Hong Kong bis zum bitteren Ende (29.12.09 - 02.01.10)
Die Zeiten bei Tag waren einfach zu kurz und die Motivation auch nicht die allergrößte, weswegen ich mittlerweile schon zu Hause in Deutschland bin und die Tage in Hong Kong immer noch nicht verfasst habe. Mein Zimmer sieht durch das ganze noch nicht weggeräumte Gepäck aus wie ein Saustall und die Motivation ist auch nicht viel größer ^^.
Naja, Hong Kong...mal schauen, was mein geschädigtes Gedächtnis noch auf die Reihe kriegt. Auf alle Fälle eine beeindruckende Stadt, von der es noch sehr viel zu sehen gibt. Wir wanderten in unseren 4-5 Tagen nur auf Hong Kong Island (der eigentlichen Insel) und Kowloon (der erste Teil auf dem Festland) umher. Auffallend auf der Insel ist die sehr dichte Gedrängtheit der Hochhäuser. Die Straßen sind sehr schmal und winden sich den Berg entlang und zwischen den Gebäuden. Vor allem in den Doppeldeckerbussen des öffentlichen Stadtverkehrs ist es spannend dort zu fahren. Doch trotz der Enge ist der Straßenverkehr weniger stressig als auf dem Festland. Es wird nicht gehupt und an Fußgängerüberwegen wird für Fußgänger angehalten! Generell geht es in Hong Kong weit aus zivilisierter zu: es wird nicht gespuckt, geschrieen und der Müll nicht einfach auf die Straße geschmissen. Die Schattenseite dieses Spaßes ist aber der preisliche Unterschied zu Festlandchina. Hong Kong ist teuer, in manchen Bereichen gleichzusetzen mit Deutschland. Anstatt 10 oder 20ct kosten hier Busfahrten bis zu 4Eur. Ein Bier in der Bar? 5,60Eur nichts besonderes.
Bis 1997 war der "Duftende Hafen" (Übersetzung des Stadtnamens) unter britischer Krone. Seither ist die Stadt eine Sonderverwaltungszone mit hoher Autonomie (eigene Gesetze, Zoll, Währung), wobei sich Peking dennoch in den wichtigeren Dingen einmischt.Das besiedelbare Territorium Hongkongs gehört, nach Monaco mit rund 16000 Personen pro km², zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. Amtssprachen sind Englisch und Kantonesisch, wodurch es ohne Probleme möglich ist Jahre hier zu leben ohne ein Wort Chinesisch können zu müssen. Das macht die Stadt interessant für alle Ausländer, aber gefährlich für diese, die eigentlich Chinesisch lernen wollten. Doch auch ich hatte meine Problemchen, denn Mandarin wird zwar verstanden, aber wenn sich zwei Hong Konger unterhalten ist es Kantonesisch (andere Aussprache, Grammatik und Silben) und auch Lesen brachte mich nicht viel weiter, weil alle Schriftzeichen in der traditionellen Form geschrieben werden. Wenn man aber nur Kurzzeichen lernt, bleibt einem der Sinn oft verborgen. Deswegen sprach auch ich die meiste Englisch.
Hong Kong ist bunt, schnelllebig und mit allen Dingen der westlichen Welt ausgestattet. Man findet alle Marken auf den Straßen, die von ausländischen Firmen überseht sind. In den Bardistrikten Lan Kwai Fong oder Wan Chai trifft man mehr Ausländer als Einheimische.
Übernachtet haben Hilde und ich, wie gesagt, bei Johannes, einem Freund aus Freiburg. Da sein Mitbewohner weg war, gab es Platz für zwei Matratzen. Sehr praktisch, weil man dadurch immer gleich zusammen weg konnte und auch der Preis von 3,30EUR ist für Hong Kong rekordverdächtig! Nur das Betreten des Studentenwohnheimes war immer ein leichtes Problem, weil man immer einen Bewohner brauchte, der einen Gast miteintrug und nach 23Uhr war es Johannes nicht gestattet ein Mädel mitzubringen. Aber durch gute Kontakte mit der Rezeptionistin klappte es immer, auch wenn er zwei Leute gleichzeitig mitbrachte oder ich alleine nachts nach Hause kam.
Von der Stadt habe ich bis auf Central (dem Finanzviertel), Wan Chai (Barviertel), Meng Kok (Einkaufen), Kowloon (inkl. Sicht auf die Skyline) nichts gesehen. Wir wollten zwar zum Pferderennen am Mi Abend, aber seltsamerweise fiel es aus und wir standen vor einem dunklen Stadion. Wegen dem schlechten Wetter und dem Nebel fiel auch der Besuch des Victoria Peak aus oder der Gang zum Strand. Es gibt auf jeden Fall noch genug Dinge zu unternehmen, die einen weiteren Besuch lohnen. Dafür kosteten wir das Nachtleben umso intensiver aus. Bis auf den ersten Abend, an dem wir nur ins Kino gingen (Sherlock Holmes) und dem letzten bin ich jeden Tag erst um 6 oder 7 Uhr morgens ins Bett gegangen. Mi Abend Ladys Night in Wan Chai: Frauen bekommen Getränke in den Bars umsonst. Sehr geiler Abend. Ich hatte das Glück in einer Bar mit gemischter Musik zu landen, in der sogar Oldies liefen! Selbst die Konkurrenz der vielen Ausländer war kein Problem. Ich sag nur ausgiebiges Tanzen mit Cynthia oder "Bist du schwul?". Beendet wurde der Streifzug mit einem Besuch eines Dim Sum Restaurants, welches tatsächlich erst um 3Uhr nachts seine Türen öffnet und sie am Nachmittag wieder schließt.
