Kurzer Zwischenstop in Kunming (16.12.09)
Nach einer weiteren Nachtzugfahrt sind wir wieder zurück in Kunming, von wo wir heute abend aus gleich weiter nach Jinghong fahren werden.
Die letzten Tage in Dali waren noch sehr erholsam. Umgezogen sind wir am Ende doch nicht mehr, da unsere Betten mega bequem waren (oft sind die Matratzen sehr hart) und weil wir kein Bock auf den Stress hatten. Die einzige Tücke daran war, dass wir dadurch unsere Notdurft auf einen Cafebesuch verschieben mussten, um nicht unnötig in den Schweinestall zu müssen.
Obwohl wir am zweiten Tag uns einen größeren Ausflug zum Ziel gemacht hatten, versumpften wir am Ende doch nur wieder in den gemütlichen und perfekt ausgestatteten Cafes. Frühstück in dem einen, Hamburger im zweiten, Spaziergang, frisch gespresster Melonensaft, wieder spazieren und Abendessen in einem weiteren Cafe. Währenddessen kann man kostenlos im Internet surfen oder lesen. Was für ein Leben. Am letzten Tag schafften wir es aber doch zum See zu fahren. Obwohl wir Angst hatten wieder nicht von der Stelle zu kommen, denn zufälligerweise trafen wir wieder die zwei Österreicher zum Frühstück. Zwar schafften wir es wirklich uns von den Cafes loszureißen, aber die Zeit war dann doch wieder so knapp, sodass wir nicht mit dem Fahrrad ins 18km entfernte Xizhou fahren konnten, sondern nur mit dem Bus. Wir sind halt Pfeifen =). Aber zu unserer Verteidigung: Die hosteleigenene Fahrräder sind auch alle Schrott. Ich fand kein einziges Rad, bei dem beide Bremsen funktionierten und die Bremsbacken nicht abgefahren waren. Zudem eignet sich die autolastige Straße nicht wirklich zum gemütlichen Radausflug.
Doch der Spaziergang zum See war super. Ein gemütliches Dorf, ohne Touristentrubel, in dem wir die Architektur und die Fischweiher der Bai betrachten konnten. Vor allem das viele Grün und die Ruhe war den Ausflug wert.
Abschießend kann ich Dali nur empfehlen, wobei wir gehört haben, dass die Landschaft um Lijiang schöner sein soll. Dafür dauert die Anreise länger. Achja...und unsere Drogenomis. Es verging kein Tag, an dem wir nicht mehrmals von einer dieser Frauen angesprochen wurden. Die Masche ist immer gleich. Dauergrinsendes Heranschweben, Herüberlehnen, dann direktes fragen oder erst das Zeigen ihrer Tarnung (Haarbroschen, Ketten). Bei Verneinung ziehen sie in selbig grinsender Weise wieder von dannen. Durch die Menge der verschiedenen Frauen, schlussfolgerten wir, dass das eine ganze Gang sein muss. Organisiert, alle im selben Alter und auschließlich weiblich. Was lernen wir daraus? Alte Bai-Tracht tragende Frauen sind Drogendealer.
Eine Lösung für Hildes Visaproblem fanden wir noch nicht. Unser Problem ist, dass ihr Visa am 26.12 abläuft, wir aber erst am 23.12. nach Hainan fliegen. Würden wir rechtzeitig nach Hong Kong reisen, wäre unser Aufenthalt sehr kurz, außerdem sind die Flüge in dieser Zeit teuer. Deswegen wollen wir für das zusätzliche Fluggeld einfach ihr Visa verlängern. Die örtlichen Behörden in Kunming stellen sich aber dumm an und behaupten, dass es immer 7 Tage dauern würde. Hätten wir den Pass heute abgegeben, hätten wir es am Mi, den 23.12., ab 10Uhr abholen können. 40min vor unserem Abflug. Na Danke! Und Express-Service gibt es nicht -_- . Nun sind wir schon seit Tagen am Lösungen suchen, denn Überziehung kostet pro Tag 50Eur. Unsere letzte Hoffnung ist Haikou oder Jinghong und die Hoffnung, dass es schnell geht. Denn wir sollten den Flug heute buchen.
