Ok, was ist in den letzten Tag so alles passiert? Ich vergess alle Dinge, die sich dann vielleicht doch lohnen würden erzählt zu werden recht schnell, weswegen ich mir eine Stichwortliste erstellt habe.
Auf dieser steht zum Beispiel: Spinnen. Ich lief da so, mitten in der Stadt, Richtung Jialefu, ahnte nichts böses und erfreute mich an dem 50cm breiten Grünstreifen mit Bäumen, der neben der Busspur angelegt wurde. Doch bei genauerem Hinsehen, erkannte ich dicke, weißliche Fädengewirre darin. Immer wieder in den Lücken. Bei noch genauerem Hinsehen und einer gewissen Vorahnung, wer diese Fäden produziert hat, blickte ich abermals dem Schrecken ins Angesicht. Monsterspinnen – und nicht nur eine – die mich doch sehr stark in die beim Shaolin-Kloster erinnerten. Bäh!
Ich war das erste Mal schwimmen! Ganz nett, aber kalt und ich fand keine Möglichkeit einen Wasserball oder andere kleine Spielchen zu kaufen. Schwimmringe, Badeanzüge und Kinderspielzeug kein Problem, aber sonst gibts nichts. Dafür bin ich extra an jeder Straße vorbeigelaufen, bevor ich zum Strand einbog, in der Hoffnung, dass ich in der nächsten einen Supermarkt oder so finde. Leider ohne Erfolg, nur mit dem Ergebnis, dass ich die 3x Strecke von der Bushaltestelle lief. Umziehen konnte ich mich in einem schmuddeligen Gebäude, das Schließfächer, Massenduschen und Fitnessgeräte vor der Tür bot. Aber der Sand war super und wenn die Sonne scheint, macht es Spaß dort zu liegen.
Dann war dem letzt mal irgend ein Feiertag. Nur daran erkennbar, dass man im Laufe des Tages immer wieder lautes Böllergeknalle hören konnte. Boah, das erinnerte mich nur wieder daran, dass ich mir auch unbedingt welche besorgen muss. Raketen gabs auch immer wieder welche. Eine Session davon wurde zwischen den zwei Gebäuden neben meinem Hochhaus gestartet. Nachts um 23Uhr oder was. Es gab einen lauten Knall, bunte Lichter am Himmel und seltsame blinkende Lichter auf dem Parkplatz. Was war denn da unten los und weswegen tutet es so laut? Es lag daran, dass durch den lauten Knall der ersten Rakete lauter Alarmanlagen der Autos aktiviert wurden. Allein von meinem Fenster aus waren es 11 Autos, die sich mit ihren Lichtern und Geräuschen dem bunten Treiben am Himmel anschließen wollten.
Ein anderer Feiertag wurde in meinem Kindergarten bekannt gegeben. (Kleiner Hinweis: Zwar alles Feiertage, aber normale Arbeitstage) Es war der Tag der Lehrer. Dafür kam irgendein jüngeres Mädel zu uns, die den Kindern mit ihrem zu leisen Handy und ihrer schlechten Stimme ein Lied vortanzte. Das ganze war so lächerlich und weil sie ein recht kurzes T-shirt anhatte, war das einzige, was meine Aufmerksamkeit errang, die schwarzen Haarbüschel, die aus ihren Achseln ragten. Bah, wie schrecklich. Ich konnte einfach nicht weggucken =/ . Nachher mussten wir sogar mitmachen und seltsamerweise kannten meine Kolleginnen das Lied und den Tanz schon.
