Klein-Thailand Ade, Grüß Gott Hainan (Mi, 23.12.09)
Obwohl wir recht müde im neuen Hostel ankamen und ich verärgert über die matratzenlosen Betten war (Seitenschläfer haben's schließlich nicht so leicht!), zogen Huw und ich nach einer erfrischenden Dusche noch los, auch wenn ich gerne etwas anderes als meine Trekkinghose und halb-frisches (hört sich besser an als halb-stickend ;) angezogen hätte. Obwohl Sonntag Abend waren die Diskotheken gut besucht. Unsere erste Anlaufstation verließen wir aber wieder sofort nach der ersten Dose Bier (jawohl, alles andere war unbezahlbar). Nicht, dass der Club oder die Musik schlecht gewesen wäre. Aber jedem, dem der Begriff "Sausage-Party" etwas sagt, wird wissen, was ich meine. Das ganze wurde von unserer einzigen Bekanntschaft an dieser Location getoppt: einem schwulen Thailänder (obwohl ich mir ehrlich gesagt lange nicht sicher war, ob er nicht doch eine Frau, mit halt ganz ganz flachen Brüsten war), der zwar sehr nett war, aber eben nicht die Bekanntschaft darstellte, die wir uns beide erhofften. Deswegen fragten wir andere nach einer anderen Möglichkeit und folgtem dem Rad eines Typen. Wir hielten letztlich vor einem völlig ruhig und still liegendem Hotel an. Auf meine Frage, wo man hier denn bitte tanzen könnte, antwortete der Taxifahrer, dass es in dem Hotel eine Bar gebe, die aber schon geschlossen hätte. Ja und wieso sind wir dann hier? Tja, das wisse er auch nicht... -_- was soll ich dazu noch sagen?! Glücklicherweise gab es gleich um's Eck dann doch noch eine Disko. Härterer Techno, aber weniger Schickimicki mit Tischchen und einer richtigen Tanzfläche. Mit einem noch kurz davor reingepfiffenem Sellerie-Schnaps (sei gut für die Gesundheit und schmeckt weniger schrecklich wie Baijiu) ging es auf die Tanzfläche. Unsere anfängliche Vermutung, dass der Großteil der Mädels mit ihren Typen unterwegs sei, wurde schnell widerlegt und wir sahen uns tanzend in der Mitte von fünf grölenden Mädels wieder. Wir waren die Stars da drin, anders kann man es nicht bezeichnen. Vor allem drei von ihnen war dermaßen offensiv, was völlig untypisch für chinesische Mädchen ist. Huw scheint es gefallen zu haben, aber mir war der hyperaktiv zappelnde Zwerg vor mir etwas zu viel und suchte das Weite. Zu zweit tanzen ist ja ok, aber ich bin der Meinung, dass man 160 BPM nicht in der selben Geschwindigkeit tanzen muss. Meine Versuche sich etwas langsamer zu bewegen wurde mit dem Andocken einer Hand an meine Hüfte und dem anschließenden wilden Hin-und-Her-Schwingen beantwortet. Äähm, wo war nochmal das Klo? Ich bin gleich wieder da... . Geblickt hat sie es aber nicht. Wenig später klebte sie wieder an mir. Doch Huch, was war das denn. Wer tanzt denn auf einmal direkt hintermir und schloss mich somit wie ein Sandwich ein (so einen Abend hatte ich bis dahin wirklich noch nie erlebt), ich hoffe keine Schabrake?! Glücklicherweise nicht, sondern ein etwas schüchterneres Mädel, dass mir schon voher aufgefallen war. Dankend nutzte ich die Gelegenheit und widmete meine weitere Aumerksamkeit nur noch der spontanen Überraschung von hinten.
Bis zum Abend, an dem wir uns nochmal mit unseren Trekking-Freunden trafen, um Bilder auszutauschen, verbrachten wir den Tag mit Lesen und der Suche nach einem gemütlichen Sitzplatz. Obwohl es genügend Parkanlagen gibt, ist es in China aber einfach unmöglich Sitzgelegenheiten mit Lehne zu finden. Was uns dann irgendwann zu blöd wurde und wir einfach länger im Restaurant sitzten. Wir verstanden uns immernoch so gut mit unserer Reisegruppe, weswegen wir die Nacht in der Disko des vorabends ausklingen ließen. Erst am Abend des Folgetages, fuhren wir zurück nach Kunming. Abends um 20Uhr los, 6Uhr in Kunming ankommend, 10.40Uhr Flieger nach Hainan. Vorher jedoch noch eine 70 minütige Fußmassage für 50RMB in einem Studio, in dem Blinde arbeiten. Aber wo diese gewesen sein sollen, weiß der Himmel. Die Masserinnen in unserem Zimmer waren es aber sicherlich nicht. Genausowenig der dicke Chinese, der schnarchend und stöhnend neben mir in seinem Sitz pennte. Leider waren die Busse dieses Mal wieder älter und unbequem, außerdem wurden wir ganze zwei Mal von Grenzern kontrolliert.
In Kunming angekommen konnten wir noch nicht mal in Ruhe aufwachen und vor die Türe, als wir schon im Bus selbst von wild umherrufenden Männern überrannt wurden, die ankommende Gäste in alle Richtungen der Stadt weiterverladen wollten. Nur mit starkem Ignorieren und Abwimmeln, gelang uns der Weg ins Freie. Kunming war jedoch kalt, zu kalt für unseren Geschmack. Außerdem stand uns eine einstündige Busfahrt und Spaziergang zum Hostel bevor. Dank meiner grandiosen Fähigkeiten als kurzsichtiger Falke, liefen wir zuerst im Kreis, bevor wir die richtige Richtung zum Hostel einschlugen. Zu meiner Verteidigung sich die Straßen aber kreuz und quer und angereichert mit Sackgassen. Außerdem besaßen wir nur eine grobe und ungenaue Karte der Gegend!
Wenigtens klappte der Rest des Tages. Wir flogen 1,5h nach Haikou, der größten Stadt der Insel Hainan und fanden eine Unterkunft in einem günstigen Lüguan (das Hostel um die Ecke war schon voll). In diesem Sitz ich nun und schreibe endlich die Erinnerungen der letzten Tage auf. Bis gerade eben planten wir unsere Weiterreise, die vor allem aus Sanya besteht. Der südlichsten Stadt hier, bekannt für seine Sandstrände und Parties. Yiha, wir kommen. Endlich hat auch unsere Sommerkleidung wieder ihren angestammten Platz! 25°C zeigt hier ungefähr das Thermometer. Einziger Vermutstropfen sind die Moskitos in unserem Zimmer. Ich hab' schon ca. 30 von ihnen erschlagen und meine Theorie ist ja, dass sie irgendwann alle tod sein müssen. Aber obwohl alle Fenster geschlossen sind, tauchen immer wieder neue auf. Ich weiß beim besten Willen nicht woher.
stefanreiss am 24. Dezember 09
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