist sehr nett, besitzt ein großes Appartment, in dem alles sehr neu und recht schick ausgestattet ist. Mein Bett steht in einer Art Büro, ich hab Internetanschluss und ein bisschen Platz für meine Sachen. Den musste ich mir zwar erst besorgen aber nun passt es. Eigentlich hatte ich schon genug Stauraum, doch die haben mir trotzdem noch extra ein Metallgestell mit hässlichen Umhang ins Zimmer gestellt. Und ich wunderte mich noch, was die da im Wohnzimmer zusammenwerkeln ^^.
Das einzige, was ich bisher schon mal über die Gegend hier, in der ich wohne, sagen kann, ist, dass sie eher ab vom Schuss liegt. Bisher sah ich nur neue Straßen, leere Bauplätze und Wohnhochhäuser. Selbst Fahrräder gibts hier fast keine und auch keinen abgesperrten Teil für diese auf den Straßen. Bisher gabs das doch immer! Mein Gastvater und -bruder meinten sogar es gäbe keine Secondhand Fahrräder! Ich muss mich da mal in der Stadt direkt umschaun, kann ja nicht sein!
Angemeldet bin ich nun auch. Waren gerade auf der Polizeistation, in der sich jeder Ausländer binnen 24h anzumelden hat. Jetzt gehts dann entweder schwimmen und/oder auf das Internationale Bierfest von Qingdao. Ein bisschen Oktoberfest-Stimmung in China, kann nicht verkehrt sein :). Aber mein Gastbruder trinkt kein Bier, ich bezweifle gar, dass er Alkohol an sich trinkt -.- , deswegen müsste ich eigentlich mit anderen dort hin. Aber da ich die noch nicht kenn, ist das besser als nichts.
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stefanreiss am 30. August 09
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