Essen gehen mit Freunden (11.10.09)
Nun sind wir schon zum dritten Mal mit Bekannten, Kollegen oder alten Schulkameraden essen gegangen. Und wie es sich zu feierlichen Essen in China gehört, bedeutet das, viele verschiedene Gerichte und Alkohol. Weswegen ich bei jedem der Treffen einen leichten Schwips hatte. Sogar Wein wurde bisher jedes Mal aufgetischt, welcher aber so trocken und stark war, dass ich ihn nur notgezwungen trank und in Deutschland nie kaufen würde. Man trifft sich nun meistens in einem großen und guten Restaurant, welches in der Größe locker mit einem Hotel bei uns mithalten kann. Meistens besitzen diese Gaststätten großflächige Bereiche mit offenen Tischen und dann noch viele weitere abgetrennte Räume mit nur einem großen Tisch. In diesem reichlich verzierten Zimmer kann man ungestört die Freuden des Speisens genießen und hat seine eigene Bedienung, die dafür sorgt, dass es den Gästen an nichts mangelt. Sie serviert natürlich ganz ordinär die Gerichte, achtet darauf, dass die Gläser gefüllt bleiben (interessanter Weise ist es nicht unhöflich, wenn man komplett seine eigenen Getränke mitbringt!) und räumt grobe Essensreste und dreckige Teller parallel weg bzw. tauscht sie aus. Viele Gerichte bedeutet natürlich viel Auswahl, aber leider nicht unbedingt viel Freude. Denn unglücklicherweise bedeutet ungewöhnliches und besonderes Gericht nicht dass es auch lecker ist. Je spezieller, desto spezieller die Zutaten und der Geschmack. Seegurke zum Beispiel: eine kostenspielige Vorspeise. Schmeckt aber nach nicht viel und hat in etwa die Konsistenz von Gummibärchen mit glitschigen Inhalt. Als Gast hat man natürlich zudem das Glück immer alles probieren zu dürfen. Welch‘ eine Freude, vor allem wenn man schon vorher weiß, dass es eklig wird, aber man nicht unhöflich sein will. Hat es denn geschmeckt? Hmhm! (die gekreuzten Finger sind von der Tischdecke verborgen) Aber dass chinesische Fleischgerichte meistens mit viel Knochen oder Fett serviert, hab ich mich schon gewöhnt. Aber es ist trotzdem traurig, dass man nach einem so reichhaltigen Essen trotzdem hungrig nach Hause fahren kann.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele, so wie die letzten beiden Male, an denen der Tisch auch zum Bersten bedeckt war und so gut wie alles äußerst lecker geschmeckt hat. Wenn solche Anlässe nicht immer so lange gehen würden. Auch in Deutschland besitze ich nicht so ein durchhaltefähiges Sitzfleisch, aber hier versteh‘ ich zudem nicht mal die Sprache. Ein einziges Zeittodschlagen, unterbrochen von andauerndem Aufstehen, wenn man sich anstößt. Noch schlimmer als in der Sonne beim Jani!
Kinder sind auch meistens dabei. Und jedes Mal dasselbe Spiel: Komm, sprich doch mal mit dem Ausländer Englisch. Ach, jetzt zier‘ dich nicht so. Setz dich doch neben ihn. Usw Manchmal ganz nett, kann es aber auch nervig sein. Der vielleicht neun- oder zehnjährige Junge, der heute neben mir saß, war ja eigentlich ganz nett. Er hat’s nie ganz gepeilt, dass ich ihn nicht verstehen kann oder ihm war es egal. Zumindest saß er ganz enthusiastisch mir gegenüber und erzählte mir die tollsten Geschichten, die er mit ausgelassener Gestik unterstrich. Nachdem ich aber nie an den richtigen Stellen nickte oder nachfragte, hätte er es eigentlich verstehen müssen. Dann wollte er mir aber chinesisches Schach erklären, aber anstatt den richtigen Figuren wollte er die Teller benutzen oder er malte die Objekte mit dem Finger an die Wand. Aber als das auch nicht klappte, sah ich mich mit ihm Pokemon-Karten spielen. Das jedoch auch ohne Erfolg, was vorerst sein letzter Versuch blieb. Erst die Spiele meines Ipods, den ich dummerweise aus der Tasche holte, faszinierten ihn wieder, weswegen ich einige Minuten meiner entspannenden Zeittodschlagerei (Achtung: Ironie!) opferte, um mit ihm zu spielen. Achja, nicht zu vergessen ist seine kleine Showeinlage mit Formen des Taekwondo. Dumm nur, dass ich das kann und somit erkannte, dass es ziemlicher Murks war, den er mir da zeigte ^^.

Nachdem ich erfolgreich gelangweilt von meiner Gastmutter erblickt wurde, fragte sie mich endlich, ob ich müde sei und nach Hause wolle. Danke, es gibt doch einen Gott! Ohne mit der Wimper zu zucken, nahm ich das Angebot an, schnappte mir meinen Ipod von dem Jungen und verschwand aus dem Zimmer. Unsere Wohnung lag zum Glück in Laufreichweite. Ich sah mich schon Kaffee trinkend eine Folge Lost sehend, als mich die bittere Erkenntnis traf, dass ich keinen Schlüssel dabei hatte! Was nun tun? Zurück wollte ich nicht, vor der Wohnungstür harren war auch keine gemütliche Idee. Deswegen ging ich in den neben uns befindlichen Supermarkt, kaufte mir eine Dose Nescafe und setzte mich auf eine Bank zwischen unseren Hochhäuser. Das bisschen grün darum herum lassen den Ort tatsächlich entspannend wirken. Leider hätte die Sonne ruhig stärker und öfter scheinen können und die Bank nicht so hart. Dann wäre vielleicht auch das Kopfweh von dem schrecklichen Wein schneller verschwunden ;-).
1 ½ Stunden später konnte ich endlich in die Wohnung. Und was mache ich nun? Richtig! Kaffee trinken und eine oder vielleicht auch zwei Folgen Lost schauen. Was ich nun auch wieder tun werde. Ich warte gerade lediglich darauf, dass der Wasserspender genug warmes Wasser hat, damit ich keinen kalten Kaffee trinken muss.
Alles Gute und viele Grüße an meine Schwester, die heute Geburtstag hat! Happy Birthday oder wie die Chinesen sagen würden: 生日快乐! (sheng ri kuai le)