Obwohl wir recht müde im neuen Hostel ankamen und ich verärgert über die matratzenlosen Betten war (Seitenschläfer haben's schließlich nicht so leicht!), zogen Huw und ich nach einer erfrischenden Dusche noch los, auch wenn ich gerne etwas anderes als meine Trekkinghose und halb-frisches (hört sich besser an als halb-stickend ;) angezogen hätte. Obwohl Sonntag Abend waren die Diskotheken gut besucht. Unsere erste Anlaufstation verließen wir aber wieder sofort nach der ersten Dose Bier (jawohl, alles andere war unbezahlbar). Nicht, dass der Club oder die Musik schlecht gewesen wäre. Aber jedem, dem der Begriff "Sausage-Party" etwas sagt, wird wissen, was ich meine. Das ganze wurde von unserer einzigen Bekanntschaft an dieser Location getoppt: einem schwulen Thailänder (obwohl ich mir ehrlich gesagt lange nicht sicher war, ob er nicht doch eine Frau, mit halt ganz ganz flachen Brüsten war), der zwar sehr nett war, aber eben nicht die Bekanntschaft darstellte, die wir uns beide erhofften. Deswegen fragten wir andere nach einer anderen Möglichkeit und folgtem dem Rad eines Typen. Wir hielten letztlich vor einem völlig ruhig und still liegendem Hotel an. Auf meine Frage, wo man hier denn bitte tanzen könnte, antwortete der Taxifahrer, dass es in dem Hotel eine Bar gebe, die aber schon geschlossen hätte. Ja und wieso sind wir dann hier? Tja, das wisse er auch nicht... -_- was soll ich dazu noch sagen?! Glücklicherweise gab es gleich um's Eck dann doch noch eine Disko. Härterer Techno, aber weniger Schickimicki mit Tischchen und einer richtigen Tanzfläche. Mit einem noch kurz davor reingepfiffenem Sellerie-Schnaps (sei gut für die Gesundheit und schmeckt weniger schrecklich wie Baijiu) ging es auf die Tanzfläche. Unsere anfängliche Vermutung, dass der Großteil der Mädels mit ihren Typen unterwegs sei, wurde schnell widerlegt und wir sahen uns tanzend in der Mitte von fünf grölenden Mädels wieder. Wir waren die Stars da drin, anders kann man es nicht bezeichnen. Vor allem drei von ihnen war dermaßen offensiv, was völlig untypisch für chinesische Mädchen ist. Huw scheint es gefallen zu haben, aber mir war der hyperaktiv zappelnde Zwerg vor mir etwas zu viel und suchte das Weite. Zu zweit tanzen ist ja ok, aber ich bin der Meinung, dass man 160 BPM nicht in der selben Geschwindigkeit tanzen muss. Meine Versuche sich etwas langsamer zu bewegen wurde mit dem Andocken einer Hand an meine Hüfte und dem anschließenden wilden Hin-und-Her-Schwingen beantwortet. Äähm, wo war nochmal das Klo? Ich bin gleich wieder da... . Geblickt hat sie es aber nicht. Wenig später klebte sie wieder an mir. Doch Huch, was war das denn. Wer tanzt denn auf einmal direkt hintermir und schloss mich somit wie ein Sandwich ein (so einen Abend hatte ich bis dahin wirklich noch nie erlebt), ich hoffe keine Schabrake?! Glücklicherweise nicht, sondern ein etwas schüchterneres Mädel, dass mir schon voher aufgefallen war. Dankend nutzte ich die Gelegenheit und widmete meine weitere Aumerksamkeit nur noch der spontanen Überraschung von hinten.
Bis zum Abend, an dem wir uns nochmal mit unseren Trekking-Freunden trafen, um Bilder auszutauschen, verbrachten wir den Tag mit Lesen und der Suche nach einem gemütlichen Sitzplatz. Obwohl es genügend Parkanlagen gibt, ist es in China aber einfach unmöglich Sitzgelegenheiten mit Lehne zu finden. Was uns dann irgendwann zu blöd wurde und wir einfach länger im Restaurant sitzten. Wir verstanden uns immernoch so gut mit unserer Reisegruppe, weswegen wir die Nacht in der Disko des vorabends ausklingen ließen. Erst am Abend des Folgetages, fuhren wir zurück nach Kunming. Abends um 20Uhr los, 6Uhr in Kunming ankommend, 10.40Uhr Flieger nach Hainan. Vorher jedoch noch eine 70 minütige Fußmassage für 50RMB in einem Studio, in dem Blinde arbeiten. Aber wo diese gewesen sein sollen, weiß der Himmel. Die Masserinnen in unserem Zimmer waren es aber sicherlich nicht. Genausowenig der dicke Chinese, der schnarchend und stöhnend neben mir in seinem Sitz pennte. Leider waren die Busse dieses Mal wieder älter und unbequem, außerdem wurden wir ganze zwei Mal von Grenzern kontrolliert.
In Kunming angekommen konnten wir noch nicht mal in Ruhe aufwachen und vor die Türe, als wir schon im Bus selbst von wild umherrufenden Männern überrannt wurden, die ankommende Gäste in alle Richtungen der Stadt weiterverladen wollten. Nur mit starkem Ignorieren und Abwimmeln, gelang uns der Weg ins Freie. Kunming war jedoch kalt, zu kalt für unseren Geschmack. Außerdem stand uns eine einstündige Busfahrt und Spaziergang zum Hostel bevor. Dank meiner grandiosen Fähigkeiten als kurzsichtiger Falke, liefen wir zuerst im Kreis, bevor wir die richtige Richtung zum Hostel einschlugen. Zu meiner Verteidigung sich die Straßen aber kreuz und quer und angereichert mit Sackgassen. Außerdem besaßen wir nur eine grobe und ungenaue Karte der Gegend!
Wenigtens klappte der Rest des Tages. Wir flogen 1,5h nach Haikou, der größten Stadt der Insel Hainan und fanden eine Unterkunft in einem günstigen Lüguan (das Hostel um die Ecke war schon voll). In diesem Sitz ich nun und schreibe endlich die Erinnerungen der letzten Tage auf. Bis gerade eben planten wir unsere Weiterreise, die vor allem aus Sanya besteht. Der südlichsten Stadt hier, bekannt für seine Sandstrände und Parties. Yiha, wir kommen. Endlich hat auch unsere Sommerkleidung wieder ihren angestammten Platz! 25°C zeigt hier ungefähr das Thermometer. Einziger Vermutstropfen sind die Moskitos in unserem Zimmer. Ich hab' schon ca. 30 von ihnen erschlagen und meine Theorie ist ja, dass sie irgendwann alle tod sein müssen. Aber obwohl alle Fenster geschlossen sind, tauchen immer wieder neue auf. Ich weiß beim besten Willen nicht woher.
Dschungel-Trekking (Fr,18. - So,20.12.09)
Der autonome Bezirk Xishuangbanna liegt im Süden der Provinz Yunnan und grenzt an die Staaten Myanmar und Laos. Die meisten der Einwohner gehören der Minderheit der Dai an, in dessen Sprache der Name die "zwölftausend Reisfelder" bedeutet. Die Dai besitzen eine eigene Sprache und Schrift, wobei der Begriff eher eine Sammelbezeichnung für mehrere eng verwandte Thai-Völker ist. Dementsprechend und wohl wegen der Nähe zu den Nachbarländern, wird Xishuangbanna auch als "Klein-Thailand" bezeichnet. Dieser Unterschied fällt auch sofort ins Auge. Nicht nur, weil die Straßen von langen Palmen-Alleen gesäumt sind, sondern vor allem an den Ornamenten und Einzelheiten der Gebäude und Architektur, die so gar nicht dem restlichen China gleichen. Hauptstadt der Provinz ist das am Mekong Fluss gelegene Jinghong mit 380.000 Einwohnern. Nach einer äußerst entpannten Schlafbusfahrt (es waren brandneue Busse mit körpergeformten Betten und Schuhausziehpflicht) kamen wir in genau dieser Stadt an, von wo aus wir die Umgebung erkunden wollten. Nach einer etwas langen und erfolglosen Suche einer bestimmten Unterkunft, nisteten wir uns letztendlich in einem zur Universität gehörenden Hotel ein. Zur Bestimmung unserer Weiterreise durchforsteten wir den Rest des Tages Informationsordner mehrerer Cafes und standen vor der Wahl einer geführten Tour (200-250RMB pro Tag und Person) oder selbstorganisierten Touren. Vor allem des Geldes wegen, überlegten wir lange, ob es das wert wäre. 750RMB für eine 3-Tagestour ist in China eine Menge Geld. Wir ließen die Pläne erstmal auf sich beruhen und entschieden uns für einen weiteren Faullenztag, den wir mit einem Spaziergang durch den Campus und Tischtennis spielen mit Einheimischen begannen. Auf Grund dieser Entscheidung wollten wir gerade den 20Uhr Termin mit dem Besitzer des Cafes Mekong absagen, als uns dessen Frau fragte, ob wir, zum Preis von 600RMB, mit 5 anderen diese 3-Tagestour mitachen wollten. Und so wurde unser Abhängtag kurzerhand in eine Trekkingtour verwandelt.
9 Uhr ging es mit dem Bus los und Richtung Xiding, von wo wir aus ins ca. 30km enternte Bada aufmachten. Unser Führer war (Ai) Ni Pa, der am Dienstag geborene zweite Sohn (korrekte Übersetzung seines Namens). Seit 4 Jahren führt dieser der Bulang Minderheit angehörige Mann Touren durch die Region seines Heimatdorfes. Der Rest unserer Gruppe bestand aus dem Australier Huw und den Spaniern Serjo, Christina, Dave und Maya. Eine äußerst harmonische und lustige Gruppe. Gesprochen wurde Englisch. Unter perfektem Sonnenschein und leichtem Gepäck, ging es von der Busstation hinein in den Wald. Von wahrer Wildnis konnte man aber nicht sprechen, da die Hänge fast durchgängig von Menschen kultiviert wurden, was aber kein Nachteil sein muss und dem Erlebnis keinen Verdruss bereitete. Insgesamt betrachtet führte uns unser Weg vorbei an Dörfern der Bulang oder Hani, mit Bambus und Farn übersäten Wäldern und großen Ebenen mit Reis-, Zuckerrohr oder Teefeldern. Vor allem der teure und berühmte Pu-Er-Tee wird in dieser Region gepflanzt.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir in unserer ersten Herberge an. Einem Bauernhaus eines Bulang-Dorfes, versteckt in einem dicht bewaldetem Hang. Unser Aufenthalt glich einem Sprung zurück in die Vergangenheit. Bis auf moderne Annehmlichkeiten wie Telefon, Strom, TV, Motorräder und einem kleinen Dorfkiosk ist das Leben der Bulang nicht anders als vor 300 Jahren oder länger. Man wohnt in einem auf Stelzen gebauten Haus aus Holz (heute jedoch nicht mehr aus Bambus, sondern stabileren Sorten und mit Tonschindeln gedeckt), in dem darunter die Tiere wohnen. In der Mitte des großen Zimmers befindet sich eine Feuerstelle, an der gekocht, gewärmt und darüber Körbe etc. geräuchert werden. Man sitzt auf Holzhöckerchen oder auf dem Boden. Die Menschen laufen den Großteil des Tages, zwischen den frei umherlaufenden Schweinen und Hühnern, Barfuß. Und stetig traf man auch Hennen mit ihren piependen Kücken.
