Abschied (05.12.09)
Nun ist es aber wirklich vorbei. Mein letzter Tag in Qingdao ging zu Ende. Morgen um 6:30 steh ich auf und fahr zum 40min entfernten Flughafen, von dem aus es dann nach Shanghai und 13:45 weiter nach Kunming geht.
Am Donnerstag luden mich meine Gasteltern das letzte Mal zum Essen ein – Sichuan Küche, die bekannt ist für ihre Schärfe, aber auch ekelhaften Zutaten (die man aber glücklicherweise nicht bestellen muss). Wir gingen deswegen schon am Do essen, weil meine Gastmutter Angst hatte am Sa keine Zeit zu haben. Dummerweise vergaß ich jedoch eine lose Absprache mit zweien meiner Kolleginnen. Weil die Mutter von Lulu mir absagen musste und ich somit noch kein einziges Interview mit einem Elternteil hatte (abgesehen von den Fragebögen), wollte mir eine Kolleginn jemand organisieren. Ich verstand es so, dass die beiden eh einen Elternbesuch machen müssen und ich sie einfach begleiten könnte. Doch bis Mit meldeten sie sich nicht bei mir, weswegen ich davon ausging, dass es nicht klappen würde. Do Spätnachmittag kam natürlich die SMS mit der Aufforderung um 18Uhr in den Kindergarten zu kommen. Scheiße, was tun?! Meine Gastmutter kam extra früher von der Arbeit und es war sogar geplant den Sohn aus dem Unterricht zu holen. Ich hätte nicht mehr absagen können, ohne einen schlechten Eindruck und viel Wind hinterlassen zu haben. Blöderweise war die Gegenseite auch sauer auf mich, weil sich herausstellte, dass es keinen Elternbesuch ihrerseits gab, sondern sie lediglich als Gefallen mich begleitet hätten. Da ich Do gesagt hätte, sei schon alles abgemacht und ein Absagen wäre nicht so gut. Na toll, aber wieso sagt ihr mir auch nicht Bescheid. Blöd das ganze, vor allem, weil ich dieses Interview ja dringendst brauche. Den Mangel versuche ich durch die zwei heutigen Interviews zu kompensieren. Einmal meine Gastmutter und einmal ihre Freundin. Was jedoch eigentlich nicht erlaubt ist, weil ich Leute aus meinem Forschungsfeld nehmen sollte. Das Essen am Donnerstag war aber lecker, auch wenn der Sohn doch nicht kommen konnte und ich den Abend vielleicht doch verschieben hätte können. Von dort direkt ging ich weiter zu Wenwen, mit der zum neueröffneten Wanda Palace ging. Ähnlich einem Breuninger – viele Geschäfte, Essensmöglichkeiten, einer Spielhalle und in dem in Taidong beispielsweise noch einem Kino. Für nur 2Eur konnte man auch noch Rollschuhe fahren. Ein netter Abend, der in der darauffolgenden Nacht noch vertieft werden sollte. Am nächsten Tag ging ich nämlich erstmal noch mit meinen Ex-Kollegen Pizza essen. Obwohl die kleine Variante lediglich 18cm Durchmesser besaß und ziemlich mickrig aussah, war sie leckerer, als ich dachte. Doch in China sitzt man ja nicht einfach irgendwo und ist lediglich deren Speisen, sondern man kauft zwischendurch noch säckeweise Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse und hinterlässt personenweise kleine Bergchen auf den Tischen ^^. Leider konnte Han Zhi Hui, meine andere Gruppenkollegin dem Abend nicht beiwohnen, weil sie ihre Eltern besucht. Wenigstens sah ich sie noch am Morgen, als ich meine (selbstgeschriebenen) Praktikumszeugnisse zum Unterschreiben und Bestempeln abgab.
Nach dem Essen war eigentlich der Plan mit allen noch irgendwo hinzugehen, doch deren Motivation ging gegen Null. Wir schafften es nicht sie davon zu überzeugen, dass es gar nicht soo weit weg sei oder dass es noch früh genug sei, auch wenn sie wieder morgen um 9 am neuen Kindergarten sein sollen. Deswegen blieben wieder nur Wenwen und ich übrig und zockten was das Zeugs hält. In dieser Spielhallte bekam man bei manchen Automaten Wertmarken ausgespuckt, die man am Ende gegen Geschenke eintauschen kann. Natürlich braucht man Tausende, um wirklich gute Geschenke zu kriegen und der einzig wahre Grund ist die Zocker-Motivation/Gier zu steigern, um dadurch den Umsatz der Halle zu erhöhen. Klaro, wissen wir. Wir spielen trotzdem mit ^^. Und die Spielhallenpreise sind im Vergleich zu Europa ein Witz, von dem her. Glückmaschine um Glückmaschine, Geschlicklichkeitsgerät und Haudrauf-automat wurden geschändet, bis wir genügend Bons zusammen hatten, um Wenwen ein Abschiedsgeschenk einzulösen. Unsere Einschätzung war aber völlig untertrieben. Am Ende hatten wir so viel, dass ich mir auch noch eine Tasse aussuchen konnte. Eine Micky Maus Tasse mit einem Löffel, auf eine Erdbeere gedruckt ist. Schon ein bisschen mädchenhaft das Teil, aber ich versprech euch, dass es nichts besseres und gleichzeitig genauso nützliches gab, wenn man nicht gerade einen Spitzer genommen hätte. Hoffentlich find ich in einer anderen Stadt nochmal das gleiche Eis, wie in diesem Einkaufszentrum. Crepe-Teig, in dem man Eis, Sahne, Sauce und Fruchtstückchen packt. Hört sich geil an? Iss‘es auch!