Dass chinesischer Verkehr, chinesische Städte und chinesische Beratung zeitraubend und nervig sein kann, hat sich heute wieder einmal auf dramatische Weise bestätigt. Ich möchte der Länge wegen nicht die ganze Geschichte im Detail erzählen, aber es geht darum, dass wir für die Jinghong Tickets quer durch die Stadt von einer Seite zur nächsten gehetzt sind. Jeder, den wir fragten, erzählte und etwas anderes oder nur die halbe Information, mit der wir wieder neu fragen mussten und wieder unterschiedlichste Meinungen hörten. Das Ergebnis war 3h Busfahrt (und chinesische Linienbusse sind NICHT wie in Deutschland) und endlos erscheinende Fußmärsche. Wenigstens passt jetzt alles. Nur doof, dass wir die selbe Strecke um halb acht schon wieder bestreiten müssen (der östliche Fernbahnhof ist ungelogen am Arsch von Kunming) und dass alles nur damit wir 10h in einem Schlafbus liegen dürfen, für den ich nicht einmal Schlaftabletten hab. Meine erste Ladung hab ich dummerweise liegen lassen und neue habe ich mir nicht besorgt, weil mich das sicherlich mehrere Stunden gekostet hätte (das Krankenhaus hier ist nicht so verlassen, wie das in Yuanyang). Drückt uns die Daumen, dass wir auch so heil im Süden Yunnans ankommen.
stefanreiss am 18. Dezember 09
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Ankunft in Dali (So, 13.12.09)
Reisen kann so angenehm sein. Das gilt besonders, wenn man mit einem Nachtzug unterwegs ist, selbst wenn man dadurch die doppelte Länge benötigt. In 10h fuhren wir nach Dali. Die Stadt ist heute zweigeteilt und besteht zum einen aus einer neuen Stadt und einem alten, ummauerten Teil, der früher die Hauptstadt des Reiches der Nanzhao war. Zwischen 750 und 1254 war Nanzhao ein unabhängiger Staat mit großen Goldvorkommen. Bis ins 13. Jahrhunderten konnten sie sich den Kaisern Chinas widersetzen, was vor allem auch auf die Unterstützung der Landbevölkerung zurückgeht. In im lebte eine Mischbevölkerung aus Tibetern, Thai, Chinesen und im speziellen die heutigen chinesischen Minderheiten der Bai und Yi. Die Architektur der Bai stellt im heutigen Dali auch eine Hauptattraktion dar, neben drei großen Pagoden und dem Erhai See.
Der Komplex ist, wie es wohl auch Lijiang sein wird - dem großen Konkurrenten, wenn man hier in der Gegend reist - im Grunde genommen eine Aneinanderreihung von Geschäften und Cafes. Dafür wurden die Hauptachsen und Seitengassen perfekt restauriert. Es mag Ansichtssache sein, ob man das gut. Aber es wurde wirklich schön umgesetzt. Rote Lampions säumen neben hübschen Laternen den Weg. Es fließen Bächle und die kunstvoll verzierten Holzfassaden der Häuser werden effektvoll mit gelben Licht in Szene gesetzt. Es gibt eine große Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten, darunter viel Schmuck und Holzarbeiten, was oft auch vor den Hütten gefertigt wird. Doch vor allem sind die vielen Cafes zu erwähnen, welche durch ihre Kreavität, Originialität und liebevollen Details glänzen.
Nach einer etwas längeren Suche, fanden wir eine Übernachtungsmöglichkeit vor den Toren der Stadt. Obwohl die Auswahl groß ist, fanden wir einige Hostels nicht oder sie waren noch zu (wir kamen an, als es noch dunkel war) oder sie gefielen uns nicht. Vor allem ein Chinese, der uns zu zick verschiedenen Hotels geschleppt hat (die zwar alle schön waren, aber halt zu teuer, weil wir so viel Platz nicht brauchten) hat uns irgendwann genervt. Unser jetztiges Hostels ist zwar nicht überragend (sanitäre Einrichtungen draußen, Klo nur ein Loch im Boden), aber dafür kostet es nur 15RMB. Das Bett ist weich, wir haben unser eigenes Zimmer (ein Bett steht leer), es gibt kostenloses Internet und das Personal ist nett. Für die Schönheit oder angeneehme Atmosphäre gibt es lediglich für den grünen, üppig bewachsenen Innenhof ein Plus. Trotz allerdem spielen wir mit dem Gedanken in ein anderes Hostel umzuziehen.
