Freitag, 6. November 2009
Geburtstag, Gezählte Tage und mein erstes Interview! (Fr, 06.11.09)
Was laber ich eigentlich, von wegen noch kein Winter. Mittlerweile herrscht zwar wieder Herbst, aber noch vor wenigen Tagen war es so arschkalt! Der Wind pfiff, das Gesicht schmerzte und es wurden bis auf die Beine mehrere Lagen angezogen. Weder im Kindergarten noch bei mir zu Hause wurde geheizt. Beim ersteren wegen der Tatsache, dass es keine Heizungen gibt oder die funktionieren nicht, irgendwie so. Und bei meiner Familie, weil die Zentralheizung erst Mitte November in Betrieb genommen wird. Ich saß deswegen wirklich dauernd mit Jacke oder mit meiner Decke umschlungen auf meinem Stuhl und fror mir den Arsch ab. Dauernd durchgekühlt zu sein ist kein Spaß. Vor allem morgens in so einem Zimmer aufzuwachen und das schützende Bett verlassen zu müssen ist eine Qual. Mein Teekonsum ist in diesen Tagen unweigerlich gestiegen.

Letzten Mi feierte Anthony, ein englischer Freund von mir, seinen 26. Geburtstag in einem Jiaozi-Restaurant. Über 30 Leute, davon überwiegend Ausländer, versammelten sich aus diesem Grund. So viele Laowai (chinesische Bezeichnung für Ausländer) auf einem Haufen sah deren Servicecrew wohl selten oder sogar nie. Der Tisch bog sich unter den Massen von Teigtaschen und Bier. Sehr lecker und wieder ein Anlass neue, nette Leute kennen zu lernen. Nur das arme Geburtstagskind musste Leiden. Die unzähligen Male, an denen er sein Bier exen musste, machten sich bemerkbar. Sehr, sehr schwankend schaffte er es noch auf die Toilette, wenn ihr versteht, was ich meine ;-). Der Abend war deswegen auf beendet für ihn, obwohl ein Großteil noch weiter in eine Bar zog. Zum Glück wurde es auch ohne ihn noch ein netter Abschluss, mit Tischfußball, Dart, Billard und Bier.

Anders als die noch folgenden Abende in Bars und Diskotheken, sind meine Tage in Qingdao nun endgültig gezählt. Ich habe einen Flug nach Shanghai am 6.12.09 gebucht. Für nur unglaubliche 32Eur werde ich dort Hilde und den Rest der Truppe treffen, um mit ihnen wenige Stunden später nach Kunming weiterzureisen. Ich bin sehr glücklich über dieses Ticket, denn mit dem Zug dauert das ganze 10,5h anstatt 1,5h! Zudem wäre es nicht mal billiger, sondern vielleicht sogar teurer! Dasselbe gilt für die andere Strecke. Mit dem Zug würde es 40h dauern und ca. 48EUR für ein Hard-Sleeper kosten (wir zahlen nun 90Eur, die Tickets für 68.- gibt’s leider nur für Festlandchinesen). Bis zum 27.11. werde ich im Kindergarten arbeiten. Danach wohl ein paar Tage die Stadt noch genießen und dann war’s das auch schon wieder.

Bis dahin ist aber noch viel Arbeit zu tun. Heute hatte ich mein erstes Interview! Als Dolmetscherin fungiert nun also dieses eine Mädel, das Englisch kann und nach Deutschland gehen wird. Perfekterweise hat sie Journalismus studiert, was bedeutet, dass sie ihre Rolle heute ausgezeichnet ausfüllte. Sie hörte gut zu, machte sich Notizen auf Kärtchen und wird mir diese sogar abtippen und ins Englische übersetzen! Nur für das Protokoll, ich hätte mich auch mit den chinesischen Notizen zufrieden gegeben, aber sie meinte, so sei es einfacher für sie! Ich bin wirklich froh, dass ich sie habe. Ohne Dolmetscher würde gar nichts gehen! Wenn ich Glück hab, reicht mir sogar ihre Zusammenfassung des Gesprächs, ansonsten kann ich das Interview nochmal in Deutschland anhören und mit einem Chinesen übersetzen.
Das erste Interview führten wir heute mit der Chefin des Kindergartens und war auch recht aufschlussreich, möcht‘ ich mal behaupten. Die nächsten Interviews werden mit ein paar Kindergärtnerinnen und dann noch mit ein oder zwei Eltern sein.

Mein Oberschenkel ist übrigens immer noch gezerrt. Bei stärkeren oder plötzlicheren Belastungen sticht es sofort wieder rein. Nervt mich total, weil ich morgen eigentlich so gerne Fußball spielen möchte, vor allem auch, weil das Wetter zur Zeit super ist. Nun weiß ich aber nicht, ob ich es sinnvoll ist, ich durchhalten werde oder nur alles schlimmer mache... =/ .
Diesen Sonntag dagegen war ich eigentlich mit jemand verabredet. Nur über Wenwen erfuhr ich, dass man die Chefin fragte, ob man sich mit mir treffen könnte – also essen gehen und amüsieren. Bis heute dachte ich, dass es Eltern eines Kindes seien, die sich für weiß Gott was interessieren. Vor allem weil Er Zhen (ein Kind meiner Gruppe) mehrmals von irgendjemand quasselte, der mich am Sa aufsuchen wolle und sich mit mir treffen. Es ergab aber irgendwie wenig Sinn, weil sich die Eltern sicherlich direkt mit mir in Verbindung gesetzt hätten. Bis heute hat mir die Chefin, um nochmal zum vorherigen Thema zurück zu kommen, noch nichts persönlich über den So erzählt. Auf Nachfragen stellte sich dann heraus, dass es zwar Eltern seien, aber sie mich lediglich als Übungspartner für ihren Sohn nutzen wollen. Super Gelegenheit für den Kleinen seine englische Umgangssprache zu lernen. Natürlich, seh‘ ich auch so. Aber darauf hab ich ja mal gar kein Bock! Zum Glück ging niemand ans Telefon, als die Chefin nochmal nachfragen wollte. Dafür hab ich nun ein Date mit dem Mann der Chefin. Dieser möchte zwar auch sein Englisch verbessern, aber ich denke, dass es mehr ein Austausch wird und ich auch Chinesisch üben kann. Zumindest hoffe ich das, denn abschlagen kann ich das ja nicht. Zumindest nicht beim ersten Mal und nicht so direkt. Aber die Chefin ist auch immer nett zu mir, bot mir sogar schon an, dass ich das nächste Mal in Qingdao auch bei ihr wohnen könne.

Zum Glück ist nun aber Wochenende. Das hab ich auch nötig. Oder besser, das werde ich nötig haben. Nachdem ich die gestrige Nacht wieder nicht zu Hause verbracht habe, etwas wenig Schlaf hatte und direkt in die Arbeit ging, von der ich heute wegen dem Interview erst um 17Uhr nach Hause kam, sollte ich heute eigentlich früh ins Bett. Doch Freitag ist großer Weggehtag in Qingdao, weswegen ich sehr vermutlich nachher mit den Engländern einen Trinken geh‘. Gleichzeitig ärgere ich mich gerade mit der Tatsache, dass ich den PIN meiner Visakarte vergessen habe. Nicht, dass das zum ersten Mal passiert wäre, aber diesmal erinnere ich mich wirklich nicht. Obwohl ich mir ganz sicher bin, dass die eine Kombination richtig ist... . Das alles wird getoppt mit der Brisanz der Bank meiner Gastmutter. Erstens wird ab Montag täglich 5% Überziehungszins gefordert und zweitens wird sie ihre Kreditwürdigkeit (zumindest teilweise) verlieren. Deswegen versuch ich nun alles Mögliche, um an die PIN ranzukommen. Morgen ist Deadline und heute kann ich keine Kombinationen mehr testen, weil ich sie schon so oft falsch eingegeben habe. Eventuell kann ich mir heute Abend von den Engländern Geld leihen. Aber mal so schnell 500EUR zu organisieren?!... Wünscht mir Glück! ;-)