Dass das wohl doch kein selbstüberlegter Unfug dieses Mädels war, belegte sich gestern. Alle Mitarbeiter des Kindergartens machten einen Tagesausflug. Und anstatt Wandern oder ein anderes Abenteuer, landete ich in chinesischer Erlebnispädagogik. Ich sah mich in einem Raum wieder, in dem mit seltsam albernen Spielchen die Gruppe aufgelockert werden sollte und wir uns ein Gruppenlied, -name, -motivationsspruch und –flagge ausdachten. Oder besser die anderen. Ich verstand rein sprachlich einfach nur Null und langweilte mich demnach. Das war leider auch während des Tages öfters der Fall. Insgesamt machten wir 6 Spielchen, welche Gruppenzusammengehörigkeit, Teamwork, Motivation und Überwindung demonstrieren sollten. Also ganz klassisch das sich zurückfallen lassen in die Arme der anderen, auf einer 10m hohen Planke auf eine 1m entfernte Springen, Von einem 10m hohen Stamm zu einem Trapez springen oder andere Dinge. Das Gespräch nach solchen Übungen ist hier das wichtigste und genau das habe ich nie verstehen können. Schade eigentlich. Doch wenigstens fragte mich der Leiter, weswegen ich so ein großes Herz hätte. In China hat man ein großes Herz, wenn man mutig ist. Das fragte er deswegen, weil ich bei den hohen Sprungsachen keine Angst zeigte und sie recht schnell absolvierte. Hehe :). Aber die Erklärung ist recht einfach: Weil ich ganz genau weiß, dass ich gesichert bin. Den andern war das irgendwie weniger bewusst.
Ein weiterer negativer Punkt war der Zwang in der Sonne stehen zu müssen. Es war so heiß und die Aufgaben lagen immer in er prallen Sonne. Ich wollte immer in den Hintergrund und somit Schatten verschwinden, wurde aber immer wieder zurückgepfiffen, damit ich mit den anderen dem aktuellen Akteur zujubeln kann und ihn motivieren. Ein Sonnenbrand ist Zeuge dieser Untat ;).
Das Essen war aber lecker, die Aussicht atemberaubend (direkt am Meer mit Bergen im Hintergrund) und ich hab nun einen viel besseren und engeren Draht zu meinen Kolleginnen. Achja, ich war den Tag über sogar der Fahnenträger ;).
Bewundert hab ich den Enthusiasmus vieler von ihnen bei den Aufgaben und der Motivation. Die waren voll dabei, wenn man den Gruppenspruch laut rief. ZB während man die Hände auf dem Rücken des Nächsten legt, um ihm Kraft und Motivation zu geben. Oder wenn man nach der Aufgabe glücklich durch die Reihen läuft und alle mit einem „Yeah“ in beide Hände klatscht.
Heute, am Sonntag, ruhte ich mich erstmal ausgiebig aus, um Schlafmängel auszugleichen. Josefine, Tim und ich sind zum „Alten Steinmenschen“ gefahren, waren in einer Algenzucht spazieren und sind danach zum Strand nochmal Baden. Da ich keine Badehose dabei hatte, musste ich mit meiner schwarzen Boxershort improvisieren. Diese ist aber schon kampferprobt, weil ich mit so einer schon in Konstanz baden war. Nur trocken wurde sie nicht mehr schnell genug ^^. Noch ein Highlight gabs in der Algenzucht. Das waren mehrere vom Meer mit Steinen abgetrennte Becken, zwischen denen ich mit meinen Flipflops gelaufen bin. Leider war dies das Zuhause von Tausenden mutierten Kellerasseln. Es wuselte so sehr von diesen Viechern, dass bei jedem meiner Schritte ein Schwarm in die nächstbeste Ritze verschwunden ist. Ohne dieses Auseinanderdriften hätte ich keinen Schritt machen können, ohne welche zu töten. Manchmal war das schon bisschen eklig.
Jetzt sitz ich hier und warte auf Josefine, die mit mir hier isst und telefonier zwischendurch mit Daniel aus meinem Wohnheim. Durch peterzahlt hab ich so die Möglichkeit noch Kontakt mit ihm zu halten und erfahr die neusten Geschehnisse aus Freiburg oder den Inhalt wichtiger Briefe von mir.
Guten Appetit,
Stefan