Wir verbrachten den Tag heute ausschließlich in der Stadt. Zwar bekamen wir ein super Reitangebot für den nebenanliegenden Berg, aber uns erschienen die Pferde nicht gut gepflegt genug und außerdem wirkten die Männer seltsam und fordernd. Durch einen Gratiskaffee angelockt, saßen wir in einem der vielen Cafes, als wir ein österreichisches Pärchen kennen lernten. Es stellte sich heraus, das der Mann Bernhard Möstl war, Autor eines Bestsellers von 130.000 Exemplaren und zwei weiteren Büchern. Zudem bereiste er schon 140 Länder dieser Welt - ich wusste gar nicht, dass es so viele gibt ^^. Ein unheimlich interessantes Gespräch mit den beiden, wodurch die Zeit wir im Fluge verging und schon die Sonne hinter den Bergen verschwand, als wir uns trennten. Er war außerdem der erste, der uns in der Wahl von Ethnologie und/auch im Zusammenhang mit Sinologie bestärkte und die Zukunft darin sehe. Für ihn sei es ein unausweichlicher Weg die Asiaten im Allgemeinen genauer zu betrachten und von ihren Stärken zu lernen.
Wir saßen dort so lange, dass auch einige skurille Individuen auftauchten. Zum einen waren da die zwei Drogenfrauen. Alte, runzlige in Tracht gekleidete Frauen, die genauso aussahen wie die Frauen, die Schmuck verkauften. Doch diese beiden schlenderten langsam, mit einem süßen Lächeln zu dir hinrüber, lehnten sich etwas in deine Richtung und flüsterten: "Smoking Hashish?" Ich konnte nicht anders als lachend abzulehnen, weil ich eigentlich kurz davor war die Frau abzuwimmeln, schließlich brauche ich keinen Schmuck. Als wäre nichts gewesen und ohne ihr Lächeln abzunehmen, schlenderte sie davon. Man sollte wissen, dass das der Umgang mit Marihuana in China verboten ist und mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Und dann war da noch dieser Mann, der einfach auf der Straße stand und eine Geschichte zu erzählen schien. Doch niemand hörte ihm zu und er verlangte auch kein Geld dafür. Über eine Stunde stand er dort und laberte vor sich hin. Zwischendurch gab er auch Gesangseinlagen, die er plötzlich, mitten im Ton, unterbrach und weiterredete, als würde er die Szene erklären. Unheimlich skurril und jedes Mal, wenn ich zu ihm rüberschaute, schaute er mich auch an. Selbst wenn ich unscheinbar nur die Augen zu ihm bewegte, schien er es zu merken. Dabei fixierte er mich, hörte aber nicht auf zu Sprechen, wodurch der Eindruck erschien, als würde er mit "mir" reden.
Ein fauler, aber sehr schöner Tag. Einzig allein die Tatsache, dass ich mein Handy nicht mehr finden kann, verdirbt mir die Laune. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich es im Hostel in Kunming das letzte Mal nutzte. Danach hab ich keine Erinnerung mehr. Fakt ist: Ich finde es nicht und auch dem Kunminger Hostel wurde nichts abgegeben. Anrufen bringt auch nichts, weil es ausgeschaltet zu sein scheint. Ich hab' keinen blassen Schimmer. Im Zug verloren werde ich es aber nicht haben, weil wir nochmal unsere Betten vorm Ausstieh absuchten. Ich hoffe nun, dass es vielleicht in meiner großen Tasche liegt, die ich in Kunming zurück ließ, auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Wäre halt total doof, weil ich erst gerade gekauft hatte und es auch nicht billig war.
Bild 1: Eine Gasse von nem Cafe aus
Bild 2: Man sieht den skurillen Kerl ganz link und die zwei Drogenomis auf dem Bänkle im Hintergrund sitzend.
stefanreiss am 14. Dezember 09
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Viele, viele Abreisen (Do, 10.12.09)
Der Tag der großen Abreisen stand an. Andi fuhr schon am Morgen zum Flughafen, Franzi und Chris erst am späten Nachmittag. Die Zeit bis dahin verbrachten wir mit einem Spaziergang zu einem Park, essen und rumgammeln. Die Müdigkeit machte sich vor allem in der Gereiztheit der Leute bemerkbar, die ihren Höhepunkt beim Packen der Koffer fand. Hildes Schwester war nicht sonderlich erfreut über die Menge, die Hilde ihnen an Gepäck mitgeben wollte. Nun sind aber alle weg und wir beide übrig gebliebenen so erschossen, sodass wir schon um 21Uhr im Bett lagen.
