Erster Arbeitstag (Mo, 31.08.09)
Mein Arbeitsplatz ist zum Glück doch so nahe, wie mir gesagt wurde. Die erste Gastfamilie war 6km davon entfernt, jetzt sind es nur noch 3km. Leider ist sind meine Wohnung sowie die Arbeitsstelle zwar in einer ruhigen und sauberen Gegend, doch weit ab vom Schuss und vom Zentrum der Stadt.

Der Chinese, der mich auch schon vom Bahnhof abholte, brachte mich heute zum Kindergarten. Dafür sollte ich anfangs in deren Büro kommen, stieg zwar an der richtigen Haltestelle aus, aber war nicht in der Lage das Gebäude zu finden. Nur sporadisch scheinen Nummern und Namen an den Wänden zu stehen. Auch ein Anruf bei ihm half nicht weiter. Die Dinge, die ich in Reichweite sah, sagten ihm alle nichts. Deswegen lief ich halt noch ein bisschen fröhlich um den Häuserblock, las auf meiner Karte oder fragte Passanten, die mir letztendlich das richtige Gebäude zeigten. Im Nachhinein merkte ich dann, dass es genau das selbe Gebäude war, von dem ich dem Chinesen ein Ladenschild beschrieben hatte, in der Hoffnung, dass er es kenne.

Die Mädels auf der Arbeit sind alle sehr nett. Ich schreib extra nicht Leute, weil ich bisher noch kein männliches Objekt in dem Gebäude gesehn habe. Ich wurde einer Lehrerin zugeteilt und begleitete sie in ihre Klasse, die den malerischen Namen 馨馨班 (xinxin ban) trägt, was Duftende Klasse/Gruppe bedeutet. Dass die ganze vorherige Organisation nur brüchig funktionierte, bemerkte ich daran, dass die Leiterin noch meinte, ich würde bis 17Uhr arbeiten. Aber das ließ sich ohne weiteres Nachfragen wieder auf 12Uhr abändern.

*Mein Gott*
Zwischenmeldung: Ich sitz gerade wieder im 5. Stock meines Hochhauses und hör immer wieder die Leute, die unten rumlungern. Also ich sag mal so: Das, was er sich da gerade durch den Hals hochgezogen und ausgespuckt hat, kam von gaaanz weit unten, wenn ihr versteht was ich meinte.
*Zwischenmeldung Ende*

Ich ging also mit ihn diese Gruppe ohne irgendwelche Anweisungen zu erhalten. Deswegen saß ich den Tag über in einer Ecke, beobachtete das Geschehen, half bei Aufforderung oder wenn ich selbst die Möglichkeit sah. Es wurde gesungen, gemalt, geschlafen (nach dem Essen, was übrigens sehr lecker war, legen sich alle für 2h aufs Ohr) und frei gespielt. Nachdem das Eis aufgetaut war, waren auch die Kinder nicht mehr so schüchtern. Aber es ist wahnsinnig schwer sie zu verstehen. Zum einen fehlen mir einfach viele Vokabeln und zum anderen sprechen sie manchmal sehr leise und undeutlich, vor allem, wenn sie noch etwas kleiner sind.

Meine Gruppe besteht aus nur 7 Kindern, wobei ich nicht weiß, wo ich morgen sein werde. Der Umgang mit ihnen ist sehr herzlich. Es wird geholfen, gelobt oder über den Rücken gestreichelt. Aber er kann bei Ermahnung aus streng werden, wobei nicht zurückgeschreckt wird das Kind vor der Gruppe offen zu ermahnen.

Da die Betreuerinnen Lehrerin Sounso angesprochen werden, nannte mich die Beutreuerin meiner Gruppe folgerichtig Teacher, wenn sie mich ansprach ^^.

Insgesamt betrachtet war es aber eher langweilig für mich. Ich bin gespannt, was ich sonst zu tun haben werde. Doch bin ich gezwungen mehr Vokabeln zu lernen und endlich ein Notizbuch zu kaufen, damit ich a) neue Vokabeln notieren und b) Notizen für meine Forschung machen kann. Das bringt mich auch gleich zu dem Punkt, dass ich für diese Forschung unbedingt noch was lesen muss, damit ich bald damit beginnen kann gezielt Beobachtungen durchzuführen.

Morgen Nachmittag gehts dafür in den großen Carrefour, in dem ich außerdem eine Nachttischlampe kaufen möchte. Ich hab hier nur eine, die schon beim schief Anschauen den Hals krumm legt und nicht mehr viel mitmacht. Denn in dem Zimmer gibt es, weil es ein Büro ist, nur eine kalte, weiße Neonröhre, die unglaublich schrecklickes Licht produziert. Hmm und wenn ich mir die Wände hier anschaue, wären Poster auch nicht verkehrt. Nachdem dies alles erledigt ist, treffe ich mich mit einem Deutschen am Abend, um ein Bier trinken zu gehn oder so. Freu mich schon mal wieder unverkrampft und locker palabern zu können.

Also, haltet die Ohren steif!