Heute früh bin ich recht spät nach Hause gekommen. Nach einem ausgiebigen Schlaf, ging ich das letzte Mal mit Wenwen essen. Mit den richtigen Zutaten kann Hot Pot wirklich lecker sein, aber scharf muss er sein, definitiv. Um 14:30 begannen dann meine zwei letzten Interviews. Ich wollte eigentlich zwei getrennte haben, damit meine Gesamtstatistik der Forschung besser aussieht, aber ich rechnet nicht mit der Denkweise meiner Probanden, die kurzerhand beide auf dem Sofa saßen und auf meine Fragen warteten. Die Männer saßen derweilen rauchend am Tisch und der Sohn sträunerte langweilig durch die Zimmer, auf der Suche nach Kurzweil. Übrigens der gleiche Sohn, der mir damals im Restaurant die Löcher in den Bauch gefragt hat und vor ein paar Tagen mit seinen Eltern zu Besuch war, um daraufhin mein Zimmer zu belagern. Damit mein Bauch lochfrei blieb, war die einzige Alternative ihm meine PSP in die Hand zu drücken und zu hoffen, dass er die Klappe hielt. Einen Film konnte ich aber dennoch nicht schauen -_- .
Naja, vielleicht ist die Zusammenfassung so klar unterschieden, wodurch ich vortäuschen kann, dass es zwei Interviews sind, aber ich glaube nicht. Mittlerweile sind alle aus dem Haus. Ich hab eine Drachenfrucht als Abendessen verputzt und werde nun meine Sachen packen, bevor ich nochmal zu den Engländern (Helen, um genau zu sein) fahre. Diese hat sich einen Haufen chinesische Lieder von einem ihrer Schüler kopiert und nun erhoffe ich mir dadurch weitere schnelle und rockige Lieder. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben hab, aber der Großteil der chinesischem Musik ist einfach nur schnulzig. Es geht immer nur um Liebe, der in seichten, gleichklingenden Pop gepackt wird. Etwas schnellere oder fetzigere Lieder sind selten, zumindest hab ich bisher nur eine handvoll, weswegen mich die Möglichkeit hier reizt. Meine Gastmutter hat leider vergessen mir ein Stück Stoff zu geben, um meinen quietschenden Rucksack zum Schweigen zu bringen. Bis Kunming werd ich’s aber aushalten. Okok, jetzt hab‘ ich mich lange genug vorm Packen gedrückt. Die Ärmel hoch und los geht’s!
stefanreiss am 05. Dezember 09
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Friseurbesuch (Di, 1.1.09)
Langsam wurde es Zeit meine Haare schneiden zu lassen. Möglichkeiten dafür gibt es China massig, überall sieht man die sich drehenden Säulen (ein Zeichen für Friseure) an den Wänden, aber zu welchem geht man? Vor allem weil ich durch Freunde weiß, was alles mit seinem Kopf passieren kann, auch wenn man nur sagt: „Bitte nur die Spitzen schneiden.“ Um dem vorzubeugen lernte ich den Satz „Ich will keine neue Frisur. Bitte einfach nur 2cm kürzer schneiden.“ auswendig und suchte mir eine nicht allzu schäbig aussehende Location. Nach einem ausgiebigen Spaziergang, währenddessen ich nach den zwei F suchte – Futter und Friseur – wählte ich einen koreanischen Salon. 20RMB, also 2Eur, für Waschen (inkl. Minikopfmassage), Schneiden, nochmal Waschen, Fönen und Stylen. Glücklicherweise wurde ich nicht verschandelt, obwohl es ganz offensichtlich eine chinesische Interpretation meiner Frisur ist. Hätte ich Schlitzaugen und gelbe Haut würde ich glatt als Teenie Popstar durchgehen ;D. (Sorry, nicht sauer sein Ying, nur Spaß ;) Achja, der Bart ist natürlich auch gleich gestutzt worden.
Gestern war ich nochmal beim Kindergarten, um dort einen Vater, der sein Kind eingewöhnen will, um ein Interview zu bitten. Dooferweise ist er aber nur die Nanny ^^, doch auch das ist eigentlich interessant, weswegen ich ihm nun ein Blatt mit Fragen geben ließ und er sie schriftlich beantwortet. Ein letztes Mal nutzte ich die Gelegenheit, um mit meinen zwei Mädels Mittag zu essen. Heute muss ich mein Dasein alleine fristen und ess‘ deswegen jetzt ‚ne Pomelo.
Zwecks meines Gepäckproblems hab ich folgende Lösung gefunden. Ich habe ja diese tolle dimm- und schwenkbare Lampe gekauft, sowie das Kopfkissen. Nehmen wir an, ich bin am September wieder in China und brauche solche Dinge. Dann nutze ich einfach den obligatorischen Besuch und nehm die Sachen mit in meine Studentenbude. Diesen Umstand nutz‘ ich nun und bunker hier noch mehr Dinge, vor allem Bücher. Der aufmerksame Leser wird nun vielleicht fragen, was ich dann beim Rückflug von der anderen Zeit in China mache. Dann stören die Dinge vielleicht dort. Sehr gut aufgepasst, aber das ist kein Problem. Denn ich denke, dass ich nur dieses Jahr nicht an Weihnachten zu Hause sein werde und nächstes Jahr deswegen zwischendurch nach Hause fliege. Bei diesem Flug hab ich dann soviel weniger mitzunehmen, sodass ich Platz für das diesmalige Übergewicht habe. Schlau, was? (Dass es in meiner Überlegung eine Menge „Wenns“ gibt, klammern wir einfach mal aus)
Und nun noch eine Meldung in Bezug auf meine Praktikumsagentur. Ich habe eine sehr lange Email-Konversation mit einem der Mitarbeiter hinter mir, weil er von mir mehr Geld forderte. Da ich sechs Tage länge bleibe, als anfangs geplant, muss ich natürlich die Unkosten der Familie decken. Tagessatz ist 3,30 also knapp 20Eur. Dass ich viele Abende nicht zu Hause gegessen hab, ich jetzt erstmal egal. Meine Agentur verlangte aber 53Eur. Und mir war lange nicht klar, wie der Mitarbeiter auf diese Zahl gekommen ist. Durch ein Missverständnis in seiner Email dachte ich sogar, dass es mir anlog und behaupte dies komplett sei der Betrag, der an die Familie ging. Das waren aber nur 25Eur,was ich durch Nachfragen herausbekam. Erst nach vielen Emails und Tagen erfuhr ich, dass die Agentur einen Tagessatz von 260EUR/30 besitzt und dadurch auf 53Eur kommt. Mir ist es aber absolut unklar, warum ich mehr bezahlen sollte, als die zusätzlichen Unkosten der Familie. Diese sechs Tage verursachen der Agentur keinerlei Unkosten, weswegen ich mich weigerte mehr zu bezahlen, wenn man mir nicht schlüssig erklärte, wo diese Unkosten seien. Mittlerweile scheint es aber unter den Teppich gekehrt zu sein, was eventuell auch an der guten Beziehung liegt, die ich bisher mit den Mitarbeitern hatte. Außerdem hänge ich für Frank, dem Chef, Plakate in Freiburg auf! So! ;)
Jetzt wird Pomelo gegessen und eine weitere Folge „Star Wars – The Clone Wars“ geschaut. Eine unheimlich gut gemachte Animationsserie.