Silvester war auch lustig. Wir aßen zwar gemütlich Japanisch zuerst, waren dann aber so spät dran, dass wir nicht mehr zur Promenade vorkamen, die wegen den Massen abgeriegelt war. Deswegen schlossen wir uns den tausenden von Menschen an, die hektisch und unruhig durch die Straßen liefen, mit der Hoffnung irgendwo eine akzeptable Sicht auf die Hochhäuser am gegenüberliegenden Ufer zu erhaschen. Von dort oben wurden nämlich die Raketen abgefeuert. Auch unsere Lügengeschichten (wir hätten eine Tischreservierung) halfen uns nicht weiter, aber wir fanden am Ende doch noch einen Platz. Dass wir die letzte Null der Zahl 2010 auf dem Hochhaus nicht sehen konnten, war schnell vergessen. Selbst meine fehlende Jacke, die ich auf Anratens John/Can (Zimmernachbar von Johannes) zu Hause ließ, weil es warm sei, war in dem dichten Gedränge nicht so schlimm. Ein riesen Act also und für was? Für eine Lichtershow von weniger als 5min. Keine einzige richtige Rakete wurde abgeschossen. Sie Show war zwar super, keine Frage, aber für Hong Kong hatte ich mehr erwartet. Doch trotz dem Jähen Ende war es ein Heidenspaß lauthals "Happy New Year" zu rufen und mit wildfremden Leuten Fotos zu machen. In dieser Weise zogen die Massen daraufhin in die Stadt in Richtung Diskotheken und Bars. Für das vollständige Glück brauchten wir nur noch Bier, welches man im 7 Eleven (einem Supermarkt, von dem es in Hong Kong über 400 Filialen gibt!!) ohne Probleme kriegt, aber nicht, wenn die Polizeit die Straße abgesperrt hat. Ihre Überpräsenz verhinderte, dass wir einach über die Barrikaden sprangen. Deswegen spornten wir die Verkäuferin an uns die Dosen zu kaufen und hinterher rüber zu werfen. Der Ruhm der anderen Leute war uns sicher, aber der Polizei gefiel unser Vorhaben gar nicht und nur mit Glück durfte die Verkäuferin die Schranke durchbrechen und uns die Biere überreichen. Denn diesen Dienst wollten die Polizisten doch nicht übernehmen ^^. Gestärkt ging es danach nach Lan Kwai Fong und zum Mc Donalds aufs Klo (doch diese Idee hatten auch andere. Dementsprechend lang die Schlange und widerwertig die Einrichtung). Alle Bars und Straßen waren proppenvoll, überall wurde gefeiert und getanzt. Meine letzte Bar wurde erreicht, als mir ein Mädel unerwartet um den Hals fiel und mich in Deutsch fragte, ob ich deutsch sei. Es stellte sich heraus, dass sie Deutschland liebe, was sie mir tatkräftig unter Beweis stellte. Ich blieb den restlichen Abend bei ihrer durchgeknallten Gruppe, zu der sich später auch weitere Deutsche dazu gesellten. Ein mega verrückter Abend, anders nicht zu beschreiben. Um 6Uhr ging ich nach Hause und fand sogar, zu meiner eigenen, großen Überraschung, einen Bus und ersparte mir die teure Taxifahrt.
Nachdem wir wieder bis 14:30Uhr schliefen, blieb wieder nicht fiel vom Tag. Wir spazierten lediglich mit der Chinesin vom Vorabend durch die Stadt. Erst am letzten Tag, nur wenige Stunden vor dem Abflug, fiel mir ein, dass ich gerne ein original KLeidungsstück aus Hong Kong als Erinnerung wollte. Deswegen fuhren wir noch um 12Uhr nach Meng Kok, um vor 16Uhr irgendwas zu finden. Chinesische Rockmusik als MP3 fand ich zwar nicht, aber ich hab mir ein weiß-schwarzes, kariertes Hemd gekauft mit aufgeknöpfter Kapuze. Leider teurer als erwartet, aber ganz ohne was wollte ich nicht wieder zurück. Naja, ob es mir gefällt oder nicht, ist noch nicht so ganz klar. Ich muss mich noch dran gewöhnen ;).
Aber dann war es auch schon wieder vorbei. Um 16:30Uhr fuhr ich zum Flughafen und ließ mir bei chinesischer Musik nochmal den ganzen Urlaub durch den Kopf gehen. Ich wäre gerne länger geblieben. Es war seltsam zurückzufahren und zu wissen, dass es einem nach nur 5min zu Hause so vorkommen wird, als sei man nie weg gewesen. Ich freute mich zwar schon auf die Menschen zu Hause, aber ich hätte trotzdem gerne noch etwas mehr von dem Leben in Hong Kong ausgekostet. Nicht einmal die Sonne hat geschienen, obwohl wir uns auf Hainan noch ausmalten wie schön warm es sein wird und welche kurzen Klamotten wir tragen würden. Stattdessen zog ich die Jacke nur selten aus, weil der Wind so stark und kühl war. Aber um ehrlich zu sein glaube ich, dass ich vor allem wegen der bevorstehenden Arbeit nicht zurück wollte. Zum ersten wegen dem Forschungsbericht und dann der darauf folgenden Bachelor-Arbeit. Naja und dann das ganze Theater mit dem Leistungsnachweis, Bafög, Auslandsbafög etc...