Der Freitag begann mit meiner am meisten verhassten Tätigkeit in China: Tickets kaufen! Obwohl es schon sooooo viel leichter und angenehmer wurde, seitdem ich etwas Chinesisch kann, ist es immernoch brutal nervig eine Stunde in der lauten Tickethalle zu stehen und sich dabei über mega dreiste vordrängelnde Chinesen zu ärger. Schamlos wird dabei über die Ballustraden vor den Schaltern gesprungen, was sich aber nicht alle gefallen lassen und die Drängler zT. mit Zerren, Reißen und bösen Gesichtern wieder hinausschmeißén. Selbst ich musste einmal jemanden zurechtweisen, weil er sich vor mich stellen wollte. Aber ich bin ja nicht dumm und hab vorher schnell einen passenden Satz auswendig gelernt ;). Richtig erleuchtend war hingegen die Kenntnissnahme einer großen Leuchttafel über den Schaltern, die schon genaustens darüber Auskunft gab, wieviele Tickets es noch in den verschiedenen Kategorien gibt. Dadurch ist man weniger auf die gestresste Frau hinter der Scheibe angewiesen ^^.
Als diese Hürde genommen war, konnten wir unseren Tag in Kunming ausgiebig und planlos genießen. Lediglich ein Trekkinggeschäft war fester Bezugspunkt, weil ich mir eine kürzbare Trekkinghose gekauft habe. Denn ich hab erkannt, dass eine Jeans für Rucksacktouren einfach zu unpraktisch ist. Nicht nur, dass sie schwer ist. Außerdem würde sie ewig nicht trocknen, wenn man sie mal waschen muss. Durch einen Chinesen, habe ich von einer Marke erfahren, die früher für große Marken wie "The Northface" produziert hat, aber in China und eigenem Namen vertreibt. Die Qualität scheint super zu sein und der Preis mit 230RMB top. Nun muss sie sich nur noch im Feld beweise1n. Während der Suche fand ich zudem einen ultra kleinen und leichten Regenschirm. Normalerweise sind diese kleinen, zusammensteckbaren Schirme einfach Schrott und gehen beim ersten stärkeren Wind kaputt. Doch praktisch sind se schon. 160RMB für einen Regenschirm aus einem Trekkingladen, der laut Verkäufer nicht kaputt gehen soll...ich möchte ihm glauben. Aber wehe wenn doch!!
Der Sa auf dem Xi Shan, einem Erholungsgebiet am Rande eines Sees außerhalb Kunmings, war ein Reinfall. Auf der Karte erschien es, als würde man ständig mit Seeblick zu einer Sehenswürdigkeit zur nächsten laufen. In wahrheit liefen wir die ersten drei Viertel ständig an der Straße und atmeten das Abgas der vorbeifahrenden Autos ein. Und den See sahen wir auch nur hin und wieder. 2km vor Ende, von wo man auch wieder hätte Eintritt zahlen müssen, gaben wir auf und ließen die Massen an Menschen und Verkaufsstände hinter uns, um die restliche Zeit bis zur Abfahrt nach Dali im Hostel zu verbringen. Nur noch auf dem Weg dorthin erlebten wir etwas lustiges. Ich war dabei mir einen frisch gepressten Melonensaft zu kaufen, als auf einmal ein Mädel aus dem Hinterzimmer kam und schnell die Straße hochflitzte. "Häh, was macht sie denn, sind denen die Melonen ausgegangen sein?", witzelten wir. Umso lustiger war es, als das kleine Mädchen wirklich mit einer dicken, grünen Melone im Arme zurückrannte. Das arme Ding, hätten sie einfach was gesagt, dann hätte ich halt eine andere Frucht genommen ^^.