Hier meine Frisur. Wobei man die Details eigentlich recht schlecht erkennt, aber man hat eine Ahnung davon. Hab halt kein Bock mehr nochmal Fotos zu machen.
stefanreiss am 01. Dezember 09
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Viele, viele Dinge (So, 29.11.09)
Die Kette der Erlebnisse beginnt mit dem Fußballspiel am Sa Nachmittag. 2:0 lagen wir zur Halbzeit hinten, weil keiner unserer Bälle das Ziel traf. Schossen aber in der zweiten Hälfte sechs Tore und brachen das Spiel sogar 17min vor Ende ab, weil unsere Gegner keine Lust mehr hatten ^^. Meinem Oberschenkel geht’s aber immer noch nicht gut. Sobald er stärker belastet wird, spür ich die Zerrung. Nach einer langen, warmen Dusche zu Hause, fuhr ich halb 8 nach Taidong. Bevor wir essen gingen, lösten wir unsere Ticketgutscheine in echte Eintrittskarten um. 2012 im englischen Originalton. Die 21:50Uhr Vorstellung hatte aber nur noch Plätze in der vordersten Reihe (Genickstarre-Alarm). Deswegen nahmen wir Karten für die 23:10 Vorstellung, obwohl wir uns beide nicht so sicher waren, ob das eine gute Idee war. Doch somit hatten wir wenigstens genügend Zeit, um im Walmart Getränke und Knabbereien fürs Kino zu kaufen. In China ist es irgendwie kein Problem sich in Restaurants und Kinos sich selbst seine Sachen mitzubringen. Um noch kurz die Sache mit den Ticketgutscheinen zu klären. Eine Karte kostet normalerweise 60RMB. Es gibt um die Ecke des Gebäudes aber einen Kiosk, bei dem man auch Karten kaufen kann. Jedoch für nur 28RMB. Fragt mich nicht warum, China halt. Doch diese muss man erst an der richtigen Kinokasse in richtige Tickets umwandeln.
Um unseren Hunger zu stillen gingen wir in ein shao kao rou Restaurant, in dem es gegrillte Fleischspieße gab. Als süße Abrundung gab es mit Zucker übergossene Kartoffelstückchen. Geile Sache, sag ich euch! Weil wir nach dem Essen immer noch Zeit hatten, gingen wir schnell zum Hotel, damit wir nachher Nachts kein Theater anfangen müssen. Obwohl 50 oder 60RMB ja echt schon wenig ist, zahlten wir dieses Mal für das Zimmer nur unschlagbare 30RMB! Grund ist die Größe und das Bad im Flur. An die Tatsache, dass viele Zimmer kein Fenster haben, hab ich mich ja echt schon gewöhnt. Traurig eigentlich -.- .
Der Film war super. Klasse Animationen und mitreißende Geschichte. Aber fast wäre ich bei der Hälfte eingeschlafen. Schrecklich, wenn man darum kämpfen muss nicht einzunicken.
So wirklich viel oder gut hab ich ja nicht geschlafen. Aber Zeit zum Jammern gibt’s nicht. Spätes Frühstück oder frühes Mittagessen in einer chinesischen Burgerkette und ab ein paar Stationen mit dem Bus, um mir ein externes Festplattengehäuse zu besorgen. Da mein Laptop zu wertvoll, aber genauso schwer und nervig ist, werde ich ihn während unserer Reise bei den Gepäckbeaufsichtigungen an den Bahnhöfen lassen. Vorher will ich aber meine Festplatte ausbauen, für den Fall aller Fälle. Obwohl ich eigentlich das Gehäuse im Internet bestellen wollte, wo es nur 35RMB gekostet hätte, ließ ich mich auf die Meinung meiner Gastmutter und Wenwen ein, mir es direkt zu kaufen, da ich das Gehäuse somit anfassen könnte und der Preis der selbe sei, nur ohne Versandkosten. Hätte ich doch nur auf meine Erfahrung vertraut. Jetzt hab ich halt 60RMB bezahlt.
Wir sind noch ein bisschen weiter in dieser Gegend spazieren gegangen und fanden einen Hinterhof Markt, auf dem es Antiquitäten, Steine und Holzarbeiten zu bestaunen gab. Ein schönes Sortiment. Und dahinter Geschäfte mit allen möglichen Arten von Grußkarten – davon viele mit Scherenschnitten – und Kalendern – kleine für den Tisch oder 1m Lange mit Kalligraphien. Wenn ich einen Platz dafür hätte, hätte ich mir einen gekauft!
Irgendwann kamen wir wieder in Taidong an, redlich ermüdet und deswegen auf der Suche nach einem Cafe. Glücklicherweise gibt es in der Gegend einen Haufen Cafes, die wir nach deutschem Standard sogar als solche bezeichnen würden. Leider aber auch mit in Deutschland ähnlichen Preisen. Wäre der Karamell Cappuccino für 25RMB wenigstens gut gewesen... . Dafür hatte der Laden Sofas zum Sitzen ^^. Zu guter letzt fuhren wir noch in die Buch-Stadt, in welcher ich ein weiteres Chinesisch-Lehrbuch kaufen wollte, was es aber nicht gab, ich mir dafür aber ein Kalligraphie Einsteiger-Set zusammenstellte (2 Pinsel, Tinte und Lehrbuch). Mittlerweile war es schon nach 18Uhr. Wenwen fuhr wieder zurück, um mit einem Freund gleich nochmal ins Kino zu gehen (obwohl sie lieber zu Hause schlafen wollte) und ich macht einen Abstecher beim Carrefour, für zwei Drachenfrüchte.