Der Rückflug dauerte lange (9h nach Doha, 2h später in 6,5h nach Frankfurt), aber Qatar Airways stellte sich als luxoriöse und komfortable Airline heraus mit einem überragenden Angebot an Filmen. Ich hatte sogar Glück, nur 3h nach meiner Ankunft kreisten 30 Flugzeuge über Frankfurt, die wegen Schneeverwehungen nicht landen konnten. Dafür hatten alle meine Züge Verspätung. Doch diese ein paar Stunden mehr machten den Gaul dann auch nicht mehr Fett, außerdem vertrieb ich mir die Zeit mit einer Russin und einem Amerikaner, die ich auf dem Bahnsteig kennen lernte. Das letzte erwähnenswerte auf diese Rückreise war eine junge Nepalesin, die im Flugzeug neben mir saß. Sie war dabei ein Jahr in Deutschland Au-Pair zu machen, lernte daher seit 3 Monaten unsere Sprache, war aber sichtlich froh darüber, dass ich ihr half, da sie noch nie im Ausland und auch noch nie geflogen war. Alles eigentlich recht Routine, bis sie nervös wurde, weil ihre Gasteltern Verspätung hatten und sie nicht wusste, was los war. Sie hatten aber deren Telefonnummer, wodurch ich mit einem geliehenen Handy diese anrufen konnte. Es stellte sich heraus, dass der Vater seit 3h im Stau festsaß und schon versucht wurde das Mädel ausrufen zu lassen. Ich erhielt daraufhin den Auftrag das Mädel in ein Taxi zu stecken und den Fahrer zu einer Raststätte zu schicken, bei der der Vater auf sie warten würde. Sichtlich dankbar und erleichtert verabschiedete sich das Mädel von mir. Im Nachhinein wurde mir klar, wie viel Glück das Mädel hatte, dass ich da war. Denn sonst wäre sie mehrere Stunden allein auf dem Flughafen gesessen, ohne zu wissen, was los sei.
Nun bin ich also wieder in Deutschland. Wären nicht die Bilder oder Facebook bzw. QQ, könnte ich meinen, dass der ganze Aufenthalt nur ein Traum war. Ich genieße nun hier ein paar Tage im verschneiten Ostelsheim und werde dann am 7.1. rum nach Freiburg fahren. Irgendwann diesen Monat werde ich noch mein persönliches Bewerbungsgespräch haben, welches entscheiden wird, ob ich das Jahresstipendium für Nanjing bekomme. Während des Urlaubes war mir noch nicht ganz klar, in wie weit ich für ein Jahr in China bleiben wolle, zwar reizte mich die Vorstellung, aber Respekt hatte ich trotzdem davor. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, dass ich es möchte. Vor allem möchte ich meine Freunde in Qingdao besuchen und dann vielleicht nochmal nach Hong Kong reisen. Urlaubstechnisch möchte ich das nächste Mal in den Norden Yunnans und die Tigersprungschlucht und die dortigen Berge bewandern.
Wir werden sehen, was passiert. In Notfall gäbe es noch das Selbst-Zahler-Programm, bei dem ich wenigstens die Studiengebühren erstattet bekäme. Aber auf alle Fälle werde ich wieder einen Blog schreiben. Auch wenn ich bei diesem dann (wegen der Länge des Aufenthaltes) noch mehr auf die Länge meiner Texte achten muss ;-).
stefanreiss am 05. Januar 10
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Anreise Hong Kong (Di,29.12.09)
Nach einer endlos' lang erscheinenden Nacht sind wir nun bei unserem Freund Johannes in Hong Kong angelangt. Unsere Anreise war lang, teuer und wäre beinahe in einer Katastrophe gemündet. Um eine lange Busfahrt uns zu ersparen und weil das Angebot zu verlockend schien, flogen wir um 0:20Uhr von Haikou nach Shenzhen für 28Eur inkl. Steuern. Wir holten unser zurückgelassenes Gepäck in unserem kleinen Hotel ab, packten im Hostel daneben die Sachen um und machten uns auf zum ruhig und verlassend wirkenden Flughafen. Eigentlich sollten wir schon um 23:40 fliegen, aber wir wurden (warum auch immer) umgebucht. Nun hatte der Flieger aber auch noch 50min Verspätung, die wir jedoch mit kostenlosen Cup Nudeln und Bohnen Porridge recht gut überbrückten. Mitten in der Nacht kamen wir in Shenzhen an und hatten natürlich keine Möglichkeit mehr mit einem öffentlichen Bus nach Hong Kong zu kommen. Shenzhen ist die nächstgelegene Stadt auf der chinesischen Festlandseite und ist im Grunde eine Wirtschafts- und Industriestadt, die vor 25 Jahren aus dem Nichts erschaffen wurde. Dementsprechend teuer wurde die 30km Taxifahrt zum Grenzübergang, währenddessen wir das Taxometer schier im sekundentakt nach oben schnellen sehen konnten. Unsere letzten Reste an Renminbi waren danach aufgebraucht und genau das war unser Verhängnis. Mitten im Niemandsland, als wir die weiteren Bustickets nach Hong Kong selbst kaufen wollten, bemerkten wir, dass wir kein Geld mehr hatten. Die Wechselstube hatte aber schon geschlossen und durch übelste und schlechteste Fehlplanung überhaupt (meiner Meinung nach), gibt es keine Bank oder Automaten im Grenzübergang und somit auch keine Möglichkeit irgendwie an Geld zu gelangen. Na super, was können wir nun machen? Es war 2Uhr nachts, als wir unsere Taschen und Hosen nach Yuan-Resten durchforsteten und immer hoffnungsloser wurden. Ich war gerade dabei mit der Ticketkontrolleurin zu reden, ob ich nicht andere Gäste, die zur selben Station fuhren, nach Geld fragen dürfte, um es ihnen nach dem Aussteigen sofort wieder zu geben (aber die dumme Kuh verwehrte mir meine Idee), als ein älterer, chinesischer Mann sich von der Seite anmeldete, einen dicken Bündel Geld aus der Tasche zog und mir die benötigten 100HKD (Hong Kong Dollar - entspricht ca. 10EUR) in die Hand drückte. Nur diesem netten und selbstlosen Mann war es zu verdanken, dass wir doch noch nach Hong Kong kommen konnten. Er brachte uns sogar noch zu einer Bank (wodurch ich ihm das Geld zurückgeben konnte) UND ersparte uns die Fahrt mit den Öffentlichen, in dem er uns direkt zum Studentenheim unseres Freundes brachte. Um 5Uhr oder so lagen wir in unserem Bett.
stefanreiss am 29. Dezember 09
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Insel Hainan (Mi,23.12. - Mo,28.12.09)
Nun scheint die Zeit wie im Fluge zu vergehen und der Abschnitt Hainan ist auch wieder abgeschlossen. Doch gelohnt hat es sich alle Mal: Sommer, Sonne, Parties. So kann man unseren Aufenthalt zusammenfassen. In Haikou, der größten Stadt der Insel, blieben wir nur eine Nacht, bevor wir mit dem Bus zur südlichsten Stadt fuhren - Sanya. Diese Busfahrt war auch gleichzeitig der dominierende Part unseres Weihnachten. Obwohl wir den Expressbus mit 3h nehmen wollten, saßen wir irgendwie im normalen Bus, der 5h für die Strecke benötigte. 5h nervige Stunden, in denen wir von chinesischer Schnulzenmusik gequält wurden. Weil Karaoke-CDs mit Liedern aus den 90ern (zumindest lässt deren Qualität und Kleidungsstil keinen anderen Schluss zu), die zu 97% gleich klingen, ja soo toll sind, muss man die Lautstärke soweit aufdrehen, sodass man selbst mit eigenem MP3-Player nicht in der Lage ist das Gejaule zu übertönen.
Genächstigt haben wir in einem kleinen, zwei Zimmer habenden Hotel inmitten der Fressstraßen. Bis auf den Strand, lagen alle wichtigen Sachen (Märkte, Diskos) in Laufreichweite. Unser Weihnachtsessen bestand demnach aus einem gemütlichen Straßen-BBQ in unserem Viertel. Obwohl wir uns für Weihnachten mords viel und spannendes vorgenommen hatten, war es letztendlich nicht anders als jeder andere gemütliche Tag unseres Urlaubs. Aus Zeitgründen waren wir nicht mal in der Lage uns gegenseitig Geschenke zu besorgen. Doch mich störte es, ehrlich gesagt, nicht. Man kommt in China nicht in Weihnachtsstimmung. Und wenn man nicht hin und wieder den Schmuck der Käufhäuser, die den Weihnachtsboom als Vermarktungsstrategie benutzen, sehen würde, würde man es völlig vergessen, dass gerade Weihnachten ist. Denn alles, was man mit Weihnachten verbindet und kennt, also Schnee, Kälte, Lichter, Weihnachtsmärkte etc, fehlt in China. Nur wenn man sich zwingt und in Gedanken verfängt könnte man sentimental werden und sich nach Hause sehnen. Ansonsten ist es einfach so, als würde Weihnachten ausfallen. Was aber nicht bedeutet, dass wir Weihnachten in Deutschland nicht nachholen würden: Plätchen, Stollen, Glühwein und Weihnachtslieder. Also einfach die Faktoren, die das "wahre" Weihnachten ausmachen ;). Und alles im Sonderangebot, weil die Supermärkte die Restbestände loswerden wollen. Also perfektes Weihnachten für Schwaben ^^.
Obwohl sich Sanya (welches sich als touristischte und partyreichste Stadt rühmt) definitiv nicht wegen den Partys lohnt, schafften wir es dennoch nicht mehr von der Insel zu sehen. Wir planten zwar im Voraus Wandern zu gehen und die Natur zu genießen, aber in China sind die Strecken gleich immer so lang, dass man es sich zwei Mal überlegt. Deswegen schafften wir uns nicht aufzuraffen, gingen dagegen jeden Abend in die Diskotheken und versuchten zu tanzen. Das Problem chinesischer Diskos ist, dass sie oft keine Tanzfläche besitzen, sondern nur Tische und Sitznieschen, an denen kleine Grüppchen Würfelspiele zocken. Die Musik ist außerdem nicht die, die wir uns erhofften und wurde in Sanya regelmäßig von echten Sängern oder Leuten, die zu seltsamen Spielen aufforderten ergänzt. Das eine, große Partyviertel in Sanya berherbigt zwar über 10 Clubs, aber bis auf die Namen sind sie alle gleich. Selbst die Einrichtung, insbesondere die Kronleuchter, stammen definitiv vom selben Lieferanten. Zwar alles schön anzusehen, aber Auswahl gab es somit keine. Dabei wollten wir doch einfach nur eine kleine Tanzfläche haben, nichts besonderes also. Ein einziger Club hatte kleine Flächen, in denen auch meistens ein paar Chinesen mit den Hüften wackelten. Und obwohl wir immer wieder andere Lokalitäten besuchten, landeten wir am Ende immer wieder in der Bar 88.
Am Strand selbst, der super schön und sauber ist, gibt es zwar auch einen Barstreifen, mit Sitzgelegenheiten, Bühnen und Livebands - also von der Idee und Umsetzung eigentlich super, aber selbst an einem Freitag Abend war dort nichts los. Nur vereinzelnd ein paar Grüppchen, die gemütlich etwas aßen.
Irgenwie kommt es mir im Nachhinein immer erbärmlicher vor, wie wenig wir gemacht haben, obwohl es mir während des Aufenthaltes nicht so wenig vorkam. Obwohl der Strand und das Meer richtig klasse waren, schafften wir es nur ein einziges Mal dort hin. Das Mal hatte es jedoch in sich. Am ersten Abend lernten wir einen Deutschen und eine Chinesin kennen, die in Beijing arbeiteten und Urlaub im Crown Plaza Sanya machten (5 Sterne Hotel, nebenbei erwähnt). Weit draußen, im Stadtteil Yalong Bay, befinden sich diese mega großen und schicken Hotelkomplexe, die alle ihre eigenen Strände besitzen. Um nicht vor dem Betreten des Strandes überprüft zu werden, liefen wir einfach ein Gebäude weiter vorne auf den perfekten, feinsandigen Strand und wanderten in den Privat-Bereich des Crown Plaza. Kostenlose Handtücher, Holzliegen und -Schirme und Polster, die wir in den Sand trugen und dort das Leben genossen. Ein rundum perfektes Badeerlebnis!
