Nur noch gut eine Woche im Kindergarten und zwei Wochen in Qingdao selbst. Langsam endet mein Aufenthalt hier mit Gewissheit und langsam werde ich auch schon etwas traurig darüber. Am Ende zurückblickend erscheint einem der Aufenthalt nun mal sehr kurz. Ich hab mich gut eingelebt hier. Hab meine präferierten Obstverkäufer, weiß wo ich meinen Bart stutzen lassen kann, wo es Sojamilch gibt und welche Eissorten lecker schmecken (doch Raum zum Probieren gibt es immer noch!) und kenne mehrere neue Leckereien in chinesischen Supermärkten. Das hört sich vielleicht lahm an, aber Neugierde und Entdeckerdrang können in China mit seinen skurrilen Zutaten und Zubereitungsweisen schnell verblassen. Sich aus der Masse die richtigen Produkte herauszupicken ist hier die Kunst und man baut mit der Zeit unweigerlich einen Stamm an erprobten und für gut befundenen Artikeln auf. Nicht zuletzt hab ich sehr viele nette Leute kennen gelernt und irgendwie ist es schade, diese erst sich im Aufblühen befindenden Freundschaften schon wieder zu verlassen und dabei zu denken, dass man sich vielleicht nie wieder sieht. Aber es bleibt ein dünnes Band erhalten, das Beziehungsnetz vergrößert sich und wer weiß, vielleicht treff ich den einen oder anderen irgendwann wieder einmal.
Der nahe Abflug bedeutet aber auch ein nahendes Ende meiner Forschung. Wobei es für mich alles andere als bald fertig anfühlt. Morgen werde ich mein nächstes Interview haben – ein Gruppeninterview mit drei Lehrerinnen (meine zwei sind nicht dabei, die haben kein Bock ^^). Und heute Abend noch muss ich einen Fragebogen erstellen, um ihn den Eltern der Kinder mitzugeben.
Ein anderes Thema. Ihr erinnert euch an den Chinesen von der Bushaltestelle? Nur einen oder zwei Tage nach der ersten Begegnung, und nach diesen fünf nicht entgegengenommenen Anrufen, rief er wieder an. Glücklicherweise war Wenwen gerade in der Nähe, die das Telefon entgegen nahm und ihm verkündete ich sei nicht da. Wie sehr hab ich mir doch gewünscht, ich würde ihn nicht wieder treffen, aber es war vergebens. Einen oder zwei Tage nach diesem Anruf, stehe ich an der Bushaltestelle und wer kommt um die Ecke? Er. Was soll ich nur tun? Meine Taktik bestand aus kurzen Antworten und wenig Augenkontakt. Nur soviel um respektvoll zu bleiben, aber nicht den Eindruck zu erwecken ich sei wahnsinnig erfreut. Dummerweise arbeitet er im Hotel direkt hinter der Bushaltestelle und hat jeden Tag um diese Uhrzeit Arbeitsschluss.
Direkt stellte er mir die Frage zumindest nicht, was mit dem Essen sei, aber indirekt, in der er fragte, ob ich zur Zeit sehr beschäftigt sei. „Ja, sehr. Für meine Forschung. Leute Fragen fragen, Bücher lesen und schreiben.“ Ich richtete meinen Blick wieder woanders hin. Plötzlich fiel im das Telefonat mit Wenwen ein und er fragte mich ob meine Freundin (in diesem Fall als feste gemeint) Chinesin sein. Und um meiner Taktik treu zu bleiben und ich auch keine Lust hatte ewig zu erklären wer sie sei, nickte ich. Kurz darauf kam mein Bus. Irgendwie tat er mir ja schon Leid, er war ja nur nett und würde sich bestimmt freuen, wenn ich zusagte. Aber naja, egal. Wenigstens ist es jetzt vorbei, hatte ich das Gefühl. Mittlerweile muss er‘s geblickt haben. Keine 5min nach diesen Gedanken kam eine SMS. Drei Mal dürft ihr raten von wem... „Hast du den nie Zeit? Ich möchte dich und deine Freundin zum Essen einladen, ok?“ Verdammt! Aber gleichzeitig super. Wenn schon essen, dann wenigstens nicht alleine. Also schrieb ich zurück, dass ich sie fragen würde. Traurigerweise stellte sich aber heraus, dass er werktags Abends nie Zeit hätte, weil er Arbeiten müsste. Tja und wir haben am Wochenende keine Zeit. So ein Pech aber auch, deswegen scheint die Sache doch schon wieder....gegessen zu sein (was’n Brüller -.- ) . Auch recht.
Im Kindergarten derweil läuft alles seinen geregelten Gang. Ich fühl mich sehr wohl, bin fauler als zu Zeiten, in denen ich mich noch beweisen wollte =P , esse mit meinen zwei Kolleginnen mitgebrachte Süßigkeiten und Kaffee oder ekligen Tee, der nur mit Zucker schmeckt oder stimme mich weihnachtlich ein. Ich hab mein Klavierbuch mit den Weihnachtsliedern mitgenommen und übe seither täglich deutsche oder amerikanische Weihnachts-Klassiker. Zusammen mit der Kälte draußen klappt das Einstimmen auch recht gut. Und wenn nicht jetzt, wann soll ich es dann machen? Bei über 20°C Plus im Süden Chinas wird das sicherlich nicht so einfach werden und wenn ich nach Deutschland zurückkomme ist Weihnachten schon vorüber (was aber nicht heißt, dass ich meine Lichterkette nicht aufhänge oder keine Weihnachtslieder spiele ;D ).
Bild 1: Nachtrag (meine Familie + Oma beim Essen)
Bild 2: Ein gemütlicher Shoppingtag in der Haupteinkaufsstraße Taidongs
Bild 3: Meine englischen Buddies beim Fußball an der PS3 zocken. Jamie (der nun für die Praktikumsagentur arbeitet und perfekt Deutsch spricht) und im Hintergrund Anthony.
Bild 4: Vor allem im Hintergrund mit türkisem T-shirt ist wichtig. Luke, ein sehr witziger und sympathischer Kerl.
Bild 5: Vier meiner Kinder beim Malen. Genauere Bilder von denen werden natürlich noch folgen.