Samstag, 12. Dezember 2009
Die Reisterassen von Yuanyang (bis Mi, 09.12.09)
Das Land östlich der Berge (so heißt die Provinz Shandong wörtlich übersetzt) habe ich nun endgültig hinter mir gelassen und befinde mich seit mehreren Tagen schon in der Provinz Yunnan, dem Land südlich der Wolken. Am letzten Sonntag kam unsere Gruppe von fünf in Kunming, der Hauptstadt der Provinz, an. Die Stadt liegt 1890m über dem Meeresspiegel und ist wie der Rest der Provinz von kulturellen Minoritäten geprägt. Von den Nationalität der Han, die im landesweiten Vergleich über 98% darstellen, gibt es hier weniger als 50%. Auf den Straßen sieht man dementsprechend viele Frauen in unterschiedlichen Trachten. Die Architektur ist unteschiedlich und die Hautfarbe sowieso viel dunkler als im Norden Chinas. Ein weiterer großer Unterschied von Kunming zu anderen Städten, die ich bisher gesehen habe, sind die vielen Pflanzen. Nicht nur, dass die Bewohner ihre Fensterbretter mit Grünem schmücken, auch in der Stadt selbst stehen Bäume an Bäume, die manchmal sogar höher als die Gebäude wachsen. Gerade durch diese Tatsache ist die Atmosphäre ungleich angenehmer. Auch grobmaschiger gesehen hat sich die Provinz Yunnan lange abgekapselt vom Rest des Reiches. Erst vor ca 500 Jahren konnten die Truppen des Khublai Khans die einheimischen Truppen besiegen. In den Jahrhunderten davor war Yunnan kein Teil Chinas und besaß auch noch nicht diesen Namen. Vor allem als Teil der südlichen Seidenstraße war die Region bekannt und wichtig.
Unsere Unterkunft das Cloudland, auf dessen Dachterasse ich auch jetzt gerade wieder sitze, befindet sich inmitten der Stadt und stellt für mich das Idealhostel schlechthin dar. Ein bunter und abwechselnder Trubel. Es wird Billard und Tischtennis gespielt. Nebenan sitzt man im gemütlichen Barbereich, hört Meditationsmusik, liest, surft im Internet, schaut DVDs oder bestellt sich etwas aus dem perfekten Angebot, welches neben chinesischen alle westlichen Genüsse anbietet und das zu fairen Preisen. Mein Lieblingsfrühstück ist ein Yoghurt Müsli mit ganzen Fruchstücken, dazu ein Glas frisch gepresster Orangensaft für insgesamt 25RMB. Bis auf die perfekten Schlafbereiche erscheinen die wild beschrifteten Wände und Einrichtung etwas heruntergekommen, aber das macht es insgesamt nur umso gemütlicher.

Da unsere drei Mitreisende (Hildes Schwester, deren Freund und noch ein Freund Hildes) in wenigen Tagen abreisen mussten, waren wir gezwungen einen recht straffen Zeitplan zu kreieren. Nach einer Nacht im Hostel, die mit zu den schlimmsten Nächten meines Lebens zählt (am Maß des Aufwachens wegen vieler verschiedener Dinge), fuhren wir mit einem privat gemieteten Bussle zu dem 80km entfernten Steinwald. Wegen dichtem Verkehr und schlechten Straßen brauchten wir ganze 2,5h. Eine schreckliche Fahrt, weil mir seit Morgengrauen leicht schwindelig, sowie schlecht war und ich Kopfweh hatte. Das alles wurde tagsüber auch nicht besser, sondern schlimmer. Obwohl der Steinwald wunderschön war, konnte ich ihn so nicht wirklich genießen und brach unser zielloses Umherwandern vorzeitig ab, um eine Apotheke zu finden und mich auszuruhen. Eine Apotheke fand ich sogar, ließ mir zwei chinesische Pflanzenpillen geben und legte ich mich auf eine Wiese zum Erholen.
Der Steinwald, um nochmal darauf zurück zu kommen, ist eine Ansammlung bizarrer nach oben gerichteter ?????????????? Karsgesteinsformationen. Durch dieses undurchsitige und labyrinthartige Gewirr gab es eine Menge an Wegen und Treppen, die man entlanggehen konnte. Wie an anderen chinesischen Touriorten beschränkten sich auch hier die Massen auf die Hauptwege, auf denen in Landestracht gekleidete Mitarbeiter Fotos schossen oder Tänze darboten. Sobald man also ein paar Schritte eine kleine Nebentreppe entlang ging, war man allein und konnte die Landschaft ungestört und vor allem ohne Gebrüll genießen.