Wenn man von meiner Müdigkeit, meinem leichten Schnupfen, den leichten Kopfschmerzen und der leichten Übelkeit absieht, war es ein richtig schöner Tag! =)
stefanreiss am 29. November 09
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Die letzten Interviews und mein letzter Arbeitstag (28.11.09)
Ich steh‘ mit meiner Forschung kurz vor dem Ende. Letzte Woche hielt ich ein Interview mit drei Kolleginnen gleichzeitig. Durch die unerwartete Dauer aber, musste das Interview auf zwei Abende aufgeteilt werden. Jetzt stehen mir nur noch zwei Interviews mit Eltern bevor und dann bin ich mehr oder weniger fertig. Ob ich genügend und vor allem die richtigen Daten gesammelt habe, wird sich im Januar beim Schreiben der Arbeit rausstellen.
Es ist schon ein bisschen schade, dass ich nun mit allem fertig bin. Nicht nur im Kindergarten hab‘ ich nette Leute kennengelernt oder wurde von Kindern in ihr Herz geschlossen. Auch außerhalb oder vor allem dort kam ich mit Leuten in Kontakt, die ich gerne ausführlicher kennen würde. Mittlerweile wünsche ich mir umso mehr das Stipendium für Nanjing oder Beijing zu erhalten, damit ich die Chance habe die Leute wiederzusehen.
Die letzten Tage im Kindergarten verbrachte ich hauptsächlich damit noch Fotos und Videos zu machen. Vor allem wollte ich die dämlichen Bewegungsabläufe der Tänze festhalten. Aber leider kam es nicht mehr zu Stande, dass die Übermotivierten es vorführten und manche Lieder wurden gar nicht mehr angespielt. Für den letzten Abend dann besorgte ich eine große Torte, auf der in Chinesisch „Mi Saifan sagt Tschüss“ geschrieben stand. Diese wurde mit viel‘ Alberei und Beschmierung meines Gesichtes gegessen. Doch wie es sich für ne chinesische Party gehört, sitzt man nicht einfach nur faul auf seinem Platz und frisst, sondern verlangt von seinem Ehrengast ein Tänzchen! -_- Und als das vorbei war noch ein Ständchen dazu. Aber davor hab ich mich gedrückt =P. Außerdem wurde „Reise nach Jerusalem“ und „Jeder darf ein Foto mit Stefan machen“ gespielt. Einer nach dem anderen kam nach vorne, posierte neben mir und wurde auf Zelluloid festgehalten. Manch eine ohne Kommentare, manch eine mit viel Gegröle und der Aufforderung mir einen Kuss zu geben (was sich aber niemand traute. Erst bei einem anderen Spiel wurde Han Zhihui so lange genötigt, bis sie mir einen Kuss auf die Backe gab). Als dann die normalen Fotos zu langweilig wurden, durfte ich noch eine Lehrerin auf den Armen halten oder mit zwei anderen Chachacha Tanzen. Dumm nur, dass sie es nicht konnten und ich es ihnen innerhalb einer Minute beibringen sollte -_-´ .
Um 18:45Uhr war ich hinterher auf dem Nachhauseweg, um mich 19:30Uhr schon wieder mit den Engländern und einigen anderen Leuten zum Essen zu treffen. Es wurde mit reichlich Speis und Trank gefestet und im LPG, der Stammbar der Jungs, weitergemacht. In dieser wird Dart oder Tischfußball gespielt gespielt und Bier zum Mengenrabatt aus Bierkrügen getrunken. In Amerika nennt man übrigens Tischfußball nicht „table football“ wie in England, sondern „foosball“. Also man benutzt den Begriff, der eigentlich den echten Sport bezeichnet ^^. In dieser Bar bleibt man dann bis nach Mitternacht, um irgendwann ins Le Bang weiterzuziehen. Aber auch nur bis 2 oder 3 Uhr nachts ca, weil es dann schon langsam Zeit wird ins Jazz Corner zu fahren. Der am längsten geöffneten Location in Qingdao, in der das Publikum gemischter ist, als im ausländerüberrannten Le Bang.
Ich hab mich gestern aber schon um halb 2, nachdem der Rest in Richtung Le Bang zog, aus dem Staub gemacht. Mir war nicht sonderlich nach Tanzen und außerdem steht mir ein langer Tag heute vor. Heut‘ Nachmittag werde ich Fußball spielen bis 16:30Uhr ca, dann ne Stunde nach Hause fahren, duschen und soweiter und wieder ne dreiviertel Stunde nach Taidong fahren. Dort geh ich mit Wenwen essen und hinterher in die englische Vorführung des Films 2012 von Roland Emmerich.
Oh, stimmt ja. Erinnert ihr euch an Sunny, dem Chinesen von der Bushaltestelle, der mich zum Essen einladen wollte? Nachdem ich ihn fragte, ob er tatsächlich nie werktags Zeit hätte, meldete er sich nicht mehr und ich meinte, dass es ihm wohl zu blöd sei. Aber gestern kam wieder eine SMS. In Englisch fragte er mich, wie es mir ginge. Ich antworte, auch in Englisch. Daraufhin las ich aber nichts mehr.
Und dann noch eine erfreuliche Nachricht für das Ende: Ich habe das Rätsel um meinen quietschenden Rucksack gelöst. Es waren die gespannten Materialen, die auf der Plastikplatte im Innern hin und her geschoben wurden und dabei dieses Geräusch produzierten. Wenn ich nun diese Verstärkung mit einer Lage Stoff ummantel, dürfte das Problem aus der Welt geschafft sein.
Bild 1: Meine Englisch-Gruppe
Bild 2: Die Torte. 14Eur das gute Stück. Ca 30cm Durchmesser?
