Abschied (05.12.09)
Nun ist es aber wirklich vorbei. Mein letzter Tag in Qingdao ging zu Ende. Morgen um 6:30 steh ich auf und fahr zum 40min entfernten Flughafen, von dem aus es dann nach Shanghai und 13:45 weiter nach Kunming geht.
Am Donnerstag luden mich meine Gasteltern das letzte Mal zum Essen ein – Sichuan Küche, die bekannt ist für ihre Schärfe, aber auch ekelhaften Zutaten (die man aber glücklicherweise nicht bestellen muss). Wir gingen deswegen schon am Do essen, weil meine Gastmutter Angst hatte am Sa keine Zeit zu haben. Dummerweise vergaß ich jedoch eine lose Absprache mit zweien meiner Kolleginnen. Weil die Mutter von Lulu mir absagen musste und ich somit noch kein einziges Interview mit einem Elternteil hatte (abgesehen von den Fragebögen), wollte mir eine Kolleginn jemand organisieren. Ich verstand es so, dass die beiden eh einen Elternbesuch machen müssen und ich sie einfach begleiten könnte. Doch bis Mit meldeten sie sich nicht bei mir, weswegen ich davon ausging, dass es nicht klappen würde. Do Spätnachmittag kam natürlich die SMS mit der Aufforderung um 18Uhr in den Kindergarten zu kommen. Scheiße, was tun?! Meine Gastmutter kam extra früher von der Arbeit und es war sogar geplant den Sohn aus dem Unterricht zu holen. Ich hätte nicht mehr absagen können, ohne einen schlechten Eindruck und viel Wind hinterlassen zu haben. Blöderweise war die Gegenseite auch sauer auf mich, weil sich herausstellte, dass es keinen Elternbesuch ihrerseits gab, sondern sie lediglich als Gefallen mich begleitet hätten. Da ich Do gesagt hätte, sei schon alles abgemacht und ein Absagen wäre nicht so gut. Na toll, aber wieso sagt ihr mir auch nicht Bescheid. Blöd das ganze, vor allem, weil ich dieses Interview ja dringendst brauche. Den Mangel versuche ich durch die zwei heutigen Interviews zu kompensieren. Einmal meine Gastmutter und einmal ihre Freundin. Was jedoch eigentlich nicht erlaubt ist, weil ich Leute aus meinem Forschungsfeld nehmen sollte. Das Essen am Donnerstag war aber lecker, auch wenn der Sohn doch nicht kommen konnte und ich den Abend vielleicht doch verschieben hätte können. Von dort direkt ging ich weiter zu Wenwen, mit der zum neueröffneten Wanda Palace ging. Ähnlich einem Breuninger – viele Geschäfte, Essensmöglichkeiten, einer Spielhalle und in dem in Taidong beispielsweise noch einem Kino. Für nur 2Eur konnte man auch noch Rollschuhe fahren. Ein netter Abend, der in der darauffolgenden Nacht noch vertieft werden sollte. Am nächsten Tag ging ich nämlich erstmal noch mit meinen Ex-Kollegen Pizza essen. Obwohl die kleine Variante lediglich 18cm Durchmesser besaß und ziemlich mickrig aussah, war sie leckerer, als ich dachte. Doch in China sitzt man ja nicht einfach irgendwo und ist lediglich deren Speisen, sondern man kauft zwischendurch noch säckeweise Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse und hinterlässt personenweise kleine Bergchen auf den Tischen ^^. Leider konnte Han Zhi Hui, meine andere Gruppenkollegin dem Abend nicht beiwohnen, weil sie ihre Eltern besucht. Wenigstens sah ich sie noch am Morgen, als ich meine (selbstgeschriebenen) Praktikumszeugnisse zum Unterschreiben und Bestempeln abgab.