Sonntag, 1. November 2009
Vielleicht noch kein Winter, aber definitiv Herbst! (Sa, 31.10.09)
Heute war der mit Abstand kälteste und ekelhafteste Tag, seit dem ich in Qingdao bin. Es war mega kalt, es regnete und es windete stark, was die gefühlte Temperatur noch niedriger erscheinen ließ. Dummerweise stand heute das zweite Spiel mit der Mannschaft „Qingdao United“ an, mit denen ich schon letzte Woche spielte. Als ich endlich an dem Platz ankam, musste ich mit Enttäuschung feststellen, dass das Spiel abgesagt wurde. Wenigstens konnten wir nach einiger 5 gegen 5 spielen, was auch Spaß gemacht hat. Für mich jedoch leider nur begrenzt, weil ich mir nach nur 10min Spielens eine Zerrung im rechten Oberschenkel zugezogen habe. Ich machte zwar bis zum Ende mit, aber es tat zwischendurch echt weh.
Es gibt aber auch freudiges zu berichten. Endlich habe ich meinen Dolmetscher für die Interviews gefunden. Ein chinesisches Mädel, welches Englisch kann und ab Januar ein Jahr in Stuttgart Au-Pair sein wird. Sie hat momentan Zeit und ist bereit mir zu helfen, perfekt. Nun kann ich den wichtigsten Teil meiner Forschung beginnen.
Am Abend bin ich nicht mehr mit den Engländern weg gegangen. Stattdessen telefonierte ich 3h mit Freunden in Skype. Zuerst eine Stunde Konferenz mit Hilde in Shanghai und Daniel, Kaddi und kurz sogar Kirsten in Freiburg. Fünf Leute an drei Computern also. Das war sehr lustig. Danach plauderte ich noch mit Daniel weitere 2h. Durch unsere Webcams war es fast so, als würde ich auf seinem Stuhl im Zimmer sitzen. War echt super das alles. Jetzt 1:30Uhr geh ich endlich ins Bett.

----------Das Skype-Telefon klingelt------------

Keine Sekunde nachdem ich den oberen Satz beendet habe, ruft meine Schwester Sylvia aus Indien an. Ihr Internet funktioniert nun endlich und sie möchte das ganze mal testen. Also wurde es wieder nichts mit dem ins Bett gehen ^^. Aber es war auch schön sie mal wieder gehört und vor allem gesehen zu haben!



Donnerstag, 29. Oktober 2009
Von langen Bärten und verlängerten Visa (29.10.09)
Erstmal kurz zu meinem Bart. Da ich meinen Rasierer ja zu Hause liegen gelassen habe und chinesische Klingen, obwohl von Gilette, irgendwie nicht so gut sind, habe ich mich mehrere Wochen nicht rasiert. Ich weiß nicht, wie lange es genau her war. Aber das ging weit über meinen üblichen 3-Tage bzw. bei mir 6-Tage Bart hinaus. Doch mittlerweile wucherte er doch schon sehr arg, man sah auf einer Seite sogar nicht mehr den Übergang von Kotletten zu Bart. Klingt nicht besonders, aber fragt mal Sandra, wie stark meine Kotletten wuchern können! Da die Haare aber für eine normale Rasur zu lang sind, musste ich sie erst stutzen und suchte deswegen einen Friseur auf, um dessen Haarschneidemaschine nutzen zu dürfen. Das Ergebnis: Ich bin begeistert! 50ct ärmer, aber für weitere drei Wochen sorglos. Wenn das kein guter Deal ist! Meine Kollegin aber fand das Ergebnis weniger hübsch. Sie hat sich wohl schon an mich mit Bart gewöhnt. Ich wäre wohl auch noch mehr überrascht, wenn ich mich nicht in derartiger Gestalt schon kennen würde. Sie fand’s also nicht so toll, umso lustiger, dass mich in den weiteren 10min drei Leute kommentierten, ich sei sehr hübsch! In China sagt man auch fremden Menschen gegenüber, wenn man sie gutaussehend oder attraktiv findet. Vor allem als Ausländer bekommt man es ständig zu hören, was einem an der Ernsthaftigkeit zweifeln lässt. Nichtsdestotrotz muss es keine bloße Floskel sein, schließlich steht es ihnen frei es zu sagen oder nicht. Es war halt grad lustig, weil meine Kollegin immer daneben stand, aus Höflichkeit und Einfachheit halber deren Kommentaren zustimmte und ich mit breiten Grinsen schlussfolgerte, während wir weitergingen.

Nun zu meiner Visaverlängerung. Das Ganze ist erfolgreich abgeschlossen, obwohl es hätte anders laufen können.
Es ist Freitag. Stefan ist eine Woche vorher aufgefallen, dass seine 60 Tage bald rum sein müssten und er sein Visum verlängern muss. Stefan schaut auf dem Kalender und meint, dass es nächsten Sonntag so weit sein müsste. Da er erfahren hat, dass seine Praktikumsagentur 70Eur für den Spaß haben möchte, es eigentlich aber nur 16Eur kostet, fragte er seine Gastmutter, ob sie ihm helfen könne. Zu seiner Beschämung war die Behörde am Freitag vor dem besagten Sonntag unglaublich überfüllt. Obwohl seine Gastmutter arbeiten müsste, entschied sie sich ihm zu helfen und zu bleiben. Es wurden viele Fragen gestellt, Formulare ausgefüllt und Passfotos geschossen. Alles schien erledigt zu sein, bis die Frau am Schalter den beiden Antragstellern mittteilte, dass der Ausländer kein L- (Touristenvisum), sondern ein F-Visum besäße, welches man nur auf Einladung erhielt. Prinzipiell ja besser als ein Touri-Visum, aber da der bürokratische Aufwand größer sei, war er nun nicht mehr in der Lage es selbst zu verlängern. Wohl oder übel musste er seine Praktikumsagentur fragen und mit der Erkenntnis leben seiner Gastmutter umsonst den nervigen Vormittag verschafft zu haben.
Ohne Umwege ging er also zu seiner Agentur. Sie waren ja schon erstaunt und besorgt, als ich meinte, dass das Visum am So ausliefe. Die dafür verantwortliche Frau rechnete aber noch einmal nach und kam zu dem Ergebnis, dass das Visum noch am selben Tag ausliefe! In China wird zwar oft nicht weit im Voraus geplant, aber ein Visum so schnell zu verlängern, wenn man dafür eine spezielle Visumsagentur beauftragt, ist selbst für diese sehr, sehr knapp.
Am Ende klappte aber doch noch alles und Stefan darf nun weitere drei Monate in China bleiben. Das ganze kostete 90Eur. Klingt viel, was es aber nicht ist. Ein Bekannter, mit dem er ihm Nachhinein sprach, zahlt für dieselbe Verlängerung immer 120.- bis 150Eur. Die Agentur schien ihre armen Praktikanten wohl doch nicht auszunutzen!


Bilder:

Die ersten drei zeigen die Wanderung am So. Auf dem zweiten Bild sieht man zB meine zwei Kolleginnen, aber nur von hinten. Das letzte Bild stammt dann aus einer Langbart-Session.

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Sonntag, 25. Oktober 2009
Ein Ausflug auf den Fushan (So, 25.10.09)
Mit all‘ meinen Kolleginnen machte ich heute einen Wanderausflug auf unseren Hausberg. Vollständig ausgerüstet mit Wanderschuhen, Regenjacke, Vesper und meinem Trekkingrucksack hätte ich auch locker eine richtige Wanderung durchgehalten. Aber ich wusste nicht, was Chinesen unter Wanderung verstehen. Nach 30min Laufen kamen wir fast oben an und machten eine kleine Essenspause. Währen dieser kapselten sich dann einige von uns ab, um ohne Gepäck noch das restliche Stück zu erklimmen. Als wir wieder zurückkamen, konnte es weiter gehen. Das Gepäck wurde wieder aufgenommen und ich machte mich bereit weiterzulaufen. „Aber was machen die denn da? Wieso falten sie die Decke mit den Essenssachen nicht zusammen, sondern tragen sie an allen vier Enden über die Wiese?“ Meine Annahme, dass wir weitergingen erwies sich als Trugschluss. Es wurde lediglich ein besserer Platz angezielt, von dem eine andere Gruppe gerade aufgestanden war. Dieser Ort war auch der einzige, an dem wir bis zum Ende geblieben sind! 30min sind wir gelaufen und danach nur gesessen, Spiele gespielt und gegessen! Da jeder etwas mitgenommen hatte und man nach chinesischer Manier untereinander heftig teile, nahm das Essen den größten Anteil. Und das verstehen Chinesen nun unter einem Wanderausflug? -_- Gespielt wurde Blindekuh, bei dem eine Person mit verbundenen Augen, in der Mitte eines Kreises, versuchen muss eine Person zu erwischen und die Identität dieser zu erfühlen! Schwieriger als gedacht, wenn die Teilnehmer den blind umhertastenden Händen geschickt ausweichen oder den Blinden mit Armen verschiedener Leute verwirren. Ansonsten wurde ein Kartenspiel gespielt, bei dem der, der die falsche Karte zog, von allen intime oder schwierige Fragen beantworten muss. Recht langweilig, wenn man das Gesprochene nicht versteht. Als ich an der Reihe war und die „richtige“ Karte zog, musste ich jedoch keine Fragen sondern beantworten, sondern eine Aufgabe erfüllen. Ich hätte sie dafür schlagen können. Ich durfte mir eine Person aussuchen, die ich hinterher bis auf die Spitze des Berges tragen durfte. Meine Oberschenkel schrieen vor Ermüdung. Heute merkte ich nämlich, dass ich von dem Fußballspiel gestern am ganzen Körper Muskelkater hatte. Aber unter stetiger Anfeuerung schaffte ich es schließlich und wurde nach chinesischer Manier von einem Armtunnel und Bejubelung empfangen. Wenigstens wurde der Ausflug so doch noch sportlich. Und mein großer Trekkingrucksack hat sich auch noch bezahlt gemacht. Eine meiner Lehrerinnen, das Dummchen, war nämlich so schlau wie ein paar andere Kolleginnen und wollte mit einer Umhängetasche und einer zusätzlichen Tüte wandern zu gehen. In diese packte sie auch noch so viel Fressalien rein, wodurch der Ausfug garantiert kein Spaß geworden wäre. Einen Rucksack besäße sie nicht und Zeit zum einen zu kaufen hätte sie keine mehr gehabt. Jaja, schon klar. Letzten Endes wanderte der Großteil ihres Gepäcks in meinen Rucksack.

Mittlerweile ist es 20:30Uhr. Ich hab‘ einen Film geschaut und mit meiner Familie geskyped, dieses Mal konnten wir uns sogar sehen. Obwohl ich müde bin, geh‘ ich doch noch in die Stadt. Es spielt Manchester United gegen Liverpool. Ein Topspiel, das ich mir mit den Engländern in einem Pub reinziehen werde. Dass ich während der Busfahrt vermutlich einnicke, wird sich nicht vermeiden lassen.



Was tu‘ ich mir da nur an (Sa, 24.10.09)
Bevor ich mit meinem Bericht beginne, möchte ich etwas klarstellen. Mir ist von mehreren Seiten meiner Leserschaft zu Ohren gekommen, dass es sie wundert, wie viel und häufig ich in Gesellschaft junger Leute dem Alkohol und Tanzlokalen in späten Abendstunden frönen würde. Sie würden das nicht gut heißen und mir empfehlen mein Verhalten zu überdenken, auch um etwaigen Folgen für mein Ansehen vorzubeugen.

Hallo, geht’s noch!!!??? Nur weil meine Berichte detailliert und unterhaltsam geschrieben sind, solltet ihr nochmal genau nachsehen, wie oft ich wirklich davon geschrieben habe. Mit Ausnahmen bin ich ja wirklich nicht oft weg. Unter der Woche so gut wie nie und das letzte Mal etwas mehr Alkohol getrunken habe ich vor zwei Wochen! Also bitte...unglaublich!

Aber leider ist die Abstinenzphase auch schon wieder vorbei ;-) . Gestern Abend wurde ich von meinen englischen Freunden zum Essen eingeladen. Der Abend begann daher in einem guten, aber günstigen Lokal, in dem das Bier schon in rauen Mengen floss. Preislich in Qingdao (oder China an sich?) kein Problem. Der Krug mit 2l Inhalt kostete lediglich 60ct. Als die Bäuche reichlich gefüllt waren, zogen wir weiter ins LPG, einer westlich eingerichteten Bar. Wir spielten Tischfußball, Dart oder Billard, tranken Bier und unterhielten uns. Um ca. Mitternacht zogen wir weiter in Le Bang, der ältesten und typischten Location für Westler. Ausländer sind hier klar in der Überzahl. Anstatt zu Tanzen, stand ich aber die meiste Zeit mit irgendwelchen Leuten vor der Tür und unterhielt mich. Eine Flasche Bier für 10RMB ist zwar nicht teuer, aber ich ging trotzdem in einen der zwei direkt angrenzenden Supermärkte und holte mir die doppelte Menge für 4RMB. Mit Stärkungen durch Sandwiches lässt es sich so ganz gut ausshalten. 2h später ging es dann zur letzten Bar-Disko des Abends, der Jazz Corner Bar, welche am längsten von allen geöffnet hat. Die Musik ist abwechslungsreich, schneidet auch koreanische Lieder an und wird von deutlich mehr asiatischem Publikum besucht, auch wenn diese nicht die Mehrheit darstellt. Mittlerweile hat sich der Kern der Weggehenden deutlich verringert und es sind im Prinzip nur Luke, Terry und ich übrig geblieben. Noch zwei, drei andere waren dabei, die sonst jedoch nicht mit von der Partie sind. Jamie ist früher heimgegangen und Tim hat es auch nicht mehr geschafft. Bis auf die Schlägerei vor der Tür, in der ein Junge von 4 oder 5 anderen Jungs aufgemischt (zum Teil mit diesen gelben „Vorsicht, frisch gebohnert“-Schildern) oder schier vom Auto angefahren wurde, war es ein unspektakulärer Abend. Nichtsdestotrotz ging er lange und auch der Ethanol-Konsum war nicht gering, auch wenn er schon mit Wasser gegengekontert wurde. Um halb 5 oder so war ich zu Hause. Was allein nicht schlimm gewesen wäre, aber meine Praktikums-Agentur veranstaltete am selben Morgen ein Frühstück um 10:30Uhr. Daher durfte ich um 9Uhr schon wieder mein Bett verlassen. Benebelt und müde machte ich mich fertig, zum Glück aber in besserer Kondition als noch vor 1-2h. Ich erinnere mich, dass ich aufwachte und aufs Klo gehen musste. Aber ich war noch so betrunken, dass ich keine Lust hatte mehr als meine Hose anzuziehen. Schließlich ist es nur ein Weg von 6m. Dabei hab ich nicht beachtet, dass meine Gastmutter eventuell schon wach wäre. Ich machte also die Tür auf, meine Haare etwas verwuschelt, der Blick orientierungslos umherschweifend und blickte direkt in das etwas überraschte Gesicht meiner Gastmutter. So schnell es ging, brachte ich mein Vorhaben zu Ende und verschwand wieder hinter meiner Tür.
Das amerikanische Frühstück, mit Ei, Toast und Speckscheiben, war lecker und der wiederauffüllbare Kaffee machte zwar nicht munter, schmeckte aber auch gut. Nur die Kopfschmerzen und das dumme Gelächter der Leute um mich rum (die sich an meinem Zustand erfreuten) wollte nicht wirklich aufhören. Als sich die Fugen der Fließen im Klo anfingen zu bewegen, sobald ich mich nicht mehr vollstens darauf konzentrierte, merkte ich mit Gewissheit, dass ich immer noch Alkohol im Blut hatte. Mittlerweile war es 12Uhr mittags. Luke ging es aber auch nicht viel besser.

