Hong Kong bis zum bitteren Ende (29.12.09 - 02.01.10)
Die Zeiten bei Tag waren einfach zu kurz und die Motivation auch nicht die allergrößte, weswegen ich mittlerweile schon zu Hause in Deutschland bin und die Tage in Hong Kong immer noch nicht verfasst habe. Mein Zimmer sieht durch das ganze noch nicht weggeräumte Gepäck aus wie ein Saustall und die Motivation ist auch nicht viel größer ^^.
Naja, Hong Kong...mal schauen, was mein geschädigtes Gedächtnis noch auf die Reihe kriegt. Auf alle Fälle eine beeindruckende Stadt, von der es noch sehr viel zu sehen gibt. Wir wanderten in unseren 4-5 Tagen nur auf Hong Kong Island (der eigentlichen Insel) und Kowloon (der erste Teil auf dem Festland) umher. Auffallend auf der Insel ist die sehr dichte Gedrängtheit der Hochhäuser. Die Straßen sind sehr schmal und winden sich den Berg entlang und zwischen den Gebäuden. Vor allem in den Doppeldeckerbussen des öffentlichen Stadtverkehrs ist es spannend dort zu fahren. Doch trotz der Enge ist der Straßenverkehr weniger stressig als auf dem Festland. Es wird nicht gehupt und an Fußgängerüberwegen wird für Fußgänger angehalten! Generell geht es in Hong Kong weit aus zivilisierter zu: es wird nicht gespuckt, geschrieen und der Müll nicht einfach auf die Straße geschmissen. Die Schattenseite dieses Spaßes ist aber der preisliche Unterschied zu Festlandchina. Hong Kong ist teuer, in manchen Bereichen gleichzusetzen mit Deutschland. Anstatt 10 oder 20ct kosten hier Busfahrten bis zu 4Eur. Ein Bier in der Bar? 5,60Eur nichts besonderes.
Bis 1997 war der "Duftende Hafen" (Übersetzung des Stadtnamens) unter britischer Krone. Seither ist die Stadt eine Sonderverwaltungszone mit hoher Autonomie (eigene Gesetze, Zoll, Währung), wobei sich Peking dennoch in den wichtigeren Dingen einmischt.Das besiedelbare Territorium Hongkongs gehört, nach Monaco mit rund 16000 Personen pro km², zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. Amtssprachen sind Englisch und Kantonesisch, wodurch es ohne Probleme möglich ist Jahre hier zu leben ohne ein Wort Chinesisch können zu müssen. Das macht die Stadt interessant für alle Ausländer, aber gefährlich für diese, die eigentlich Chinesisch lernen wollten. Doch auch ich hatte meine Problemchen, denn Mandarin wird zwar verstanden, aber wenn sich zwei Hong Konger unterhalten ist es Kantonesisch (andere Aussprache, Grammatik und Silben) und auch Lesen brachte mich nicht viel weiter, weil alle Schriftzeichen in der traditionellen Form geschrieben werden. Wenn man aber nur Kurzzeichen lernt, bleibt einem der Sinn oft verborgen. Deswegen sprach auch ich die meiste Englisch.
Hong Kong ist bunt, schnelllebig und mit allen Dingen der westlichen Welt ausgestattet. Man findet alle Marken auf den Straßen, die von ausländischen Firmen überseht sind. In den Bardistrikten Lan Kwai Fong oder Wan Chai trifft man mehr Ausländer als Einheimische.
Übernachtet haben Hilde und ich, wie gesagt, bei Johannes, einem Freund aus Freiburg. Da sein Mitbewohner weg war, gab es Platz für zwei Matratzen. Sehr praktisch, weil man dadurch immer gleich zusammen weg konnte und auch der Preis von 3,30EUR ist für Hong Kong rekordverdächtig! Nur das Betreten des Studentenwohnheimes war immer ein leichtes Problem, weil man immer einen Bewohner brauchte, der einen Gast miteintrug und nach 23Uhr war es Johannes nicht gestattet ein Mädel mitzubringen. Aber durch gute Kontakte mit der Rezeptionistin klappte es immer, auch wenn er zwei Leute gleichzeitig mitbrachte oder ich alleine nachts nach Hause kam.
Von der Stadt habe ich bis auf Central (dem Finanzviertel), Wan Chai (Barviertel), Meng Kok (Einkaufen), Kowloon (inkl. Sicht auf die Skyline) nichts gesehen. Wir wollten zwar zum Pferderennen am Mi Abend, aber seltsamerweise fiel es aus und wir standen vor einem dunklen Stadion. Wegen dem schlechten Wetter und dem Nebel fiel auch der Besuch des Victoria Peak aus oder der Gang zum Strand. Es gibt auf jeden Fall noch genug Dinge zu unternehmen, die einen weiteren Besuch lohnen. Dafür kosteten wir das Nachtleben umso intensiver aus. Bis auf den ersten Abend, an dem wir nur ins Kino gingen (Sherlock Holmes) und dem letzten bin ich jeden Tag erst um 6 oder 7 Uhr morgens ins Bett gegangen. Mi Abend Ladys Night in Wan Chai: Frauen bekommen Getränke in den Bars umsonst. Sehr geiler Abend. Ich hatte das Glück in einer Bar mit gemischter Musik zu landen, in der sogar Oldies liefen! Selbst die Konkurrenz der vielen Ausländer war kein Problem. Ich sag nur ausgiebiges Tanzen mit Cynthia oder "Bist du schwul?". Beendet wurde der Streifzug mit einem Besuch eines Dim Sum Restaurants, welches tatsächlich erst um 3Uhr nachts seine Türen öffnet und sie am Nachmittag wieder schließt.
Silvester war auch lustig. Wir aßen zwar gemütlich Japanisch zuerst, waren dann aber so spät dran, dass wir nicht mehr zur Promenade vorkamen, die wegen den Massen abgeriegelt war. Deswegen schlossen wir uns den tausenden von Menschen an, die hektisch und unruhig durch die Straßen liefen, mit der Hoffnung irgendwo eine akzeptable Sicht auf die Hochhäuser am gegenüberliegenden Ufer zu erhaschen. Von dort oben wurden nämlich die Raketen abgefeuert. Auch unsere Lügengeschichten (wir hätten eine Tischreservierung) halfen uns nicht weiter, aber wir fanden am Ende doch noch einen Platz. Dass wir die letzte Null der Zahl 2010 auf dem Hochhaus nicht sehen konnten, war schnell vergessen. Selbst meine fehlende Jacke, die ich auf Anratens John/Can (Zimmernachbar von Johannes) zu Hause ließ, weil es warm sei, war in dem dichten Gedränge nicht so schlimm. Ein riesen Act also und für was? Für eine Lichtershow von weniger als 5min. Keine einzige richtige Rakete wurde abgeschossen. Sie Show war zwar super, keine Frage, aber für Hong Kong hatte ich mehr erwartet. Doch trotz dem Jähen Ende war es ein Heidenspaß lauthals "Happy New Year" zu rufen und mit wildfremden Leuten Fotos zu machen. In dieser Weise zogen die Massen daraufhin in die Stadt in Richtung Diskotheken und Bars. Für das vollständige Glück brauchten wir nur noch Bier, welches man im 7 Eleven (einem Supermarkt, von dem es in Hong Kong über 400 Filialen gibt!!) ohne Probleme kriegt, aber nicht, wenn die Polizeit die Straße abgesperrt hat. Ihre Überpräsenz verhinderte, dass wir einach über die Barrikaden sprangen. Deswegen spornten wir die Verkäuferin an uns die Dosen zu kaufen und hinterher rüber zu werfen. Der Ruhm der anderen Leute war uns sicher, aber der Polizei gefiel unser Vorhaben gar nicht und nur mit Glück durfte die Verkäuferin die Schranke durchbrechen und uns die Biere überreichen. Denn diesen Dienst wollten die Polizisten doch nicht übernehmen ^^. Gestärkt ging es danach nach Lan Kwai Fong und zum Mc Donalds aufs Klo (doch diese Idee hatten auch andere. Dementsprechend lang die Schlange und widerwertig die Einrichtung). Alle Bars und Straßen waren proppenvoll, überall wurde gefeiert und getanzt. Meine letzte Bar wurde erreicht, als mir ein Mädel unerwartet um den Hals fiel und mich in Deutsch fragte, ob ich deutsch sei. Es stellte sich heraus, dass sie Deutschland liebe, was sie mir tatkräftig unter Beweis stellte. Ich blieb den restlichen Abend bei ihrer durchgeknallten Gruppe, zu der sich später auch weitere Deutsche dazu gesellten. Ein mega verrückter Abend, anders nicht zu beschreiben. Um 6Uhr ging ich nach Hause und fand sogar, zu meiner eigenen, großen Überraschung, einen Bus und ersparte mir die teure Taxifahrt.
Nachdem wir wieder bis 14:30Uhr schliefen, blieb wieder nicht fiel vom Tag. Wir spazierten lediglich mit der Chinesin vom Vorabend durch die Stadt. Erst am letzten Tag, nur wenige Stunden vor dem Abflug, fiel mir ein, dass ich gerne ein original KLeidungsstück aus Hong Kong als Erinnerung wollte. Deswegen fuhren wir noch um 12Uhr nach Meng Kok, um vor 16Uhr irgendwas zu finden. Chinesische Rockmusik als MP3 fand ich zwar nicht, aber ich hab mir ein weiß-schwarzes, kariertes Hemd gekauft mit aufgeknöpfter Kapuze. Leider teurer als erwartet, aber ganz ohne was wollte ich nicht wieder zurück. Naja, ob es mir gefällt oder nicht, ist noch nicht so ganz klar. Ich muss mich noch dran gewöhnen ;).