Obwohl es Fernseher und Satellitenanschluss gibt, treffen sich Freunde oder Verwandte trotzdem noch gerne abends am Feuer, um sich Geschichten zu erzählen, starken Tabak zu rauchen oder Alkohol zu trinken. So gewöhnten wir uns auch schnell daran, dass immer irgendwelche neuen Leute zu Besuch waren. Unser Abend war der gleichen Gestalt und trotz wehementen Bitten, mussten wir die selbstgedrehte, uns geschenkte Kippe der Oma rauchen. Unglaublich starkes Zeug, von der das alte Weib mehrere am Abend rauchte. Der größte Vorteil eines Guides war, dass er uns allerlei interessante Dinge erzählen konnte und natürlich unsere Fragen beantwortete. Von all' den Dingen, die wir über das Volk der Bulang lernten, ist vielleicht deren Begrüßung die interessanteste. Es gibt in ihrer Sprache und Art kein Equivalent zu einem einfachen "Hallo" oder "Ni Hao". Wenn man sich trifft, frägt man dem Gegenüber stattdessen eine Frage wie: "Wann bist du angekommen?", "Wohin gehst du?" oder "Was kochst du heute zum Essen?". Dabei ist es zweitrangig, ob man dabei die Wahrheit berichtet oder ob die Frage völlig sinnlos ist, weil man sie sich selbst beantworten kann. So ist es etwa nicht unüblich einen Holz auf einen Wagen ladenden Mann zu fragen, ob er gerade Holz auf einen Wagen laden würde.
Über kurz oder lang war es schließlich soweit und der Drang nach einem Klo wurde geweckt. Weil Klo in dieser Gegend gleich Natur bedeutet, machten wir uns schließlich mit Taschenlampen ausgerüstet in dessen Richtung auf. Wir hatten aber keine Lust so weit zu laufen, weswegen wir einfach in die Rinne neben der Straße pinkelten. Schließlich war es stockdunkel und um 23Uhr keiner mehr auf den Straßen. Hilde tat es uns gleich, verschwand jedoch noch kurz hinter einer Ecke. Kurze Zeit später kam sie errötet und geschockt aus ihre Versteck zurück. Denn natürlich musstes es ja so kommen, dass doch nicht alle in ihren Betten waren. Die vorbeilaufende Frau wunderte sich natürlich, was da dunkles am Boden kauerte. Sie musste aber nicht lange neugierig bleiben. Dank ihrer LED-Taschenlampe (eine weitere moderne Annehmlichkeit), die das sitzende Mädel mitten im Geschehen traf, blieb ihr kein Detail erspart. Da half auch das verdecken des Gesichtes, ein letztes Mittel, um die eigene Achtung zu bewahren, nicht fiel. Ob Huw und ich vielleicht etwas weniger darüber lachen hätten sollen? Wir konnten uns nicht zurückhalten. Aber im Angesicht des perfekten Sternenhimmels, war die Geschichte schnell wieder vergessen. Dass Leben auf dem Lande jedoch nur selten eine Idylle ist, mussten wir in der Nacht erleben. Auf bloßen Decken und Matten liegend, durften wir uns den Geräuschen von Mäusen, Schweinen, Hunden und schreienden Hähnen hingeben. Durch Ritzen und Löcher in dem Gebäude (in der Gegend wird es selten kälter als 18°C) bestens hörbar.
Verspannt und müde ging es am nächsten Morgen weiter. Das Wetter war super, nur machte sich mittlerweile mein linkes Knie bemerkbar, das sich bei jedem Schritt mit einem stechenden Schmerz bemerkbar machte. Ich konnte um der Tour und der Mitglieder willen nur hoffen, dass es nicht schlimmer würde. Das Tagespensum wurde von 8 auf 10km erhöht. Doch bis auf zwei anstrengende Berge wurde die Tour bei weitem nicht so anstrengend und hart, wie uns der Besitzer des Mekong Cafes glauben machen wollte. Um nicht auf Cola oder Yoghurt Getränke verzichten zu müssen, konnten wir uns in einem kleinen Dorfkiosk mit Nachschub versorgen. Während ich auf die anderen wartete, etdeckte ich einen kleinen, süßen Hund, der sich nach anfänglichem Zögern bereitwillig von mir streicheln ließ. Wie gut es ihm gefallen haben muss, merkte ich erst, als er nach wenigen Minuten Weiterlaufens hinter uns auftauchte und uns folgte. Am Anfang dachten wir ja noch, dass er schon bald wieder nach Hause ginge, schließlich war er kaum länger als 30cm. Aber der Kleine erwies sich als äußerst hartnäckig und folgte uns die komplette nächste Stunde. Egal wie steil oder unwegsam das Gelände war. Mein kleiner Freund tapste mutig uns hinterher. Es war beachtlich und wie er so mit den Schwierigkeiten seiner Größe kämpfte, hätte ich ihn nur zu gerne gestreichelt und dafür belohnt, aber dann wären wir ihn wohl nie wieder los geworden oder erst das nächste Dorf hätten ihn behalten. Doch das hätten mir die Besitzer vielleicht übel genommen. Vielleicht waren es ja sogar die zwei kleinen Mädchen am Kiosk-Stand, die schon weinend ihre Mutter fragten, wo denn ihr kleiner Hund sei. Erst der dritte Wegjagversuch unseres Guide war erfolgreich und ich sah den Racker nie wieder.
Unsere zweite Nacht verbrachten wir im Elternhaus unseres Führers. Die Wände der Häuser dieses Dorfes waren aber überwiegend mit Steinen gebaut und dementsprechend stabiler als ihre Verwandten. Und geschlafen wurde auf echten chinesischen Matratzen (zwar besser als bloße Matten, aber auch nicht viel), was eine erholsamere Nacht versprechen würde, wären da nicht auch hier die Tiere gewesen, die nervig und unentwegt mieauende Katze oder der Regenguss, der sich seinen Weg durch das undichte Dach auf unsere Köpfe suchte. Nur die Decke konnte uns vor dem Schwall retten. Noch vor Sonnenaufgang war auch an diesem Tag wieder die Nacht vorbei und ehe wir uns versahen war der Raum mit Bauarbeitern einer naheliegenden Baustelle gefüllt, die hier ihr Essen zu sich nahmen. Wenigstens hatten wir eine (owbohl Solarboiler doch nicht warme) Dusche. Eine Toilette außerhalb des Waldes gab es hier aber auch nicht. Obwohl ich es bis zur Heimreise unterdrücken wollte, musste ich in der Nacht vor dem zu Bett gehen mich mit einer Taschenlampe auf dem Weg machen. Aber wohin nur, der Weg bis zum Wald war mir zu weit. Also suchte ich, während ich den Sternenhimmel genoss, ein anderes Ruhes Plätzchen, um meine Notdurft zu verrichten. Ich wurde unterhalb der Hauptstraße, zwischen Büschen neben einer Baustelle, fündig. Doch ich zögerte, denn andauernd liefen doch noch irgendwelche Leute mit ihren Taschenlampen umher. Die Chance, dass an meinen Platz jemand hinkam, war zwar äußerst gering, aber wagen wollte ich es dann doch nicht. Natürlich lief niemand einen der zwei mich umschließenden Trampelpfade entlang, es blieben alle auf der Hauptstrecke. Solange bis ich mich endlich dazu durchringen konnte. Von einem nicht weit entfernten Haus ging Lärm aus und ich sah Lichtpunkte genau auf mein (gerade noch stilles) Örtchen zukommen. Nun aber Beeilung und zurück ins Haus. Ans Feuer setzten sich an dieser Nacht nur wenige, die meisten verzogen sich recht zeitig in ihre Betten.
