Eine neue Ebene erreicht (Do, 03.09.08)
Die Sonne scheint, ich hör chinesische Rockmusik und habe gerade mein zweites von vielen Eissorten probiert. Unten vor den Hochhäusern gibts einen kleinen Ich-führe-alles-von-Gemüse-über-Springseile-bis-Hühnerfüße-Supermarkt. Da ein Eis am Stil hier bei 5ct beginnt, aber manchmal sogar 13ct kostet, kann man hier richtig günstig dick werden ^^. Ne Spaß, aber zumindest gibts so viele Sorten, die alle mal probiert werden wollen. Ich muss mich nur vor dem Bohneneis mit ganzen Stückchen in Acht nehmen...aber sonst... . Heute gabs Milcheis (meinte er zumindest XD) mit Rosinen. Sehr lecker!
Aber ok, was ich eigentlich erzählen wollte, ist, dass ich im Kindergarten eine neue Ebene erreicht habe mit meiner Lehrerin. Ich brachte heute mein eigentliches Anliegen vor, weswegen ich in dem Kindergarten bin und glücklicherweise stimmte die Leiterin zu! Am Anfang war es irgendwie seltsam in meiner Ecke zu sitzen und nichts wirklich zu machen, als mal den Tisch zu decken oder abzuräumen. Demgemäß wusste die Lehrerin (sie ist übrigens erst 21 Jahre alt, also keine ältere Frau) irgendwie nicht, was sie von mir halten sollte. Aber das ist nun soweit geklärt. Zudem bin ich jetzt ihr English Teacher und sie meine Chinesisch Lehrerin. Heute begannen wir schon damit ein wenig intensiver uns gegenseitig was beizubringen. Und dann spielt sie ja noch Klavier, auf dem ich ihr heute das Heart and Soul Duett beigebracht habe. In etwa das selbe, dass ich mit meinen Schwestern gespielt habe. Das bringe ich ihr nun bei und sie mir im Gegenzug chinesische oder koreanische Lieder.
Das heißt nun, dass meine Zeit dort endlich Spaß macht und ich was sinnvolles mache. Die restliche Zeit über lerne ich Vokabeln und beobachte die Szenerie, um dann doch noch was für meine Forschung zu tun.
Jedenfalls sieht sie mich nun mit ganz anderen Augen. Der Respekt ist (oder scheint mir zumindest) größer zu sein und es ist viel herzlicher, nicht so unpersönlich. Davor unterhielten wir uns auch nie wirklich, weil ichs noch nicht gut genug kann.
Achja, mein Englisch Unterricht war heute auch super. Man bekommt langsam ein Gefühl dafür, mit welchen Methoden man die Kinder motiviert. Zwar ist der Lernerfolg dabei nicht allzu groß, aber das muss er in ihrem Alter ja gar nicht sein. Außerdem bin ich froh, wenn die Kinder glücklich sind und die Leitung des Kindergarten somit mit mir zufrieden. So what... :P
stefanreiss am 03. September 09
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Nichts zu tun
Ok, so wenig ist es vielleicht auch nicht, aber im Kindergarten doch fast. Ich sitz halt rum und suche Beschäftigung. Aber ich weiß nicht, ob die irgendwas von mir erwarten, weswegen ich mir ein wenig blöd vorkomme! Aber mit meinen wenigen Sprachkenntnissen, kann ich auch nicht wirklich was machen. Denn so gut wie alles erfordert ein Gespräch mit den Kindern, was aber nicht möglich ist. Morgen werde ich daher zur Leiterin gehen und ihr sagen, dass ich eigentlich wegen der Forschung hier bin und ob sie einverstanden sei. Dann ist es wenigstens in Ordnung, wenn ich in der Ecke sitz und Chinesisch lern und in mein Notizblock schaue. Morgen gehts nur nächsten Englischstunde =/, aber ich hab ein Lied im Internet gefunden, bei dem man verschiedene Körperteile durchs Singen erlernt. Das wird hoffentlich was.
Gestern Abend bin ich zum ersten Mal in die Stadt gefahren. Ich traf mich mit einem Deutschen (Tim), der auch ein Praktikum macht. Wir aßen zusammen, gingen in Bars und fanden einen DVD-Laden. Dort in der Innenstadt ist wenigtstens Leben! Nicht so wie hier draußen in der Einöde...Ich nutze gleichzeitig die Chance in der Stadt zu sein und ging groß Einkaufen. Nun kann ich eine schicke Tischlampe mit gelber Birne!, einen speziellen Tee-Trinkbecher, einen Rasierer (hab meinen auf dem Waschbecken liegen lassen -_- ) und diverse Kleinigkeiten und Süßgeiten mein eigen nennen! So ein Licht macht das Leben deutlich angenehmer und außerdem kann ich nun ohne weiteres im Bett lesen oder noch abends was lernen.