Aber dann war es auch schon wieder vorbei. Um 16:30Uhr fuhr ich zum Flughafen und ließ mir bei chinesischer Musik nochmal den ganzen Urlaub durch den Kopf gehen. Ich wäre gerne länger geblieben. Es war seltsam zurückzufahren und zu wissen, dass es einem nach nur 5min zu Hause so vorkommen wird, als sei man nie weg gewesen. Ich freute mich zwar schon auf die Menschen zu Hause, aber ich hätte trotzdem gerne noch etwas mehr von dem Leben in Hong Kong ausgekostet. Nicht einmal die Sonne hat geschienen, obwohl wir uns auf Hainan noch ausmalten wie schön warm es sein wird und welche kurzen Klamotten wir tragen würden. Stattdessen zog ich die Jacke nur selten aus, weil der Wind so stark und kühl war. Aber um ehrlich zu sein glaube ich, dass ich vor allem wegen der bevorstehenden Arbeit nicht zurück wollte. Zum ersten wegen dem Forschungsbericht und dann der darauf folgenden Bachelor-Arbeit. Naja und dann das ganze Theater mit dem Leistungsnachweis, Bafög, Auslandsbafög etc...
Der Rückflug dauerte lange (9h nach Doha, 2h später in 6,5h nach Frankfurt), aber Qatar Airways stellte sich als luxoriöse und komfortable Airline heraus mit einem überragenden Angebot an Filmen. Ich hatte sogar Glück, nur 3h nach meiner Ankunft kreisten 30 Flugzeuge über Frankfurt, die wegen Schneeverwehungen nicht landen konnten. Dafür hatten alle meine Züge Verspätung. Doch diese ein paar Stunden mehr machten den Gaul dann auch nicht mehr Fett, außerdem vertrieb ich mir die Zeit mit einer Russin und einem Amerikaner, die ich auf dem Bahnsteig kennen lernte. Das letzte erwähnenswerte auf diese Rückreise war eine junge Nepalesin, die im Flugzeug neben mir saß. Sie war dabei ein Jahr in Deutschland Au-Pair zu machen, lernte daher seit 3 Monaten unsere Sprache, war aber sichtlich froh darüber, dass ich ihr half, da sie noch nie im Ausland und auch noch nie geflogen war. Alles eigentlich recht Routine, bis sie nervös wurde, weil ihre Gasteltern Verspätung hatten und sie nicht wusste, was los war. Sie hatten aber deren Telefonnummer, wodurch ich mit einem geliehenen Handy diese anrufen konnte. Es stellte sich heraus, dass der Vater seit 3h im Stau festsaß und schon versucht wurde das Mädel ausrufen zu lassen. Ich erhielt daraufhin den Auftrag das Mädel in ein Taxi zu stecken und den Fahrer zu einer Raststätte zu schicken, bei der der Vater auf sie warten würde. Sichtlich dankbar und erleichtert verabschiedete sich das Mädel von mir. Im Nachhinein wurde mir klar, wie viel Glück das Mädel hatte, dass ich da war. Denn sonst wäre sie mehrere Stunden allein auf dem Flughafen gesessen, ohne zu wissen, was los sei.
Nun bin ich also wieder in Deutschland. Wären nicht die Bilder oder Facebook bzw. QQ, könnte ich meinen, dass der ganze Aufenthalt nur ein Traum war. Ich genieße nun hier ein paar Tage im verschneiten Ostelsheim und werde dann am 7.1. rum nach Freiburg fahren. Irgendwann diesen Monat werde ich noch mein persönliches Bewerbungsgespräch haben, welches entscheiden wird, ob ich das Jahresstipendium für Nanjing bekomme. Während des Urlaubes war mir noch nicht ganz klar, in wie weit ich für ein Jahr in China bleiben wolle, zwar reizte mich die Vorstellung, aber Respekt hatte ich trotzdem davor. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, dass ich es möchte. Vor allem möchte ich meine Freunde in Qingdao besuchen und dann vielleicht nochmal nach Hong Kong reisen. Urlaubstechnisch möchte ich das nächste Mal in den Norden Yunnans und die Tigersprungschlucht und die dortigen Berge bewandern.
Wir werden sehen, was passiert. In Notfall gäbe es noch das Selbst-Zahler-Programm, bei dem ich wenigstens die Studiengebühren erstattet bekäme. Aber auf alle Fälle werde ich wieder einen Blog schreiben. Auch wenn ich bei diesem dann (wegen der Länge des Aufenthaltes) noch mehr auf die Länge meiner Texte achten muss ;-).
stefanreiss am 05. Januar 10
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Anreise Hong Kong (Di,29.12.09)
Nach einer endlos' lang erscheinenden Nacht sind wir nun bei unserem Freund Johannes in Hong Kong angelangt. Unsere Anreise war lang, teuer und wäre beinahe in einer Katastrophe gemündet. Um eine lange Busfahrt uns zu ersparen und weil das Angebot zu verlockend schien, flogen wir um 0:20Uhr von Haikou nach Shenzhen für 28Eur inkl. Steuern. Wir holten unser zurückgelassenes Gepäck in unserem kleinen Hotel ab, packten im Hostel daneben die Sachen um und machten uns auf zum ruhig und verlassend wirkenden Flughafen. Eigentlich sollten wir schon um 23:40 fliegen, aber wir wurden (warum auch immer) umgebucht. Nun hatte der Flieger aber auch noch 50min Verspätung, die wir jedoch mit kostenlosen Cup Nudeln und Bohnen Porridge recht gut überbrückten. Mitten in der Nacht kamen wir in Shenzhen an und hatten natürlich keine Möglichkeit mehr mit einem öffentlichen Bus nach Hong Kong zu kommen. Shenzhen ist die nächstgelegene Stadt auf der chinesischen Festlandseite und ist im Grunde eine Wirtschafts- und Industriestadt, die vor 25 Jahren aus dem Nichts erschaffen wurde. Dementsprechend teuer wurde die 30km Taxifahrt zum Grenzübergang, währenddessen wir das Taxometer schier im sekundentakt nach oben schnellen sehen konnten. Unsere letzten Reste an Renminbi waren danach aufgebraucht und genau das war unser Verhängnis. Mitten im Niemandsland, als wir die weiteren Bustickets nach Hong Kong selbst kaufen wollten, bemerkten wir, dass wir kein Geld mehr hatten. Die Wechselstube hatte aber schon geschlossen und durch übelste und schlechteste Fehlplanung überhaupt (meiner Meinung nach), gibt es keine Bank oder Automaten im Grenzübergang und somit auch keine Möglichkeit irgendwie an Geld zu gelangen. Na super, was können wir nun machen? Es war 2Uhr nachts, als wir unsere Taschen und Hosen nach Yuan-Resten durchforsteten und immer hoffnungsloser wurden. Ich war gerade dabei mit der Ticketkontrolleurin zu reden, ob ich nicht andere Gäste, die zur selben Station fuhren, nach Geld fragen dürfte, um es ihnen nach dem Aussteigen sofort wieder zu geben (aber die dumme Kuh verwehrte mir meine Idee), als ein älterer, chinesischer Mann sich von der Seite anmeldete, einen dicken Bündel Geld aus der Tasche zog und mir die benötigten 100HKD (Hong Kong Dollar - entspricht ca. 10EUR) in die Hand drückte. Nur diesem netten und selbstlosen Mann war es zu verdanken, dass wir doch noch nach Hong Kong kommen konnten. Er brachte uns sogar noch zu einer Bank (wodurch ich ihm das Geld zurückgeben konnte) UND ersparte uns die Fahrt mit den Öffentlichen, in dem er uns direkt zum Studentenheim unseres Freundes brachte. Um 5Uhr oder so lagen wir in unserem Bett.
stefanreiss am 29. Dezember 09
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Insel Hainan (Mi,23.12. - Mo,28.12.09)
Nun scheint die Zeit wie im Fluge zu vergehen und der Abschnitt Hainan ist auch wieder abgeschlossen. Doch gelohnt hat es sich alle Mal: Sommer, Sonne, Parties. So kann man unseren Aufenthalt zusammenfassen. In Haikou, der größten Stadt der Insel, blieben wir nur eine Nacht, bevor wir mit dem Bus zur südlichsten Stadt fuhren - Sanya. Diese Busfahrt war auch gleichzeitig der dominierende Part unseres Weihnachten. Obwohl wir den Expressbus mit 3h nehmen wollten, saßen wir irgendwie im normalen Bus, der 5h für die Strecke benötigte. 5h nervige Stunden, in denen wir von chinesischer Schnulzenmusik gequält wurden. Weil Karaoke-CDs mit Liedern aus den 90ern (zumindest lässt deren Qualität und Kleidungsstil keinen anderen Schluss zu), die zu 97% gleich klingen, ja soo toll sind, muss man die Lautstärke soweit aufdrehen, sodass man selbst mit eigenem MP3-Player nicht in der Lage ist das Gejaule zu übertönen.
Genächstigt haben wir in einem kleinen, zwei Zimmer habenden Hotel inmitten der Fressstraßen. Bis auf den Strand, lagen alle wichtigen Sachen (Märkte, Diskos) in Laufreichweite. Unser Weihnachtsessen bestand demnach aus einem gemütlichen Straßen-BBQ in unserem Viertel. Obwohl wir uns für Weihnachten mords viel und spannendes vorgenommen hatten, war es letztendlich nicht anders als jeder andere gemütliche Tag unseres Urlaubs. Aus Zeitgründen waren wir nicht mal in der Lage uns gegenseitig Geschenke zu besorgen. Doch mich störte es, ehrlich gesagt, nicht. Man kommt in China nicht in Weihnachtsstimmung. Und wenn man nicht hin und wieder den Schmuck der Käufhäuser, die den Weihnachtsboom als Vermarktungsstrategie benutzen, sehen würde, würde man es völlig vergessen, dass gerade Weihnachten ist. Denn alles, was man mit Weihnachten verbindet und kennt, also Schnee, Kälte, Lichter, Weihnachtsmärkte etc, fehlt in China. Nur wenn man sich zwingt und in Gedanken verfängt könnte man sentimental werden und sich nach Hause sehnen. Ansonsten ist es einfach so, als würde Weihnachten ausfallen. Was aber nicht bedeutet, dass wir Weihnachten in Deutschland nicht nachholen würden: Plätchen, Stollen, Glühwein und Weihnachtslieder. Also einfach die Faktoren, die das "wahre" Weihnachten ausmachen ;). Und alles im Sonderangebot, weil die Supermärkte die Restbestände loswerden wollen. Also perfektes Weihnachten für Schwaben ^^.