Joa, mehr war eigentlich nicht. Partys müssen nicht unbedingt wieder sein, es gibt noch genügend Orte, die einen Wiederbesuch lohnen ließen und wir lernten zwei sehr nette Leute kennen, die wir gerne wieder treffen würden.
stefanreiss am 29. Dezember 09
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Klein-Thailand Ade, Grüß Gott Hainan (Mi, 23.12.09)
Obwohl wir recht müde im neuen Hostel ankamen und ich verärgert über die matratzenlosen Betten war (Seitenschläfer haben's schließlich nicht so leicht!), zogen Huw und ich nach einer erfrischenden Dusche noch los, auch wenn ich gerne etwas anderes als meine Trekkinghose und halb-frisches (hört sich besser an als halb-stickend ;) angezogen hätte. Obwohl Sonntag Abend waren die Diskotheken gut besucht. Unsere erste Anlaufstation verließen wir aber wieder sofort nach der ersten Dose Bier (jawohl, alles andere war unbezahlbar). Nicht, dass der Club oder die Musik schlecht gewesen wäre. Aber jedem, dem der Begriff "Sausage-Party" etwas sagt, wird wissen, was ich meine. Das ganze wurde von unserer einzigen Bekanntschaft an dieser Location getoppt: einem schwulen Thailänder (obwohl ich mir ehrlich gesagt lange nicht sicher war, ob er nicht doch eine Frau, mit halt ganz ganz flachen Brüsten war), der zwar sehr nett war, aber eben nicht die Bekanntschaft darstellte, die wir uns beide erhofften. Deswegen fragten wir andere nach einer anderen Möglichkeit und folgtem dem Rad eines Typen. Wir hielten letztlich vor einem völlig ruhig und still liegendem Hotel an. Auf meine Frage, wo man hier denn bitte tanzen könnte, antwortete der Taxifahrer, dass es in dem Hotel eine Bar gebe, die aber schon geschlossen hätte. Ja und wieso sind wir dann hier? Tja, das wisse er auch nicht... -_- was soll ich dazu noch sagen?! Glücklicherweise gab es gleich um's Eck dann doch noch eine Disko. Härterer Techno, aber weniger Schickimicki mit Tischchen und einer richtigen Tanzfläche. Mit einem noch kurz davor reingepfiffenem Sellerie-Schnaps (sei gut für die Gesundheit und schmeckt weniger schrecklich wie Baijiu) ging es auf die Tanzfläche. Unsere anfängliche Vermutung, dass der Großteil der Mädels mit ihren Typen unterwegs sei, wurde schnell widerlegt und wir sahen uns tanzend in der Mitte von fünf grölenden Mädels wieder. Wir waren die Stars da drin, anders kann man es nicht bezeichnen. Vor allem drei von ihnen war dermaßen offensiv, was völlig untypisch für chinesische Mädchen ist. Huw scheint es gefallen zu haben, aber mir war der hyperaktiv zappelnde Zwerg vor mir etwas zu viel und suchte das Weite. Zu zweit tanzen ist ja ok, aber ich bin der Meinung, dass man 160 BPM nicht in der selben Geschwindigkeit tanzen muss. Meine Versuche sich etwas langsamer zu bewegen wurde mit dem Andocken einer Hand an meine Hüfte und dem anschließenden wilden Hin-und-Her-Schwingen beantwortet. Äähm, wo war nochmal das Klo? Ich bin gleich wieder da... . Geblickt hat sie es aber nicht. Wenig später klebte sie wieder an mir. Doch Huch, was war das denn. Wer tanzt denn auf einmal direkt hintermir und schloss mich somit wie ein Sandwich ein (so einen Abend hatte ich bis dahin wirklich noch nie erlebt), ich hoffe keine Schabrake?! Glücklicherweise nicht, sondern ein etwas schüchterneres Mädel, dass mir schon voher aufgefallen war. Dankend nutzte ich die Gelegenheit und widmete meine weitere Aumerksamkeit nur noch der spontanen Überraschung von hinten.
Bis zum Abend, an dem wir uns nochmal mit unseren Trekking-Freunden trafen, um Bilder auszutauschen, verbrachten wir den Tag mit Lesen und der Suche nach einem gemütlichen Sitzplatz. Obwohl es genügend Parkanlagen gibt, ist es in China aber einfach unmöglich Sitzgelegenheiten mit Lehne zu finden. Was uns dann irgendwann zu blöd wurde und wir einfach länger im Restaurant sitzten. Wir verstanden uns immernoch so gut mit unserer Reisegruppe, weswegen wir die Nacht in der Disko des vorabends ausklingen ließen. Erst am Abend des Folgetages, fuhren wir zurück nach Kunming. Abends um 20Uhr los, 6Uhr in Kunming ankommend, 10.40Uhr Flieger nach Hainan. Vorher jedoch noch eine 70 minütige Fußmassage für 50RMB in einem Studio, in dem Blinde arbeiten. Aber wo diese gewesen sein sollen, weiß der Himmel. Die Masserinnen in unserem Zimmer waren es aber sicherlich nicht. Genausowenig der dicke Chinese, der schnarchend und stöhnend neben mir in seinem Sitz pennte. Leider waren die Busse dieses Mal wieder älter und unbequem, außerdem wurden wir ganze zwei Mal von Grenzern kontrolliert.
In Kunming angekommen konnten wir noch nicht mal in Ruhe aufwachen und vor die Türe, als wir schon im Bus selbst von wild umherrufenden Männern überrannt wurden, die ankommende Gäste in alle Richtungen der Stadt weiterverladen wollten. Nur mit starkem Ignorieren und Abwimmeln, gelang uns der Weg ins Freie. Kunming war jedoch kalt, zu kalt für unseren Geschmack. Außerdem stand uns eine einstündige Busfahrt und Spaziergang zum Hostel bevor. Dank meiner grandiosen Fähigkeiten als kurzsichtiger Falke, liefen wir zuerst im Kreis, bevor wir die richtige Richtung zum Hostel einschlugen. Zu meiner Verteidigung sich die Straßen aber kreuz und quer und angereichert mit Sackgassen. Außerdem besaßen wir nur eine grobe und ungenaue Karte der Gegend!