Bild 3: Haha
Bild 4: Durch sowas musste ich durch. Und anfänglich wollten sie sogar, dass ich die Frau hochheb, wie ich es mit der davor getan habe. Oh Gott, Hilfe. Bin ich Herkules oder was O__O
stefanreiss am 28. November 09
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Deutsches Brot, chinesische Kinderverwöhnung und Gepäck (22.11.09)
Da ich nach der Zeit in Taidong eh durch die Stadt fuhr und noch etwas Lust hatte Umherzuschlendern, schaffte ich es heute endlich mal meiner Familie ein deutsches Brot zu kaufen. Im Hisense Plaza, einem riesigen, mega bonzigen Einkaufszentrum, in dem alle großen Marken dieser Welt vertreten sind, befindet sich im Untergeschoss eine deutsche Bäckerei. Und tatsächlich, neben dem restlichen, chinesisch-weichem Kruscht, entdeckte ich wirklich einige Laib Brot. Ich entschied mich für ein vermutlich 750gr dunklen Körnerbrotes für 28RMB. Und wenn ich schon mal Rumschlender, kann ich mir auch gleich `nen Kaffee beim Starbucks gönnen. Auch wenn ich eigentlich ein heißes Getränk haben wollte, schmeckte es lecker und die Sofas sind einfach sau bequem.
Zu Hause angekommen servierte ich meiner Familie kleine Schnittchen mit Ostelsheimer Blütenhonig und Aubergine Aufstrich von Alnatura. Leider scheint das andere Glas Aufstrich Luft gezogen zu haben – es war trotz Kühlschrank voller Schimmel. Naja und nachdem ich meinem Gastvater auf die Finger klopfen musste, weil er das Schnittchen mit Stäbchen essen wollte, konnte es auch endlich losgehen. Fazit: Ein Stück heimatlicher Gaumenfreude im fernen China!
Demletzt waren wir im Schwimmbad. Weil meine Gastmutter, von der ich übrigens erfuhr, dass sie einen Doktor besäße, noch Restguthaben auf ihrer Fitnesskarte hatte, wurde ich wieder dafür eingeladen. Wenn auch etwas klein und eng, war es ganz nett und mal eine Abwechslung. Aber mir wurde wieder ein Mal das Ausmaß der chinesischen Verwöhnung mancher Kinder vor Augen geführt. Seit Einführung der Ein-Kind-Politik und der damit einhergehenden Fokussierung von Eltern und Großeltern auf ein einziges Kind, gab und gibt es immer mehr Kinder, die maßlos verwöhnt werden. Da man Angst um sein einziges Kind hat oder es besonders lieb hat, wird es wenn möglich vor jeglicher potentiellen Gefahr behütet und es erfährt jeglich möglichen Luxus. Zusätzlich liegt in vielen Kindern eine riesige Erwartung seitens der Eltern. Es wird alles mögliche unternommen, damit die Kinder später einmal viel Geld verdienen werden. Nicht nur, dass die Kinder dadurch allerlei „schlechte“ Charaktereigenschaften entwickeln wie Ungeduld, Starrsinn, Egoismus und Überheblichkeit, ihnen fehlen viele nützliche Erfahrungen und ihre Maß an Selbstständigkeit geht gegen Null. Kann es denn angehen, dass sich 8 Jährige noch von ihren Eltern den Hintern putzen lassen oder sich nicht selbst im Schwimmbad abtrocknen und sich eigenständig anziehen? Glücklicherweise wird von vielen dieser Irrweg erkannt. U.a. von meinem Kindergarten, in dem explizit darauf geachtet wird, dass die Kinder zu selbstständigen Wesen erzogen werden.
Noch etwas hätte ich mir ersparen können im Schwimmbad. Ich find es zwar gut, dass Chinesen mit Nacktheit weniger verkrampft umgehen als wir Deutschen, aber muss es denn soviel (männliche) Nacktheit sein? Wenigstens bevor sie sich minutenlang die Haare mit dem öffentlichen Fön fönen, könnten sie sich was anziehen -_- . Denn dann wäre es mir erspart geblieben intime Details sehen zu müssen. Wobei es eigentlich gar nicht so einfach war etwas zu erkennen. Denn im Durchschnitt ist hier das Drumherum fast länger als das eigentlich Wichtige in der Mitte ^^. =P
Mittlerweile stellte sich heraus, dass ich ein massives Gepäckproblem habe. Ich darf auf meinem Rückflug nur 20kg mitnehmen, genauso auf den Inlandsflügen. Das wird aber durch meine gekauften Notenbücher reichlich knapp und vielleicht muss ich mich von ein paar Tshirts trennen. Leider dürfen die Leute, mit denen ich im Dez reise auch nur 20 kg mitnehmen, sonst hätt‘ ich denen was aufs Auge gedrückt. Naja, zudem aber weiß ich nicht, was ich mit meinem Laptop machen soll. Ich finde es recht riskant ihn auf der Reise mitzunehmen. Nicht nur, weil er physischen Schaden nehmen könnte. Zudem lassen wir uns großes Gepäck öfters in der Jugendherberge, wenn wir für wenige Tage mit dem Rucksack verreisen. Ihn in dieser Zeit unbeaufsichtigt zu lassen, ist mir zu gefährlich. Deswegen wollte ich ihn nach Honkong vorausschicken, aber der Spaß kostet mehr als 50Eur und glimpflich gehen die Postmitarbeiter auch nicht mit ihren Paketen um. Deswegen werde ich wohl nun gezwungen sein mitzunehmen und dann am Bahnhof bei einer Gepäckaufsicht abzugeben. Das ist zwar nervig, kostet aber weniger und müsste recht sicher sein. Vielleicht bau ich vorher meine Festplatte aus, mal sehen.
