Freitag, 6. November 2009
Geburtstag, Gezählte Tage und mein erstes Interview! (Fr, 06.11.09)
Was laber ich eigentlich, von wegen noch kein Winter. Mittlerweile herrscht zwar wieder Herbst, aber noch vor wenigen Tagen war es so arschkalt! Der Wind pfiff, das Gesicht schmerzte und es wurden bis auf die Beine mehrere Lagen angezogen. Weder im Kindergarten noch bei mir zu Hause wurde geheizt. Beim ersteren wegen der Tatsache, dass es keine Heizungen gibt oder die funktionieren nicht, irgendwie so. Und bei meiner Familie, weil die Zentralheizung erst Mitte November in Betrieb genommen wird. Ich saß deswegen wirklich dauernd mit Jacke oder mit meiner Decke umschlungen auf meinem Stuhl und fror mir den Arsch ab. Dauernd durchgekühlt zu sein ist kein Spaß. Vor allem morgens in so einem Zimmer aufzuwachen und das schützende Bett verlassen zu müssen ist eine Qual. Mein Teekonsum ist in diesen Tagen unweigerlich gestiegen.

Letzten Mi feierte Anthony, ein englischer Freund von mir, seinen 26. Geburtstag in einem Jiaozi-Restaurant. Über 30 Leute, davon überwiegend Ausländer, versammelten sich aus diesem Grund. So viele Laowai (chinesische Bezeichnung für Ausländer) auf einem Haufen sah deren Servicecrew wohl selten oder sogar nie. Der Tisch bog sich unter den Massen von Teigtaschen und Bier. Sehr lecker und wieder ein Anlass neue, nette Leute kennen zu lernen. Nur das arme Geburtstagskind musste Leiden. Die unzähligen Male, an denen er sein Bier exen musste, machten sich bemerkbar. Sehr, sehr schwankend schaffte er es noch auf die Toilette, wenn ihr versteht, was ich meine ;-). Der Abend war deswegen auf beendet für ihn, obwohl ein Großteil noch weiter in eine Bar zog. Zum Glück wurde es auch ohne ihn noch ein netter Abschluss, mit Tischfußball, Dart, Billard und Bier.

Anders als die noch folgenden Abende in Bars und Diskotheken, sind meine Tage in Qingdao nun endgültig gezählt. Ich habe einen Flug nach Shanghai am 6.12.09 gebucht. Für nur unglaubliche 32Eur werde ich dort Hilde und den Rest der Truppe treffen, um mit ihnen wenige Stunden später nach Kunming weiterzureisen. Ich bin sehr glücklich über dieses Ticket, denn mit dem Zug dauert das ganze 10,5h anstatt 1,5h! Zudem wäre es nicht mal billiger, sondern vielleicht sogar teurer! Dasselbe gilt für die andere Strecke. Mit dem Zug würde es 40h dauern und ca. 48EUR für ein Hard-Sleeper kosten (wir zahlen nun 90Eur, die Tickets für 68.- gibt’s leider nur für Festlandchinesen). Bis zum 27.11. werde ich im Kindergarten arbeiten. Danach wohl ein paar Tage die Stadt noch genießen und dann war’s das auch schon wieder.

Bis dahin ist aber noch viel Arbeit zu tun. Heute hatte ich mein erstes Interview! Als Dolmetscherin fungiert nun also dieses eine Mädel, das Englisch kann und nach Deutschland gehen wird. Perfekterweise hat sie Journalismus studiert, was bedeutet, dass sie ihre Rolle heute ausgezeichnet ausfüllte. Sie hörte gut zu, machte sich Notizen auf Kärtchen und wird mir diese sogar abtippen und ins Englische übersetzen! Nur für das Protokoll, ich hätte mich auch mit den chinesischen Notizen zufrieden gegeben, aber sie meinte, so sei es einfacher für sie! Ich bin wirklich froh, dass ich sie habe. Ohne Dolmetscher würde gar nichts gehen! Wenn ich Glück hab, reicht mir sogar ihre Zusammenfassung des Gesprächs, ansonsten kann ich das Interview nochmal in Deutschland anhören und mit einem Chinesen übersetzen.
Das erste Interview führten wir heute mit der Chefin des Kindergartens und war auch recht aufschlussreich, möcht‘ ich mal behaupten. Die nächsten Interviews werden mit ein paar Kindergärtnerinnen und dann noch mit ein oder zwei Eltern sein.