Zu meinem Pech blieb der Wunsch wenigstens am Nachmittag zu schlafen weiterhin ein Wunsch. Jamie lud mich ein mit ein paar Freunden Fußball zu spielen. Schon seit drei Wochen versuche ich am Wochenende mit ihnen zu kicken, aber es kam immer etwas dazwischen und es klappte bisher nie. Aus Angst, dass es nie klappen würde, schlug ich ein. Da eine Jeans zum Spielen zu unpraktisch ist und der Weg nach Hause viel zu lang brauchen würde, gingen wir kurzerhand auf einen chinesischen Markt und besorgten mir eine kurze Hose in Billigqualität für 15RMB. Auch wenn ich es nicht immer dazu schreibe, in China wird man auf der Straße regelmäßig angeglotzt. Umso schlimmer wird es, wenn man in Gegenden verkehrt, die von Ausländern seltener besucht werden. Das merkten wir in dem Markt daran, dass einer der Verkäufer kurzerhand seine Kamera hervorholte und die Situation mit uns filmte.
Nach langer und mühsamer Busfahrt, kamen wir endlich am alten Campus der Universität an. Mittlerweile erfuhr ich, dass wir aber nicht nur ein bisschen rumkicken würden, sondern ein richtiges Spiel, auf einem richtigen Platz, 11 gegen 11 bestreiten würden. Oh mein Gott, Hallo?! Warum sagst du mir das nicht früher, sonst war es doch auch nur Rumgebolze!? Meine Kondition und mein Körper erwarteten fürchterliches. Mehr oder weniger auch zu Recht! Auf einem Kunstrasenplatz, zwischen alten, von deutschen gebauten Gebäuden, stand ich nun mit einigen anderen Ausländern mittleren Alters und spielte gegen eine chinesische Truppe. Mir war es so peinlich, als ich einige deftige Patzer verursachte, die ich nicht mehr nur auf meine Nicht-Fußballschuhe schieben konnte. Es wurde erst besser, als ich in die Abwehr gestellt wurde, worüber sich auch meine Kondition freute, die nicht mehr dermaßen gefordert wurde. Nach dem der 2:0 Rückstand aufgeholt wurde, hätten wir am Ende auch 2:3 gewonnen, wenn unsere Gegner nicht noch nach Italiener-Manier ein Tor in der letzten Minute geschossen hätten. An der Qualität und Objektivität unseres Schiedsrichters darf gezweifelt werden. Doch es hat insgesamt Spaß gemacht und die Aufgabe eines Abwehrspielers hab ich ausreichend erfüllt, weswegen ich nächste Woche wieder dabei bin!

Es war 17Uhr und mittlerweile hatte sich wieder meine Kollegin von der Arbeit gemeldet. Ich hatte mir gut einen gemütlichen Abend mit einem Film und vor allem Sitzmöglichkeit vorgestellt. Das sture Ding blieb aber so unnachgiebig, weswegen ich dieses Mal doch zu ihr nach Tai Dong gefahren bin. Das nächste Mal aber geht’s zu mir! Ich traf mich mit ihr in einem Einkaufszentrum und wurde zugleich freudig und hibbelig um mehrere Ecken gezogen. Sie hätte etwas Interessantes gefunden. Stehen blieben vor einem Tisch mit vielen kleinen, bunten Steinchen und mehreren Zangen. Sie war mitten dabei selbst Ohrringe zu basteln. Und eh ich mich versah, saß ich neben ihr und machte das gleiche. Ich stellte mir die Frage, wie tief ich schon gesunken sei. Zu meinem Verdruss klappte der Scheiß aber nicht mal richtig: Ich hatte irgendwie kein Gespür für eine schöne Konstellation, kämpfte mit meiner Feinmotorik und mit der Unfähigkeit die Zangen so zu benutzen, dass kleine Ösen am Ende der Drähte entstanden. Ein Paar vollendete ich dann aber doch und das sieht auch wirklich gut aus!
Nach getaner Arbeit, gingen wir zusammen essen, amüsierten uns über Chinesisch mit Englischen Akzent und spazierten noch ein bisschen umher, bevor ich mit dem letzten Bus in meine Richtung heim fuhr. Das war auch bitter nötig. Ich kaufte mir lediglich noch koreanischen Apfel-, bzw. Mangosaft in der Dose, die ich bei einer Folge „Die Deutschen“ getrunken habe. Ich schaffte es aber nicht die 40min durchzuhalten. Ich dachte noch einmal an Tim zurück, der gestern wieder in die Heimat zurückgeflogen ist und ging nach der Hälfte der Dokumentation ins Bett.



Freitag, 23. Oktober 2009
Ein typischer Tag (23.10.09)
Jetzt kann ich einmal ne Stunde länger schlafen, aber was bewirkt meine innere Uhr? Dass ich um kurz vor 7 aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Na toll!
Länger schlafen hätte ich deswegen heute können, weil ich nachher mein Visum verlängern möchte. Bin nun 60 Tage mit einem Touristenvisum im Land und eigentlich sollte es kein Problem darstellen dieses noch 2x für jeweils 30 Tage zu verlängern. Ein Bekannter hier wollte das selbe machen und war dementsprechend überrascht, als man ihm mitteilte, dass das Visum nicht verlängert werden könne. Warum? Gründe gibt’s nich. Lediglich die Aufforderung in zwei Tagen das Land zu verlassen! (Erst nach längerem Diskutieren hat er einen Aufschub auf sechs Tage erhalten) Deswegen hoffe ich, dass mich nicht das gleiche Schicksal ereilt und ich gezwungen in nach Hong Kong zu fliegen. Das gilt als Ausreise und von dort könnte ich ein neues Visum beantragen, aber das ganze kostet nur Zeit, Geld und Mühen.

Ok, nun ein typischer Tag meines Lebens in Qingdao.

Um 7 Uhr klingelt mein Handy. Wenn ich nicht schon vorher wieder aufgewacht bin, ertönen liebliche Klänge eines Klaviers, um mich in die harte Realität zu leiten. Ich denke daran wie arschkalt es in meinem Zimmer ist, versuche so viel Zeit wie möglich noch unter der wärmenden Decke zu verbringen, reiß mich dann aber doch zusammen und stehe auf. Die super lichtdurchlässigen Vorhänge werden zur Seite geschoben und einen Augenblick lang, betrachte ich die Gruppe älterer Senioren, die unten auf dem Platz ihre Morgengymnastik durchführt. Ich geh aus meinem Zimmer – immer wieder gespannt, ob heute ein oder sogar zwei Eier auf dem Tisch auf mich warten und mich vor die Frage stellen, ob ich es essen soll – und verschwinde im Bad. Nach meinen Cornflakes (玉米片) und einem gesunden Glas Vitamintablette, packe ich meine Sachen und geh los. An der Bushaltestelle erwartet mich gewohnheitsgemäß ein Haufen Chinesen, die alle erwartungsvoll in Richtung der herannahenden Busse blicken. Ich tue es ihnen gleich, steh aber etwas abseits und genieße die Musik meines mich überall hin begleitenden Freundes (Ipod). Nach nur 10 Minuten Fahrt steige ich an der Haltestelle Shandongtou (山东头) aus und mache am Reck vor unserem Gebäude noch ein paar Klimmzüge, wenn ich nicht wieder zu spät dran bin.

So bin ich also ab 8 oder 8:15Uhr an meiner Arbeits- bzw. Forschungsstätte. Meine Arbeitszeit unglaublich auflockernd ist das gelegentliche Spielen auf dem Klavier, was ich auch meistens morgens etwas tun kann, bevor unsere Kinder allmählich eintrudeln. Die Vormittage verlaufen je nach Unterrichtsplan unterschiedlich. Lediglich der Morgentanz mit anschließendem Spiel draußen sind fixe Tagespunkte. Mit chinesischer Kindermusik und einer Lehrerin an der Front sollen die Kinder zu den unmöglichsten Bewegungsabläufen motiviert werden. Man kann dabei manchmal wirklich nur den Kopf schütteln und sich fragen, wie zur Hölle man auf solche Bewegungen kommt. Nicht mal, wenn ich exakt das Gegenteil von dem machen würde, was ich als sinnvoll oder kreativ ansehe, würde dabei so etwas rauskommen. Der neue Tanz, den sie dem letzt begannen zu lernen, toppt das Ganze nochmal! Glücklicherweise wurde die CDs so schlecht behandelt, dass es Glück bedarf, dass die Musik ohne Sprünge abgespielt wird oder dass sie nicht komplett ausfällt. Auf den Plätzen um das Gebäude herum werden nun entweder gemeinsame Spiele veranstaltet oder den Kindern freien Lauf gelassen. Letzteres gibt uns Lehrern die Möglichkeit selbst etwas an den Recks, Ringen und sonstigem Gerät zu turnen. Jedoch natürlich nur, wenn die Sportgeräte von Anwohnern zweckentfremdet missbraucht wurden. In China ist es nämlich kein Problem seine Bettwäsche einfach irgendwo hinzuhängen, wenn zu Hause kein Platz dafür ist oder man sich davon einfach gestört fühlen würde. Deswegen hängen über den Reckstangen oder auf dazwischen gespannten Leinen immer wieder Decken und Handtücher.
Achja, ist die Offenheit und Ehrlichkeit von Kindern nicht angenehm? Ich beschwere mich zumindest nicht, wenn ich aus unterschiedlichen Richtungen „Wow, yingyu laoshi hao lihai!“ höre, während ich mich am Reck hochziehe oder sonst wo irgendwas Sportliches mache, was die Kinder von meinen Mädels nicht zu sehen bekommen. Ich bin halt einfach grandios und begabt, was der Satz übersetzt bedeutet ;-). Auf 11 Uhr geht es wieder zurück. Ich geb entweder Englisch-Unterricht oder warte bis halb 12. Dann gibt es Essen für die Kinder, die Plastikbetten werden aufgestellt, die Kinder wandern ins Bett und wir können endlich auch etwas zu uns nehmen. Das Essen ist meistens sehr lecker und dem fehlenden Geschmack wird einfach durch in Öl eingelegtes gehäckseltes Chili nachgeholfen. Zum Verdruss meiner Kolleginnen endet danach mein Arbeitstag und ich mach‘ mich auf den Weg nach Hause.