Meinem Oberschenkel geht’s glücklicherweise wieder besser. Zum gestrigen Fußballspiel hab ich mich dick eingepackt und auuusgiebig warm gemacht! Zum dritten Drittel (ja, wir spielen hier immer wieder 3x30min, anstatt 2x45min) hat es zwar dann wieder angefangen zu schmerzen. Gestützt durch richtige Fußballschuhe eines Freundes und durch die Lobe meiner Mitspieler, weil ich endlich einmal mal meine normale Form gezeigt habe, hielt ich bis zum Ende durch. 8:2 gingen wir vom Platz, ein wahres Schützenfest, bei dem noch mehr drin gewesen ist. Schützenfest ist übrigens ein Wort, das ich meinen englischen Freunden hier beigebracht habe ^^.
Mit Clementinen (Jüzi) und Ghostbusters 2 werde ich nun meinen Abend einleiten oder beenden, wie man es nimmt.
Noch gut zwei, beziehungsweise drei Wochen (Di, 19.11.09)
Nur noch gut eine Woche im Kindergarten und zwei Wochen in Qingdao selbst. Langsam endet mein Aufenthalt hier mit Gewissheit und langsam werde ich auch schon etwas traurig darüber. Am Ende zurückblickend erscheint einem der Aufenthalt nun mal sehr kurz. Ich hab mich gut eingelebt hier. Hab meine präferierten Obstverkäufer, weiß wo ich meinen Bart stutzen lassen kann, wo es Sojamilch gibt und welche Eissorten lecker schmecken (doch Raum zum Probieren gibt es immer noch!) und kenne mehrere neue Leckereien in chinesischen Supermärkten. Das hört sich vielleicht lahm an, aber Neugierde und Entdeckerdrang können in China mit seinen skurrilen Zutaten und Zubereitungsweisen schnell verblassen. Sich aus der Masse die richtigen Produkte herauszupicken ist hier die Kunst und man baut mit der Zeit unweigerlich einen Stamm an erprobten und für gut befundenen Artikeln auf. Nicht zuletzt hab ich sehr viele nette Leute kennen gelernt und irgendwie ist es schade, diese erst sich im Aufblühen befindenden Freundschaften schon wieder zu verlassen und dabei zu denken, dass man sich vielleicht nie wieder sieht. Aber es bleibt ein dünnes Band erhalten, das Beziehungsnetz vergrößert sich und wer weiß, vielleicht treff ich den einen oder anderen irgendwann wieder einmal.
Der nahe Abflug bedeutet aber auch ein nahendes Ende meiner Forschung. Wobei es für mich alles andere als bald fertig anfühlt. Morgen werde ich mein nächstes Interview haben – ein Gruppeninterview mit drei Lehrerinnen (meine zwei sind nicht dabei, die haben kein Bock ^^). Und heute Abend noch muss ich einen Fragebogen erstellen, um ihn den Eltern der Kinder mitzugeben.
Ein anderes Thema. Ihr erinnert euch an den Chinesen von der Bushaltestelle? Nur einen oder zwei Tage nach der ersten Begegnung, und nach diesen fünf nicht entgegengenommenen Anrufen, rief er wieder an. Glücklicherweise war Wenwen gerade in der Nähe, die das Telefon entgegen nahm und ihm verkündete ich sei nicht da. Wie sehr hab ich mir doch gewünscht, ich würde ihn nicht wieder treffen, aber es war vergebens. Einen oder zwei Tage nach diesem Anruf, stehe ich an der Bushaltestelle und wer kommt um die Ecke? Er. Was soll ich nur tun? Meine Taktik bestand aus kurzen Antworten und wenig Augenkontakt. Nur soviel um respektvoll zu bleiben, aber nicht den Eindruck zu erwecken ich sei wahnsinnig erfreut. Dummerweise arbeitet er im Hotel direkt hinter der Bushaltestelle und hat jeden Tag um diese Uhrzeit Arbeitsschluss.
Direkt stellte er mir die Frage zumindest nicht, was mit dem Essen sei, aber indirekt, in der er fragte, ob ich zur Zeit sehr beschäftigt sei. „Ja, sehr. Für meine Forschung. Leute Fragen fragen, Bücher lesen und schreiben.“ Ich richtete meinen Blick wieder woanders hin. Plötzlich fiel im das Telefonat mit Wenwen ein und er fragte mich ob meine Freundin (in diesem Fall als feste gemeint) Chinesin sein. Und um meiner Taktik treu zu bleiben und ich auch keine Lust hatte ewig zu erklären wer sie sei, nickte ich. Kurz darauf kam mein Bus. Irgendwie tat er mir ja schon Leid, er war ja nur nett und würde sich bestimmt freuen, wenn ich zusagte. Aber naja, egal. Wenigstens ist es jetzt vorbei, hatte ich das Gefühl. Mittlerweile muss er‘s geblickt haben. Keine 5min nach diesen Gedanken kam eine SMS. Drei Mal dürft ihr raten von wem... „Hast du den nie Zeit? Ich möchte dich und deine Freundin zum Essen einladen, ok?“ Verdammt! Aber gleichzeitig super. Wenn schon essen, dann wenigstens nicht alleine. Also schrieb ich zurück, dass ich sie fragen würde. Traurigerweise stellte sich aber heraus, dass er werktags Abends nie Zeit hätte, weil er Arbeiten müsste. Tja und wir haben am Wochenende keine Zeit. So ein Pech aber auch, deswegen scheint die Sache doch schon wieder....gegessen zu sein (was’n Brüller -.- ) . Auch recht.
Im Kindergarten derweil läuft alles seinen geregelten Gang. Ich fühl mich sehr wohl, bin fauler als zu Zeiten, in denen ich mich noch beweisen wollte =P , esse mit meinen zwei Kolleginnen mitgebrachte Süßigkeiten und Kaffee oder ekligen Tee, der nur mit Zucker schmeckt oder stimme mich weihnachtlich ein. Ich hab mein Klavierbuch mit den Weihnachtsliedern mitgenommen und übe seither täglich deutsche oder amerikanische Weihnachts-Klassiker. Zusammen mit der Kälte draußen klappt das Einstimmen auch recht gut. Und wenn nicht jetzt, wann soll ich es dann machen? Bei über 20°C Plus im Süden Chinas wird das sicherlich nicht so einfach werden und wenn ich nach Deutschland zurückkomme ist Weihnachten schon vorüber (was aber nicht heißt, dass ich meine Lichterkette nicht aufhänge oder keine Weihnachtslieder spiele ;D ).
Bild 1: Nachtrag (meine Familie + Oma beim Essen)
Bild 2: Ein gemütlicher Shoppingtag in der Haupteinkaufsstraße Taidongs
Bild 3: Meine englischen Buddies beim Fußball an der PS3 zocken. Jamie (der nun für die Praktikumsagentur arbeitet und perfekt Deutsch spricht) und im Hintergrund Anthony.
Bild 4: Vor allem im Hintergrund mit türkisem T-shirt ist wichtig. Luke, ein sehr witziger und sympathischer Kerl.
Bild 5: Vier meiner Kinder beim Malen. Genauere Bilder von denen werden natürlich noch folgen.
stefanreiss am 19. November 09
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Zu viel des Guten! (Mo, 16.11.09)
Der Karaoke-Nachmittag war nicht so der Renner. Die Location war cool, mit kleiner Bühne, Leinwand mit Beamer und Internetzugang, für diejenigen, die nichts zu tun haben. Aber es waren einfach zu viele Fremde Leute anwesend. Das Problem war, dass einige unserer Mädels keinen Freund haben und was bietet sich da besser an als ein Nachmittag nette Leute beim Singen kennenzulernen. Deswegen mietete die Organisatorin einen Raum mit einer anderen Gruppe zusammen. Zu unserer 7-köpfigen Gruppe kamen somit noch 16 weitere Typen hinzu. Nicht, dass diese nicht nett gewesen wären. Aber man kam einfach nicht mehr zum Singen. Des Weiteren hatte ich Kopfschmerzen, die durch die zu laut aufgedrehte Musik und den komischen Gruppenspielchen nicht besser wurden.
Dafür war ich am Abend in einem Restaurant, in dem man einen eigenen, elektrischen Tischgrill erhält. Auf diesem brät man dann die einzelnen Zutaten an, die man zuvor bestellt hat. Leckeeeer :) . Man hat ja auch fast keine andere Wahl als irgendwo essen zu gehen. Sich auf der Straße aufzuhalten ist einfach zu kalt momentan. Da helfen mir auch meine 30ct Handschuhe aus dem 2-Kuai-Laden nicht allzu lange weiter. Morgen soll es sogar -4°C geben und in Beijing liegt eh schon lange Schnee.
Das ist auch der Grund, weswegen unsere Reiseroute wohl noch geändert werden muss. An manchen geplanten Orten herrschen im Dezember einfach zu ungemütliche Temperaturen. Vielleicht machen wir deswegen auch einfach einen Abstecher auf die Insel Hainan. Wunderschöne Insel im Süd-Westen Hong Kongs. Im Dezember durchschnittlich 21°C. Vielleicht verbringen wir sogar Weihnachten dort am weißen Sandstrand ^^.
Dem Geheimnis meines quietschenden Rucksackes bin ich derweilen immer noch nicht auf die Schliche gekommen. Ich baue ihn grad komplett auseinander und suche nach den quietschenden Stellen. Auf dem Rücken sind diese nicht zu überhören. Aber immer, wenn ich das Ding vor mir liegen hab und mit den Händen daran rumdrücke, bewege ich automatisch die anderen Materialen mit und ich höre nur diese Rascheln und kaum das eigentlich gesuchte Geräusch.
Was macht man mit einem Chinesen, der einen auf Teufel komm raus anquatschen will und danach mit einem die Nummer tauschen? Sie ihm geben, weil man nicht unhöflich sein möchte? Vermutlich ja, aber es ist definitiv die falsche Lösung! An der Bushaltestelle nach der Arbeit, an der ich für geschlagene 25min in der Kälte harren musste, obwohl der Bus normalerweise nach spätestens 15min kommt, stand neben mir ein Chinese. Irgendein ertönte ein selbstsicheres „Hello“ mir entgegen. Ich schrieb gerade eine SMS. Hob den Kopf, erwiderte schnell seinen Gruß und senkte daraufhin wieder meinen Kopf, damit er nicht auf die Idee kommt weiterzusprechen. Aber das störte ihn keineswegs und er sprach mich wieder an. So ging es noch zwei, drei Mal, aber er wollte mein demonstratives aufs Handy starren nicht verstehen. Also sprach ich halt doch mit ihm. Aber was hätte ich tun sollen, als er Nummern tauschen wollte, sagen „Öhm, nö du. Lass ma“?! Der rettende Bus war auch nicht zur Stelle. Also gab ich ihm meine Nummer, mit der Idee seine Kontaktversuche einfach zu ignorieren. Er würde es dann schon verstehen. Aber als ich auch nach seinem fünften Anruf nicht den Hörer abnahm, schrieb er einfach eine SMS. Verdammt, was sollte ich tun? Alles zu ignorieren und so zu tun, als hätte ich die falsche Nummer, ging nicht, weil er mir erst seine gab und ich danach bei ihm klingeln ließ. Er fragte mich, ob er mich zum Essen einladen dürfe. Eigentlich total nett, von einem Fremden zum Essen eingeladen zu werden, denkt ihr euch wahrscheinlich. Prinzipiell ist es das ja. Aber ich hab einfach kein Interesse mit einem Anfang 40jährigen, schwer verständlichen Chinesen mich krampfhaft zu unterhalten (vor allem weil mein Chinesisch auch einfach zu schlecht dafür ist) und dabei immer zu denken, dass er es einfach nur cool findet sich mit irgendeinem Ausländer zu treffen und womöglich bei seinen Freunden damit angeben will. Wie sollte ich also vorgehen? Auch noch diese SMS zu ignorieren ging nicht, denn was passiert, wenn ich ihn wieder an der Bushaltestelle treffen sollte. Dummerweise arbeitet er direkt dahinter in einem Hotel als Koch. Aber schreiben, dass ich keine Lust hätte, wäre wie ein Schlag ins Gesicht. Also wählte ich die chinesische Variante der Gesichts-Wahrung und schrieb, dass es mir Leid täte, ich sei im Moment sehr beschäftigt, aber an einem anderen Tag währe es besser. Ich würde mich bei ihm melden. Was ich natürlich nicht vorhabe. So kommt theoretisch jeder aus der Sache ohne Schaden heraus, sofern er den Wink verstanden hat. Nicht einmal der Wunsch, dass er nicht fragt, weswegen ich nicht ans Telefon ging, wurde mir erfüllt. Denn das war die Frage der zweiten SMS. Meine Antwort war ein kurzes und schlichtes: „Weil ich es nicht gehört habe.“ . Ich wünsche mir, dass ich ihm nie wieder persönlich begegne. Sein englischer Name war auch noch Sunny. Chinesen wählen sich teilweise so dämliche englische Namen. Ihre Kreativität bringt und die Idee die Namen mit Bedeutungen zu haben (wie es im Chinesischen der Fall ist) bringt sie zu Formen wie: Sunny, Joy (Freude), King (König), Banana, Coco, Kiwi, Honey und Candy (Süßigkeit). Die letzten fünf sind Beispiele aus meiner eigenen Englischgruppe im Kindergarten.
