Irrfahrt zu den Heißen Quellen (Mo, 05.10.09)
Was ist der Grund, wenn man um 7Uhr morgens von unrhythmischen Trommeln geweckt wird? Das ist einfach: vor der Haustür steht eine chinesische Trommelgruppe, die für das später ankommende Brautpaar übt. So geschehen am Sonntagmorgen. Eine nette Abwechslung, wenn ich auch meine, sie hätten später anfangen können zu üben.
Mittlerweile hatten wir uns entschieden einen Ausflug zu den Heißen Quellen zu machen und hinterher eventuell noch eine Tour im Laoshan. Am Mo Morgen trafen wir uns also um 9Uhr am Westlichen Busbahnhof. Ich hätte aber gut noch ne Weile schlafen können, hätte ich gewusst, dass Tim sein Orientierungssinn sich wieder selbst übertrifft. Nach endlosen Telefonaten und Erklärungsversuchen war er gut 45min auch am Ziel. Am Ende fand er sogar heraus, dass er ganz am Anfang, als er das erste Mal anrief, schon am richtigen Gebäude war, nur auf einer anderen Seite. Da ich mich aber leider am Telefon versprach und statt westlicher östlicher Bahnhof sagte, stieg er wieder ins Taxi und fuhr irgendwo hin. Hey, aber das war nicht der einzige Grund! Wir andern hatten den Bahnhof schließlich auch gefunden und in der ganzen Gegend gibt es nur diesen einen. Zudem fahren die Busse nach Jimoshi nur an diesem ab. So! Jimoshi oder besser das Umland davon war unser Ziel. Wir wollten zu einem Hotel, dass eine Badelandschaft inklusive hat. Von Jimoshi aus mussten wir einen weiteren Bus nehmen. Als wir aber an der gewünschten Haltestelle ausstiegen, hatten wir keine Ahnung, wohin wir sollten. Auch unsere Prospektbeschreibungen halfen uns hier nicht weiter. Da es keine richtigen Taxis gab, sondern nur Privatpersonen, die sich etwas nebenher verdienen, waren wir gezwungen so jemanden in Anspruch zu nehmen. Wir zeigten ihm den Zettel mit der Adresse und los ging die Fahrt. Doch spätestens als er uns fragte, ob wir schon wüssten, in welchem Hotel wir übernachten wollten, hätten wir misstrauisch werden und aussteigen sollen. Denn schließlich war das einer der ersten Sätze, dass wir zu DIESEM Hotel wollen. Dessen Adresse fände er HIER, unser Hinweis während wir mit dem Finger die Stelle zeigten. Wir fuhren langsam in Richtung Meer, an Wiesen und Krabbenzuchtanlagen vorbei, über eine lange Brücke und hielten auf einer kleinen Landzunge, direkt vor einer Fähre. Was zum Teufel wollten wir hier? Junge, willst du uns verarschen? Von sich überzeugt, verkündete er uns, dass wir angekommen seien. Aber einen Scheißdreck waren wir. Ich zeigte ihm abermals die Adresse und wiederholte den Straßennamen lang und deutlich. Er zeigte mir daraufhin zwei Zeichen mitten in einem Fließtext darunter. Dort fand er den Namen der Insel zu welcher uns diese Fähre bringen würde. Aber der Depp kann doch nicht einfach die Adresse missachten (die klar gekennzeichnet war) und im Text nach irgendwelchen Zeichen suchen, die er kannte. Noch dazu missachten, dass die Zeichen Bestandteil einer Bushaltestelle sind! Entweder er hat uns böse verarscht und tut nur so scheinheilig oder er konnte tatsächlich nicht lesen und suchte verzweifelt nach irgendwelchen Zeichen auf dem Blatt Papier, die er lesen konnte. Zufällig stand dort derselbe Name, wie die Insel und anstatt zuzugeben, dass er die Adresse nicht kenne, fuhr er uns zu dieser Insel. Da half uns auch die Fährdame nicht weiter, die meinte, dass man sich auch auf der Insel amüsieren könnte. Verdammt, da wollen wir aber nicht hin! Aus Sicherheitsgründen gaben wir ihm seine versprochenen 25RMB, aber mit ihm weiterfahren wollten wir doch nicht und liefen deswegen zu Fuß die Strecke wieder zurück, vorbei an der Kontrolle (bei der wir übrigens auch nochmal 20RMB gezahlt hatten -_- ), weiter auf die Brücke, bis ein neuer Van anhielt und uns mitzunehmen gedünkte. Dieses mal fragte ich ihn noch klarer und dümmer, ob er den Weg kannte. Und siehe da, am Ende waren wir am Ziel. Dumm nur, dass wir mit dem anderen in die entgegengesetzte Richtung gefahren sind und dumm, dass das Hotel direkt an der Straße lag, auf der wir mit dem Bus von Jimoshi gekommen sind. Nur ein gutes Stück weiter zurück als die Bushaltestelle, an der wir ausgestiegen sind.