Obwohl sich Sanya (welches sich als touristischte und partyreichste Stadt rühmt) definitiv nicht wegen den Partys lohnt, schafften wir es dennoch nicht mehr von der Insel zu sehen. Wir planten zwar im Voraus Wandern zu gehen und die Natur zu genießen, aber in China sind die Strecken gleich immer so lang, dass man es sich zwei Mal überlegt. Deswegen schafften wir uns nicht aufzuraffen, gingen dagegen jeden Abend in die Diskotheken und versuchten zu tanzen. Das Problem chinesischer Diskos ist, dass sie oft keine Tanzfläche besitzen, sondern nur Tische und Sitznieschen, an denen kleine Grüppchen Würfelspiele zocken. Die Musik ist außerdem nicht die, die wir uns erhofften und wurde in Sanya regelmäßig von echten Sängern oder Leuten, die zu seltsamen Spielen aufforderten ergänzt. Das eine, große Partyviertel in Sanya berherbigt zwar über 10 Clubs, aber bis auf die Namen sind sie alle gleich. Selbst die Einrichtung, insbesondere die Kronleuchter, stammen definitiv vom selben Lieferanten. Zwar alles schön anzusehen, aber Auswahl gab es somit keine. Dabei wollten wir doch einfach nur eine kleine Tanzfläche haben, nichts besonderes also. Ein einziger Club hatte kleine Flächen, in denen auch meistens ein paar Chinesen mit den Hüften wackelten. Und obwohl wir immer wieder andere Lokalitäten besuchten, landeten wir am Ende immer wieder in der Bar 88.
Am Strand selbst, der super schön und sauber ist, gibt es zwar auch einen Barstreifen, mit Sitzgelegenheiten, Bühnen und Livebands - also von der Idee und Umsetzung eigentlich super, aber selbst an einem Freitag Abend war dort nichts los. Nur vereinzelnd ein paar Grüppchen, die gemütlich etwas aßen.
Irgenwie kommt es mir im Nachhinein immer erbärmlicher vor, wie wenig wir gemacht haben, obwohl es mir während des Aufenthaltes nicht so wenig vorkam. Obwohl der Strand und das Meer richtig klasse waren, schafften wir es nur ein einziges Mal dort hin. Das Mal hatte es jedoch in sich. Am ersten Abend lernten wir einen Deutschen und eine Chinesin kennen, die in Beijing arbeiteten und Urlaub im Crown Plaza Sanya machten (5 Sterne Hotel, nebenbei erwähnt). Weit draußen, im Stadtteil Yalong Bay, befinden sich diese mega großen und schicken Hotelkomplexe, die alle ihre eigenen Strände besitzen. Um nicht vor dem Betreten des Strandes überprüft zu werden, liefen wir einfach ein Gebäude weiter vorne auf den perfekten, feinsandigen Strand und wanderten in den Privat-Bereich des Crown Plaza. Kostenlose Handtücher, Holzliegen und -Schirme und Polster, die wir in den Sand trugen und dort das Leben genossen. Ein rundum perfektes Badeerlebnis!
Joa, mehr war eigentlich nicht. Partys müssen nicht unbedingt wieder sein, es gibt noch genügend Orte, die einen Wiederbesuch lohnen ließen und wir lernten zwei sehr nette Leute kennen, die wir gerne wieder treffen würden.
stefanreiss am 29. Dezember 09
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Klein-Thailand Ade, Grüß Gott Hainan (Mi, 23.12.09)
Obwohl wir recht müde im neuen Hostel ankamen und ich verärgert über die matratzenlosen Betten war (Seitenschläfer haben's schließlich nicht so leicht!), zogen Huw und ich nach einer erfrischenden Dusche noch los, auch wenn ich gerne etwas anderes als meine Trekkinghose und halb-frisches (hört sich besser an als halb-stickend ;) angezogen hätte. Obwohl Sonntag Abend waren die Diskotheken gut besucht. Unsere erste Anlaufstation verließen wir aber wieder sofort nach der ersten Dose Bier (jawohl, alles andere war unbezahlbar). Nicht, dass der Club oder die Musik schlecht gewesen wäre. Aber jedem, dem der Begriff "Sausage-Party" etwas sagt, wird wissen, was ich meine. Das ganze wurde von unserer einzigen Bekanntschaft an dieser Location getoppt: einem schwulen Thailänder (obwohl ich mir ehrlich gesagt lange nicht sicher war, ob er nicht doch eine Frau, mit halt ganz ganz flachen Brüsten war), der zwar sehr nett war, aber eben nicht die Bekanntschaft darstellte, die wir uns beide erhofften. Deswegen fragten wir andere nach einer anderen Möglichkeit und folgtem dem Rad eines Typen. Wir hielten letztlich vor einem völlig ruhig und still liegendem Hotel an. Auf meine Frage, wo man hier denn bitte tanzen könnte, antwortete der Taxifahrer, dass es in dem Hotel eine Bar gebe, die aber schon geschlossen hätte. Ja und wieso sind wir dann hier? Tja, das wisse er auch nicht... -_- was soll ich dazu noch sagen?! Glücklicherweise gab es gleich um's Eck dann doch noch eine Disko. Härterer Techno, aber weniger Schickimicki mit Tischchen und einer richtigen Tanzfläche. Mit einem noch kurz davor reingepfiffenem Sellerie-Schnaps (sei gut für die Gesundheit und schmeckt weniger schrecklich wie Baijiu) ging es auf die Tanzfläche. Unsere anfängliche Vermutung, dass der Großteil der Mädels mit ihren Typen unterwegs sei, wurde schnell widerlegt und wir sahen uns tanzend in der Mitte von fünf grölenden Mädels wieder. Wir waren die Stars da drin, anders kann man es nicht bezeichnen. Vor allem drei von ihnen war dermaßen offensiv, was völlig untypisch für chinesische Mädchen ist. Huw scheint es gefallen zu haben, aber mir war der hyperaktiv zappelnde Zwerg vor mir etwas zu viel und suchte das Weite. Zu zweit tanzen ist ja ok, aber ich bin der Meinung, dass man 160 BPM nicht in der selben Geschwindigkeit tanzen muss. Meine Versuche sich etwas langsamer zu bewegen wurde mit dem Andocken einer Hand an meine Hüfte und dem anschließenden wilden Hin-und-Her-Schwingen beantwortet. Äähm, wo war nochmal das Klo? Ich bin gleich wieder da... . Geblickt hat sie es aber nicht. Wenig später klebte sie wieder an mir. Doch Huch, was war das denn. Wer tanzt denn auf einmal direkt hintermir und schloss mich somit wie ein Sandwich ein (so einen Abend hatte ich bis dahin wirklich noch nie erlebt), ich hoffe keine Schabrake?! Glücklicherweise nicht, sondern ein etwas schüchterneres Mädel, dass mir schon voher aufgefallen war. Dankend nutzte ich die Gelegenheit und widmete meine weitere Aumerksamkeit nur noch der spontanen Überraschung von hinten.
Bis zum Abend, an dem wir uns nochmal mit unseren Trekking-Freunden trafen, um Bilder auszutauschen, verbrachten wir den Tag mit Lesen und der Suche nach einem gemütlichen Sitzplatz. Obwohl es genügend Parkanlagen gibt, ist es in China aber einfach unmöglich Sitzgelegenheiten mit Lehne zu finden. Was uns dann irgendwann zu blöd wurde und wir einfach länger im Restaurant sitzten. Wir verstanden uns immernoch so gut mit unserer Reisegruppe, weswegen wir die Nacht in der Disko des vorabends ausklingen ließen. Erst am Abend des Folgetages, fuhren wir zurück nach Kunming. Abends um 20Uhr los, 6Uhr in Kunming ankommend, 10.40Uhr Flieger nach Hainan. Vorher jedoch noch eine 70 minütige Fußmassage für 50RMB in einem Studio, in dem Blinde arbeiten. Aber wo diese gewesen sein sollen, weiß der Himmel. Die Masserinnen in unserem Zimmer waren es aber sicherlich nicht. Genausowenig der dicke Chinese, der schnarchend und stöhnend neben mir in seinem Sitz pennte. Leider waren die Busse dieses Mal wieder älter und unbequem, außerdem wurden wir ganze zwei Mal von Grenzern kontrolliert.
In Kunming angekommen konnten wir noch nicht mal in Ruhe aufwachen und vor die Türe, als wir schon im Bus selbst von wild umherrufenden Männern überrannt wurden, die ankommende Gäste in alle Richtungen der Stadt weiterverladen wollten. Nur mit starkem Ignorieren und Abwimmeln, gelang uns der Weg ins Freie. Kunming war jedoch kalt, zu kalt für unseren Geschmack. Außerdem stand uns eine einstündige Busfahrt und Spaziergang zum Hostel bevor. Dank meiner grandiosen Fähigkeiten als kurzsichtiger Falke, liefen wir zuerst im Kreis, bevor wir die richtige Richtung zum Hostel einschlugen. Zu meiner Verteidigung sich die Straßen aber kreuz und quer und angereichert mit Sackgassen. Außerdem besaßen wir nur eine grobe und ungenaue Karte der Gegend!