Bilder:
Bild 1 und 2: Nachtrag Reisterassen
Bild 3: Ein Dorf im gleichen Gebiet
stefanreiss am 14. Dezember 09
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Die Reisterassen von Yuanyang (bis Mi, 09.12.09)
Das Land östlich der Berge (so heißt die Provinz Shandong wörtlich übersetzt) habe ich nun endgültig hinter mir gelassen und befinde mich seit mehreren Tagen schon in der Provinz Yunnan, dem Land südlich der Wolken. Am letzten Sonntag kam unsere Gruppe von fünf in Kunming, der Hauptstadt der Provinz, an. Die Stadt liegt 1890m über dem Meeresspiegel und ist wie der Rest der Provinz von kulturellen Minoritäten geprägt. Von den Nationalität der Han, die im landesweiten Vergleich über 98% darstellen, gibt es hier weniger als 50%. Auf den Straßen sieht man dementsprechend viele Frauen in unterschiedlichen Trachten. Die Architektur ist unteschiedlich und die Hautfarbe sowieso viel dunkler als im Norden Chinas. Ein weiterer großer Unterschied von Kunming zu anderen Städten, die ich bisher gesehen habe, sind die vielen Pflanzen. Nicht nur, dass die Bewohner ihre Fensterbretter mit Grünem schmücken, auch in der Stadt selbst stehen Bäume an Bäume, die manchmal sogar höher als die Gebäude wachsen. Gerade durch diese Tatsache ist die Atmosphäre ungleich angenehmer. Auch grobmaschiger gesehen hat sich die Provinz Yunnan lange abgekapselt vom Rest des Reiches. Erst vor ca 500 Jahren konnten die Truppen des Khublai Khans die einheimischen Truppen besiegen. In den Jahrhunderten davor war Yunnan kein Teil Chinas und besaß auch noch nicht diesen Namen. Vor allem als Teil der südlichen Seidenstraße war die Region bekannt und wichtig.
Unsere Unterkunft das Cloudland, auf dessen Dachterasse ich auch jetzt gerade wieder sitze, befindet sich inmitten der Stadt und stellt für mich das Idealhostel schlechthin dar. Ein bunter und abwechselnder Trubel. Es wird Billard und Tischtennis gespielt. Nebenan sitzt man im gemütlichen Barbereich, hört Meditationsmusik, liest, surft im Internet, schaut DVDs oder bestellt sich etwas aus dem perfekten Angebot, welches neben chinesischen alle westlichen Genüsse anbietet und das zu fairen Preisen. Mein Lieblingsfrühstück ist ein Yoghurt Müsli mit ganzen Fruchstücken, dazu ein Glas frisch gepresster Orangensaft für insgesamt 25RMB. Bis auf die perfekten Schlafbereiche erscheinen die wild beschrifteten Wände und Einrichtung etwas heruntergekommen, aber das macht es insgesamt nur umso gemütlicher.
Da unsere drei Mitreisende (Hildes Schwester, deren Freund und noch ein Freund Hildes) in wenigen Tagen abreisen mussten, waren wir gezwungen einen recht straffen Zeitplan zu kreieren. Nach einer Nacht im Hostel, die mit zu den schlimmsten Nächten meines Lebens zählt (am Maß des Aufwachens wegen vieler verschiedener Dinge), fuhren wir mit einem privat gemieteten Bussle zu dem 80km entfernten Steinwald. Wegen dichtem Verkehr und schlechten Straßen brauchten wir ganze 2,5h. Eine schreckliche Fahrt, weil mir seit Morgengrauen leicht schwindelig, sowie schlecht war und ich Kopfweh hatte. Das alles wurde tagsüber auch nicht besser, sondern schlimmer. Obwohl der Steinwald wunderschön war, konnte ich ihn so nicht wirklich genießen und brach unser zielloses Umherwandern vorzeitig ab, um eine Apotheke zu finden und mich auszuruhen. Eine Apotheke fand ich sogar, ließ mir zwei chinesische Pflanzenpillen geben und legte ich mich auf eine Wiese zum Erholen.
Der Steinwald, um nochmal darauf zurück zu kommen, ist eine Ansammlung bizarrer nach oben gerichteter ?????????????? Karsgesteinsformationen. Durch dieses undurchsitige und labyrinthartige Gewirr gab es eine Menge an Wegen und Treppen, die man entlanggehen konnte. Wie an anderen chinesischen Touriorten beschränkten sich auch hier die Massen auf die Hauptwege, auf denen in Landestracht gekleidete Mitarbeiter Fotos schossen oder Tänze darboten. Sobald man also ein paar Schritte eine kleine Nebentreppe entlang ging, war man allein und konnte die Landschaft ungestört und vor allem ohne Gebrüll genießen.
Zurück nach Kunming ging es glücklicherweise schneller als zuvor. Wir ließen uns vorsichtshalber aber dennoch direkt am südlichen Busbahnhof rausschmeißen, damit wir garantiert den Nachtbus nach Yuanyang bekamen. Direkt nach dem Aussteigen wurden wir auch schon wieder von Fremden angesprochen, ob wir eben zu diesen Reisfeldern fahren wollen. Etwas perplex und weil wir sowieso in die selbe Richtung wollten, liefen wir mit ihnen mit. Diese paar älteren Frauen zeigten uns daraufhin einen Bus, welchen wir nehmen sollten und am besten gleich einsteigen. Das ganze war mal wieder eine typisch bizarre Chinaszene. Solche, aber sonst noch viel skuriläre und groteske, Dinge geschehen mir nur in China. Zurück zu dem Bus. Wir standen nun auf diesem riesigen Platz, umringt von ca 25 weiteren Bussen, hatten keine Orientierung, wo die eigentliche Tickethalle war und zweifelten dementsprechend an der Glaubwürdigkeit der Damen. Wieso ließen sie uns nicht einfach zur Tickethalle, dann würden wir schon sehen, was es für Busse gäbe. Erst auf Nachhacken und weiteren Fragen geleitete uns eine der Damen zur Halle. Und tatsächlich waren es die zwei richtigen Busse nach Yuanyang und auch die Info, dass es ausschließlich Liegewägen gäbe, war richtig. Nun also schnell Tickets geholt und ab zum Bus. Das Theater, dass wir lieber in den 30 Minuten früher fahrenden Bus, als in den, in welchen uns die Damen drängen wollten, hätten wir uns sparen können, wenn wir gewusst hätten, dass sie letztendlich doch gleichzeitig losfuhren -_- . Prinzipiell war nun also alles geklärt, wäre die eine Dame nicht auf mich zugekommen, um zu erklären, dass wir ja nun einigen Service dieser älteren Damen in Anspruch genommen hätten, der eine kleine Servicegebühr bedingen würde. Schließlich hätten sie uns von draußen in den Busbahnhof gebracht und uns alles gezeigt. Halloooo? Geht's noch? Wär hat den danach gefragt? Erstens wussen wir selbst, wohin es geht und außerdem drängten die sich uns ja auf. Unglaublich... . 30RMB wollten sie, die ich lachend abschlug und meine Gründe darlegte. Das Problem war nur, fand ich, diese zu sechst sitzende Gruppe, auf die wir zum Einen während der Busfahrt angewiesen waren und der grimmig dreinblickende Mann, der sich während unserer Diskussion erhob. Ich war mir nicht sicher, wie klug es war diese Menschen missgestimmt zu machen. Hätte ich einfach gehen können, kein Problem, aber in diesem Fall kam es mir sinnvoller vor auf die 15RMB zu scheißen und auf Harmonie zu setzen. Da noch etwas Zeit blieb, gingen wir noch vor den Toren etwas essen und einkaufen. Als wir zurückkamen, begrüßte uns die nächste Gestalt. Ein freundlicher, etwas jüngerer Chinese, der sofort wusste wohin wir wollten und sich als der Besitzer des Busses vorstellte. Da wir, wenn möglich, eher die vorderen Liegen und nicht die unteren, die manchmal als Bänke missbraucht werden können wollte, setzte sich der Busbesitzer für uns ein und erklärte alles. Ein Einzelbett jedoch wäre nur gegen Aufpreis von 20RMB möglich, denn eigentlich sei es schon von Chinesen reserviert. Irgendwie erschien es doch seltsam, weil sich seine Infos mit denen von vor zwei Stunden nur teilweise deckten. Außerdem hätte ich es spätestens nach der nächsten Szene blicken sollen. Eine Frau, mit der wir schon vorhin einiges besprachen und die uns die Servicegebühr der Damen erklärte, kam in den Bus und stauchte, nach kurzer Situationsprüfung, den anscheinenden Busbesitzer an. Dieser zuckte zusammen, kuschte und entschuldigte sich mehrmals. Aus Angst aber, dass die Geschichte mit den belegten Betten wirklich stimmte und ich dem Andi eine beschissene Nacht ersparen wollte, gab ich dem Mann doch noch das Geld, welches er kurze Zeit später wieder forderte. Harmonie und Problemvermeidung in allen Ehren, aber dennoch nicht blind und es mal darauf ankommen lassen. Keine Ahnung, wer dieser Typ nun eigentlich war. Im Endeffekt war der halbe Bus leer und diese eine Frau war die eigentliche Busbesitzerin. Finanziell ein wenig ärmer, aber wenigstens an Erfahrung reicher.