Dritter und letzter Tag. 12km, ein Wasserfall, Hochzeit und Rückfahrt waren die Tagespunkte. 12km waren es garantiert nicht und wäre der steile Weg zum Wasserfall nicht gewesen, wäre die Wanderung tatsächlich eine Rentner-Tour, anstatt taffem Dschungel-Hiking. Der über ein stündige Abstieg am Hang hatte es aber in sich und aufmerksamlosen Dahinschlendern konnten wir uns nicht erlauben. Nicht wenn wir stoplern oder durch eines der tausenden Spinnennetze laufen wollten. Der ganze Himmel (und die Höhe dieses "Himmels" fing oft genauf bei meiner Kopfhöhe an) war voller großer und fetter Spinnen, die ihre wilden und vulominösen Netzkonstrukte webten, die oft einen Meter lang waren (deren Konstrukte sind keine zweidimensionalen Gebilde wie bei uns, sondern dehnen sich unkontrolliert in alle Richtungen aus). Ich fragte mich öfters, wer auf diese dumme Idee mit dem Wasserfall überhaupt gekommen ist. Glücklichweise aber lohnte es sich bei weitem. Uns erwartete ein tief im Gestrüp verborgener Wasserfall, bestehend aus fünf Ebenen. Höllisch auf die durch den Regenguss glitschigen Steine achtend, erklammen wir mehrere Ebenen und Huw und Serjo trauten sich sogar in dem Wasser schwimmen zu gehen. Von diesem unheimlich schönen Idyll ging es direkt zu einer Hochzeit, die zufällig an diesen Tagen stattfand. Mit 10-15RMB pro Person als Geschenk gingen wir zu der mit Menschen gnadenlos überfüllten Hütte. Ein heillosen Touwabou, in dem wir uns nicht lange als Fremdkörper vorkamen. Noch keinen Schritt in das eigentliche Zimmer gesetzt, wurden wir mit einem Tablett Zigaretten und Sonnenblumenkernen begrüßt. Im Festraum selbst wurde gelacht und gesungen. Jedem Gast wurden Unmengen an Essen, Alkohol und Zigaretten angeboten. Ruckkzuck fanden wir Freunde, die uns Kippen oder Alkohol andrehen wollten, den wir nicht immer abschlagen konnten. Nach etwas Bier und einem ganzen Pappbecher voll Baijiu später, begann der Alkohol zu wirken, dabei war kaum mehr als eine halbe Stunde vergangen. Wir konnten von Glück reden, dass unsere Zeit knapp war und wir schon wieder gehen mussten. Andernfalls wären wir wohl wie der Bräutigam geendet, dem es leider nicht zusteht ein Trinkangebot abzulehnen. Anders als die laufend kommend und gehenden Gäste (mehrere Hundert würden an mehreren Tagen die Hütte von innen sehen), würde er die Stellung halten müssen, solange ihn seine Beine tragen konnten. Nach meiner Einschätzung würde das aber nicht mehr lange passieren.
Um den letzten und einzigen Bus zurück nach Xiding zu erwischen, liefen wir nur noch 1-2h, bevor wir von einem Pickup mit offener Ladefläche eingesammelt wurden. Auf der Ladefläche stehend, brausten wir die Wege entlang und sammelten währenddessen lauter Kinder mit ein, deren an dieser Woche der zwei stündige Marsch zu ihrer Schule erspart blieb. Obwohl es eine coole Erfahrung war, waren wir dann doch froh unseren, trotz der warmen Temperaturen, dorchgefroreren Körper im nächsten Gefährt zu wärmen. Nach insgesamt 2h und einem weiteren Buswechsel waren wir am Abend wieder zurück in Jinghong und bezogen zusammen mit Huw unser neues Quartier in einem erst kürzlich eröffnetem Hostel.