Wenigtens klappte der Rest des Tages. Wir flogen 1,5h nach Haikou, der größten Stadt der Insel Hainan und fanden eine Unterkunft in einem günstigen Lüguan (das Hostel um die Ecke war schon voll). In diesem Sitz ich nun und schreibe endlich die Erinnerungen der letzten Tage auf. Bis gerade eben planten wir unsere Weiterreise, die vor allem aus Sanya besteht. Der südlichsten Stadt hier, bekannt für seine Sandstrände und Parties. Yiha, wir kommen. Endlich hat auch unsere Sommerkleidung wieder ihren angestammten Platz! 25°C zeigt hier ungefähr das Thermometer. Einziger Vermutstropfen sind die Moskitos in unserem Zimmer. Ich hab' schon ca. 30 von ihnen erschlagen und meine Theorie ist ja, dass sie irgendwann alle tod sein müssen. Aber obwohl alle Fenster geschlossen sind, tauchen immer wieder neue auf. Ich weiß beim besten Willen nicht woher.
stefanreiss am 24. Dezember 09
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Dschungel-Trekking (Fr,18. - So,20.12.09)
Der autonome Bezirk Xishuangbanna liegt im Süden der Provinz Yunnan und grenzt an die Staaten Myanmar und Laos. Die meisten der Einwohner gehören der Minderheit der Dai an, in dessen Sprache der Name die "zwölftausend Reisfelder" bedeutet. Die Dai besitzen eine eigene Sprache und Schrift, wobei der Begriff eher eine Sammelbezeichnung für mehrere eng verwandte Thai-Völker ist. Dementsprechend und wohl wegen der Nähe zu den Nachbarländern, wird Xishuangbanna auch als "Klein-Thailand" bezeichnet. Dieser Unterschied fällt auch sofort ins Auge. Nicht nur, weil die Straßen von langen Palmen-Alleen gesäumt sind, sondern vor allem an den Ornamenten und Einzelheiten der Gebäude und Architektur, die so gar nicht dem restlichen China gleichen. Hauptstadt der Provinz ist das am Mekong Fluss gelegene Jinghong mit 380.000 Einwohnern. Nach einer äußerst entpannten Schlafbusfahrt (es waren brandneue Busse mit körpergeformten Betten und Schuhausziehpflicht) kamen wir in genau dieser Stadt an, von wo aus wir die Umgebung erkunden wollten. Nach einer etwas langen und erfolglosen Suche einer bestimmten Unterkunft, nisteten wir uns letztendlich in einem zur Universität gehörenden Hotel ein. Zur Bestimmung unserer Weiterreise durchforsteten wir den Rest des Tages Informationsordner mehrerer Cafes und standen vor der Wahl einer geführten Tour (200-250RMB pro Tag und Person) oder selbstorganisierten Touren. Vor allem des Geldes wegen, überlegten wir lange, ob es das wert wäre. 750RMB für eine 3-Tagestour ist in China eine Menge Geld. Wir ließen die Pläne erstmal auf sich beruhen und entschieden uns für einen weiteren Faullenztag, den wir mit einem Spaziergang durch den Campus und Tischtennis spielen mit Einheimischen begannen. Auf Grund dieser Entscheidung wollten wir gerade den 20Uhr Termin mit dem Besitzer des Cafes Mekong absagen, als uns dessen Frau fragte, ob wir, zum Preis von 600RMB, mit 5 anderen diese 3-Tagestour mitachen wollten. Und so wurde unser Abhängtag kurzerhand in eine Trekkingtour verwandelt.
9 Uhr ging es mit dem Bus los und Richtung Xiding, von wo wir aus ins ca. 30km enternte Bada aufmachten. Unser Führer war (Ai) Ni Pa, der am Dienstag geborene zweite Sohn (korrekte Übersetzung seines Namens). Seit 4 Jahren führt dieser der Bulang Minderheit angehörige Mann Touren durch die Region seines Heimatdorfes. Der Rest unserer Gruppe bestand aus dem Australier Huw und den Spaniern Serjo, Christina, Dave und Maya. Eine äußerst harmonische und lustige Gruppe. Gesprochen wurde Englisch. Unter perfektem Sonnenschein und leichtem Gepäck, ging es von der Busstation hinein in den Wald. Von wahrer Wildnis konnte man aber nicht sprechen, da die Hänge fast durchgängig von Menschen kultiviert wurden, was aber kein Nachteil sein muss und dem Erlebnis keinen Verdruss bereitete. Insgesamt betrachtet führte uns unser Weg vorbei an Dörfern der Bulang oder Hani, mit Bambus und Farn übersäten Wäldern und großen Ebenen mit Reis-, Zuckerrohr oder Teefeldern. Vor allem der teure und berühmte Pu-Er-Tee wird in dieser Region gepflanzt.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir in unserer ersten Herberge an. Einem Bauernhaus eines Bulang-Dorfes, versteckt in einem dicht bewaldetem Hang. Unser Aufenthalt glich einem Sprung zurück in die Vergangenheit. Bis auf moderne Annehmlichkeiten wie Telefon, Strom, TV, Motorräder und einem kleinen Dorfkiosk ist das Leben der Bulang nicht anders als vor 300 Jahren oder länger. Man wohnt in einem auf Stelzen gebauten Haus aus Holz (heute jedoch nicht mehr aus Bambus, sondern stabileren Sorten und mit Tonschindeln gedeckt), in dem darunter die Tiere wohnen. In der Mitte des großen Zimmers befindet sich eine Feuerstelle, an der gekocht, gewärmt und darüber Körbe etc. geräuchert werden. Man sitzt auf Holzhöckerchen oder auf dem Boden. Die Menschen laufen den Großteil des Tages, zwischen den frei umherlaufenden Schweinen und Hühnern, Barfuß. Und stetig traf man auch Hennen mit ihren piependen Kücken.
Obwohl es Fernseher und Satellitenanschluss gibt, treffen sich Freunde oder Verwandte trotzdem noch gerne abends am Feuer, um sich Geschichten zu erzählen, starken Tabak zu rauchen oder Alkohol zu trinken. So gewöhnten wir uns auch schnell daran, dass immer irgendwelche neuen Leute zu Besuch waren. Unser Abend war der gleichen Gestalt und trotz wehementen Bitten, mussten wir die selbstgedrehte, uns geschenkte Kippe der Oma rauchen. Unglaublich starkes Zeug, von der das alte Weib mehrere am Abend rauchte. Der größte Vorteil eines Guides war, dass er uns allerlei interessante Dinge erzählen konnte und natürlich unsere Fragen beantwortete. Von all' den Dingen, die wir über das Volk der Bulang lernten, ist vielleicht deren Begrüßung die interessanteste. Es gibt in ihrer Sprache und Art kein Equivalent zu einem einfachen "Hallo" oder "Ni Hao". Wenn man sich trifft, frägt man dem Gegenüber stattdessen eine Frage wie: "Wann bist du angekommen?", "Wohin gehst du?" oder "Was kochst du heute zum Essen?". Dabei ist es zweitrangig, ob man dabei die Wahrheit berichtet oder ob die Frage völlig sinnlos ist, weil man sie sich selbst beantworten kann. So ist es etwa nicht unüblich einen Holz auf einen Wagen ladenden Mann zu fragen, ob er gerade Holz auf einen Wagen laden würde.
Über kurz oder lang war es schließlich soweit und der Drang nach einem Klo wurde geweckt. Weil Klo in dieser Gegend gleich Natur bedeutet, machten wir uns schließlich mit Taschenlampen ausgerüstet in dessen Richtung auf. Wir hatten aber keine Lust so weit zu laufen, weswegen wir einfach in die Rinne neben der Straße pinkelten. Schließlich war es stockdunkel und um 23Uhr keiner mehr auf den Straßen. Hilde tat es uns gleich, verschwand jedoch noch kurz hinter einer Ecke. Kurze Zeit später kam sie errötet und geschockt aus ihre Versteck zurück. Denn natürlich musstes es ja so kommen, dass doch nicht alle in ihren Betten waren. Die vorbeilaufende Frau wunderte sich natürlich, was da dunkles am Boden kauerte. Sie musste aber nicht lange neugierig bleiben. Dank ihrer LED-Taschenlampe (eine weitere moderne Annehmlichkeit), die das sitzende Mädel mitten im Geschehen traf, blieb ihr kein Detail erspart. Da half auch das verdecken des Gesichtes, ein letztes Mittel, um die eigene Achtung zu bewahren, nicht fiel. Ob Huw und ich vielleicht etwas weniger darüber lachen hätten sollen? Wir konnten uns nicht zurückhalten. Aber im Angesicht des perfekten Sternenhimmels, war die Geschichte schnell wieder vergessen. Dass Leben auf dem Lande jedoch nur selten eine Idylle ist, mussten wir in der Nacht erleben. Auf bloßen Decken und Matten liegend, durften wir uns den Geräuschen von Mäusen, Schweinen, Hunden und schreienden Hähnen hingeben. Durch Ritzen und Löcher in dem Gebäude (in der Gegend wird es selten kälter als 18°C) bestens hörbar.
Verspannt und müde ging es am nächsten Morgen weiter. Das Wetter war super, nur machte sich mittlerweile mein linkes Knie bemerkbar, das sich bei jedem Schritt mit einem stechenden Schmerz bemerkbar machte. Ich konnte um der Tour und der Mitglieder willen nur hoffen, dass es nicht schlimmer würde. Das Tagespensum wurde von 8 auf 10km erhöht. Doch bis auf zwei anstrengende Berge wurde die Tour bei weitem nicht so anstrengend und hart, wie uns der Besitzer des Mekong Cafes glauben machen wollte. Um nicht auf Cola oder Yoghurt Getränke verzichten zu müssen, konnten wir uns in einem kleinen Dorfkiosk mit Nachschub versorgen. Während ich auf die anderen wartete, etdeckte ich einen kleinen, süßen Hund, der sich nach anfänglichem Zögern bereitwillig von mir streicheln ließ. Wie gut es ihm gefallen haben muss, merkte ich erst, als er nach wenigen Minuten Weiterlaufens hinter uns auftauchte und uns folgte. Am Anfang dachten wir ja noch, dass er schon bald wieder nach Hause ginge, schließlich war er kaum länger als 30cm. Aber der Kleine erwies sich als äußerst hartnäckig und folgte uns die komplette nächste Stunde. Egal wie steil oder unwegsam das Gelände war. Mein kleiner Freund tapste mutig uns hinterher. Es war beachtlich und wie er so mit den Schwierigkeiten seiner Größe kämpfte, hätte ich ihn nur zu gerne gestreichelt und dafür belohnt, aber dann wären wir ihn wohl nie wieder los geworden oder erst das nächste Dorf hätten ihn behalten. Doch das hätten mir die Besitzer vielleicht übel genommen. Vielleicht waren es ja sogar die zwei kleinen Mädchen am Kiosk-Stand, die schon weinend ihre Mutter fragten, wo denn ihr kleiner Hund sei. Erst der dritte Wegjagversuch unseres Guide war erfolgreich und ich sah den Racker nie wieder.