Durch die wenig verkauften Plätze, hatten wir somit eine recht große Auswahl und zogen deswegen auf die Fünferbank ganz hinten im Bus, weil meine Begleiter Uno spielen wollten. Da ich aber sowieso nicht mitspielen konnte (weil mir auch sonst schlecht werden würde) und ich eher schlafen wollte, verkroch ich mich auf ein Doppelbett im vorderen Teil des Busses. Anstatt 7h, wie angenommen, standen uns nun 10h Busfahrt auf holperigen Straßen bevor, die wir mit Jacken oder mit widerlichen Decken zu überstehen versuchten. Vor allem die dauergeöffneten Fenster hätten sich manche Mitfahrer sparen können. Wenn ich doch wenigstens hätte schlafen können. Kennt ihr das, wenn man denkt, es seien mindestens 4h oder mehr vergangen, dabei waren es nur 1,5h oder so? Aus diesem Grund, wollte ich mir Schlaftabletten besorgen. Eine 24h Apotheke fand ich aber leider nicht, obwohl der Bus manchmal halbstündig anhielt, was auch die verlängerte Fahrtzeit erklärte. An einer dieser Pausen war es dann auch endgültig soweit und ich musste mich drei Mal übergeben. Ein absolut schreckliches Gefühl, aber wenigstens ging es mir hintermir besser.
Noch vor dem Morgengrauen, kamen wir in Xinjie an. Da der Busfahrer aber meine Fragen ignorierte, merkten wir erst nach gut einer halben Stunde, dass wir schon da waren und nicht nur Pause machten. Da ab diesem Zeitpunkt eh alles mehr oder weniger spontan ablaufen sollte, nahmen wir und drei weitere Ausländer, die wir im Bus kennen lernten, die Gelegenheit uns von einem Van zu einem Sonnenaufgangsausichtspunkt fahren zu lassen. Was sich im Nachhinein als völlig doof herausstellte. Der Platz war schön, keine Frage. Aber 30RMB bezahlen, um einen Sonnenaufgang anschauen zu dürfen? Unseret wegen hätten wir auch die Toiletten und befestigten Plattformen nicht gebraucht. Und die vielen sich aufdrängenden eierverkaufenden einheimischen Frauen, meistens mit Baby auf dem Rücken, waren auch eher unnötig. Für 1RMB sollte man ein Ei kaufen, egal wie viele man schon hatte. Wenigtens hier war mein Krankheitszustand eine gute Ausrede. Zudem stellte sich heraus, dass sich unser Hostel in dem nur wenige Höhenmeter tiefer gelegenen Dorf befand und wir somit den Ausblick inklusive gehabt hätten. Damit sich die Mietung eines halben Tages von 130RMB pro Fahrzeug doch noch lohnte, nutzen wir diese, um uns auf einen Markt in einem Dorf bringen zu lassen. Auffällig hier waren wieder die Trachten der Minoritäten, der prallen Sonne ausgesetzte Fleischtheken und die überall Riesen-Bong rauchenden Männer.
Unser Sunny Hostel befand sich am Rande des Dorfes, direkt an den Reisterassen. Auch um zu diesem zu kommen, musste man zu Fuß über frisch errichtete Wege oder Reisterassen balancieren. Die Unterkunft war schlicht, aber nett und ausreichend. Betreiber sehr freundlich und der Ausblick natürlich grandios. Insgesamt befand sich die ganze Gegend in regem Aufbruch in Richtung Tourismus. Überall wurden Häuser gebaut und Ausblicksplattformen oder schöne Wege errichtet. Mittlerweile war übrigens mein Zustand mit Durchfall komplettiert.
Nach dem 30RMB Sonnenuntergang ließen wir uns von unserem Fahrer in ein kleines Restaurant bringen. Ich erwähne es nur wegen einem Mann, der dort war, der sich viel mit uns unterhielt, den aber keiner verstand. Nicht etwa nur, weil er Dialekt sprach, sondern weil er komplett dicht war. Keine Ahnung ob es das Ergebnis von Alkohol oder den Bongs war, jedoch nuschelte und murmelte er ein Zeugs vor sich hin...sowas hab ich noch nicht erlebt. Ehrlich machte ich mir auch etwas Sorgen, weil er immer wieder Antworten erwartete und ich nicht wusste, wie er reagieren würde, wenn er sich verarscht oder ignoriert fühlt. Es ging aber alles gut. Zurück zum Hostel mussten wir natürlich wieder zu Fuß ab dem Parkplatz, doch vergaßen wir das fehlende Licht. Mit drei Taschenlampen mussten wir nun den teilweise steilen, ruschtig matschigen und schmalen Pfad zum Hostel entlang irren, immer mit der Angst gleich in ein Reisfeld zu rutschen. Ein kleines Abenteuer war es auf jeden Fall, für welches wir mit einem prall bedeckten Sternenhimmel belohnt wurden, den wir auf der Dachterasse vor unseren Zimmern genossen.
Am nächsten Morgen ging es mir glücklicherweise besser. Auch der Appetit war etwas zurückgekehrt. Den Vormittag, vor der Abreise, nutzen wir für einen ausgiebigen Spaziergang zwischen den Reisfeldern. Jeder einzelne Schritt musste gezielt und konzentriert gesetzt werden, weil man sonst in ein Reisfeldteich trat oder man die Dämme zerstörte. Es lohnte sich aber und zählte zu meinen Highlights. Man muss sich vorstellen, dass es dort tausende von Feldern gibt. Alle Hänge, egal wie steil, sind bedeckt mit den sich den natürlichen Gegebenheiten anpassenden Feldern. So geschwungen wie der Berg, so gewunden waren auch die Konturen der Felder. Die Kornkammer Chinas, die Millionen von Menschen ernährt.
Von Bada aus (Sonnenuntergangspunkt), zu dem wir 2h liefen, fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt. Hier wurde auch Mittaggegessen, weil uns die Auswahl des Hostels nicht allzu beindruckte. Es hätte wahrscheinlich wieder Ei mit Spiegelei, einem Ei, Omelette, Eierkuchen und Ei gegeben.
Obwohl es in Xinjie wieder richtige Apotheken gab, hatte niemand Schlafmittel im Angebot. Erst das Krankenhaus hatte schlafmittelartige Pillen, die Chris und ich unter Protest der Mädels kauften. Nachdem ich dem grinsenden Arzt meine Daten gab, ging ich mit dem Zettel zur Medikamentenausgabe. Dort wurden mir noch mehr Zettel gegeben, die ich am Gebühren- und Verwaltungsburü abgeben und bezahlen musste. Mit nun insgesamt fünf Zetteln ging ich zurück zur Medikamentenausgabe und bekam mein Tütchen Pillen. Obwohl es nur zwei sein sollten, war aber ein ganzer Haufen drin. Naja, kann nicht schaden, hab ja schließlich noch mehr Fahrten vor mir. Nun nur noch meine Kaputze an der Kasse abholen, welche die letzte Besitzerin dort abgab, weil ich sie im Bus liegen ließ und dann ab nach Hause. Natürlich mussten wir in dem hässlicheren und kaputteren der beiden Busse liegen und natürlich gab es nur noch die hinterste Bankreihe. Wenigstens zeigte die Schlaftablette Wirkung und ich wachte zwar oft auf, konnte aber immer wieder sofort einschlafen. Nach 7h Fahrt passierte es dann aber und unser Bus gab den Geist auf. Wir mussten auf Ersatzbusse warten, bei dem wir dann wieder ganz hinten, jedoch nur unten Platz fanden: die absolut schrecklichste Busfahrt meines Lebens. Es stank (nicht nur von den Bettdecken), es war kalt (ich lag am Fenster), was war laut, weil der Motor direkt unter uns lag und zudem vibrierte und wackelte unser Kopf im Takt des Motor. Achja und zu knapp in der Länge waren die Liegen sowieso. Nach insgesamt 12,5h waren wir erschöpft aber froh in Kunming angekommen.
PS: Bilder folgen hoffentlich bald. Mittlerweile ist es aber schon kurz vor zwei und ich bin zu muede dafuer.
stefanreiss am 12. Dezember 09
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