Mein Oberschenkel ist übrigens immer noch gezerrt. Bei stärkeren oder plötzlicheren Belastungen sticht es sofort wieder rein. Nervt mich total, weil ich morgen eigentlich so gerne Fußball spielen möchte, vor allem auch, weil das Wetter zur Zeit super ist. Nun weiß ich aber nicht, ob ich es sinnvoll ist, ich durchhalten werde oder nur alles schlimmer mache... =/ .
Diesen Sonntag dagegen war ich eigentlich mit jemand verabredet. Nur über Wenwen erfuhr ich, dass man die Chefin fragte, ob man sich mit mir treffen könnte – also essen gehen und amüsieren. Bis heute dachte ich, dass es Eltern eines Kindes seien, die sich für weiß Gott was interessieren. Vor allem weil Er Zhen (ein Kind meiner Gruppe) mehrmals von irgendjemand quasselte, der mich am Sa aufsuchen wolle und sich mit mir treffen. Es ergab aber irgendwie wenig Sinn, weil sich die Eltern sicherlich direkt mit mir in Verbindung gesetzt hätten. Bis heute hat mir die Chefin, um nochmal zum vorherigen Thema zurück zu kommen, noch nichts persönlich über den So erzählt. Auf Nachfragen stellte sich dann heraus, dass es zwar Eltern seien, aber sie mich lediglich als Übungspartner für ihren Sohn nutzen wollen. Super Gelegenheit für den Kleinen seine englische Umgangssprache zu lernen. Natürlich, seh‘ ich auch so. Aber darauf hab ich ja mal gar kein Bock! Zum Glück ging niemand ans Telefon, als die Chefin nochmal nachfragen wollte. Dafür hab ich nun ein Date mit dem Mann der Chefin. Dieser möchte zwar auch sein Englisch verbessern, aber ich denke, dass es mehr ein Austausch wird und ich auch Chinesisch üben kann. Zumindest hoffe ich das, denn abschlagen kann ich das ja nicht. Zumindest nicht beim ersten Mal und nicht so direkt. Aber die Chefin ist auch immer nett zu mir, bot mir sogar schon an, dass ich das nächste Mal in Qingdao auch bei ihr wohnen könne.

Zum Glück ist nun aber Wochenende. Das hab ich auch nötig. Oder besser, das werde ich nötig haben. Nachdem ich die gestrige Nacht wieder nicht zu Hause verbracht habe, etwas wenig Schlaf hatte und direkt in die Arbeit ging, von der ich heute wegen dem Interview erst um 17Uhr nach Hause kam, sollte ich heute eigentlich früh ins Bett. Doch Freitag ist großer Weggehtag in Qingdao, weswegen ich sehr vermutlich nachher mit den Engländern einen Trinken geh‘. Gleichzeitig ärgere ich mich gerade mit der Tatsache, dass ich den PIN meiner Visakarte vergessen habe. Nicht, dass das zum ersten Mal passiert wäre, aber diesmal erinnere ich mich wirklich nicht. Obwohl ich mir ganz sicher bin, dass die eine Kombination richtig ist... . Das alles wird getoppt mit der Brisanz der Bank meiner Gastmutter. Erstens wird ab Montag täglich 5% Überziehungszins gefordert und zweitens wird sie ihre Kreditwürdigkeit (zumindest teilweise) verlieren. Deswegen versuch ich nun alles Mögliche, um an die PIN ranzukommen. Morgen ist Deadline und heute kann ich keine Kombinationen mehr testen, weil ich sie schon so oft falsch eingegeben habe. Eventuell kann ich mir heute Abend von den Engländern Geld leihen. Aber mal so schnell 500EUR zu organisieren?!... Wünscht mir Glück! ;-)