Unsere zweite Nacht verbrachten wir im Elternhaus unseres Führers. Die Wände der Häuser dieses Dorfes waren aber überwiegend mit Steinen gebaut und dementsprechend stabiler als ihre Verwandten. Und geschlafen wurde auf echten chinesischen Matratzen (zwar besser als bloße Matten, aber auch nicht viel), was eine erholsamere Nacht versprechen würde, wären da nicht auch hier die Tiere gewesen, die nervig und unentwegt mieauende Katze oder der Regenguss, der sich seinen Weg durch das undichte Dach auf unsere Köpfe suchte. Nur die Decke konnte uns vor dem Schwall retten. Noch vor Sonnenaufgang war auch an diesem Tag wieder die Nacht vorbei und ehe wir uns versahen war der Raum mit Bauarbeitern einer naheliegenden Baustelle gefüllt, die hier ihr Essen zu sich nahmen. Wenigstens hatten wir eine (owbohl Solarboiler doch nicht warme) Dusche. Eine Toilette außerhalb des Waldes gab es hier aber auch nicht. Obwohl ich es bis zur Heimreise unterdrücken wollte, musste ich in der Nacht vor dem zu Bett gehen mich mit einer Taschenlampe auf dem Weg machen. Aber wohin nur, der Weg bis zum Wald war mir zu weit. Also suchte ich, während ich den Sternenhimmel genoss, ein anderes Ruhes Plätzchen, um meine Notdurft zu verrichten. Ich wurde unterhalb der Hauptstraße, zwischen Büschen neben einer Baustelle, fündig. Doch ich zögerte, denn andauernd liefen doch noch irgendwelche Leute mit ihren Taschenlampen umher. Die Chance, dass an meinen Platz jemand hinkam, war zwar äußerst gering, aber wagen wollte ich es dann doch nicht. Natürlich lief niemand einen der zwei mich umschließenden Trampelpfade entlang, es blieben alle auf der Hauptstrecke. Solange bis ich mich endlich dazu durchringen konnte. Von einem nicht weit entfernten Haus ging Lärm aus und ich sah Lichtpunkte genau auf mein (gerade noch stilles) Örtchen zukommen. Nun aber Beeilung und zurück ins Haus. Ans Feuer setzten sich an dieser Nacht nur wenige, die meisten verzogen sich recht zeitig in ihre Betten.
Dritter und letzter Tag. 12km, ein Wasserfall, Hochzeit und Rückfahrt waren die Tagespunkte. 12km waren es garantiert nicht und wäre der steile Weg zum Wasserfall nicht gewesen, wäre die Wanderung tatsächlich eine Rentner-Tour, anstatt taffem Dschungel-Hiking. Der über ein stündige Abstieg am Hang hatte es aber in sich und aufmerksamlosen Dahinschlendern konnten wir uns nicht erlauben. Nicht wenn wir stoplern oder durch eines der tausenden Spinnennetze laufen wollten. Der ganze Himmel (und die Höhe dieses "Himmels" fing oft genauf bei meiner Kopfhöhe an) war voller großer und fetter Spinnen, die ihre wilden und vulominösen Netzkonstrukte webten, die oft einen Meter lang waren (deren Konstrukte sind keine zweidimensionalen Gebilde wie bei uns, sondern dehnen sich unkontrolliert in alle Richtungen aus). Ich fragte mich öfters, wer auf diese dumme Idee mit dem Wasserfall überhaupt gekommen ist. Glücklichweise aber lohnte es sich bei weitem. Uns erwartete ein tief im Gestrüp verborgener Wasserfall, bestehend aus fünf Ebenen. Höllisch auf die durch den Regenguss glitschigen Steine achtend, erklammen wir mehrere Ebenen und Huw und Serjo trauten sich sogar in dem Wasser schwimmen zu gehen. Von diesem unheimlich schönen Idyll ging es direkt zu einer Hochzeit, die zufällig an diesen Tagen stattfand. Mit 10-15RMB pro Person als Geschenk gingen wir zu der mit Menschen gnadenlos überfüllten Hütte. Ein heillosen Touwabou, in dem wir uns nicht lange als Fremdkörper vorkamen. Noch keinen Schritt in das eigentliche Zimmer gesetzt, wurden wir mit einem Tablett Zigaretten und Sonnenblumenkernen begrüßt. Im Festraum selbst wurde gelacht und gesungen. Jedem Gast wurden Unmengen an Essen, Alkohol und Zigaretten angeboten. Ruckkzuck fanden wir Freunde, die uns Kippen oder Alkohol andrehen wollten, den wir nicht immer abschlagen konnten. Nach etwas Bier und einem ganzen Pappbecher voll Baijiu später, begann der Alkohol zu wirken, dabei war kaum mehr als eine halbe Stunde vergangen. Wir konnten von Glück reden, dass unsere Zeit knapp war und wir schon wieder gehen mussten. Andernfalls wären wir wohl wie der Bräutigam geendet, dem es leider nicht zusteht ein Trinkangebot abzulehnen. Anders als die laufend kommend und gehenden Gäste (mehrere Hundert würden an mehreren Tagen die Hütte von innen sehen), würde er die Stellung halten müssen, solange ihn seine Beine tragen konnten. Nach meiner Einschätzung würde das aber nicht mehr lange passieren.
Um den letzten und einzigen Bus zurück nach Xiding zu erwischen, liefen wir nur noch 1-2h, bevor wir von einem Pickup mit offener Ladefläche eingesammelt wurden. Auf der Ladefläche stehend, brausten wir die Wege entlang und sammelten währenddessen lauter Kinder mit ein, deren an dieser Woche der zwei stündige Marsch zu ihrer Schule erspart blieb. Obwohl es eine coole Erfahrung war, waren wir dann doch froh unseren, trotz der warmen Temperaturen, dorchgefroreren Körper im nächsten Gefährt zu wärmen. Nach insgesamt 2h und einem weiteren Buswechsel waren wir am Abend wieder zurück in Jinghong und bezogen zusammen mit Huw unser neues Quartier in einem erst kürzlich eröffnetem Hostel.
stefanreiss am 24. Dezember 09
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Kurzer Zwischenstop in Kunming (16.12.09)
Nach einer weiteren Nachtzugfahrt sind wir wieder zurück in Kunming, von wo wir heute abend aus gleich weiter nach Jinghong fahren werden.
Die letzten Tage in Dali waren noch sehr erholsam. Umgezogen sind wir am Ende doch nicht mehr, da unsere Betten mega bequem waren (oft sind die Matratzen sehr hart) und weil wir kein Bock auf den Stress hatten. Die einzige Tücke daran war, dass wir dadurch unsere Notdurft auf einen Cafebesuch verschieben mussten, um nicht unnötig in den Schweinestall zu müssen.
Obwohl wir am zweiten Tag uns einen größeren Ausflug zum Ziel gemacht hatten, versumpften wir am Ende doch nur wieder in den gemütlichen und perfekt ausgestatteten Cafes. Frühstück in dem einen, Hamburger im zweiten, Spaziergang, frisch gespresster Melonensaft, wieder spazieren und Abendessen in einem weiteren Cafe. Währenddessen kann man kostenlos im Internet surfen oder lesen. Was für ein Leben. Am letzten Tag schafften wir es aber doch zum See zu fahren. Obwohl wir Angst hatten wieder nicht von der Stelle zu kommen, denn zufälligerweise trafen wir wieder die zwei Österreicher zum Frühstück. Zwar schafften wir es wirklich uns von den Cafes loszureißen, aber die Zeit war dann doch wieder so knapp, sodass wir nicht mit dem Fahrrad ins 18km entfernte Xizhou fahren konnten, sondern nur mit dem Bus. Wir sind halt Pfeifen =). Aber zu unserer Verteidigung: Die hosteleigenene Fahrräder sind auch alle Schrott. Ich fand kein einziges Rad, bei dem beide Bremsen funktionierten und die Bremsbacken nicht abgefahren waren. Zudem eignet sich die autolastige Straße nicht wirklich zum gemütlichen Radausflug.
Doch der Spaziergang zum See war super. Ein gemütliches Dorf, ohne Touristentrubel, in dem wir die Architektur und die Fischweiher der Bai betrachten konnten. Vor allem das viele Grün und die Ruhe war den Ausflug wert.
Abschießend kann ich Dali nur empfehlen, wobei wir gehört haben, dass die Landschaft um Lijiang schöner sein soll. Dafür dauert die Anreise länger. Achja...und unsere Drogenomis. Es verging kein Tag, an dem wir nicht mehrmals von einer dieser Frauen angesprochen wurden. Die Masche ist immer gleich. Dauergrinsendes Heranschweben, Herüberlehnen, dann direktes fragen oder erst das Zeigen ihrer Tarnung (Haarbroschen, Ketten). Bei Verneinung ziehen sie in selbig grinsender Weise wieder von dannen. Durch die Menge der verschiedenen Frauen, schlussfolgerten wir, dass das eine ganze Gang sein muss. Organisiert, alle im selben Alter und auschließlich weiblich. Was lernen wir daraus? Alte Bai-Tracht tragende Frauen sind Drogendealer.
Eine Lösung für Hildes Visaproblem fanden wir noch nicht. Unser Problem ist, dass ihr Visa am 26.12 abläuft, wir aber erst am 23.12. nach Hainan fliegen. Würden wir rechtzeitig nach Hong Kong reisen, wäre unser Aufenthalt sehr kurz, außerdem sind die Flüge in dieser Zeit teuer. Deswegen wollen wir für das zusätzliche Fluggeld einfach ihr Visa verlängern. Die örtlichen Behörden in Kunming stellen sich aber dumm an und behaupten, dass es immer 7 Tage dauern würde. Hätten wir den Pass heute abgegeben, hätten wir es am Mi, den 23.12., ab 10Uhr abholen können. 40min vor unserem Abflug. Na Danke! Und Express-Service gibt es nicht -_- . Nun sind wir schon seit Tagen am Lösungen suchen, denn Überziehung kostet pro Tag 50Eur. Unsere letzte Hoffnung ist Haikou oder Jinghong und die Hoffnung, dass es schnell geht. Denn wir sollten den Flug heute buchen.