Echtes Karaoke muss man in Landessprache bestreiten! (Do, 12.11.09)
Wie ich zu diesem Statement komme? Das kommt daher, dass ich für das Karaoke am Sa das erste Mal gerüstet sein werde und in der Lage sein werde chinesische Lieder singen zu können! Wer braucht schon englische Lieder, wenn es Sänger wie Wang Li Hong oder Cheng Long alias Jackie Chan gibt ;-). Um möglichst ohne Pinyin (also Lautschrift) zu bestehen, bin ich nun eben dabei diese Lieder einzuüben. Dank Wenlin, dem Übersetzungsprogramm – meinem treusten und wichtigsten Freund neben meinem Ipod – geht die Transkription und Übersetzung auch recht fix.
Weniger fix geht die Benachrichtigung meines Professors, was nun mit meinem Auslandssemster los ist. Es wäre zu viel die Vorgeschichte zu erzählen, es geht einfach da rum, dass ich momentan meine Zwischenprüfung nicht bestanden habe, weil mir eine Veranstaltung aus einem bestimmten Modul fehlt. Ohne Zwischenprüfung dürfte ich aber auch nicht ins Forschungssemester, aber pech, hier bin ich nun mal ^^. Jetzt warte ich gerade darauf, was der zuständige Dozent dazu zu sagen hat. Schlimmstenfalls muss ich ein Semester länger studieren und mich mit dem Gefühl abfinden, dass ich in den Augen meiner Dozenten wohl als der miserabelste Ethnologie-Student gelte, den die Welt seit langem gesehen hat. Nicht, dass es komplett unwahr wäre, nur müssen das meine Dozenten ja nicht auch so sehen ^^.
Eine andere Geschichte: Der kalte Wind fegte durch die Höfe und Straßen. Es war ungemütlich sich draußen aufzuhalten. Der junge Mann, unser Held dieser Geschichte, wagte es aber trotzdem, denn es ist die einzige Möglichkeit an die Bushaltestelle zu gelangen, an der er in den schützenden Bus einsteigen würde, der ihn nach Hause bringt. Unentwegt bahnt er sich seinen Weg durch die ihn Böen, die, wie es scheint, versuchen niederzuringen. Als er noch ein gutes Stück von der Bushaltestelle entfernt war, sah er etwas, das sonst nicht dort war. Ein schwarzer Rauch, entsprungen aus züngelnden Flammen, die durch den heftigen Wind zu tanzen scheinen. Erst bei genauerem Hinsehen, wurde ihm klar, dass es der Mülleimer war, der ihn Flammen stand. Neben ihm, mit dem Rauch kämpfend, ein Portier des danebenliegenden Hotel, der versuchte der Flammen Herr zu werden. Vergeblich...
OK, genug der Geschichte. Also der Mülleimer brannte lichterloh. Warum? Keine Ahnung, aber es war eine super Ablenkung und ließ die Wartezeit deutlich geringer erscheinen. Aber das Ding besteht komplett aus Metall. So etwas brennt nicht derartig stark und lange, wenn etwas Brennendes Hineingeworfen wird. Im Normallfall dürfte gar nichts passieren. Da scheint irgendjemand etwas drüber gegossen zu haben oder jemand hat seine Essenreste in China angebauter Gemüse dort entsorgt ;-). Wie dem auch sei. Der Portier war zumindest in de Lage die letzten Flammen zu löschen, aber das Ding schmolz zu sehr und ist Schrott.
Ein weiterer Sprung. Dieses Mal in den Kindergarten. Englisch-Unterricht gebe ich ja mit diesen mega miserablen und peinlichen Lern-DVDs, bei denen man durch idiotische Zeichentrickfiguren ein paar Vokabeln und Liedchen lernen soll. Am Ende jeder Lektion wird ein Buchstabe vorgestellt. Dafür denke ich mir verschiedene englische Wörter aus, die mit diesem Buchstaben beginnen und lasse die Kinder nachsprechen. Bei dem Buchstaben „P“ fielen mir aber einfach zu wenige ein. Deswegen begann ich verschiedene Selbstlaute an das P zu heften. Pa, Po, Pä, Pu ... irgendwann landete ich zwangsweise bei Pi, daraufhin bei Pipi und mittlerweile können alle meine Kinder ein deutsches Wort für Urin benutzen. Die Freude und das Gekicher waren riesig! Gepaart mit den Schimpfwörtern, die meine Kollegin schon kann, sollte ich mir langsam echt überlegen, ob ich nicht den Englisch Unterricht knicke und stattdessen Deutsch lehre.
Nun gut, ich esse nun mal wieder eine Clementine (Dass ich davon noch nicht kotzen musste?! So viele ess‘ ich davon momentan!), schaue dabei eine geliebte Folge Malcolm Mittendrin und raffe mich danach auf, um noch eine alte Projektarbeit einer Ethnologin zu lesen. Aber ich ahne schon, was nach der Folge Malcolm passieren wird...
;-)
stefanreiss am 12. November 09
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