Zurück nach Kunming ging es glücklicherweise schneller als zuvor. Wir ließen uns vorsichtshalber aber dennoch direkt am südlichen Busbahnhof rausschmeißen, damit wir garantiert den Nachtbus nach Yuanyang bekamen. Direkt nach dem Aussteigen wurden wir auch schon wieder von Fremden angesprochen, ob wir eben zu diesen Reisfeldern fahren wollen. Etwas perplex und weil wir sowieso in die selbe Richtung wollten, liefen wir mit ihnen mit. Diese paar älteren Frauen zeigten uns daraufhin einen Bus, welchen wir nehmen sollten und am besten gleich einsteigen. Das ganze war mal wieder eine typisch bizarre Chinaszene. Solche, aber sonst noch viel skuriläre und groteske, Dinge geschehen mir nur in China. Zurück zu dem Bus. Wir standen nun auf diesem riesigen Platz, umringt von ca 25 weiteren Bussen, hatten keine Orientierung, wo die eigentliche Tickethalle war und zweifelten dementsprechend an der Glaubwürdigkeit der Damen. Wieso ließen sie uns nicht einfach zur Tickethalle, dann würden wir schon sehen, was es für Busse gäbe. Erst auf Nachhacken und weiteren Fragen geleitete uns eine der Damen zur Halle. Und tatsächlich waren es die zwei richtigen Busse nach Yuanyang und auch die Info, dass es ausschließlich Liegewägen gäbe, war richtig. Nun also schnell Tickets geholt und ab zum Bus. Das Theater, dass wir lieber in den 30 Minuten früher fahrenden Bus, als in den, in welchen uns die Damen drängen wollten, hätten wir uns sparen können, wenn wir gewusst hätten, dass sie letztendlich doch gleichzeitig losfuhren -_- . Prinzipiell war nun also alles geklärt, wäre die eine Dame nicht auf mich zugekommen, um zu erklären, dass wir ja nun einigen Service dieser älteren Damen in Anspruch genommen hätten, der eine kleine Servicegebühr bedingen würde. Schließlich hätten sie uns von draußen in den Busbahnhof gebracht und uns alles gezeigt. Halloooo? Geht's noch? Wär hat den danach gefragt? Erstens wussen wir selbst, wohin es geht und außerdem drängten die sich uns ja auf. Unglaublich... . 30RMB wollten sie, die ich lachend abschlug und meine Gründe darlegte. Das Problem war nur, fand ich, diese zu sechst sitzende Gruppe, auf die wir zum Einen während der Busfahrt angewiesen waren und der grimmig dreinblickende Mann, der sich während unserer Diskussion erhob. Ich war mir nicht sicher, wie klug es war diese Menschen missgestimmt zu machen. Hätte ich einfach gehen können, kein Problem, aber in diesem Fall kam es mir sinnvoller vor auf die 15RMB zu scheißen und auf Harmonie zu setzen. Da noch etwas Zeit blieb, gingen wir noch vor den Toren etwas essen und einkaufen. Als wir zurückkamen, begrüßte uns die nächste Gestalt. Ein freundlicher, etwas jüngerer Chinese, der sofort wusste wohin wir wollten und sich als der Besitzer des Busses vorstellte. Da wir, wenn möglich, eher die vorderen Liegen und nicht die unteren, die manchmal als Bänke missbraucht werden können wollte, setzte sich der Busbesitzer für uns ein und erklärte alles. Ein Einzelbett jedoch wäre nur gegen Aufpreis von 20RMB möglich, denn eigentlich sei es schon von Chinesen reserviert. Irgendwie erschien es doch seltsam, weil sich seine Infos mit denen von vor zwei Stunden nur teilweise deckten. Außerdem hätte ich es spätestens nach der nächsten Szene blicken sollen. Eine Frau, mit der wir schon vorhin einiges besprachen und die uns die Servicegebühr der Damen erklärte, kam in den Bus und stauchte, nach kurzer Situationsprüfung, den anscheinenden Busbesitzer an. Dieser zuckte zusammen, kuschte und entschuldigte sich mehrmals. Aus Angst aber, dass die Geschichte mit den belegten Betten wirklich stimmte und ich dem Andi eine beschissene Nacht ersparen wollte, gab ich dem Mann doch noch das Geld, welches er kurze Zeit später wieder forderte. Harmonie und Problemvermeidung in allen Ehren, aber dennoch nicht blind und es mal darauf ankommen lassen. Keine Ahnung, wer dieser Typ nun eigentlich war. Im Endeffekt war der halbe Bus leer und diese eine Frau war die eigentliche Busbesitzerin. Finanziell ein wenig ärmer, aber wenigstens an Erfahrung reicher.