Dass chinesischer Verkehr, chinesische Städte und chinesische Beratung zeitraubend und nervig sein kann, hat sich heute wieder einmal auf dramatische Weise bestätigt. Ich möchte der Länge wegen nicht die ganze Geschichte im Detail erzählen, aber es geht darum, dass wir für die Jinghong Tickets quer durch die Stadt von einer Seite zur nächsten gehetzt sind. Jeder, den wir fragten, erzählte und etwas anderes oder nur die halbe Information, mit der wir wieder neu fragen mussten und wieder unterschiedlichste Meinungen hörten. Das Ergebnis war 3h Busfahrt (und chinesische Linienbusse sind NICHT wie in Deutschland) und endlos erscheinende Fußmärsche. Wenigstens passt jetzt alles. Nur doof, dass wir die selbe Strecke um halb acht schon wieder bestreiten müssen (der östliche Fernbahnhof ist ungelogen am Arsch von Kunming) und dass alles nur damit wir 10h in einem Schlafbus liegen dürfen, für den ich nicht einmal Schlaftabletten hab. Meine erste Ladung hab ich dummerweise liegen lassen und neue habe ich mir nicht besorgt, weil mich das sicherlich mehrere Stunden gekostet hätte (das Krankenhaus hier ist nicht so verlassen, wie das in Yuanyang). Drückt uns die Daumen, dass wir auch so heil im Süden Yunnans ankommen.
stefanreiss am 18. Dezember 09
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Ankunft in Dali (So, 13.12.09)
Reisen kann so angenehm sein. Das gilt besonders, wenn man mit einem Nachtzug unterwegs ist, selbst wenn man dadurch die doppelte Länge benötigt. In 10h fuhren wir nach Dali. Die Stadt ist heute zweigeteilt und besteht zum einen aus einer neuen Stadt und einem alten, ummauerten Teil, der früher die Hauptstadt des Reiches der Nanzhao war. Zwischen 750 und 1254 war Nanzhao ein unabhängiger Staat mit großen Goldvorkommen. Bis ins 13. Jahrhunderten konnten sie sich den Kaisern Chinas widersetzen, was vor allem auch auf die Unterstützung der Landbevölkerung zurückgeht. In im lebte eine Mischbevölkerung aus Tibetern, Thai, Chinesen und im speziellen die heutigen chinesischen Minderheiten der Bai und Yi. Die Architektur der Bai stellt im heutigen Dali auch eine Hauptattraktion dar, neben drei großen Pagoden und dem Erhai See.
Der Komplex ist, wie es wohl auch Lijiang sein wird - dem großen Konkurrenten, wenn man hier in der Gegend reist - im Grunde genommen eine Aneinanderreihung von Geschäften und Cafes. Dafür wurden die Hauptachsen und Seitengassen perfekt restauriert. Es mag Ansichtssache sein, ob man das gut. Aber es wurde wirklich schön umgesetzt. Rote Lampions säumen neben hübschen Laternen den Weg. Es fließen Bächle und die kunstvoll verzierten Holzfassaden der Häuser werden effektvoll mit gelben Licht in Szene gesetzt. Es gibt eine große Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten, darunter viel Schmuck und Holzarbeiten, was oft auch vor den Hütten gefertigt wird. Doch vor allem sind die vielen Cafes zu erwähnen, welche durch ihre Kreavität, Originialität und liebevollen Details glänzen.
Nach einer etwas längeren Suche, fanden wir eine Übernachtungsmöglichkeit vor den Toren der Stadt. Obwohl die Auswahl groß ist, fanden wir einige Hostels nicht oder sie waren noch zu (wir kamen an, als es noch dunkel war) oder sie gefielen uns nicht. Vor allem ein Chinese, der uns zu zick verschiedenen Hotels geschleppt hat (die zwar alle schön waren, aber halt zu teuer, weil wir so viel Platz nicht brauchten) hat uns irgendwann genervt. Unser jetztiges Hostels ist zwar nicht überragend (sanitäre Einrichtungen draußen, Klo nur ein Loch im Boden), aber dafür kostet es nur 15RMB. Das Bett ist weich, wir haben unser eigenes Zimmer (ein Bett steht leer), es gibt kostenloses Internet und das Personal ist nett. Für die Schönheit oder angeneehme Atmosphäre gibt es lediglich für den grünen, üppig bewachsenen Innenhof ein Plus. Trotz allerdem spielen wir mit dem Gedanken in ein anderes Hostel umzuziehen.
Wir verbrachten den Tag heute ausschließlich in der Stadt. Zwar bekamen wir ein super Reitangebot für den nebenanliegenden Berg, aber uns erschienen die Pferde nicht gut gepflegt genug und außerdem wirkten die Männer seltsam und fordernd. Durch einen Gratiskaffee angelockt, saßen wir in einem der vielen Cafes, als wir ein österreichisches Pärchen kennen lernten. Es stellte sich heraus, das der Mann Bernhard Möstl war, Autor eines Bestsellers von 130.000 Exemplaren und zwei weiteren Büchern. Zudem bereiste er schon 140 Länder dieser Welt - ich wusste gar nicht, dass es so viele gibt ^^. Ein unheimlich interessantes Gespräch mit den beiden, wodurch die Zeit wir im Fluge verging und schon die Sonne hinter den Bergen verschwand, als wir uns trennten. Er war außerdem der erste, der uns in der Wahl von Ethnologie und/auch im Zusammenhang mit Sinologie bestärkte und die Zukunft darin sehe. Für ihn sei es ein unausweichlicher Weg die Asiaten im Allgemeinen genauer zu betrachten und von ihren Stärken zu lernen.
Wir saßen dort so lange, dass auch einige skurille Individuen auftauchten. Zum einen waren da die zwei Drogenfrauen. Alte, runzlige in Tracht gekleidete Frauen, die genauso aussahen wie die Frauen, die Schmuck verkauften. Doch diese beiden schlenderten langsam, mit einem süßen Lächeln zu dir hinrüber, lehnten sich etwas in deine Richtung und flüsterten: "Smoking Hashish?" Ich konnte nicht anders als lachend abzulehnen, weil ich eigentlich kurz davor war die Frau abzuwimmeln, schließlich brauche ich keinen Schmuck. Als wäre nichts gewesen und ohne ihr Lächeln abzunehmen, schlenderte sie davon. Man sollte wissen, dass das der Umgang mit Marihuana in China verboten ist und mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Und dann war da noch dieser Mann, der einfach auf der Straße stand und eine Geschichte zu erzählen schien. Doch niemand hörte ihm zu und er verlangte auch kein Geld dafür. Über eine Stunde stand er dort und laberte vor sich hin. Zwischendurch gab er auch Gesangseinlagen, die er plötzlich, mitten im Ton, unterbrach und weiterredete, als würde er die Szene erklären. Unheimlich skurril und jedes Mal, wenn ich zu ihm rüberschaute, schaute er mich auch an. Selbst wenn ich unscheinbar nur die Augen zu ihm bewegte, schien er es zu merken. Dabei fixierte er mich, hörte aber nicht auf zu Sprechen, wodurch der Eindruck erschien, als würde er mit "mir" reden.
Ein fauler, aber sehr schöner Tag. Einzig allein die Tatsache, dass ich mein Handy nicht mehr finden kann, verdirbt mir die Laune. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich es im Hostel in Kunming das letzte Mal nutzte. Danach hab ich keine Erinnerung mehr. Fakt ist: Ich finde es nicht und auch dem Kunminger Hostel wurde nichts abgegeben. Anrufen bringt auch nichts, weil es ausgeschaltet zu sein scheint. Ich hab' keinen blassen Schimmer. Im Zug verloren werde ich es aber nicht haben, weil wir nochmal unsere Betten vorm Ausstieh absuchten. Ich hoffe nun, dass es vielleicht in meiner großen Tasche liegt, die ich in Kunming zurück ließ, auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Wäre halt total doof, weil ich erst gerade gekauft hatte und es auch nicht billig war.
Bild 1: Eine Gasse von nem Cafe aus
Bild 2: Man sieht den skurillen Kerl ganz link und die zwei Drogenomis auf dem Bänkle im Hintergrund sitzend.
stefanreiss am 14. Dezember 09
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Viele, viele Abreisen (Do, 10.12.09)
Der Tag der großen Abreisen stand an. Andi fuhr schon am Morgen zum Flughafen, Franzi und Chris erst am späten Nachmittag. Die Zeit bis dahin verbrachten wir mit einem Spaziergang zu einem Park, essen und rumgammeln. Die Müdigkeit machte sich vor allem in der Gereiztheit der Leute bemerkbar, die ihren Höhepunkt beim Packen der Koffer fand. Hildes Schwester war nicht sonderlich erfreut über die Menge, die Hilde ihnen an Gepäck mitgeben wollte. Nun sind aber alle weg und wir beide übrig gebliebenen so erschossen, sodass wir schon um 21Uhr im Bett lagen.
Der Freitag begann mit meiner am meisten verhassten Tätigkeit in China: Tickets kaufen! Obwohl es schon sooooo viel leichter und angenehmer wurde, seitdem ich etwas Chinesisch kann, ist es immernoch brutal nervig eine Stunde in der lauten Tickethalle zu stehen und sich dabei über mega dreiste vordrängelnde Chinesen zu ärger. Schamlos wird dabei über die Ballustraden vor den Schaltern gesprungen, was sich aber nicht alle gefallen lassen und die Drängler zT. mit Zerren, Reißen und bösen Gesichtern wieder hinausschmeißén. Selbst ich musste einmal jemanden zurechtweisen, weil er sich vor mich stellen wollte. Aber ich bin ja nicht dumm und hab vorher schnell einen passenden Satz auswendig gelernt ;). Richtig erleuchtend war hingegen die Kenntnissnahme einer großen Leuchttafel über den Schaltern, die schon genaustens darüber Auskunft gab, wieviele Tickets es noch in den verschiedenen Kategorien gibt. Dadurch ist man weniger auf die gestresste Frau hinter der Scheibe angewiesen ^^.
