Ein durchwachsenes Wochenende (05.+06.08.09)
Das Wochenende begann gut. Im Kindergarten erreichte ich bei meiner Lehrerin abermals eine neue Ebene und werde nun von ihr nicht nur als Englisch-Teacher, sondern auch als Klavier-Teacher bezeichnet. Hallooo? Im Grunde lag es nur daran, dass ich ein von ihr beigebrachtes Kinderlied schnell lernte und die drei Akkorde, die man mit der linken Hand spielt ein wenig aufteilte und man sie mit zwei Händen spielt. Bei einem Duett hört sich das schöner an. Also wirklich nichts besonderes, aber ihr scheints gefallen zu haben. Naja ^^:

Freitag war nun der erste Abend, an dem wir Tanzen gehen wollten. Um uns "aufzuwärmen" kauften wir n paar Dosen Bier und setzten uns gemütlich an die Strandpromenade Qingdaos, mit herrlichem Blick auf dessen Wahrzeichen und den bunt blinkenden Hochhäusern. Selbst blinkende Drachen gab es zu bewundern. Das erste Mal, dass ich so was sah, obwohl ich mich wundern müsste, dass diese nicht weiter verbreitet sind. LEDs an Drachen eigentlich eine logische Folge in China.
Da Bier allein aber zu wenig hergibt, außer man trinkt es in Massen, gönnten wir uns noch eine 125mm Flasche Baijiu, also diesem weißen, 60%igem Schnaps, den ich schon letzten März kennenlernte. Kostet ja nur 30ct ;). Eigentlich wollten wir die Flasche ja nicht leer machen, aber irgendwie war sie es dann doch ^^.

Angeheitert fuhren wir in Richtung einer Gegend mit einigen Weggehmöglichkeiten. Während der Busfahrt musste uns ein Kind, das auf dem Schoß seines Vaters war, unentwegt anstarren. Es war aber sehr schüchtern und verschränkte die Arme vor den Augen, als es von Tim angeschaut wurde. Er nutzte die Gelegenheit und wollte mit dem Kind scherzen. Dafür ging er recht nahe an das Gesicht des Kindes heran und wartete bis es die Arme wegnahm. Aber der Versuch ging nach hinten los. Das Kind erschrack sich fürcherlich und musste bitterlich anfangen zu weinen und zu schreien. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lustig das für mich war. Vor allem in meinem eh schon sehr fröhlichen Zustand.

Die Bar Le Beng fanden wir dieses Mal zum Glück. Wir suchten sie schon am Abend zuvor, und ehrlich gesagt waren wir letztes Mal nur zu blind, denn wir sind schon 2x daran direkt vorbeigelaufen oder haben in dem direkt daneben liegenden Supermarkt eingekauft. Aber dennoch blieb unsere damalige Suche erfolglos. Dieses Mal aber nicht. Ich fand den Abend super. Es kam gute Musik, die Preise warn ok und ich hab nette neue Leute kennen gelernt. Tim hats jedoch weniger gefallen, weil er nicht damit rechnete, dass die Bar DER Ausländertreff ist. 75% oder mehr Nicht-Chinesen, davon bestimmt 80% Deutsche. Aber wat solls, hauptsache die Stimmung ist gut. Wir gingen zwar auch in zwei Chinesendiskos, aber in der einen gabs ne Razzia und die andere war ein Neureichen-Treff, in dem es keine Tanzfläche gab, sondern nur Tische und in dem man nur teure Gedecke bestellen kann. Also solche Lokalitäten, die es auch in Dalian gab.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich wandern gehn. Da ich aber die Zeit nicht wusste, ließ ich mir einen Zettel schreiben. Dummerweise stand da nicht ne Uhrzeit drauf, sondern er war voll gekritzelt mit einem ganzen Text. Wuuuuaah, wie soll ich das denn lesen? Zumindest an diesem Abend hab ichs nicht mehr hingekriegt. Am nächsten Morgen stand ich um 9Uhr (Restalkohol jedoch inklusive) selbständig auf (geweckt wurde ich bis dahin nicht, seltsamerweise) und versuchte es nochmal mit dem Text und erfuhr, dass diese Wandergruppe immer Sonntags und nicht Samstags in die Berge ginge. Zudem aber diesen So es ausfiele, weil sie zu einem Weinfest gingen. Ich war total stolz auf mich, dass ich bis auf 2x nachschlagen alles verstanden habe. Das lustigste war, dass eine Redewendung benutzt wurde, die ich erst einen Tag zuvor zufällig gelernt hatte.

Ok, was nun machen? Ich wusste es nicht. Dafür ging ich am Abend mit den Deutschen aus der Sprachschule in einen Karaoke-Club. Das sind Lokalitäten, in denen man sich einen Raum mieten kann, der mit Sofas, einem Fernseher, bunten Lichtern und einer Karaoke-Maschine bestückt ist. Getränke kann man sich auch bestellen und hat somit einen eigenen Party-Raum. Hat auch Spaß gemacht. Es gab zwar weniger englische als chinesische Lieder und manchmal davon nur sehr seltsame Cover-Versionen mit alternativen Videos, aber Abba gab es zum Beispiel. Was will ich mehr? Und nach nem Fläschen Baijiu lässts sich sowieso prima singen ;-)

Ich war nur ein wenig unsicher mit dem Alkohol, weil mein Magen ersten nicht so ganz will und ich zweitens ja am nächsten Tag zum Weinfest ginge. Was da passieren würde, müsste klar sein. Aber es kam alles ganz anders. Zum Mittagessen fragte ich meine Gastmutter ob eine Freundin, die ich gestern kennen lernte und hier ganz in der Nähe wohnte, auch zum Fest mitkönnte. Anfangs blickte sie mich ein wenig verwirrt an, was daran lag, dass diese Gruppe nicht um 7Uhr abends dahin fahre, sondern 7Uhr morgens! Wie bitte? Aber warum fährt man um diese Uhrzeit auf ein Weinfest?! Also hatte es sich damit erledigt.
Alternativen? Keine wirklichen. Wollte mich mit dem Mädel treffen, das kam aber auch nicht zu Stande, deswegen blieb ich den ganzen Sonntag zu Hause. Schrecklich... .
Aber hey, mein Gastbruder hat morgen Geburstag. Und weil er den ganzen Tag an der Schule sein würde (heute Abend und gestern war er es übrigens auch!) und man somit keine Zeit zum Feiern haben würde, wurde sein Geburtstag einfach vorgelegt! Deswegen gab es nach einem reichhaltigen Mittagessen Kuchen vom Konditor. Eine truamhaft verzierte Torte mit Rosen oben drauf. Der Kuchen war in einem Karton verpackt und besaß kleine Papptellerchen, einen Tortenheber und Platikspieße, damit man direkt mit Essen beginnen konnte. Aber das hintert Chinesen auch nicht daran den Kuchen mit Stäbchen zu essen. Unglaublich... -_- . Jedoch lecker war er ^^.

Da ich mich nun mit niemanden mehr getroffen habe, schaue ich Mall Cop im Internet, fernsteuere Ahmets PC und rette ihn vor der Totalzerstörung und triste mein Dasein, bevor ich ins Bett geh, um morgen meiner Tätigkeit als Alleskönner (haha) nachzugehn.

Gute Nacht, Freunde!