Das Hotel war in Ordnung. Für 300RMB bekamen wir nach einigem hin und her ein Zimmer für uns drei. Wieder eine Herausforderung, wenn das Personal kein Englisch spricht und sich die Reisebegleitung dezent aus dem Gespräch hält. Nur für den Folgetag hätten wir mehr bezahlen müssen, weil wir dann in ein besseres Zimmer hätten ziehen sollen. So weit kam es aber nicht. Die Gegend selbst bot nichts, außer karger Landschaft, kleinere Ansammlungen von Häusern und dem Hotel. Die Badelandschaft für weitere 90RMB lohnte sich aber. In etlichen unterschiedlich temperierten Becken konnte man sich entspannen. Tischtennis, Außenbecken mit Badekappenpflicht und Kraftgeräte boten weitere Abwechslung. Vor allem ab 18Uhr, als es dunkel wurde und nur wenige weitere Gäste übrig blieben, warum auch immer, wurde es toll. Relativ allein konnten wir nun die unterschiedlichen Gewässer testen, deren Wirkung und Anwendung wir jedoch nie verstanden. Neben jedem stand ein Schild mit Erklärung und oft falscher Temperaturangabe. Unser einziges Entscheidungskriterium war demnach die Frage, ob es heiß, kochend heiß oder zu verkraften heiß war. Am Ende entdeckten wir sogar mit Vorhängen abgetrennte Becken, die jedoch mit weiblicher Begleitung interessanter gewesen wären ;-).
Einen weiteren Tag wollten wir aber nicht bleiben. Zu wenig bot uns die Gegend und so günstig war es nun auch nicht. Auf weitere Abenteuer hatten wir zudem keine Lust und entschieden uns deswegen gegen die Fahrt zum Laoshan, sondern für den Rückweg, der anstandslos klappte. Zum Laoshan wären nur wieder private Autos gefahren und dann wäre es nicht sicher gewesen wie wir von dort aus heimkommen. Außerdem kann ich Sonntags immer mit der chinesischen Gruppe dorthin zum Wandern.
Wenn es aber nicht aufs Geld ankommt, braucht man keine Angst zu haben nicht vom Fleck zu kommen. Andauernd wurden wir gefragt, ob wir mitfahren wollten. Zurück nach Jimoshi hätten wir vom Supermarktverkäufer für 60RMB fahren können. Glücklicherweise erfuhren wir dann aber noch, dass der Reisebus direkt an unserm Hotel vorbeifährt. Diese kann man an beliebiger Stelle per Handzeichen zum Stillstand bringen. Dadurch fuhren wir für nur 27RMB zurück. Dieses Mal mussten wir nicht mal Attraktion spielen. Auf der Hinfahrt gab es keine Plätze mehr, weswegen wir gezwungen waren vorne, neben dem Fahrer, mit Gesicht zu den Fahrgästen zu sitzen. Dadurch erhielten die Fahrgäste die Möglichkeit uns ausgiebig zu beobachten, mustern, zu kichern oder unserer fremdklingenden Sprache zu lauschen. Na toll ^^.
stefanreiss am 06. Oktober 09
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren