Dienstag, 5. Januar 2010
Hong Kong bis zum bitteren Ende (29.12.09 - 02.01.10)
Die Zeiten bei Tag waren einfach zu kurz und die Motivation auch nicht die allergrößte, weswegen ich mittlerweile schon zu Hause in Deutschland bin und die Tage in Hong Kong immer noch nicht verfasst habe. Mein Zimmer sieht durch das ganze noch nicht weggeräumte Gepäck aus wie ein Saustall und die Motivation ist auch nicht viel größer ^^.

Naja, Hong Kong...mal schauen, was mein geschädigtes Gedächtnis noch auf die Reihe kriegt. Auf alle Fälle eine beeindruckende Stadt, von der es noch sehr viel zu sehen gibt. Wir wanderten in unseren 4-5 Tagen nur auf Hong Kong Island (der eigentlichen Insel) und Kowloon (der erste Teil auf dem Festland) umher. Auffallend auf der Insel ist die sehr dichte Gedrängtheit der Hochhäuser. Die Straßen sind sehr schmal und winden sich den Berg entlang und zwischen den Gebäuden. Vor allem in den Doppeldeckerbussen des öffentlichen Stadtverkehrs ist es spannend dort zu fahren. Doch trotz der Enge ist der Straßenverkehr weniger stressig als auf dem Festland. Es wird nicht gehupt und an Fußgängerüberwegen wird für Fußgänger angehalten! Generell geht es in Hong Kong weit aus zivilisierter zu: es wird nicht gespuckt, geschrieen und der Müll nicht einfach auf die Straße geschmissen. Die Schattenseite dieses Spaßes ist aber der preisliche Unterschied zu Festlandchina. Hong Kong ist teuer, in manchen Bereichen gleichzusetzen mit Deutschland. Anstatt 10 oder 20ct kosten hier Busfahrten bis zu 4Eur. Ein Bier in der Bar? 5,60Eur nichts besonderes.


Bis 1997 war der "Duftende Hafen" (Übersetzung des Stadtnamens) unter britischer Krone. Seither ist die Stadt eine Sonderverwaltungszone mit hoher Autonomie (eigene Gesetze, Zoll, Währung), wobei sich Peking dennoch in den wichtigeren Dingen einmischt.Das besiedelbare Territorium Hongkongs gehört, nach Monaco mit rund 16000 Personen pro km², zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. Amtssprachen sind Englisch und Kantonesisch, wodurch es ohne Probleme möglich ist Jahre hier zu leben ohne ein Wort Chinesisch können zu müssen. Das macht die Stadt interessant für alle Ausländer, aber gefährlich für diese, die eigentlich Chinesisch lernen wollten. Doch auch ich hatte meine Problemchen, denn Mandarin wird zwar verstanden, aber wenn sich zwei Hong Konger unterhalten ist es Kantonesisch (andere Aussprache, Grammatik und Silben) und auch Lesen brachte mich nicht viel weiter, weil alle Schriftzeichen in der traditionellen Form geschrieben werden. Wenn man aber nur Kurzzeichen lernt, bleibt einem der Sinn oft verborgen. Deswegen sprach auch ich die meiste Englisch.

Hong Kong ist bunt, schnelllebig und mit allen Dingen der westlichen Welt ausgestattet. Man findet alle Marken auf den Straßen, die von ausländischen Firmen überseht sind. In den Bardistrikten Lan Kwai Fong oder Wan Chai trifft man mehr Ausländer als Einheimische.
Übernachtet haben Hilde und ich, wie gesagt, bei Johannes, einem Freund aus Freiburg. Da sein Mitbewohner weg war, gab es Platz für zwei Matratzen. Sehr praktisch, weil man dadurch immer gleich zusammen weg konnte und auch der Preis von 3,30EUR ist für Hong Kong rekordverdächtig! Nur das Betreten des Studentenwohnheimes war immer ein leichtes Problem, weil man immer einen Bewohner brauchte, der einen Gast miteintrug und nach 23Uhr war es Johannes nicht gestattet ein Mädel mitzubringen. Aber durch gute Kontakte mit der Rezeptionistin klappte es immer, auch wenn er zwei Leute gleichzeitig mitbrachte oder ich alleine nachts nach Hause kam.
Von der Stadt habe ich bis auf Central (dem Finanzviertel), Wan Chai (Barviertel), Meng Kok (Einkaufen), Kowloon (inkl. Sicht auf die Skyline) nichts gesehen. Wir wollten zwar zum Pferderennen am Mi Abend, aber seltsamerweise fiel es aus und wir standen vor einem dunklen Stadion. Wegen dem schlechten Wetter und dem Nebel fiel auch der Besuch des Victoria Peak aus oder der Gang zum Strand. Es gibt auf jeden Fall noch genug Dinge zu unternehmen, die einen weiteren Besuch lohnen. Dafür kosteten wir das Nachtleben umso intensiver aus. Bis auf den ersten Abend, an dem wir nur ins Kino gingen (Sherlock Holmes) und dem letzten bin ich jeden Tag erst um 6 oder 7 Uhr morgens ins Bett gegangen. Mi Abend Ladys Night in Wan Chai: Frauen bekommen Getränke in den Bars umsonst. Sehr geiler Abend. Ich hatte das Glück in einer Bar mit gemischter Musik zu landen, in der sogar Oldies liefen! Selbst die Konkurrenz der vielen Ausländer war kein Problem. Ich sag nur ausgiebiges Tanzen mit Cynthia oder "Bist du schwul?". Beendet wurde der Streifzug mit einem Besuch eines Dim Sum Restaurants, welches tatsächlich erst um 3Uhr nachts seine Türen öffnet und sie am Nachmittag wieder schließt.
Silvester war auch lustig. Wir aßen zwar gemütlich Japanisch zuerst, waren dann aber so spät dran, dass wir nicht mehr zur Promenade vorkamen, die wegen den Massen abgeriegelt war. Deswegen schlossen wir uns den tausenden von Menschen an, die hektisch und unruhig durch die Straßen liefen, mit der Hoffnung irgendwo eine akzeptable Sicht auf die Hochhäuser am gegenüberliegenden Ufer zu erhaschen. Von dort oben wurden nämlich die Raketen abgefeuert. Auch unsere Lügengeschichten (wir hätten eine Tischreservierung) halfen uns nicht weiter, aber wir fanden am Ende doch noch einen Platz. Dass wir die letzte Null der Zahl 2010 auf dem Hochhaus nicht sehen konnten, war schnell vergessen. Selbst meine fehlende Jacke, die ich auf Anratens John/Can (Zimmernachbar von Johannes) zu Hause ließ, weil es warm sei, war in dem dichten Gedränge nicht so schlimm. Ein riesen Act also und für was? Für eine Lichtershow von weniger als 5min. Keine einzige richtige Rakete wurde abgeschossen. Sie Show war zwar super, keine Frage, aber für Hong Kong hatte ich mehr erwartet. Doch trotz dem Jähen Ende war es ein Heidenspaß lauthals "Happy New Year" zu rufen und mit wildfremden Leuten Fotos zu machen. In dieser Weise zogen die Massen daraufhin in die Stadt in Richtung Diskotheken und Bars. Für das vollständige Glück brauchten wir nur noch Bier, welches man im 7 Eleven (einem Supermarkt, von dem es in Hong Kong über 400 Filialen gibt!!) ohne Probleme kriegt, aber nicht, wenn die Polizeit die Straße abgesperrt hat. Ihre Überpräsenz verhinderte, dass wir einach über die Barrikaden sprangen. Deswegen spornten wir die Verkäuferin an uns die Dosen zu kaufen und hinterher rüber zu werfen. Der Ruhm der anderen Leute war uns sicher, aber der Polizei gefiel unser Vorhaben gar nicht und nur mit Glück durfte die Verkäuferin die Schranke durchbrechen und uns die Biere überreichen. Denn diesen Dienst wollten die Polizisten doch nicht übernehmen ^^. Gestärkt ging es danach nach Lan Kwai Fong und zum Mc Donalds aufs Klo (doch diese Idee hatten auch andere. Dementsprechend lang die Schlange und widerwertig die Einrichtung). Alle Bars und Straßen waren proppenvoll, überall wurde gefeiert und getanzt. Meine letzte Bar wurde erreicht, als mir ein Mädel unerwartet um den Hals fiel und mich in Deutsch fragte, ob ich deutsch sei. Es stellte sich heraus, dass sie Deutschland liebe, was sie mir tatkräftig unter Beweis stellte. Ich blieb den restlichen Abend bei ihrer durchgeknallten Gruppe, zu der sich später auch weitere Deutsche dazu gesellten. Ein mega verrückter Abend, anders nicht zu beschreiben. Um 6Uhr ging ich nach Hause und fand sogar, zu meiner eigenen, großen Überraschung, einen Bus und ersparte mir die teure Taxifahrt.
Nachdem wir wieder bis 14:30Uhr schliefen, blieb wieder nicht fiel vom Tag. Wir spazierten lediglich mit der Chinesin vom Vorabend durch die Stadt. Erst am letzten Tag, nur wenige Stunden vor dem Abflug, fiel mir ein, dass ich gerne ein original KLeidungsstück aus Hong Kong als Erinnerung wollte. Deswegen fuhren wir noch um 12Uhr nach Meng Kok, um vor 16Uhr irgendwas zu finden. Chinesische Rockmusik als MP3 fand ich zwar nicht, aber ich hab mir ein weiß-schwarzes, kariertes Hemd gekauft mit aufgeknöpfter Kapuze. Leider teurer als erwartet, aber ganz ohne was wollte ich nicht wieder zurück. Naja, ob es mir gefällt oder nicht, ist noch nicht so ganz klar. Ich muss mich noch dran gewöhnen ;).