Als diese Hürde genommen war, konnten wir unseren Tag in Kunming ausgiebig und planlos genießen. Lediglich ein Trekkinggeschäft war fester Bezugspunkt, weil ich mir eine kürzbare Trekkinghose gekauft habe. Denn ich hab erkannt, dass eine Jeans für Rucksacktouren einfach zu unpraktisch ist. Nicht nur, dass sie schwer ist. Außerdem würde sie ewig nicht trocknen, wenn man sie mal waschen muss. Durch einen Chinesen, habe ich von einer Marke erfahren, die früher für große Marken wie "The Northface" produziert hat, aber in China und eigenem Namen vertreibt. Die Qualität scheint super zu sein und der Preis mit 230RMB top. Nun muss sie sich nur noch im Feld beweise1n. Während der Suche fand ich zudem einen ultra kleinen und leichten Regenschirm. Normalerweise sind diese kleinen, zusammensteckbaren Schirme einfach Schrott und gehen beim ersten stärkeren Wind kaputt. Doch praktisch sind se schon. 160RMB für einen Regenschirm aus einem Trekkingladen, der laut Verkäufer nicht kaputt gehen soll...ich möchte ihm glauben. Aber wehe wenn doch!!
Der Sa auf dem Xi Shan, einem Erholungsgebiet am Rande eines Sees außerhalb Kunmings, war ein Reinfall. Auf der Karte erschien es, als würde man ständig mit Seeblick zu einer Sehenswürdigkeit zur nächsten laufen. In wahrheit liefen wir die ersten drei Viertel ständig an der Straße und atmeten das Abgas der vorbeifahrenden Autos ein. Und den See sahen wir auch nur hin und wieder. 2km vor Ende, von wo man auch wieder hätte Eintritt zahlen müssen, gaben wir auf und ließen die Massen an Menschen und Verkaufsstände hinter uns, um die restliche Zeit bis zur Abfahrt nach Dali im Hostel zu verbringen. Nur noch auf dem Weg dorthin erlebten wir etwas lustiges. Ich war dabei mir einen frisch gepressten Melonensaft zu kaufen, als auf einmal ein Mädel aus dem Hinterzimmer kam und schnell die Straße hochflitzte. "Häh, was macht sie denn, sind denen die Melonen ausgegangen sein?", witzelten wir. Umso lustiger war es, als das kleine Mädchen wirklich mit einer dicken, grünen Melone im Arme zurückrannte. Das arme Ding, hätten sie einfach was gesagt, dann hätte ich halt eine andere Frucht genommen ^^.
Bilder:
Bild 1 und 2: Nachtrag Reisterassen
Bild 3: Ein Dorf im gleichen Gebiet
stefanreiss am 14. Dezember 09
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Die Reisterassen von Yuanyang (bis Mi, 09.12.09)
Das Land östlich der Berge (so heißt die Provinz Shandong wörtlich übersetzt) habe ich nun endgültig hinter mir gelassen und befinde mich seit mehreren Tagen schon in der Provinz Yunnan, dem Land südlich der Wolken. Am letzten Sonntag kam unsere Gruppe von fünf in Kunming, der Hauptstadt der Provinz, an. Die Stadt liegt 1890m über dem Meeresspiegel und ist wie der Rest der Provinz von kulturellen Minoritäten geprägt. Von den Nationalität der Han, die im landesweiten Vergleich über 98% darstellen, gibt es hier weniger als 50%. Auf den Straßen sieht man dementsprechend viele Frauen in unterschiedlichen Trachten. Die Architektur ist unteschiedlich und die Hautfarbe sowieso viel dunkler als im Norden Chinas. Ein weiterer großer Unterschied von Kunming zu anderen Städten, die ich bisher gesehen habe, sind die vielen Pflanzen. Nicht nur, dass die Bewohner ihre Fensterbretter mit Grünem schmücken, auch in der Stadt selbst stehen Bäume an Bäume, die manchmal sogar höher als die Gebäude wachsen. Gerade durch diese Tatsache ist die Atmosphäre ungleich angenehmer. Auch grobmaschiger gesehen hat sich die Provinz Yunnan lange abgekapselt vom Rest des Reiches. Erst vor ca 500 Jahren konnten die Truppen des Khublai Khans die einheimischen Truppen besiegen. In den Jahrhunderten davor war Yunnan kein Teil Chinas und besaß auch noch nicht diesen Namen. Vor allem als Teil der südlichen Seidenstraße war die Region bekannt und wichtig.
Unsere Unterkunft das Cloudland, auf dessen Dachterasse ich auch jetzt gerade wieder sitze, befindet sich inmitten der Stadt und stellt für mich das Idealhostel schlechthin dar. Ein bunter und abwechselnder Trubel. Es wird Billard und Tischtennis gespielt. Nebenan sitzt man im gemütlichen Barbereich, hört Meditationsmusik, liest, surft im Internet, schaut DVDs oder bestellt sich etwas aus dem perfekten Angebot, welches neben chinesischen alle westlichen Genüsse anbietet und das zu fairen Preisen. Mein Lieblingsfrühstück ist ein Yoghurt Müsli mit ganzen Fruchstücken, dazu ein Glas frisch gepresster Orangensaft für insgesamt 25RMB. Bis auf die perfekten Schlafbereiche erscheinen die wild beschrifteten Wände und Einrichtung etwas heruntergekommen, aber das macht es insgesamt nur umso gemütlicher.
Da unsere drei Mitreisende (Hildes Schwester, deren Freund und noch ein Freund Hildes) in wenigen Tagen abreisen mussten, waren wir gezwungen einen recht straffen Zeitplan zu kreieren. Nach einer Nacht im Hostel, die mit zu den schlimmsten Nächten meines Lebens zählt (am Maß des Aufwachens wegen vieler verschiedener Dinge), fuhren wir mit einem privat gemieteten Bussle zu dem 80km entfernten Steinwald. Wegen dichtem Verkehr und schlechten Straßen brauchten wir ganze 2,5h. Eine schreckliche Fahrt, weil mir seit Morgengrauen leicht schwindelig, sowie schlecht war und ich Kopfweh hatte. Das alles wurde tagsüber auch nicht besser, sondern schlimmer. Obwohl der Steinwald wunderschön war, konnte ich ihn so nicht wirklich genießen und brach unser zielloses Umherwandern vorzeitig ab, um eine Apotheke zu finden und mich auszuruhen. Eine Apotheke fand ich sogar, ließ mir zwei chinesische Pflanzenpillen geben und legte ich mich auf eine Wiese zum Erholen.
Der Steinwald, um nochmal darauf zurück zu kommen, ist eine Ansammlung bizarrer nach oben gerichteter ?????????????? Karsgesteinsformationen. Durch dieses undurchsitige und labyrinthartige Gewirr gab es eine Menge an Wegen und Treppen, die man entlanggehen konnte. Wie an anderen chinesischen Touriorten beschränkten sich auch hier die Massen auf die Hauptwege, auf denen in Landestracht gekleidete Mitarbeiter Fotos schossen oder Tänze darboten. Sobald man also ein paar Schritte eine kleine Nebentreppe entlang ging, war man allein und konnte die Landschaft ungestört und vor allem ohne Gebrüll genießen.
Zurück nach Kunming ging es glücklicherweise schneller als zuvor. Wir ließen uns vorsichtshalber aber dennoch direkt am südlichen Busbahnhof rausschmeißen, damit wir garantiert den Nachtbus nach Yuanyang bekamen. Direkt nach dem Aussteigen wurden wir auch schon wieder von Fremden angesprochen, ob wir eben zu diesen Reisfeldern fahren wollen. Etwas perplex und weil wir sowieso in die selbe Richtung wollten, liefen wir mit ihnen mit. Diese paar älteren Frauen zeigten uns daraufhin einen Bus, welchen wir nehmen sollten und am besten gleich einsteigen. Das ganze war mal wieder eine typisch bizarre Chinaszene. Solche, aber sonst noch viel skuriläre und groteske, Dinge geschehen mir nur in China. Zurück zu dem Bus. Wir standen nun auf diesem riesigen Platz, umringt von ca 25 weiteren Bussen, hatten keine Orientierung, wo die eigentliche Tickethalle war und zweifelten dementsprechend an der Glaubwürdigkeit der Damen. Wieso ließen sie uns nicht einfach zur Tickethalle, dann würden wir schon sehen, was es für Busse gäbe. Erst auf Nachhacken und weiteren Fragen geleitete uns eine der Damen zur Halle. Und tatsächlich waren es die zwei richtigen Busse nach Yuanyang und auch die Info, dass es ausschließlich Liegewägen gäbe, war richtig. Nun also schnell Tickets geholt und ab zum Bus. Das Theater, dass wir lieber in den 30 Minuten früher fahrenden Bus, als in den, in welchen uns die Damen drängen wollten, hätten wir uns sparen können, wenn wir gewusst hätten, dass sie letztendlich doch gleichzeitig losfuhren -_- . Prinzipiell war nun also alles geklärt, wäre die eine Dame nicht auf mich zugekommen, um zu erklären, dass wir ja nun einigen Service dieser älteren Damen in Anspruch genommen hätten, der eine kleine Servicegebühr bedingen würde. Schließlich hätten sie uns von draußen in den Busbahnhof gebracht und uns alles gezeigt. Halloooo? Geht's noch? Wär hat den danach gefragt? Erstens wussen wir selbst, wohin es geht und außerdem drängten die sich uns ja auf. Unglaublich... . 30RMB wollten sie, die ich lachend abschlug und meine Gründe darlegte. Das Problem war nur, fand ich, diese zu sechst sitzende Gruppe, auf die wir zum Einen während der Busfahrt angewiesen waren und der grimmig dreinblickende Mann, der sich während unserer Diskussion erhob. Ich war mir nicht sicher, wie klug es war diese Menschen missgestimmt zu machen. Hätte ich einfach gehen können, kein Problem, aber in diesem Fall kam es mir sinnvoller vor auf die 15RMB zu scheißen und auf Harmonie zu setzen. Da noch etwas Zeit blieb, gingen wir noch vor den Toren etwas essen und einkaufen. Als wir zurückkamen, begrüßte uns die nächste Gestalt. Ein freundlicher, etwas jüngerer Chinese, der sofort wusste wohin wir wollten und sich als der Besitzer des Busses vorstellte. Da wir, wenn möglich, eher die vorderen Liegen und nicht die unteren, die manchmal als Bänke missbraucht werden können wollte, setzte sich der Busbesitzer für uns ein und erklärte alles. Ein Einzelbett jedoch wäre nur gegen Aufpreis von 20RMB möglich, denn eigentlich sei es schon von Chinesen reserviert. Irgendwie erschien es doch seltsam, weil sich seine Infos mit denen von vor zwei Stunden nur teilweise deckten. Außerdem hätte ich es spätestens nach der nächsten Szene blicken sollen. Eine Frau, mit der wir schon vorhin einiges besprachen und die uns die Servicegebühr der Damen erklärte, kam in den Bus und stauchte, nach kurzer Situationsprüfung, den anscheinenden Busbesitzer an. Dieser zuckte zusammen, kuschte und entschuldigte sich mehrmals. Aus Angst aber, dass die Geschichte mit den belegten Betten wirklich stimmte und ich dem Andi eine beschissene Nacht ersparen wollte, gab ich dem Mann doch noch das Geld, welches er kurze Zeit später wieder forderte. Harmonie und Problemvermeidung in allen Ehren, aber dennoch nicht blind und es mal darauf ankommen lassen. Keine Ahnung, wer dieser Typ nun eigentlich war. Im Endeffekt war der halbe Bus leer und diese eine Frau war die eigentliche Busbesitzerin. Finanziell ein wenig ärmer, aber wenigstens an Erfahrung reicher.