Der Tag heute war geprägt von der Suche nach einem Fitnessstudio und meinem Spaziergang zum Meer. Meine Praktikumsstelle liegt ja nur 10-20min zu Fuß davon entfernt, eine Schande also, wenn ich das nicht nutze! Und nun weiß ich definitiv, dass ich nochmal dort hin muss an einem sonnigen Tag: Sandstrand! Man muss sich nur den Müll wegdenken, der immer mal wieder dort rumliegt ^^. Gerade eben sind meine Gasteltern extra mit mir zu einem ihrer Fitnessstudios gefahren, damit ich es mir anschauen konnte. Das Studio bietet wirklich einiges, aber eine 30er-Karte kostet stolze 1800Yuan, was 6Eur pro Besuch entspricht. Bei 2x Training die Woche wären das 48Euro im Monat. Das weiß ich noch nicht, ob ich das mache. Effektiv wäre es schon, aber soviel Geld habe ich nun auch nicht und die Rumreiserei im Dezember wird nicht billig. Leider ist auch der Fitnessraum in einem mega, super, schicken Hotel, den ich heute Mittag aufsuchte, so teuer und bietet sogar noch viel weniger. Ich denke deswegen, dass ich mir dafür lieber selbst ein Hantelset kauf und im Zimmer trainiere...naja, mal noch überlegen.
Mit meiner Familie verstehe ich aber super. Heute meinte sie sogar, als ich mich für die Begleitung bedankte, dass wir doch nun eine Familie seien. Ich versuche auch mich möglichst angemessen zu verhalten. Laut grölendes Rumgebrülle im besoffenen Zustand nach einer durchzechten Nacht lass ich dann wohl lieber bleiben ;).
Das Essen ist soweit auch lecker, wenn man den ungewohnten Geschmack an sich ungeachtet lässt. Durch die Nähe zum Meer, gibt es jedes Mal mindestens ein Gericht mit Meeresfrüchten. So kam ich mittlerweile schon in den Genuss Muscheln zu essen oder kleine Tintenfischchen. Nur einen normalen Fisch mit Gräten lässt sich einfach nicht mit Stäbchen essen. Eine Tortur!
Achja, einen Hausschlüssel besitze ich mitterlweile auch und eine Karte zum Busfahren, damit ich nicht immer passendes Kleingeld dabei haben muss. Man wirft das hier meist in eine Box beim Busfahrer. Aber wenn mans nicht passend hat, hat man eben Pech und muss mehr bezahlen! Deswegen bin ich auch schon nächsten Minihändler an der Bushaltestelle gegangen, um mir irgendeinen Mist zu kaufen, nur damit ich Kleingeld rauskriege.
Und sonst? Hmmm, irgendwas war glaub noch. Aber mir fällts nicht ein. Egal.
Achja, dieses Bierfestival noch. Das Gelände wird nicht für das einmalige Fest im Jahr hergerichtet, sondern dort stehen das ganze Jahr über Fahrgeschäfte. Nur völlig verlassen und ungenutzt. Das Gelände heißt Bier-Stadt und so auch die Bushaltestelle daneben. Ob das Gelände öfters als einmal im Jahr genutzt wird, weiß ich noch nicht.
Hey, meine Gastmutter hat mir schon wieder geschnittenes Obst gebracht. So war das bisher jeden Abend. Ist ja schon fast so gut wie zu Hause, aber nur fast! :)
Doch bestimmt macht sie das nur jetzt am Anfang, um sich einzuschleimen!...
Spaß! ;)
Ok, nü aber jut.
Hasta luego oder 回头见!,
Stefan oder 米赛凡 (mi saifan)
stefanreiss am 02. September 09
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Erster Arbeitstag (Mo, 31.08.09)
Mein Arbeitsplatz ist zum Glück doch so nahe, wie mir gesagt wurde. Die erste Gastfamilie war 6km davon entfernt, jetzt sind es nur noch 3km. Leider ist sind meine Wohnung sowie die Arbeitsstelle zwar in einer ruhigen und sauberen Gegend, doch weit ab vom Schuss und vom Zentrum der Stadt.
