Himmelstempel, Houhai ... (Mi, 26.08.09)
Morgen reist Jonathan weiter nach Wudang. 20h Zugfahrt hat er vor sich *hehe* ^^. Um endlich mal Schlaf nachzuholen, sind wir um 12 Uhr erst aufgestanden. Bevor wir in die Stadt zogen, besorgte ich mir aber erst das Ticket nach Qingdao. Wieso ich aber statt 30Kuai Buchungsbeguehr ganze 100 zahlen sollte und weswegen auf der Quittung nur 30.- steht, bleibt mir ein Raetsel. Ich hab die Quittung zu spaet gecheckt und die Ausreden der Buchungsfrau waren doch sehr suspekt. Aber wie soll man argumentieren, wenn man es nicht 100% weiss? Vermutlich werde ich in Zukunft doch wieder die Tickets selbst besorgen oder vorher alles genau checken. Tickets kaufen in China ist aber nunmal die Hoelle! Aber nach diesen vier Monaten, sollten meine Chinesisch-Kenntnisse ausreichend sein :).
In der beruehmtesten Einkaufsstrasse Chinas - der Wangfujing - trafen wir uns mit Daniel, den ich damals in Dalian kennen lernte, mit dem wir ein bisschen einkauften. Als dieser etwas anderes vor hatte, machten wir uns auf in Richtung Himmelstempel. Auf dem Weg zur Metro trafen wir einen netten Chinesen, der uns in Englisch ansprach. Nach einem netten Palaber - er sprach sehr gutes English - stellte sich heraus, dass er seit 10Jahren Kalligrafie studiere und in ner Woche fuer 10 Tage nach Muenchen fahre, um dort einen Intensivkurs anzubieten. Er lud uns in sein Buero ein, um dort unsere Namen in Kalligrafie zu schreiben. Um so eine Chance nicht ungenutzt zu lassen, gingen wir mit. In dem Buero hingen ueberall an den Waenden Bilder, es gabe eine Couch und einen Schreibtisch mit ein paar Schreibutensilien. Er war ein wirklich netter junger Mann (23) und zeigte uns nach unseren Namen die Werke seiner Kunst und diese waren wirklich unglaublich. Eigentlich perfekte Kunstwerke in verschiedenen Stilen chinesischer Malerei. Aber er mache dies ja auch schon seit 10 Jahren, erwiderte er, als ich es kaum glauben konnte. Doch wie es kommen musste, bemerkte er dann nebenbei, dass man diese Bilder auch kaufen koenne. "Aha..., ok." Jonathan kaufte am Ende zwei davon. Aber zurueck bleiben zwar schoene Bilder, aber ein fahler Nachgeschmack, ob es nicht nur Kunstdrucke seien. Vor zwei Jahren noch haette ich NIE und nimmer auch nur einen Gedanken daran getan, dass dies vielleicht ein vorgetaeuschtes Spiel waere. Aber mittlerweile kenne ich so viele Geschichten, dass ich mir dies leider vorstellen kann. Vor allem, weil ich ihn bat, mir doch einmal einen kleinen Mann, wie er auf einem seiner Bilder zu sehen war, zu zeichnen. Ich wollte dies nicht nur als Test, sondern einfach, weil ich es gerne gesehen haette. Aber nachdem er erstmal meinte, er haette nicht das richtige Papier und dass es mit Pinseln nicht ginge, behauptete er, dass er dazu benoetigte Stift nicht hier sei, sondern in seiner Schule. Alles klar, wir sitzen also in seinem Buero FUER die Schule, in dem auch seine Lehrerin rumlungerte, aber wir sollen glauben, dass es in diesem nicht so einen Stift geben soll?
Also wie gesagt, ich weiss nicht. Letztendlich sind die Bilder ja schoen, aber ueberteuerte Kunstdrucke zu kaufen und angelogen zu werden, ist halt nicht so prickelnd. Aber wenn die Geschichte tatsaechlich Show war, dann war es eine perfekte inszenierte mit sehr glaubwuerdigen Schauspielern.
Der Himmelstempel war in Ordnung. Das war der Ort, an dem der Kaiser frueher einmal im Jahr dem Himmel geopfert hat, um fuer eine gute Ernte zu bitten. Eine riesige Parkanlage mit einigen Tempeln und Gebaeuden. Interessant waren die aelteren Menschen, die sich die Zeit im Park mit Kartenspielen oder Musikinstrumenten vertreibten. Einer der aelteren Maennder setzte sich direkt von seinem Rollstuhl auf die Bruestung und begann damit seine Mundorgel (im Ernst, das Geraet besass kleine Orgelpfeifen) zu spielen. Beim Weitergehen aber zweifelte ich an seiner Rollstuhlgebundenheit, weil er aufstand und sich an der Saeule zu dehnen begann.
Der Hoehepunkt des Tages jedoch war der Houhai District, einem Gebiet um einen See gelgen, dass sich zum Szeneviertel mit Bars, Discotheken und kleinen Laedelchen entwickelt hat. Eine so unglaublich schoene und coole Gegend! Alles ist bunt, verpackt in Gebaeuden mit altem Stil, der See liegt zur einen Seite, Bars mit Sofas vor der Tuer auf der anderen. In 3/4 der Bars spielen Bands Livemusik, man kann teilweise auf dem Dach sitzen und im hinteren Bereich gibt es Souvenirlaeden, die jedoch nicht den normalen Plunder anbieten, sondern zum Teil selbstgemachte, individuelle Kleinigkeiten und das zudem zu angemessenen Preisen. Vor allem Jonathan war nicht mehr zu halten und gab so gut wie sein ganzen restliches Geld aus. Schmuck fuer die Freundin, Tshirts, Postkarten, Schachspiel etc etc fuer ihn. Fuer einen Siegelstempel, konnte ich mich jedoch auch begeistern. Siegelstempel haben in China eine Jahrhunderte alte Tradition. Fuer nur 45Kuai liess ich mir meinen chinesischen Namen auf so einen ritzen, der auf der Oberseite einen kleinen Tiger besass - mein Symbol im chinesischen Horoskop. Jonathan war danach aber immer noch nicht so bremsen. Deswegen nennt er nun einen gruenen Laserpointer sein eigen. Aber hey, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so einen starken gesehn. Alles bisherige verpufft im Nichts. Ich bin immernoch ueberwaeltigt von der Reichweite, wenn ich an diese denke. Gleichzeitig erschreckt mich es, wenn ich mir vorstelle, diesen ins Auge zu kriegen!
Nachdem wir ungefaehr acht Taxifahrer fragen mussten, ob sie den Weg kannten oder ob sie uns fahren wuerden, wurden wir endlich nach Hause gebracht.