Durch die wenig verkauften Plätze, hatten wir somit eine recht große Auswahl und zogen deswegen auf die Fünferbank ganz hinten im Bus, weil meine Begleiter Uno spielen wollten. Da ich aber sowieso nicht mitspielen konnte (weil mir auch sonst schlecht werden würde) und ich eher schlafen wollte, verkroch ich mich auf ein Doppelbett im vorderen Teil des Busses. Anstatt 7h, wie angenommen, standen uns nun 10h Busfahrt auf holperigen Straßen bevor, die wir mit Jacken oder mit widerlichen Decken zu überstehen versuchten. Vor allem die dauergeöffneten Fenster hätten sich manche Mitfahrer sparen können. Wenn ich doch wenigstens hätte schlafen können. Kennt ihr das, wenn man denkt, es seien mindestens 4h oder mehr vergangen, dabei waren es nur 1,5h oder so? Aus diesem Grund, wollte ich mir Schlaftabletten besorgen. Eine 24h Apotheke fand ich aber leider nicht, obwohl der Bus manchmal halbstündig anhielt, was auch die verlängerte Fahrtzeit erklärte. An einer dieser Pausen war es dann auch endgültig soweit und ich musste mich drei Mal übergeben. Ein absolut schreckliches Gefühl, aber wenigstens ging es mir hintermir besser.
Noch vor dem Morgengrauen, kamen wir in Xinjie an. Da der Busfahrer aber meine Fragen ignorierte, merkten wir erst nach gut einer halben Stunde, dass wir schon da waren und nicht nur Pause machten. Da ab diesem Zeitpunkt eh alles mehr oder weniger spontan ablaufen sollte, nahmen wir und drei weitere Ausländer, die wir im Bus kennen lernten, die Gelegenheit uns von einem Van zu einem Sonnenaufgangsausichtspunkt fahren zu lassen. Was sich im Nachhinein als völlig doof herausstellte. Der Platz war schön, keine Frage. Aber 30RMB bezahlen, um einen Sonnenaufgang anschauen zu dürfen? Unseret wegen hätten wir auch die Toiletten und befestigten Plattformen nicht gebraucht. Und die vielen sich aufdrängenden eierverkaufenden einheimischen Frauen, meistens mit Baby auf dem Rücken, waren auch eher unnötig. Für 1RMB sollte man ein Ei kaufen, egal wie viele man schon hatte. Wenigtens hier war mein Krankheitszustand eine gute Ausrede. Zudem stellte sich heraus, dass sich unser Hostel in dem nur wenige Höhenmeter tiefer gelegenen Dorf befand und wir somit den Ausblick inklusive gehabt hätten. Damit sich die Mietung eines halben Tages von 130RMB pro Fahrzeug doch noch lohnte, nutzen wir diese, um uns auf einen Markt in einem Dorf bringen zu lassen. Auffällig hier waren wieder die Trachten der Minoritäten, der prallen Sonne ausgesetzte Fleischtheken und die überall Riesen-Bong rauchenden Männer.

Unser Sunny Hostel befand sich am Rande des Dorfes, direkt an den Reisterassen. Auch um zu diesem zu kommen, musste man zu Fuß über frisch errichtete Wege oder Reisterassen balancieren. Die Unterkunft war schlicht, aber nett und ausreichend. Betreiber sehr freundlich und der Ausblick natürlich grandios. Insgesamt befand sich die ganze Gegend in regem Aufbruch in Richtung Tourismus. Überall wurden Häuser gebaut und Ausblicksplattformen oder schöne Wege errichtet. Mittlerweile war übrigens mein Zustand mit Durchfall komplettiert.