Den Nachmittag verbringe ich meistens zu Hause. Ich trinke Kaffee, schaue Serien bzw. Filme am Computer, lese (manchmal sogar für Ethnologie), schlafe oder lerne Chinesisch. Irgendwann um 18 Uhr rum kommen meine Gasteltern nach Hause. Wir essen was zusammen, ich geh danach noch ein bisschen raus (unter der Woche aber eher selten), telefoniere bzw. chatte mit Chinesen oder Freunden aus Deutschland oder mache eines der Dinge, die ich auch schon am Nachmittag gemacht habe. Zwischen 23Uhr und 24Uhr lege ich mich dann ins Bett, um am nächsten Morgen wieder fit sein zu können.


Noch ein paar Bilder.

Nr1: So sieht es in ner KTV Bar aus!
Nr2: Das ist nun also ein chinesischer Fahrplan, geil wa?
Nr3: Die Sportgeräte bzw. Wäscheständer vor unserm Kindergarten.

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Samstag, 17. Oktober 2009
Meine schrecklich nette Familie (17.10.09)
Hab ich eigentlich schon irgendwas über meine Gastfamilie geschrieben? Nicht wirklich, oder? Weil ich grad kein Bock auf Arbeiten hab (wen wundert‘s) und die Mandarinen, die es in Waterworld nicht gab, so lecker waren, schreib ich mal wieder ebbs.

Meine Behausung in Qingdao befindet östlich des Fushans 浮山 an der oberen Spitze der Shenzhen Lu. Ich wohne in einem von vier Hochhäusern, die durch ein Tor mit Pförtner und Metallzäunen vom Rest der Gegend abgetrennt sind. Glücklicherweise gibt es einen kleinen Supermarkt, direkt zwischen den Gebäuden. Dieser führt, wie es scheint, so ziemlich alles, was man irgendwie einmal brauchen könnte und hat auch immer geöffnet. Zumindest brennt fast immer Licht, wenn ich aus dem Fenster schaue. Betrieben wird dieser Laden von mindestens zwei Jungs in meinem Alter etwa, die im hinteren Teil des Geschäftes ihre Schlafzimmer haben. Meistens hängen aber noch andere Leute mit ihnen rum und schauen Fernsehen, bis ein Kunde kommt. Ansonsten gibt es leider nicht viel in dieser Gegend. Alles „typische“ in China – Märkte auf der Straße, Glückspiel oder Karten zockende, alte Leute, viele kleine Restaurants, zu viele Menschen, Dreck und Friseure ;) – gibt es in dieser Gegend nicht. Lediglich Wohnblöcke und sehr breite Straßen. Ein paar noblere Etablissements gibt es unten an der Straße bei der Küste. Aber nicht so etwas, was man sonst von China kennt oder erwartet. Es ist halt eine neue, andere, Facette Chinas. Aber für meinen Geschmack fehlt hier das Leben (renao 热闹 im Fachgebrauch =P ).
Ich wohne mit meinen Leuten im fünften Stock eines dieser Gebäude. Obwohl schon seit über einem Jahr fertig gestellt, ist der Aufzug immer noch mit Platten als Schutz verkleidet. Fragt nicht warum. Und obwohl erst ein Jahr alt, sehen die Geländer auf dem Dach so aus, als würden sie schon Jahrzehnte vor sich hin rosten. Aber dazu ein andermal.
Unsere Wohnung ist groß, sauber und geschmackvoll chinesisch eingerichtet. Ich besitze mein eigenes Zimmer, das nur sehr selten zu dessen eigentlichen Gebrauch genutzt wird, nämlich als Büro. Die meiste Zeit bin ich für mich allein und nachdem ich mir Stauraum geschaffen, einige pottkitschig nutzlose Dinge in die Schränke entsorgt hab und mir eine kleine Pflanze gekauft habe, lässt’s sich hier auch recht gut leben! Naja, bis auf mein Rüschen-Schrank, an den ich mich aber auch schon gewöhnt habe.

Mein Gastvater (mit ihm beginnend, um der konfuzianischen Hierarchie-Entsprechung nachzukommen :-P ) arbeitet beim Finanzamt. Zumindest macht er irgendetwas mit Steuern und erklärte mir dabei auch, dass alle Leute dieser Hochhäuser sein Kollegen seien und auch dort arbeiten würden. Ob er nun allerdings tatsächlich alle vier Häuser meinte, weiß ich nicht. Mir käme das schon etwas viel vor, aber wundern tut mich in China nichts mehr so schnell, was Größendimensionen angeht. Er dürfte Mitte 40 sein und ist ein sehr netter Mensch. Hilfsbereit und andauernd am Lächeln.Wenn er nicht in der Küche ist oder sich was zum Trinken vom Wasserspender holt, seh‘ ich ihn sonst im Schlafzimmer, welches ich vom Esstisch gut im Blick hab, weil die Türen immer alle offen sind. Zumindest tagsüber. Meistens sitzt er dabei vor dem Computer und die meiste Zeit spielt er irgendein Internetspiel mit einem Teich und kleinen Booten. Bevor ich auszieh‘, sollte ich mir das nochmal genauer angesehen haben. Aber irgendwie isses ja süß ^^.

Meine Gastmutter ist 42 Jahre alt und arbeitet für eine Firma, die mit Solarpanels arbeitet. Oooohja, sie arbeitet also für eine dieser bösen Firmen, die den europäischen Markt mit spottbilligen Solaranlagen zu überschwemmen drohen. Sie ist auch sehr sehr nett. Man denke an die Obstschnittchen, die ich immer noch von ihr bekomme ;-).

Mein Gastbruder ist 18 und befindet sich augenblicklich im „Schwarzen Jahr“. So wird das letzte Jahr der Oberstufe genannt, bevor die Kiddies an die Uni dürfen. Um auf ein Uni zu kommen, muss man aber einen äußerst schwierigen Test bestehen und das ist genau, was sie in diesem Jahr machen. Schwarz heißt es entweder wegen der Assoziierung mit böse (schwierig) oder weil die Schüler die Sonne nicht sehen und zu Nachtmenschen geworden sind. Um 7Uhr morgens verlässt er das Haus und kommt abends um 22Uhr wieder zurück. Am Wochenende ist er auch jeweils für einige Stunden in privaten Lerngruppen unterwegs. Unglaublich krass, was diese Schüler leisten (müssen). Umso krasser wäre es, wenn deren Unterricht effizient aufgebaut wäre. Wir in Deutschland und vermutlich auch in den restlichen Ländern, könnten alle unsere Taschen packen. Doch dummweise müssen sie viel viel viel auswendig lernen und davon sehr viel Unsinn. Die Beschäftigung mit klassischen Werken in allen Ehren. Ich finde es gut, dass man sich damit beschäftigt und welche davon auswendig lernt. Wo aber bleibt der Sinn, wenn man in einem Jahr ein ganzes Buch davon auswendig lernen muss, Silbe für Silbe?! Ein weiterer Beleg für ein zu überarbeitendes Schulsystem ist die Tatsache, dass der englische Wortschatz oft groß ist, aber die Aussprache und Sprechfähigkeit sehr unterentwickelt. Naja, ich will es hier nicht grundlos schlecht machen. Unser Schulsystem ist auch nicht gut und außerdem ist es sicherlich sehr schwierig ein adäquates System für so eine Masse wie in China zu finden (im Westen mosern sie schnell über alles in China, aber mit solchen Dimensionen wie hier haben sie es bisher alle noch nicht zu tun gehabt). Aber was wäre bei so einer Motivation und Ausdauer alles möglich!

Ich bin mir grade wieder nicht sicher, ob ich von der Oma erzählt habe. Die kleine, bucklige Frau, mit dem schiefen Blick? Na, klingelts? Ich sprech‘ von der Mutter von ihr, die über die Oktoberfeiertage in unserer Wohnung verweilte. Die Augen immer halb zusammengekniffen und den Kopf zur Seite geneigt schlich sie hier halt so rum oder saß auf der Couch. Anfänglich war ich leicht eingeschüchtert von ihr. Nicht weil ich sie fast nicht verstand, sondern weil sie nie zu lachen schien. Irgendwann aber schaffte ich es ihr ein Lächeln zu entlocken. Wir trainierten zusammen und mit der Zeit schaffte sie es immer öfters. Ich schient akzeptiert worden zu sein und sie ist wohl doch nicht so ein Miesepeter (Oh Nein, die Gender-Aktivisten, ich seh‘ sie schon kommen. Ok ok, ich gebe auf, dann eben: Miesepetra).

An dieser Stelle fällt mir auch ein: Wieso wollen die mir alle Ei aufdrängen? In China wird morgens genauso deftig wie sonst gefrühstückt. Bei uns bsw. machen die sich immer gebratenes Ei und dazu Reis, Mantou und sonstiges Gemüse oder Fleisch. Seit knapp einen Monat ess‘ ich nun Cornflakes zum Frühstück, was diese auch wissen. Aber trotzdem bleiben immer ein oder zwei Eier am Tisch stehen, die wohl für mich zu sein scheinen. Zumindest weist mich mein Gastvater immer morgens, wenn er aus dem Haus geht mit einem schlichten Jidan (Ei) und einem Fingerzeig darauf hin, ich solle doch Ei essen. Das ist doch so lecker! (Das sagte er nicht wörtlich, aber er hat es mit den Augen gesagt!) Aus Pflichtgefühl, weil es extra für mich gemacht wurde, aß ich dann oft eins davon). Die Oma dann aber genauso. Sie schien es nicht zu verstehn, wieso man zum Frühstück nur diese gelben, Plättchen mit Milch essen kann, wenn auf dem Tisch so viele andere Dinge und vor allem Ei stehen! Um es dem armen Ausländer begreiflich zu machen, was er für einen Unsinn mache, wies sie mich auch mehrmals auf die anderen Gerichte des Tisches hin. Vor allem aber wieder auf das Ei. Oh Mann, was wollen die alle von mir ^^.
Mittlerweile ist diese Phase zum Glück vorbei und ich finde keine Reste mehr auf dem Tisch.

Für’s Ende noch ein kleines Schmankerl:

Ihr kennt alle den Mobilfunkprovider O2 ? O2 can do - und so weiter. Ich weiß zumindest jetzt schon, dass die mit diesem Namen niemals in China Fuß fassen können. Denn in ungefähr gleicher Aussprache gibt es folgende Zeichen: 呕吐 , was nichts anderes heißt als „Erbrechen; sich zu übergeben“ ^^.



Sonntag, 11. Oktober 2009
Essen gehen mit Freunden (11.10.09)
Nun sind wir schon zum dritten Mal mit Bekannten, Kollegen oder alten Schulkameraden essen gegangen. Und wie es sich zu feierlichen Essen in China gehört, bedeutet das, viele verschiedene Gerichte und Alkohol. Weswegen ich bei jedem der Treffen einen leichten Schwips hatte. Sogar Wein wurde bisher jedes Mal aufgetischt, welcher aber so trocken und stark war, dass ich ihn nur notgezwungen trank und in Deutschland nie kaufen würde. Man trifft sich nun meistens in einem großen und guten Restaurant, welches in der Größe locker mit einem Hotel bei uns mithalten kann. Meistens besitzen diese Gaststätten großflächige Bereiche mit offenen Tischen und dann noch viele weitere abgetrennte Räume mit nur einem großen Tisch. In diesem reichlich verzierten Zimmer kann man ungestört die Freuden des Speisens genießen und hat seine eigene Bedienung, die dafür sorgt, dass es den Gästen an nichts mangelt. Sie serviert natürlich ganz ordinär die Gerichte, achtet darauf, dass die Gläser gefüllt bleiben (interessanter Weise ist es nicht unhöflich, wenn man komplett seine eigenen Getränke mitbringt!) und räumt grobe Essensreste und dreckige Teller parallel weg bzw. tauscht sie aus. Viele Gerichte bedeutet natürlich viel Auswahl, aber leider nicht unbedingt viel Freude. Denn unglücklicherweise bedeutet ungewöhnliches und besonderes Gericht nicht dass es auch lecker ist. Je spezieller, desto spezieller die Zutaten und der Geschmack. Seegurke zum Beispiel: eine kostenspielige Vorspeise. Schmeckt aber nach nicht viel und hat in etwa die Konsistenz von Gummibärchen mit glitschigen Inhalt. Als Gast hat man natürlich zudem das Glück immer alles probieren zu dürfen. Welch‘ eine Freude, vor allem wenn man schon vorher weiß, dass es eklig wird, aber man nicht unhöflich sein will. Hat es denn geschmeckt? Hmhm! (die gekreuzten Finger sind von der Tischdecke verborgen) Aber dass chinesische Fleischgerichte meistens mit viel Knochen oder Fett serviert, hab ich mich schon gewöhnt. Aber es ist trotzdem traurig, dass man nach einem so reichhaltigen Essen trotzdem hungrig nach Hause fahren kann.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele, so wie die letzten beiden Male, an denen der Tisch auch zum Bersten bedeckt war und so gut wie alles äußerst lecker geschmeckt hat. Wenn solche Anlässe nicht immer so lange gehen würden. Auch in Deutschland besitze ich nicht so ein durchhaltefähiges Sitzfleisch, aber hier versteh‘ ich zudem nicht mal die Sprache. Ein einziges Zeittodschlagen, unterbrochen von andauerndem Aufstehen, wenn man sich anstößt. Noch schlimmer als in der Sonne beim Jani!
Kinder sind auch meistens dabei. Und jedes Mal dasselbe Spiel: Komm, sprich doch mal mit dem Ausländer Englisch. Ach, jetzt zier‘ dich nicht so. Setz dich doch neben ihn. Usw Manchmal ganz nett, kann es aber auch nervig sein. Der vielleicht neun- oder zehnjährige Junge, der heute neben mir saß, war ja eigentlich ganz nett. Er hat’s nie ganz gepeilt, dass ich ihn nicht verstehen kann oder ihm war es egal. Zumindest saß er ganz enthusiastisch mir gegenüber und erzählte mir die tollsten Geschichten, die er mit ausgelassener Gestik unterstrich. Nachdem ich aber nie an den richtigen Stellen nickte oder nachfragte, hätte er es eigentlich verstehen müssen. Dann wollte er mir aber chinesisches Schach erklären, aber anstatt den richtigen Figuren wollte er die Teller benutzen oder er malte die Objekte mit dem Finger an die Wand. Aber als das auch nicht klappte, sah ich mich mit ihm Pokemon-Karten spielen. Das jedoch auch ohne Erfolg, was vorerst sein letzter Versuch blieb. Erst die Spiele meines Ipods, den ich dummerweise aus der Tasche holte, faszinierten ihn wieder, weswegen ich einige Minuten meiner entspannenden Zeittodschlagerei (Achtung: Ironie!) opferte, um mit ihm zu spielen. Achja, nicht zu vergessen ist seine kleine Showeinlage mit Formen des Taekwondo. Dumm nur, dass ich das kann und somit erkannte, dass es ziemlicher Murks war, den er mir da zeigte ^^.

