Chinas Geburstag Teil 2 (02.10.2009)
Es ist 8 Uhr morgens und ich bin seit einer Stunde auf den Beinen. Da ich nicht weiß, was ich so früh machen soll und ich zum Vokabeln lernen noch nicht motiviert genug bin, dacht ich, dass ich euch nochmal was schreib.

Gestern war nun der 60. Geburtstag der Volksrepublik China und er wurde/wird gebührend gefeiert. Mittlerweile wurden auch an den Hotels die internationalen Flaggen gegen rot wehende ausgetauscht ;-). In Beijing wurde dafür eine riesige Parade organisiert, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellte. Die Perfektion und Genauigkeit der Teilnehmer war atemberaubend. In etwa so wie bei der Olympia Eröffnungsfeier, die ich dummerweise verpasste -_- , aber darum geht’s hier nicht. Sehr interessant war das sich verändernde Schriftbild. Tausende Menschen, die alle mit roten und gelben Bommelhüten bewaffnet waren, um diese je nach Anforderung zu tragen. Das Ergebnis waren unterschiedliche Schriftzeichen, aber in den Konturen so perfekt, dass ich bei der ersten Luftaufnahme meinte, es sei trapiert oder eine Plane, aber gewiss keine Menschen! Das ganze wurde natürlich im Fernsehen übertragen. Gezeigt wurden vor allem Soldaten und Waffen, einige von diesen zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Nachdem ich manche der ausgesprochenen Wörter in meinem allerheiligsten und unabdingbaren Ipod Touch, respektive elektronischem Wörterbuch, wobei das die Funktionsvielfalt eher verhöhnt, nachgeschlagen hatte, fiel mir etwas Lustiges auf. Das Wort Genosse heißt auf Chinesisch 同志 tongzhi, wenn man jetzt nur noch ein de 的 anhängt, was eigentlich nur einen Besitz anzeigt oder ein Wort in ein Adjektiv verwandelt, heißt das ganze nicht mehr Genosse, sondern schwul beziehungsweise lesbisch ^^.

Hab ich euch schon von meinem „Spiegel“ in der Dusche erzählt? Wundervoll, wenn man sich während der Körperpflege nicht so allein fühlen muss. Das genoss ich auch mehrere Male, bis mir aufgefallen ist, dass das Graue hinter der Glasscheibe keine Aufkleber sind und das Glas an sich auch kein Rauchglas, sondern nur ein Fliegengitter. Wenn ich abends das Licht anhabe, kann man also ohne Hindernis mir beim Duschen zusehen. Für einen kurzen Augenblick dachte ich darüber nach diesen Umstand einfach zu vergessen. Zu schrecklich war die Vorstellung meinen Spiegel aufgeben zu müssen. Was würde es mich jucken, wenn iiirgendein Chinese in einem der Hochhäuser zufällig aus dem Fenster sieht und dabei mich entdeckt. Soll er sich doch daran erfreuen. Doch kurz darauf ist mir aufgefallen, dass man mich auch recht gut, wenn auch nicht vollständig, vom Parkplatz aus sehen konnte. Vor allem auch die Wächter am Eingangstor, an denen ich jeden Tag vorbeilaufe. Das überzeugte mich dann doch. Nun machte auch die Strippe und der dazugehörige Rolo einen Sinn.

In Sachen kulinarischer Köstlichkeiten kam ich nun auch in den Genuss mehrerer Leckereien. Venusmuscheln gibt es hier fast täglich, aber die mag ich auch und stellen kein Problem dar. Die 15cm Krabben hingegen eher. Als ganzes Stück bekam ich eine vorgesetzt und musste mit einem Schub die eine Hälfte des Panzers von der anderen lösen oder die Panzer der Beine knacken, damit ich an deren Fleisch kam. Zugegeben, es war lecker. Aber ich erinnerte mich nur dauernd daran, wie genau diese Dinger auf den Märkten noch lebend in den Kisten der Verkäufer dahin vegetieren und sich leicht bewegen. Das schlimmste aber sind Festlichkeiten oder Einladungen. Wieso müssen Spezialitäten immer so seltsam und vor allem nicht lecker sein? Seegurke, kleine aber ganze Tintenfische, Weinbergschnecken (boah, wie die stinken! Ich hab mich nicht getraut) ... Ich weiß, dass es noch wesentlich schlimmeres gibt. Aber es geht eher ums Prinzip, dass es bei Einladungen immer vermeintlich gutes gibt, der Tisch auch wirklich überfüllter als sonst ist, aber ich jedes Mal weniger esse als gewöhnlich. Normale Hausmannskost ist doch sooo lecker hier! Eine Sache, die auch nervt, ist, dass Fett am Fleisch als Qualität gilt. Aber nicht mit Fett durchzogenes Fleisch, sondern einfach pures Fett. So gibt es nicht selten Gerichte, in denen die Stückchen aus 30% Fleisch und 70% Fett bestehen. Nicht nur, dass es dick macht, es schmeckt vor allem nicht! Wenn man schon dick wird, dann wenigstens von etwas, das man genossen hat. Genauso wie manche Süßigkeiten hier. Mmhh, Schokolade. Denkste! Kakaobutterersatz und braune Farbe, das ist alles. Wenn’s denn wenigstens schmecken würde!

Im Kindergarten hab ich mittlerweile ein Kinderlehrbuch für Englisch bekommen, mit dem ich die Kinder unterrichten kann. Buch 3 hatte ich schon, in dem Buchstaben A – M gelehrt werden, nun hab ich Buch 4, N-Z. Meiner Meinung nach sind die Bücher zu schwierig, weil völlig das Grundverständnis fehlt. Aber ich hätte mich ja breitschlagen lassen und mit Buch 3 begonnen. Aber dann hieß es, dass sie das alles schon könnten und ich Buch 4 benutzen solle. Hallo, wollt ihr mich verarschen? Als ob sie das schon beherrschten. Die meisten blickens ja noch nicht mal, wenn ich zu ihnen „How are you?“ sag. Ich bin der Meinung, dass das noch Zeit brauche und man sie langsam an die Struktur der englischen Sprache gewöhnen solle. Aber es stellte sich dann heraus, dass es „wichtiger“ sei einfach nur die Vokabeln des Buches zu wiederholen. Das heißt, dass sie am Ende alle möglichen Vokabeln können, aber keinen einzigen Satz bilden. Aber was wunder ich mich überhaupt, so ist das bisher immer gewesen. Zwar gibt es Überlegungen für Reformen und vor allem mir Gleichaltrige sind nicht davon überzeugt, sie wissen um dessen Nachteile, aber was soll man machen. Sich als einzelner dagegen stellen? Deswegen werde ich den Kindern nun viele lustige Wörter beibringen, aber nicht, was „This is MY book and this is YOUR book.“ bedeutet.