Nach dem Essen war eigentlich der Plan mit allen noch irgendwo hinzugehen, doch deren Motivation ging gegen Null. Wir schafften es nicht sie davon zu überzeugen, dass es gar nicht soo weit weg sei oder dass es noch früh genug sei, auch wenn sie wieder morgen um 9 am neuen Kindergarten sein sollen. Deswegen blieben wieder nur Wenwen und ich übrig und zockten was das Zeugs hält. In dieser Spielhallte bekam man bei manchen Automaten Wertmarken ausgespuckt, die man am Ende gegen Geschenke eintauschen kann. Natürlich braucht man Tausende, um wirklich gute Geschenke zu kriegen und der einzig wahre Grund ist die Zocker-Motivation/Gier zu steigern, um dadurch den Umsatz der Halle zu erhöhen. Klaro, wissen wir. Wir spielen trotzdem mit ^^. Und die Spielhallenpreise sind im Vergleich zu Europa ein Witz, von dem her. Glückmaschine um Glückmaschine, Geschlicklichkeitsgerät und Haudrauf-automat wurden geschändet, bis wir genügend Bons zusammen hatten, um Wenwen ein Abschiedsgeschenk einzulösen. Unsere Einschätzung war aber völlig untertrieben. Am Ende hatten wir so viel, dass ich mir auch noch eine Tasse aussuchen konnte. Eine Micky Maus Tasse mit einem Löffel, auf eine Erdbeere gedruckt ist. Schon ein bisschen mädchenhaft das Teil, aber ich versprech euch, dass es nichts besseres und gleichzeitig genauso nützliches gab, wenn man nicht gerade einen Spitzer genommen hätte. Hoffentlich find ich in einer anderen Stadt nochmal das gleiche Eis, wie in diesem Einkaufszentrum. Crepe-Teig, in dem man Eis, Sahne, Sauce und Fruchtstückchen packt. Hört sich geil an? Iss‘es auch!
Heute früh bin ich recht spät nach Hause gekommen. Nach einem ausgiebigen Schlaf, ging ich das letzte Mal mit Wenwen essen. Mit den richtigen Zutaten kann Hot Pot wirklich lecker sein, aber scharf muss er sein, definitiv. Um 14:30 begannen dann meine zwei letzten Interviews. Ich wollte eigentlich zwei getrennte haben, damit meine Gesamtstatistik der Forschung besser aussieht, aber ich rechnet nicht mit der Denkweise meiner Probanden, die kurzerhand beide auf dem Sofa saßen und auf meine Fragen warteten. Die Männer saßen derweilen rauchend am Tisch und der Sohn sträunerte langweilig durch die Zimmer, auf der Suche nach Kurzweil. Übrigens der gleiche Sohn, der mir damals im Restaurant die Löcher in den Bauch gefragt hat und vor ein paar Tagen mit seinen Eltern zu Besuch war, um daraufhin mein Zimmer zu belagern. Damit mein Bauch lochfrei blieb, war die einzige Alternative ihm meine PSP in die Hand zu drücken und zu hoffen, dass er die Klappe hielt. Einen Film konnte ich aber dennoch nicht schauen -_- .
Naja, vielleicht ist die Zusammenfassung so klar unterschieden, wodurch ich vortäuschen kann, dass es zwei Interviews sind, aber ich glaube nicht. Mittlerweile sind alle aus dem Haus. Ich hab eine Drachenfrucht als Abendessen verputzt und werde nun meine Sachen packen, bevor ich nochmal zu den Engländern (Helen, um genau zu sein) fahre. Diese hat sich einen Haufen chinesische Lieder von einem ihrer Schüler kopiert und nun erhoffe ich mir dadurch weitere schnelle und rockige Lieder. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben hab, aber der Großteil der chinesischem Musik ist einfach nur schnulzig. Es geht immer nur um Liebe, der in seichten, gleichklingenden Pop gepackt wird. Etwas schnellere oder fetzigere Lieder sind selten, zumindest hab ich bisher nur eine handvoll, weswegen mich die Möglichkeit hier reizt. Meine Gastmutter hat leider vergessen mir ein Stück Stoff zu geben, um meinen quietschenden Rucksack zum Schweigen zu bringen. Bis Kunming werd ich’s aber aushalten. Okok, jetzt hab‘ ich mich lange genug vorm Packen gedrückt. Die Ärmel hoch und los geht’s!
stefanreiss am 05. Dezember 09
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