Nachdem ich erfolgreich gelangweilt von meiner Gastmutter erblickt wurde, fragte sie mich endlich, ob ich müde sei und nach Hause wolle. Danke, es gibt doch einen Gott! Ohne mit der Wimper zu zucken, nahm ich das Angebot an, schnappte mir meinen Ipod von dem Jungen und verschwand aus dem Zimmer. Unsere Wohnung lag zum Glück in Laufreichweite. Ich sah mich schon Kaffee trinkend eine Folge Lost sehend, als mich die bittere Erkenntnis traf, dass ich keinen Schlüssel dabei hatte! Was nun tun? Zurück wollte ich nicht, vor der Wohnungstür harren war auch keine gemütliche Idee. Deswegen ging ich in den neben uns befindlichen Supermarkt, kaufte mir eine Dose Nescafe und setzte mich auf eine Bank zwischen unseren Hochhäuser. Das bisschen grün darum herum lassen den Ort tatsächlich entspannend wirken. Leider hätte die Sonne ruhig stärker und öfter scheinen können und die Bank nicht so hart. Dann wäre vielleicht auch das Kopfweh von dem schrecklichen Wein schneller verschwunden ;-).
1 ½ Stunden später konnte ich endlich in die Wohnung. Und was mache ich nun? Richtig! Kaffee trinken und eine oder vielleicht auch zwei Folgen Lost schauen. Was ich nun auch wieder tun werde. Ich warte gerade lediglich darauf, dass der Wasserspender genug warmes Wasser hat, damit ich keinen kalten Kaffee trinken muss.
Alles Gute und viele Grüße an meine Schwester, die heute Geburtstag hat! Happy Birthday oder wie die Chinesen sagen würden: 生日快乐! (sheng ri kuai le)



Dienstag, 6. Oktober 2009
Irrfahrt zu den Heißen Quellen (Mo, 05.10.09)
Was ist der Grund, wenn man um 7Uhr morgens von unrhythmischen Trommeln geweckt wird? Das ist einfach: vor der Haustür steht eine chinesische Trommelgruppe, die für das später ankommende Brautpaar übt. So geschehen am Sonntagmorgen. Eine nette Abwechslung, wenn ich auch meine, sie hätten später anfangen können zu üben.
Mittlerweile hatten wir uns entschieden einen Ausflug zu den Heißen Quellen zu machen und hinterher eventuell noch eine Tour im Laoshan. Am Mo Morgen trafen wir uns also um 9Uhr am Westlichen Busbahnhof. Ich hätte aber gut noch ne Weile schlafen können, hätte ich gewusst, dass Tim sein Orientierungssinn sich wieder selbst übertrifft. Nach endlosen Telefonaten und Erklärungsversuchen war er gut 45min auch am Ziel. Am Ende fand er sogar heraus, dass er ganz am Anfang, als er das erste Mal anrief, schon am richtigen Gebäude war, nur auf einer anderen Seite. Da ich mich aber leider am Telefon versprach und statt westlicher östlicher Bahnhof sagte, stieg er wieder ins Taxi und fuhr irgendwo hin. Hey, aber das war nicht der einzige Grund! Wir andern hatten den Bahnhof schließlich auch gefunden und in der ganzen Gegend gibt es nur diesen einen. Zudem fahren die Busse nach Jimoshi nur an diesem ab. So! Jimoshi oder besser das Umland davon war unser Ziel. Wir wollten zu einem Hotel, dass eine Badelandschaft inklusive hat. Von Jimoshi aus mussten wir einen weiteren Bus nehmen. Als wir aber an der gewünschten Haltestelle ausstiegen, hatten wir keine Ahnung, wohin wir sollten. Auch unsere Prospektbeschreibungen halfen uns hier nicht weiter. Da es keine richtigen Taxis gab, sondern nur Privatpersonen, die sich etwas nebenher verdienen, waren wir gezwungen so jemanden in Anspruch zu nehmen. Wir zeigten ihm den Zettel mit der Adresse und los ging die Fahrt. Doch spätestens als er uns fragte, ob wir schon wüssten, in welchem Hotel wir übernachten wollten, hätten wir misstrauisch werden und aussteigen sollen. Denn schließlich war das einer der ersten Sätze, dass wir zu DIESEM Hotel wollen. Dessen Adresse fände er HIER, unser Hinweis während wir mit dem Finger die Stelle zeigten. Wir fuhren langsam in Richtung Meer, an Wiesen und Krabbenzuchtanlagen vorbei, über eine lange Brücke und hielten auf einer kleinen Landzunge, direkt vor einer Fähre. Was zum Teufel wollten wir hier? Junge, willst du uns verarschen? Von sich überzeugt, verkündete er uns, dass wir angekommen seien. Aber einen Scheißdreck waren wir. Ich zeigte ihm abermals die Adresse und wiederholte den Straßennamen lang und deutlich. Er zeigte mir daraufhin zwei Zeichen mitten in einem Fließtext darunter. Dort fand er den Namen der Insel zu welcher uns diese Fähre bringen würde. Aber der Depp kann doch nicht einfach die Adresse missachten (die klar gekennzeichnet war) und im Text nach irgendwelchen Zeichen suchen, die er kannte. Noch dazu missachten, dass die Zeichen Bestandteil einer Bushaltestelle sind! Entweder er hat uns böse verarscht und tut nur so scheinheilig oder er konnte tatsächlich nicht lesen und suchte verzweifelt nach irgendwelchen Zeichen auf dem Blatt Papier, die er lesen konnte. Zufällig stand dort derselbe Name, wie die Insel und anstatt zuzugeben, dass er die Adresse nicht kenne, fuhr er uns zu dieser Insel. Da half uns auch die Fährdame nicht weiter, die meinte, dass man sich auch auf der Insel amüsieren könnte. Verdammt, da wollen wir aber nicht hin! Aus Sicherheitsgründen gaben wir ihm seine versprochenen 25RMB, aber mit ihm weiterfahren wollten wir doch nicht und liefen deswegen zu Fuß die Strecke wieder zurück, vorbei an der Kontrolle (bei der wir übrigens auch nochmal 20RMB gezahlt hatten -_- ), weiter auf die Brücke, bis ein neuer Van anhielt und uns mitzunehmen gedünkte. Dieses mal fragte ich ihn noch klarer und dümmer, ob er den Weg kannte. Und siehe da, am Ende waren wir am Ziel. Dumm nur, dass wir mit dem anderen in die entgegengesetzte Richtung gefahren sind und dumm, dass das Hotel direkt an der Straße lag, auf der wir mit dem Bus von Jimoshi gekommen sind. Nur ein gutes Stück weiter zurück als die Bushaltestelle, an der wir ausgestiegen sind.
Das Hotel war in Ordnung. Für 300RMB bekamen wir nach einigem hin und her ein Zimmer für uns drei. Wieder eine Herausforderung, wenn das Personal kein Englisch spricht und sich die Reisebegleitung dezent aus dem Gespräch hält. Nur für den Folgetag hätten wir mehr bezahlen müssen, weil wir dann in ein besseres Zimmer hätten ziehen sollen. So weit kam es aber nicht. Die Gegend selbst bot nichts, außer karger Landschaft, kleinere Ansammlungen von Häusern und dem Hotel. Die Badelandschaft für weitere 90RMB lohnte sich aber. In etlichen unterschiedlich temperierten Becken konnte man sich entspannen. Tischtennis, Außenbecken mit Badekappenpflicht und Kraftgeräte boten weitere Abwechslung. Vor allem ab 18Uhr, als es dunkel wurde und nur wenige weitere Gäste übrig blieben, warum auch immer, wurde es toll. Relativ allein konnten wir nun die unterschiedlichen Gewässer testen, deren Wirkung und Anwendung wir jedoch nie verstanden. Neben jedem stand ein Schild mit Erklärung und oft falscher Temperaturangabe. Unser einziges Entscheidungskriterium war demnach die Frage, ob es heiß, kochend heiß oder zu verkraften heiß war. Am Ende entdeckten wir sogar mit Vorhängen abgetrennte Becken, die jedoch mit weiblicher Begleitung interessanter gewesen wären ;-).