Aber dann war es auch schon wieder vorbei. Um 16:30Uhr fuhr ich zum Flughafen und ließ mir bei chinesischer Musik nochmal den ganzen Urlaub durch den Kopf gehen. Ich wäre gerne länger geblieben. Es war seltsam zurückzufahren und zu wissen, dass es einem nach nur 5min zu Hause so vorkommen wird, als sei man nie weg gewesen. Ich freute mich zwar schon auf die Menschen zu Hause, aber ich hätte trotzdem gerne noch etwas mehr von dem Leben in Hong Kong ausgekostet. Nicht einmal die Sonne hat geschienen, obwohl wir uns auf Hainan noch ausmalten wie schön warm es sein wird und welche kurzen Klamotten wir tragen würden. Stattdessen zog ich die Jacke nur selten aus, weil der Wind so stark und kühl war. Aber um ehrlich zu sein glaube ich, dass ich vor allem wegen der bevorstehenden Arbeit nicht zurück wollte. Zum ersten wegen dem Forschungsbericht und dann der darauf folgenden Bachelor-Arbeit. Naja und dann das ganze Theater mit dem Leistungsnachweis, Bafög, Auslandsbafög etc...
Der Rückflug dauerte lange (9h nach Doha, 2h später in 6,5h nach Frankfurt), aber Qatar Airways stellte sich als luxoriöse und komfortable Airline heraus mit einem überragenden Angebot an Filmen. Ich hatte sogar Glück, nur 3h nach meiner Ankunft kreisten 30 Flugzeuge über Frankfurt, die wegen Schneeverwehungen nicht landen konnten. Dafür hatten alle meine Züge Verspätung. Doch diese ein paar Stunden mehr machten den Gaul dann auch nicht mehr Fett, außerdem vertrieb ich mir die Zeit mit einer Russin und einem Amerikaner, die ich auf dem Bahnsteig kennen lernte. Das letzte erwähnenswerte auf diese Rückreise war eine junge Nepalesin, die im Flugzeug neben mir saß. Sie war dabei ein Jahr in Deutschland Au-Pair zu machen, lernte daher seit 3 Monaten unsere Sprache, war aber sichtlich froh darüber, dass ich ihr half, da sie noch nie im Ausland und auch noch nie geflogen war. Alles eigentlich recht Routine, bis sie nervös wurde, weil ihre Gasteltern Verspätung hatten und sie nicht wusste, was los war. Sie hatten aber deren Telefonnummer, wodurch ich mit einem geliehenen Handy diese anrufen konnte. Es stellte sich heraus, dass der Vater seit 3h im Stau festsaß und schon versucht wurde das Mädel ausrufen zu lassen. Ich erhielt daraufhin den Auftrag das Mädel in ein Taxi zu stecken und den Fahrer zu einer Raststätte zu schicken, bei der der Vater auf sie warten würde. Sichtlich dankbar und erleichtert verabschiedete sich das Mädel von mir. Im Nachhinein wurde mir klar, wie viel Glück das Mädel hatte, dass ich da war. Denn sonst wäre sie mehrere Stunden allein auf dem Flughafen gesessen, ohne zu wissen, was los sei.

Nun bin ich also wieder in Deutschland. Wären nicht die Bilder oder Facebook bzw. QQ, könnte ich meinen, dass der ganze Aufenthalt nur ein Traum war. Ich genieße nun hier ein paar Tage im verschneiten Ostelsheim und werde dann am 7.1. rum nach Freiburg fahren. Irgendwann diesen Monat werde ich noch mein persönliches Bewerbungsgespräch haben, welches entscheiden wird, ob ich das Jahresstipendium für Nanjing bekomme. Während des Urlaubes war mir noch nicht ganz klar, in wie weit ich für ein Jahr in China bleiben wolle, zwar reizte mich die Vorstellung, aber Respekt hatte ich trotzdem davor. Mittlerweile bin ich mir aber sicher, dass ich es möchte. Vor allem möchte ich meine Freunde in Qingdao besuchen und dann vielleicht nochmal nach Hong Kong reisen. Urlaubstechnisch möchte ich das nächste Mal in den Norden Yunnans und die Tigersprungschlucht und die dortigen Berge bewandern.
Wir werden sehen, was passiert. In Notfall gäbe es noch das Selbst-Zahler-Programm, bei dem ich wenigstens die Studiengebühren erstattet bekäme. Aber auf alle Fälle werde ich wieder einen Blog schreiben. Auch wenn ich bei diesem dann (wegen der Länge des Aufenthaltes) noch mehr auf die Länge meiner Texte achten muss ;-).