Durch die wenig verkauften Plätze, hatten wir somit eine recht große Auswahl und zogen deswegen auf die Fünferbank ganz hinten im Bus, weil meine Begleiter Uno spielen wollten. Da ich aber sowieso nicht mitspielen konnte (weil mir auch sonst schlecht werden würde) und ich eher schlafen wollte, verkroch ich mich auf ein Doppelbett im vorderen Teil des Busses. Anstatt 7h, wie angenommen, standen uns nun 10h Busfahrt auf holperigen Straßen bevor, die wir mit Jacken oder mit widerlichen Decken zu überstehen versuchten. Vor allem die dauergeöffneten Fenster hätten sich manche Mitfahrer sparen können. Wenn ich doch wenigstens hätte schlafen können. Kennt ihr das, wenn man denkt, es seien mindestens 4h oder mehr vergangen, dabei waren es nur 1,5h oder so? Aus diesem Grund, wollte ich mir Schlaftabletten besorgen. Eine 24h Apotheke fand ich aber leider nicht, obwohl der Bus manchmal halbstündig anhielt, was auch die verlängerte Fahrtzeit erklärte. An einer dieser Pausen war es dann auch endgültig soweit und ich musste mich drei Mal übergeben. Ein absolut schreckliches Gefühl, aber wenigstens ging es mir hintermir besser.
Noch vor dem Morgengrauen, kamen wir in Xinjie an. Da der Busfahrer aber meine Fragen ignorierte, merkten wir erst nach gut einer halben Stunde, dass wir schon da waren und nicht nur Pause machten. Da ab diesem Zeitpunkt eh alles mehr oder weniger spontan ablaufen sollte, nahmen wir und drei weitere Ausländer, die wir im Bus kennen lernten, die Gelegenheit uns von einem Van zu einem Sonnenaufgangsausichtspunkt fahren zu lassen. Was sich im Nachhinein als völlig doof herausstellte. Der Platz war schön, keine Frage. Aber 30RMB bezahlen, um einen Sonnenaufgang anschauen zu dürfen? Unseret wegen hätten wir auch die Toiletten und befestigten Plattformen nicht gebraucht. Und die vielen sich aufdrängenden eierverkaufenden einheimischen Frauen, meistens mit Baby auf dem Rücken, waren auch eher unnötig. Für 1RMB sollte man ein Ei kaufen, egal wie viele man schon hatte. Wenigtens hier war mein Krankheitszustand eine gute Ausrede. Zudem stellte sich heraus, dass sich unser Hostel in dem nur wenige Höhenmeter tiefer gelegenen Dorf befand und wir somit den Ausblick inklusive gehabt hätten. Damit sich die Mietung eines halben Tages von 130RMB pro Fahrzeug doch noch lohnte, nutzen wir diese, um uns auf einen Markt in einem Dorf bringen zu lassen. Auffällig hier waren wieder die Trachten der Minoritäten, der prallen Sonne ausgesetzte Fleischtheken und die überall Riesen-Bong rauchenden Männer.
Unser Sunny Hostel befand sich am Rande des Dorfes, direkt an den Reisterassen. Auch um zu diesem zu kommen, musste man zu Fuß über frisch errichtete Wege oder Reisterassen balancieren. Die Unterkunft war schlicht, aber nett und ausreichend. Betreiber sehr freundlich und der Ausblick natürlich grandios. Insgesamt befand sich die ganze Gegend in regem Aufbruch in Richtung Tourismus. Überall wurden Häuser gebaut und Ausblicksplattformen oder schöne Wege errichtet. Mittlerweile war übrigens mein Zustand mit Durchfall komplettiert.
Nach dem 30RMB Sonnenuntergang ließen wir uns von unserem Fahrer in ein kleines Restaurant bringen. Ich erwähne es nur wegen einem Mann, der dort war, der sich viel mit uns unterhielt, den aber keiner verstand. Nicht etwa nur, weil er Dialekt sprach, sondern weil er komplett dicht war. Keine Ahnung ob es das Ergebnis von Alkohol oder den Bongs war, jedoch nuschelte und murmelte er ein Zeugs vor sich hin...sowas hab ich noch nicht erlebt. Ehrlich machte ich mir auch etwas Sorgen, weil er immer wieder Antworten erwartete und ich nicht wusste, wie er reagieren würde, wenn er sich verarscht oder ignoriert fühlt. Es ging aber alles gut. Zurück zum Hostel mussten wir natürlich wieder zu Fuß ab dem Parkplatz, doch vergaßen wir das fehlende Licht. Mit drei Taschenlampen mussten wir nun den teilweise steilen, ruschtig matschigen und schmalen Pfad zum Hostel entlang irren, immer mit der Angst gleich in ein Reisfeld zu rutschen. Ein kleines Abenteuer war es auf jeden Fall, für welches wir mit einem prall bedeckten Sternenhimmel belohnt wurden, den wir auf der Dachterasse vor unseren Zimmern genossen.
Am nächsten Morgen ging es mir glücklicherweise besser. Auch der Appetit war etwas zurückgekehrt. Den Vormittag, vor der Abreise, nutzen wir für einen ausgiebigen Spaziergang zwischen den Reisfeldern. Jeder einzelne Schritt musste gezielt und konzentriert gesetzt werden, weil man sonst in ein Reisfeldteich trat oder man die Dämme zerstörte. Es lohnte sich aber und zählte zu meinen Highlights. Man muss sich vorstellen, dass es dort tausende von Feldern gibt. Alle Hänge, egal wie steil, sind bedeckt mit den sich den natürlichen Gegebenheiten anpassenden Feldern. So geschwungen wie der Berg, so gewunden waren auch die Konturen der Felder. Die Kornkammer Chinas, die Millionen von Menschen ernährt.
Von Bada aus (Sonnenuntergangspunkt), zu dem wir 2h liefen, fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt. Hier wurde auch Mittaggegessen, weil uns die Auswahl des Hostels nicht allzu beindruckte. Es hätte wahrscheinlich wieder Ei mit Spiegelei, einem Ei, Omelette, Eierkuchen und Ei gegeben.
Obwohl es in Xinjie wieder richtige Apotheken gab, hatte niemand Schlafmittel im Angebot. Erst das Krankenhaus hatte schlafmittelartige Pillen, die Chris und ich unter Protest der Mädels kauften. Nachdem ich dem grinsenden Arzt meine Daten gab, ging ich mit dem Zettel zur Medikamentenausgabe. Dort wurden mir noch mehr Zettel gegeben, die ich am Gebühren- und Verwaltungsburü abgeben und bezahlen musste. Mit nun insgesamt fünf Zetteln ging ich zurück zur Medikamentenausgabe und bekam mein Tütchen Pillen. Obwohl es nur zwei sein sollten, war aber ein ganzer Haufen drin. Naja, kann nicht schaden, hab ja schließlich noch mehr Fahrten vor mir. Nun nur noch meine Kaputze an der Kasse abholen, welche die letzte Besitzerin dort abgab, weil ich sie im Bus liegen ließ und dann ab nach Hause. Natürlich mussten wir in dem hässlicheren und kaputteren der beiden Busse liegen und natürlich gab es nur noch die hinterste Bankreihe. Wenigstens zeigte die Schlaftablette Wirkung und ich wachte zwar oft auf, konnte aber immer wieder sofort einschlafen. Nach 7h Fahrt passierte es dann aber und unser Bus gab den Geist auf. Wir mussten auf Ersatzbusse warten, bei dem wir dann wieder ganz hinten, jedoch nur unten Platz fanden: die absolut schrecklichste Busfahrt meines Lebens. Es stank (nicht nur von den Bettdecken), es war kalt (ich lag am Fenster), was war laut, weil der Motor direkt unter uns lag und zudem vibrierte und wackelte unser Kopf im Takt des Motor. Achja und zu knapp in der Länge waren die Liegen sowieso. Nach insgesamt 12,5h waren wir erschöpft aber froh in Kunming angekommen.
PS: Bilder folgen hoffentlich bald. Mittlerweile ist es aber schon kurz vor zwei und ich bin zu muede dafuer.
stefanreiss am 12. Dezember 09
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