Einen weiteren Tag wollten wir aber nicht bleiben. Zu wenig bot uns die Gegend und so günstig war es nun auch nicht. Auf weitere Abenteuer hatten wir zudem keine Lust und entschieden uns deswegen gegen die Fahrt zum Laoshan, sondern für den Rückweg, der anstandslos klappte. Zum Laoshan wären nur wieder private Autos gefahren und dann wäre es nicht sicher gewesen wie wir von dort aus heimkommen. Außerdem kann ich Sonntags immer mit der chinesischen Gruppe dorthin zum Wandern.
Wenn es aber nicht aufs Geld ankommt, braucht man keine Angst zu haben nicht vom Fleck zu kommen. Andauernd wurden wir gefragt, ob wir mitfahren wollten. Zurück nach Jimoshi hätten wir vom Supermarktverkäufer für 60RMB fahren können. Glücklicherweise erfuhren wir dann aber noch, dass der Reisebus direkt an unserm Hotel vorbeifährt. Diese kann man an beliebiger Stelle per Handzeichen zum Stillstand bringen. Dadurch fuhren wir für nur 27RMB zurück. Dieses Mal mussten wir nicht mal Attraktion spielen. Auf der Hinfahrt gab es keine Plätze mehr, weswegen wir gezwungen waren vorne, neben dem Fahrer, mit Gesicht zu den Fahrgästen zu sitzen. Dadurch erhielten die Fahrgäste die Möglichkeit uns ausgiebig zu beobachten, mustern, zu kichern oder unserer fremdklingenden Sprache zu lauschen. Na toll ^^.



Freitag, 2. Oktober 2009
Chinas Geburstag Teil 2 (02.10.2009)
Es ist 8 Uhr morgens und ich bin seit einer Stunde auf den Beinen. Da ich nicht weiß, was ich so früh machen soll und ich zum Vokabeln lernen noch nicht motiviert genug bin, dacht ich, dass ich euch nochmal was schreib.

Gestern war nun der 60. Geburtstag der Volksrepublik China und er wurde/wird gebührend gefeiert. Mittlerweile wurden auch an den Hotels die internationalen Flaggen gegen rot wehende ausgetauscht ;-). In Beijing wurde dafür eine riesige Parade organisiert, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellte. Die Perfektion und Genauigkeit der Teilnehmer war atemberaubend. In etwa so wie bei der Olympia Eröffnungsfeier, die ich dummerweise verpasste -_- , aber darum geht’s hier nicht. Sehr interessant war das sich verändernde Schriftbild. Tausende Menschen, die alle mit roten und gelben Bommelhüten bewaffnet waren, um diese je nach Anforderung zu tragen. Das Ergebnis waren unterschiedliche Schriftzeichen, aber in den Konturen so perfekt, dass ich bei der ersten Luftaufnahme meinte, es sei trapiert oder eine Plane, aber gewiss keine Menschen! Das ganze wurde natürlich im Fernsehen übertragen. Gezeigt wurden vor allem Soldaten und Waffen, einige von diesen zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Nachdem ich manche der ausgesprochenen Wörter in meinem allerheiligsten und unabdingbaren Ipod Touch, respektive elektronischem Wörterbuch, wobei das die Funktionsvielfalt eher verhöhnt, nachgeschlagen hatte, fiel mir etwas Lustiges auf. Das Wort Genosse heißt auf Chinesisch 同志 tongzhi, wenn man jetzt nur noch ein de 的 anhängt, was eigentlich nur einen Besitz anzeigt oder ein Wort in ein Adjektiv verwandelt, heißt das ganze nicht mehr Genosse, sondern schwul beziehungsweise lesbisch ^^.

Hab ich euch schon von meinem „Spiegel“ in der Dusche erzählt? Wundervoll, wenn man sich während der Körperpflege nicht so allein fühlen muss. Das genoss ich auch mehrere Male, bis mir aufgefallen ist, dass das Graue hinter der Glasscheibe keine Aufkleber sind und das Glas an sich auch kein Rauchglas, sondern nur ein Fliegengitter. Wenn ich abends das Licht anhabe, kann man also ohne Hindernis mir beim Duschen zusehen. Für einen kurzen Augenblick dachte ich darüber nach diesen Umstand einfach zu vergessen. Zu schrecklich war die Vorstellung meinen Spiegel aufgeben zu müssen. Was würde es mich jucken, wenn iiirgendein Chinese in einem der Hochhäuser zufällig aus dem Fenster sieht und dabei mich entdeckt. Soll er sich doch daran erfreuen. Doch kurz darauf ist mir aufgefallen, dass man mich auch recht gut, wenn auch nicht vollständig, vom Parkplatz aus sehen konnte. Vor allem auch die Wächter am Eingangstor, an denen ich jeden Tag vorbeilaufe. Das überzeugte mich dann doch. Nun machte auch die Strippe und der dazugehörige Rolo einen Sinn.

In Sachen kulinarischer Köstlichkeiten kam ich nun auch in den Genuss mehrerer Leckereien. Venusmuscheln gibt es hier fast täglich, aber die mag ich auch und stellen kein Problem dar. Die 15cm Krabben hingegen eher. Als ganzes Stück bekam ich eine vorgesetzt und musste mit einem Schub die eine Hälfte des Panzers von der anderen lösen oder die Panzer der Beine knacken, damit ich an deren Fleisch kam. Zugegeben, es war lecker. Aber ich erinnerte mich nur dauernd daran, wie genau diese Dinger auf den Märkten noch lebend in den Kisten der Verkäufer dahin vegetieren und sich leicht bewegen. Das schlimmste aber sind Festlichkeiten oder Einladungen. Wieso müssen Spezialitäten immer so seltsam und vor allem nicht lecker sein? Seegurke, kleine aber ganze Tintenfische, Weinbergschnecken (boah, wie die stinken! Ich hab mich nicht getraut) ... Ich weiß, dass es noch wesentlich schlimmeres gibt. Aber es geht eher ums Prinzip, dass es bei Einladungen immer vermeintlich gutes gibt, der Tisch auch wirklich überfüllter als sonst ist, aber ich jedes Mal weniger esse als gewöhnlich. Normale Hausmannskost ist doch sooo lecker hier! Eine Sache, die auch nervt, ist, dass Fett am Fleisch als Qualität gilt. Aber nicht mit Fett durchzogenes Fleisch, sondern einfach pures Fett. So gibt es nicht selten Gerichte, in denen die Stückchen aus 30% Fleisch und 70% Fett bestehen. Nicht nur, dass es dick macht, es schmeckt vor allem nicht! Wenn man schon dick wird, dann wenigstens von etwas, das man genossen hat. Genauso wie manche Süßigkeiten hier. Mmhh, Schokolade. Denkste! Kakaobutterersatz und braune Farbe, das ist alles. Wenn’s denn wenigstens schmecken würde!

Im Kindergarten hab ich mittlerweile ein Kinderlehrbuch für Englisch bekommen, mit dem ich die Kinder unterrichten kann. Buch 3 hatte ich schon, in dem Buchstaben A – M gelehrt werden, nun hab ich Buch 4, N-Z. Meiner Meinung nach sind die Bücher zu schwierig, weil völlig das Grundverständnis fehlt. Aber ich hätte mich ja breitschlagen lassen und mit Buch 3 begonnen. Aber dann hieß es, dass sie das alles schon könnten und ich Buch 4 benutzen solle. Hallo, wollt ihr mich verarschen? Als ob sie das schon beherrschten. Die meisten blickens ja noch nicht mal, wenn ich zu ihnen „How are you?“ sag. Ich bin der Meinung, dass das noch Zeit brauche und man sie langsam an die Struktur der englischen Sprache gewöhnen solle. Aber es stellte sich dann heraus, dass es „wichtiger“ sei einfach nur die Vokabeln des Buches zu wiederholen. Das heißt, dass sie am Ende alle möglichen Vokabeln können, aber keinen einzigen Satz bilden. Aber was wunder ich mich überhaupt, so ist das bisher immer gewesen. Zwar gibt es Überlegungen für Reformen und vor allem mir Gleichaltrige sind nicht davon überzeugt, sie wissen um dessen Nachteile, aber was soll man machen. Sich als einzelner dagegen stellen? Deswegen werde ich den Kindern nun viele lustige Wörter beibringen, aber nicht, was „This is MY book and this is YOUR book.“ bedeutet.