Zu viel des Guten! (Mo, 16.11.09)
Der Karaoke-Nachmittag war nicht so der Renner. Die Location war cool, mit kleiner Bühne, Leinwand mit Beamer und Internetzugang, für diejenigen, die nichts zu tun haben. Aber es waren einfach zu viele Fremde Leute anwesend. Das Problem war, dass einige unserer Mädels keinen Freund haben und was bietet sich da besser an als ein Nachmittag nette Leute beim Singen kennenzulernen. Deswegen mietete die Organisatorin einen Raum mit einer anderen Gruppe zusammen. Zu unserer 7-köpfigen Gruppe kamen somit noch 16 weitere Typen hinzu. Nicht, dass diese nicht nett gewesen wären. Aber man kam einfach nicht mehr zum Singen. Des Weiteren hatte ich Kopfschmerzen, die durch die zu laut aufgedrehte Musik und den komischen Gruppenspielchen nicht besser wurden.
Dafür war ich am Abend in einem Restaurant, in dem man einen eigenen, elektrischen Tischgrill erhält. Auf diesem brät man dann die einzelnen Zutaten an, die man zuvor bestellt hat. Leckeeeer :) . Man hat ja auch fast keine andere Wahl als irgendwo essen zu gehen. Sich auf der Straße aufzuhalten ist einfach zu kalt momentan. Da helfen mir auch meine 30ct Handschuhe aus dem 2-Kuai-Laden nicht allzu lange weiter. Morgen soll es sogar -4°C geben und in Beijing liegt eh schon lange Schnee.
Das ist auch der Grund, weswegen unsere Reiseroute wohl noch geändert werden muss. An manchen geplanten Orten herrschen im Dezember einfach zu ungemütliche Temperaturen. Vielleicht machen wir deswegen auch einfach einen Abstecher auf die Insel Hainan. Wunderschöne Insel im Süd-Westen Hong Kongs. Im Dezember durchschnittlich 21°C. Vielleicht verbringen wir sogar Weihnachten dort am weißen Sandstrand ^^.

Dem Geheimnis meines quietschenden Rucksackes bin ich derweilen immer noch nicht auf die Schliche gekommen. Ich baue ihn grad komplett auseinander und suche nach den quietschenden Stellen. Auf dem Rücken sind diese nicht zu überhören. Aber immer, wenn ich das Ding vor mir liegen hab und mit den Händen daran rumdrücke, bewege ich automatisch die anderen Materialen mit und ich höre nur diese Rascheln und kaum das eigentlich gesuchte Geräusch.

Was macht man mit einem Chinesen, der einen auf Teufel komm raus anquatschen will und danach mit einem die Nummer tauschen? Sie ihm geben, weil man nicht unhöflich sein möchte? Vermutlich ja, aber es ist definitiv die falsche Lösung! An der Bushaltestelle nach der Arbeit, an der ich für geschlagene 25min in der Kälte harren musste, obwohl der Bus normalerweise nach spätestens 15min kommt, stand neben mir ein Chinese. Irgendein ertönte ein selbstsicheres „Hello“ mir entgegen. Ich schrieb gerade eine SMS. Hob den Kopf, erwiderte schnell seinen Gruß und senkte daraufhin wieder meinen Kopf, damit er nicht auf die Idee kommt weiterzusprechen. Aber das störte ihn keineswegs und er sprach mich wieder an. So ging es noch zwei, drei Mal, aber er wollte mein demonstratives aufs Handy starren nicht verstehen. Also sprach ich halt doch mit ihm. Aber was hätte ich tun sollen, als er Nummern tauschen wollte, sagen „Öhm, nö du. Lass ma“?! Der rettende Bus war auch nicht zur Stelle. Also gab ich ihm meine Nummer, mit der Idee seine Kontaktversuche einfach zu ignorieren. Er würde es dann schon verstehen. Aber als ich auch nach seinem fünften Anruf nicht den Hörer abnahm, schrieb er einfach eine SMS. Verdammt, was sollte ich tun? Alles zu ignorieren und so zu tun, als hätte ich die falsche Nummer, ging nicht, weil er mir erst seine gab und ich danach bei ihm klingeln ließ. Er fragte mich, ob er mich zum Essen einladen dürfe. Eigentlich total nett, von einem Fremden zum Essen eingeladen zu werden, denkt ihr euch wahrscheinlich. Prinzipiell ist es das ja. Aber ich hab einfach kein Interesse mit einem Anfang 40jährigen, schwer verständlichen Chinesen mich krampfhaft zu unterhalten (vor allem weil mein Chinesisch auch einfach zu schlecht dafür ist) und dabei immer zu denken, dass er es einfach nur cool findet sich mit irgendeinem Ausländer zu treffen und womöglich bei seinen Freunden damit angeben will. Wie sollte ich also vorgehen? Auch noch diese SMS zu ignorieren ging nicht, denn was passiert, wenn ich ihn wieder an der Bushaltestelle treffen sollte. Dummerweise arbeitet er direkt dahinter in einem Hotel als Koch. Aber schreiben, dass ich keine Lust hätte, wäre wie ein Schlag ins Gesicht. Also wählte ich die chinesische Variante der Gesichts-Wahrung und schrieb, dass es mir Leid täte, ich sei im Moment sehr beschäftigt, aber an einem anderen Tag währe es besser. Ich würde mich bei ihm melden. Was ich natürlich nicht vorhabe. So kommt theoretisch jeder aus der Sache ohne Schaden heraus, sofern er den Wink verstanden hat. Nicht einmal der Wunsch, dass er nicht fragt, weswegen ich nicht ans Telefon ging, wurde mir erfüllt. Denn das war die Frage der zweiten SMS. Meine Antwort war ein kurzes und schlichtes: „Weil ich es nicht gehört habe.“ . Ich wünsche mir, dass ich ihm nie wieder persönlich begegne. Sein englischer Name war auch noch Sunny. Chinesen wählen sich teilweise so dämliche englische Namen. Ihre Kreativität bringt und die Idee die Namen mit Bedeutungen zu haben (wie es im Chinesischen der Fall ist) bringt sie zu Formen wie: Sunny, Joy (Freude), King (König), Banana, Coco, Kiwi, Honey und Candy (Süßigkeit). Die letzten fünf sind Beispiele aus meiner eigenen Englischgruppe im Kindergarten.




luoxide am 17.Nov 09  |  Permalink
sunny find ich ubergeil für nen anfang vierzigjährigen kerl :D
candy, honey und coco sind auch super namen für frauen des horizontalen businesses ;D

stefanreiss am 28.Nov 09  |  Permalink
Aber auch wirklich nur für solche Frauen und nicht 4 Jährige Mädchen ^^