Wenigtens klappte der Rest des Tages. Wir flogen 1,5h nach Haikou, der größten Stadt der Insel Hainan und fanden eine Unterkunft in einem günstigen Lüguan (das Hostel um die Ecke war schon voll). In diesem Sitz ich nun und schreibe endlich die Erinnerungen der letzten Tage auf. Bis gerade eben planten wir unsere Weiterreise, die vor allem aus Sanya besteht. Der südlichsten Stadt hier, bekannt für seine Sandstrände und Parties. Yiha, wir kommen. Endlich hat auch unsere Sommerkleidung wieder ihren angestammten Platz! 25°C zeigt hier ungefähr das Thermometer. Einziger Vermutstropfen sind die Moskitos in unserem Zimmer. Ich hab' schon ca. 30 von ihnen erschlagen und meine Theorie ist ja, dass sie irgendwann alle tod sein müssen. Aber obwohl alle Fenster geschlossen sind, tauchen immer wieder neue auf. Ich weiß beim besten Willen nicht woher.
stefanreiss am 24. Dezember 09
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Dschungel-Trekking (Fr,18. - So,20.12.09)
Der autonome Bezirk Xishuangbanna liegt im Süden der Provinz Yunnan und grenzt an die Staaten Myanmar und Laos. Die meisten der Einwohner gehören der Minderheit der Dai an, in dessen Sprache der Name die "zwölftausend Reisfelder" bedeutet. Die Dai besitzen eine eigene Sprache und Schrift, wobei der Begriff eher eine Sammelbezeichnung für mehrere eng verwandte Thai-Völker ist. Dementsprechend und wohl wegen der Nähe zu den Nachbarländern, wird Xishuangbanna auch als "Klein-Thailand" bezeichnet. Dieser Unterschied fällt auch sofort ins Auge. Nicht nur, weil die Straßen von langen Palmen-Alleen gesäumt sind, sondern vor allem an den Ornamenten und Einzelheiten der Gebäude und Architektur, die so gar nicht dem restlichen China gleichen. Hauptstadt der Provinz ist das am Mekong Fluss gelegene Jinghong mit 380.000 Einwohnern. Nach einer äußerst entpannten Schlafbusfahrt (es waren brandneue Busse mit körpergeformten Betten und Schuhausziehpflicht) kamen wir in genau dieser Stadt an, von wo aus wir die Umgebung erkunden wollten. Nach einer etwas langen und erfolglosen Suche einer bestimmten Unterkunft, nisteten wir uns letztendlich in einem zur Universität gehörenden Hotel ein. Zur Bestimmung unserer Weiterreise durchforsteten wir den Rest des Tages Informationsordner mehrerer Cafes und standen vor der Wahl einer geführten Tour (200-250RMB pro Tag und Person) oder selbstorganisierten Touren. Vor allem des Geldes wegen, überlegten wir lange, ob es das wert wäre. 750RMB für eine 3-Tagestour ist in China eine Menge Geld. Wir ließen die Pläne erstmal auf sich beruhen und entschieden uns für einen weiteren Faullenztag, den wir mit einem Spaziergang durch den Campus und Tischtennis spielen mit Einheimischen begannen. Auf Grund dieser Entscheidung wollten wir gerade den 20Uhr Termin mit dem Besitzer des Cafes Mekong absagen, als uns dessen Frau fragte, ob wir, zum Preis von 600RMB, mit 5 anderen diese 3-Tagestour mitachen wollten. Und so wurde unser Abhängtag kurzerhand in eine Trekkingtour verwandelt.
9 Uhr ging es mit dem Bus los und Richtung Xiding, von wo wir aus ins ca. 30km enternte Bada aufmachten. Unser Führer war (Ai) Ni Pa, der am Dienstag geborene zweite Sohn (korrekte Übersetzung seines Namens). Seit 4 Jahren führt dieser der Bulang Minderheit angehörige Mann Touren durch die Region seines Heimatdorfes. Der Rest unserer Gruppe bestand aus dem Australier Huw und den Spaniern Serjo, Christina, Dave und Maya. Eine äußerst harmonische und lustige Gruppe. Gesprochen wurde Englisch. Unter perfektem Sonnenschein und leichtem Gepäck, ging es von der Busstation hinein in den Wald. Von wahrer Wildnis konnte man aber nicht sprechen, da die Hänge fast durchgängig von Menschen kultiviert wurden, was aber kein Nachteil sein muss und dem Erlebnis keinen Verdruss bereitete. Insgesamt betrachtet führte uns unser Weg vorbei an Dörfern der Bulang oder Hani, mit Bambus und Farn übersäten Wäldern und großen Ebenen mit Reis-, Zuckerrohr oder Teefeldern. Vor allem der teure und berühmte Pu-Er-Tee wird in dieser Region gepflanzt.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir in unserer ersten Herberge an. Einem Bauernhaus eines Bulang-Dorfes, versteckt in einem dicht bewaldetem Hang. Unser Aufenthalt glich einem Sprung zurück in die Vergangenheit. Bis auf moderne Annehmlichkeiten wie Telefon, Strom, TV, Motorräder und einem kleinen Dorfkiosk ist das Leben der Bulang nicht anders als vor 300 Jahren oder länger. Man wohnt in einem auf Stelzen gebauten Haus aus Holz (heute jedoch nicht mehr aus Bambus, sondern stabileren Sorten und mit Tonschindeln gedeckt), in dem darunter die Tiere wohnen. In der Mitte des großen Zimmers befindet sich eine Feuerstelle, an der gekocht, gewärmt und darüber Körbe etc. geräuchert werden. Man sitzt auf Holzhöckerchen oder auf dem Boden. Die Menschen laufen den Großteil des Tages, zwischen den frei umherlaufenden Schweinen und Hühnern, Barfuß. Und stetig traf man auch Hennen mit ihren piependen Kücken.
Obwohl es Fernseher und Satellitenanschluss gibt, treffen sich Freunde oder Verwandte trotzdem noch gerne abends am Feuer, um sich Geschichten zu erzählen, starken Tabak zu rauchen oder Alkohol zu trinken. So gewöhnten wir uns auch schnell daran, dass immer irgendwelche neuen Leute zu Besuch waren. Unser Abend war der gleichen Gestalt und trotz wehementen Bitten, mussten wir die selbstgedrehte, uns geschenkte Kippe der Oma rauchen. Unglaublich starkes Zeug, von der das alte Weib mehrere am Abend rauchte. Der größte Vorteil eines Guides war, dass er uns allerlei interessante Dinge erzählen konnte und natürlich unsere Fragen beantwortete. Von all' den Dingen, die wir über das Volk der Bulang lernten, ist vielleicht deren Begrüßung die interessanteste. Es gibt in ihrer Sprache und Art kein Equivalent zu einem einfachen "Hallo" oder "Ni Hao". Wenn man sich trifft, frägt man dem Gegenüber stattdessen eine Frage wie: "Wann bist du angekommen?", "Wohin gehst du?" oder "Was kochst du heute zum Essen?". Dabei ist es zweitrangig, ob man dabei die Wahrheit berichtet oder ob die Frage völlig sinnlos ist, weil man sie sich selbst beantworten kann. So ist es etwa nicht unüblich einen Holz auf einen Wagen ladenden Mann zu fragen, ob er gerade Holz auf einen Wagen laden würde.
Über kurz oder lang war es schließlich soweit und der Drang nach einem Klo wurde geweckt. Weil Klo in dieser Gegend gleich Natur bedeutet, machten wir uns schließlich mit Taschenlampen ausgerüstet in dessen Richtung auf. Wir hatten aber keine Lust so weit zu laufen, weswegen wir einfach in die Rinne neben der Straße pinkelten. Schließlich war es stockdunkel und um 23Uhr keiner mehr auf den Straßen. Hilde tat es uns gleich, verschwand jedoch noch kurz hinter einer Ecke. Kurze Zeit später kam sie errötet und geschockt aus ihre Versteck zurück. Denn natürlich musstes es ja so kommen, dass doch nicht alle in ihren Betten waren. Die vorbeilaufende Frau wunderte sich natürlich, was da dunkles am Boden kauerte. Sie musste aber nicht lange neugierig bleiben. Dank ihrer LED-Taschenlampe (eine weitere moderne Annehmlichkeit), die das sitzende Mädel mitten im Geschehen traf, blieb ihr kein Detail erspart. Da half auch das verdecken des Gesichtes, ein letztes Mittel, um die eigene Achtung zu bewahren, nicht fiel. Ob Huw und ich vielleicht etwas weniger darüber lachen hätten sollen? Wir konnten uns nicht zurückhalten. Aber im Angesicht des perfekten Sternenhimmels, war die Geschichte schnell wieder vergessen. Dass Leben auf dem Lande jedoch nur selten eine Idylle ist, mussten wir in der Nacht erleben. Auf bloßen Decken und Matten liegend, durften wir uns den Geräuschen von Mäusen, Schweinen, Hunden und schreienden Hähnen hingeben. Durch Ritzen und Löcher in dem Gebäude (in der Gegend wird es selten kälter als 18°C) bestens hörbar.
Verspannt und müde ging es am nächsten Morgen weiter. Das Wetter war super, nur machte sich mittlerweile mein linkes Knie bemerkbar, das sich bei jedem Schritt mit einem stechenden Schmerz bemerkbar machte. Ich konnte um der Tour und der Mitglieder willen nur hoffen, dass es nicht schlimmer würde. Das Tagespensum wurde von 8 auf 10km erhöht. Doch bis auf zwei anstrengende Berge wurde die Tour bei weitem nicht so anstrengend und hart, wie uns der Besitzer des Mekong Cafes glauben machen wollte. Um nicht auf Cola oder Yoghurt Getränke verzichten zu müssen, konnten wir uns in einem kleinen Dorfkiosk mit Nachschub versorgen. Während ich auf die anderen wartete, etdeckte ich einen kleinen, süßen Hund, der sich nach anfänglichem Zögern bereitwillig von mir streicheln ließ. Wie gut es ihm gefallen haben muss, merkte ich erst, als er nach wenigen Minuten Weiterlaufens hinter uns auftauchte und uns folgte. Am Anfang dachten wir ja noch, dass er schon bald wieder nach Hause ginge, schließlich war er kaum länger als 30cm. Aber der Kleine erwies sich als äußerst hartnäckig und folgte uns die komplette nächste Stunde. Egal wie steil oder unwegsam das Gelände war. Mein kleiner Freund tapste mutig uns hinterher. Es war beachtlich und wie er so mit den Schwierigkeiten seiner Größe kämpfte, hätte ich ihn nur zu gerne gestreichelt und dafür belohnt, aber dann wären wir ihn wohl nie wieder los geworden oder erst das nächste Dorf hätten ihn behalten. Doch das hätten mir die Besitzer vielleicht übel genommen. Vielleicht waren es ja sogar die zwei kleinen Mädchen am Kiosk-Stand, die schon weinend ihre Mutter fragten, wo denn ihr kleiner Hund sei. Erst der dritte Wegjagversuch unseres Guide war erfolgreich und ich sah den Racker nie wieder.