Der Chinese, der mich auch schon vom Bahnhof abholte, brachte mich heute zum Kindergarten. Dafür sollte ich anfangs in deren Büro kommen, stieg zwar an der richtigen Haltestelle aus, aber war nicht in der Lage das Gebäude zu finden. Nur sporadisch scheinen Nummern und Namen an den Wänden zu stehen. Auch ein Anruf bei ihm half nicht weiter. Die Dinge, die ich in Reichweite sah, sagten ihm alle nichts. Deswegen lief ich halt noch ein bisschen fröhlich um den Häuserblock, las auf meiner Karte oder fragte Passanten, die mir letztendlich das richtige Gebäude zeigten. Im Nachhinein merkte ich dann, dass es genau das selbe Gebäude war, von dem ich dem Chinesen ein Ladenschild beschrieben hatte, in der Hoffnung, dass er es kenne.
Die Mädels auf der Arbeit sind alle sehr nett. Ich schreib extra nicht Leute, weil ich bisher noch kein männliches Objekt in dem Gebäude gesehn habe. Ich wurde einer Lehrerin zugeteilt und begleitete sie in ihre Klasse, die den malerischen Namen 馨馨班 (xinxin ban) trägt, was Duftende Klasse/Gruppe bedeutet. Dass die ganze vorherige Organisation nur brüchig funktionierte, bemerkte ich daran, dass die Leiterin noch meinte, ich würde bis 17Uhr arbeiten. Aber das ließ sich ohne weiteres Nachfragen wieder auf 12Uhr abändern.
*Mein Gott*
Zwischenmeldung: Ich sitz gerade wieder im 5. Stock meines Hochhauses und hör immer wieder die Leute, die unten rumlungern. Also ich sag mal so: Das, was er sich da gerade durch den Hals hochgezogen und ausgespuckt hat, kam von gaaanz weit unten, wenn ihr versteht was ich meinte.
*Zwischenmeldung Ende*
Ich ging also mit ihn diese Gruppe ohne irgendwelche Anweisungen zu erhalten. Deswegen saß ich den Tag über in einer Ecke, beobachtete das Geschehen, half bei Aufforderung oder wenn ich selbst die Möglichkeit sah. Es wurde gesungen, gemalt, geschlafen (nach dem Essen, was übrigens sehr lecker war, legen sich alle für 2h aufs Ohr) und frei gespielt. Nachdem das Eis aufgetaut war, waren auch die Kinder nicht mehr so schüchtern. Aber es ist wahnsinnig schwer sie zu verstehen. Zum einen fehlen mir einfach viele Vokabeln und zum anderen sprechen sie manchmal sehr leise und undeutlich, vor allem, wenn sie noch etwas kleiner sind.
Meine Gruppe besteht aus nur 7 Kindern, wobei ich nicht weiß, wo ich morgen sein werde. Der Umgang mit ihnen ist sehr herzlich. Es wird geholfen, gelobt oder über den Rücken gestreichelt. Aber er kann bei Ermahnung aus streng werden, wobei nicht zurückgeschreckt wird das Kind vor der Gruppe offen zu ermahnen.
Da die Betreuerinnen Lehrerin Sounso angesprochen werden, nannte mich die Beutreuerin meiner Gruppe folgerichtig Teacher, wenn sie mich ansprach ^^.
Insgesamt betrachtet war es aber eher langweilig für mich. Ich bin gespannt, was ich sonst zu tun haben werde. Doch bin ich gezwungen mehr Vokabeln zu lernen und endlich ein Notizbuch zu kaufen, damit ich a) neue Vokabeln notieren und b) Notizen für meine Forschung machen kann. Das bringt mich auch gleich zu dem Punkt, dass ich für diese Forschung unbedingt noch was lesen muss, damit ich bald damit beginnen kann gezielt Beobachtungen durchzuführen.
Morgen Nachmittag gehts dafür in den großen Carrefour, in dem ich außerdem eine Nachttischlampe kaufen möchte. Ich hab hier nur eine, die schon beim schief Anschauen den Hals krumm legt und nicht mehr viel mitmacht. Denn in dem Zimmer gibt es, weil es ein Büro ist, nur eine kalte, weiße Neonröhre, die unglaublich schrecklickes Licht produziert. Hmm und wenn ich mir die Wände hier anschaue, wären Poster auch nicht verkehrt. Nachdem dies alles erledigt ist, treffe ich mich mit einem Deutschen am Abend, um ein Bier trinken zu gehn oder so. Freu mich schon mal wieder unverkrampft und locker palabern zu können.
Also, haltet die Ohren steif!
stefanreiss am 31. August 09
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