Das Handy auf dem Nachtisch klingelte. Zwar recht zügig, doch eigentlich nur, weil es eine Art Reflex ist, ging ich ran. Eine zwar bekannte, jedoch ungewohnte Stimme sprach zu mir. Ich war nicht sofort in der Lage ihr eine Antwort auf ihre Frage zu geben.
Es war 11 Uhr und ich lag immer noch im Bett. Besser gesagt, ich bin gerade erst aufgewacht. Zu viel Alkohol und ein nach Hause kommen nach 4Uhr fordern nun mal ihren Tribut. Die anfangs nicht zuordenbare Stimme stellte sich als die Franks raus, dem Chef der Agentur, die mich hierher brachte. Er lud mich zum Klettern ein. Nach anfänglichem Zögern, weil ich nicht wusste, wie lange ich heute durchhalten könnte und weil ich eigentlich mal Chinesisch lernen sollte, willigte ich schließlich doch ein. Zusammen mit zwei Chinesen und einem deutschen Freund schlugen wir uns durch die verwucherten Pfade den Fushan hinauf. Das nächste Mal jedoch werde ich direkt an den Beginn de Pfades kommen und nicht wieder erst in die Stadt zum Treffpunkt fahren. Ich war so knapp in der Zeit, sodass ich das ganze Stück von der einen zur anderen Bushaltestelle joggen musste. Was an sich nicht so tragisch wäre, aber mit Flopflops tatsächlich eine Herausforderung darstellt. Doch da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Wieso trug ich Depp überhaupt Flipflops und keine festen Schuhe? Völlig geblendet von der Freude endlich mal wieder offene Schuhe tragen zu dürfen und mit dem Wissen, dass ich auf dem Berg Kletterschuhe erhalten würde, vergaß ich völlig den 30-45 minütigen Fußmarsch zur Kletterwand. Die zu laufenden Trampelpfade bescherten einem wahrliche Abenteurer-Romantik, mir aber lediglich Kopfzerbrechen. Der Schritt musste noch viel bedachter als eh schon gesetzt werden, wenn ich meine Füße und Schuhe heil hoch und runter bringen wollte. Zu allem Überfluss, kam ich mir anfangs noch völlig fehl am Platz vor. Die Kletterrouten waren sehr anspruchsvoll, meine Begleiter jedoch recht ER- und ich völlig UNerfahren. Aber ich schlug mich am Ende recht gut und erreichte mehr, als ich anfangs dachte. Klettern ist ein schönes Gefühl, wenn man denkt, man könnte nicht weiter, man dann nur durch ein kleines Verrücken eines Beines eine neue Ausgangslage erreicht und es auf einmal total einfach ist weiterzuklettern. Oder wenn man nach dem Besteigen vor lauter Überanstrengung die Hände nicht mehr zusammendrücken kann und die Unterarme noch 10min danach der Durchblutung wegen warm pulsieren. Glücklicherweise war außer mir noch ein Mädel in meinem Alter anwesend, die noch wenig Erfahrung hatte und mich somit etwas besser dastehen ließ. Nachdem wir alle erschöpft und teilweise vom Wind durchgefroren waren, begannen wir den Abstieg, vor dem ich mich am meisten fürchtete. Wie kann man nur so dumm sein und bei einer Bergbesteigung Flipflops tragen. Es war wirklich nicht einfach, aber ich kein einziges Mal ausgerutscht und habe von dem Trip außer kleineren Wunden und dreckigen Füßen keine weiteren Schäden erhalten.