Unsere zweite Nacht verbrachten wir im Elternhaus unseres Führers. Die Wände der Häuser dieses Dorfes waren aber überwiegend mit Steinen gebaut und dementsprechend stabiler als ihre Verwandten. Und geschlafen wurde auf echten chinesischen Matratzen (zwar besser als bloße Matten, aber auch nicht viel), was eine erholsamere Nacht versprechen würde, wären da nicht auch hier die Tiere gewesen, die nervig und unentwegt mieauende Katze oder der Regenguss, der sich seinen Weg durch das undichte Dach auf unsere Köpfe suchte. Nur die Decke konnte uns vor dem Schwall retten. Noch vor Sonnenaufgang war auch an diesem Tag wieder die Nacht vorbei und ehe wir uns versahen war der Raum mit Bauarbeitern einer naheliegenden Baustelle gefüllt, die hier ihr Essen zu sich nahmen. Wenigstens hatten wir eine (owbohl Solarboiler doch nicht warme) Dusche. Eine Toilette außerhalb des Waldes gab es hier aber auch nicht. Obwohl ich es bis zur Heimreise unterdrücken wollte, musste ich in der Nacht vor dem zu Bett gehen mich mit einer Taschenlampe auf dem Weg machen. Aber wohin nur, der Weg bis zum Wald war mir zu weit. Also suchte ich, während ich den Sternenhimmel genoss, ein anderes Ruhes Plätzchen, um meine Notdurft zu verrichten. Ich wurde unterhalb der Hauptstraße, zwischen Büschen neben einer Baustelle, fündig. Doch ich zögerte, denn andauernd liefen doch noch irgendwelche Leute mit ihren Taschenlampen umher. Die Chance, dass an meinen Platz jemand hinkam, war zwar äußerst gering, aber wagen wollte ich es dann doch nicht. Natürlich lief niemand einen der zwei mich umschließenden Trampelpfade entlang, es blieben alle auf der Hauptstrecke. Solange bis ich mich endlich dazu durchringen konnte. Von einem nicht weit entfernten Haus ging Lärm aus und ich sah Lichtpunkte genau auf mein (gerade noch stilles) Örtchen zukommen. Nun aber Beeilung und zurück ins Haus. Ans Feuer setzten sich an dieser Nacht nur wenige, die meisten verzogen sich recht zeitig in ihre Betten.
Dritter und letzter Tag. 12km, ein Wasserfall, Hochzeit und Rückfahrt waren die Tagespunkte. 12km waren es garantiert nicht und wäre der steile Weg zum Wasserfall nicht gewesen, wäre die Wanderung tatsächlich eine Rentner-Tour, anstatt taffem Dschungel-Hiking. Der über ein stündige Abstieg am Hang hatte es aber in sich und aufmerksamlosen Dahinschlendern konnten wir uns nicht erlauben. Nicht wenn wir stoplern oder durch eines der tausenden Spinnennetze laufen wollten. Der ganze Himmel (und die Höhe dieses "Himmels" fing oft genauf bei meiner Kopfhöhe an) war voller großer und fetter Spinnen, die ihre wilden und vulominösen Netzkonstrukte webten, die oft einen Meter lang waren (deren Konstrukte sind keine zweidimensionalen Gebilde wie bei uns, sondern dehnen sich unkontrolliert in alle Richtungen aus). Ich fragte mich öfters, wer auf diese dumme Idee mit dem Wasserfall überhaupt gekommen ist. Glücklichweise aber lohnte es sich bei weitem. Uns erwartete ein tief im Gestrüp verborgener Wasserfall, bestehend aus fünf Ebenen. Höllisch auf die durch den Regenguss glitschigen Steine achtend, erklammen wir mehrere Ebenen und Huw und Serjo trauten sich sogar in dem Wasser schwimmen zu gehen. Von diesem unheimlich schönen Idyll ging es direkt zu einer Hochzeit, die zufällig an diesen Tagen stattfand. Mit 10-15RMB pro Person als Geschenk gingen wir zu der mit Menschen gnadenlos überfüllten Hütte. Ein heillosen Touwabou, in dem wir uns nicht lange als Fremdkörper vorkamen. Noch keinen Schritt in das eigentliche Zimmer gesetzt, wurden wir mit einem Tablett Zigaretten und Sonnenblumenkernen begrüßt. Im Festraum selbst wurde gelacht und gesungen. Jedem Gast wurden Unmengen an Essen, Alkohol und Zigaretten angeboten. Ruckkzuck fanden wir Freunde, die uns Kippen oder Alkohol andrehen wollten, den wir nicht immer abschlagen konnten. Nach etwas Bier und einem ganzen Pappbecher voll Baijiu später, begann der Alkohol zu wirken, dabei war kaum mehr als eine halbe Stunde vergangen. Wir konnten von Glück reden, dass unsere Zeit knapp war und wir schon wieder gehen mussten. Andernfalls wären wir wohl wie der Bräutigam geendet, dem es leider nicht zusteht ein Trinkangebot abzulehnen. Anders als die laufend kommend und gehenden Gäste (mehrere Hundert würden an mehreren Tagen die Hütte von innen sehen), würde er die Stellung halten müssen, solange ihn seine Beine tragen konnten. Nach meiner Einschätzung würde das aber nicht mehr lange passieren.
Um den letzten und einzigen Bus zurück nach Xiding zu erwischen, liefen wir nur noch 1-2h, bevor wir von einem Pickup mit offener Ladefläche eingesammelt wurden. Auf der Ladefläche stehend, brausten wir die Wege entlang und sammelten währenddessen lauter Kinder mit ein, deren an dieser Woche der zwei stündige Marsch zu ihrer Schule erspart blieb. Obwohl es eine coole Erfahrung war, waren wir dann doch froh unseren, trotz der warmen Temperaturen, dorchgefroreren Körper im nächsten Gefährt zu wärmen. Nach insgesamt 2h und einem weiteren Buswechsel waren wir am Abend wieder zurück in Jinghong und bezogen zusammen mit Huw unser neues Quartier in einem erst kürzlich eröffnetem Hostel.
stefanreiss am 24. Dezember 09
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