Nach dem 30RMB Sonnenuntergang ließen wir uns von unserem Fahrer in ein kleines Restaurant bringen. Ich erwähne es nur wegen einem Mann, der dort war, der sich viel mit uns unterhielt, den aber keiner verstand. Nicht etwa nur, weil er Dialekt sprach, sondern weil er komplett dicht war. Keine Ahnung ob es das Ergebnis von Alkohol oder den Bongs war, jedoch nuschelte und murmelte er ein Zeugs vor sich hin...sowas hab ich noch nicht erlebt. Ehrlich machte ich mir auch etwas Sorgen, weil er immer wieder Antworten erwartete und ich nicht wusste, wie er reagieren würde, wenn er sich verarscht oder ignoriert fühlt. Es ging aber alles gut. Zurück zum Hostel mussten wir natürlich wieder zu Fuß ab dem Parkplatz, doch vergaßen wir das fehlende Licht. Mit drei Taschenlampen mussten wir nun den teilweise steilen, ruschtig matschigen und schmalen Pfad zum Hostel entlang irren, immer mit der Angst gleich in ein Reisfeld zu rutschen. Ein kleines Abenteuer war es auf jeden Fall, für welches wir mit einem prall bedeckten Sternenhimmel belohnt wurden, den wir auf der Dachterasse vor unseren Zimmern genossen.

Am nächsten Morgen ging es mir glücklicherweise besser. Auch der Appetit war etwas zurückgekehrt. Den Vormittag, vor der Abreise, nutzen wir für einen ausgiebigen Spaziergang zwischen den Reisfeldern. Jeder einzelne Schritt musste gezielt und konzentriert gesetzt werden, weil man sonst in ein Reisfeldteich trat oder man die Dämme zerstörte. Es lohnte sich aber und zählte zu meinen Highlights. Man muss sich vorstellen, dass es dort tausende von Feldern gibt. Alle Hänge, egal wie steil, sind bedeckt mit den sich den natürlichen Gegebenheiten anpassenden Feldern. So geschwungen wie der Berg, so gewunden waren auch die Konturen der Felder. Die Kornkammer Chinas, die Millionen von Menschen ernährt.
Von Bada aus (Sonnenuntergangspunkt), zu dem wir 2h liefen, fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt. Hier wurde auch Mittaggegessen, weil uns die Auswahl des Hostels nicht allzu beindruckte. Es hätte wahrscheinlich wieder Ei mit Spiegelei, einem Ei, Omelette, Eierkuchen und Ei gegeben.
Obwohl es in Xinjie wieder richtige Apotheken gab, hatte niemand Schlafmittel im Angebot. Erst das Krankenhaus hatte schlafmittelartige Pillen, die Chris und ich unter Protest der Mädels kauften. Nachdem ich dem grinsenden Arzt meine Daten gab, ging ich mit dem Zettel zur Medikamentenausgabe. Dort wurden mir noch mehr Zettel gegeben, die ich am Gebühren- und Verwaltungsburü abgeben und bezahlen musste. Mit nun insgesamt fünf Zetteln ging ich zurück zur Medikamentenausgabe und bekam mein Tütchen Pillen. Obwohl es nur zwei sein sollten, war aber ein ganzer Haufen drin. Naja, kann nicht schaden, hab ja schließlich noch mehr Fahrten vor mir. Nun nur noch meine Kaputze an der Kasse abholen, welche die letzte Besitzerin dort abgab, weil ich sie im Bus liegen ließ und dann ab nach Hause. Natürlich mussten wir in dem hässlicheren und kaputteren der beiden Busse liegen und natürlich gab es nur noch die hinterste Bankreihe. Wenigstens zeigte die Schlaftablette Wirkung und ich wachte zwar oft auf, konnte aber immer wieder sofort einschlafen. Nach 7h Fahrt passierte es dann aber und unser Bus gab den Geist auf. Wir mussten auf Ersatzbusse warten, bei dem wir dann wieder ganz hinten, jedoch nur unten Platz fanden: die absolut schrecklichste Busfahrt meines Lebens. Es stank (nicht nur von den Bettdecken), es war kalt (ich lag am Fenster), was war laut, weil der Motor direkt unter uns lag und zudem vibrierte und wackelte unser Kopf im Takt des Motor. Achja und zu knapp in der Länge waren die Liegen sowieso. Nach insgesamt 12,5h waren wir erschöpft aber froh in Kunming angekommen.

PS: Bilder folgen hoffentlich bald. Mittlerweile ist es aber schon kurz vor zwei und ich bin zu muede dafuer.