Montag, 21. September 2009
Laoshan Gebirge – Idylle in unmittelbarer Nähe (Sa, 20.09.09)
Weil Josefine morgen nach Nanjing weiterfahren wird und wir durch die große Entfernung von Nanjing zum Taishan diesen Ausflug nicht gemeinsam machen werden, fuhren wir stattdessen heute auf in das Laoshan Gebirge 崂山. Einer seiner Gipfel ist 1133m hoch. Besonders berühmt ist das Gebirge besonders durch seine enge Verbindung zum Daoismus, einer 2400 Jahre alten chinesischen Philosophie und wegen des „ersten“ chinesischen Kaisers Qinshi Huangdi. Dieser soll in dieses Gebiet während seiner Suche nach dem Elixier der Unsterblichkeit in dieses Gebiet gereist sein. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Die Landschaft und die Steinformationen sind so schön anzusehen. Vor allem der Kontrast zwischen den Bergen und dem Meer macht dieses Gebirge nochmal extra interessant. Leider lag über der See dichter Nebel, weswegen man es nie blau schimmern sah.
Nachdem ich versucht habe herauszufinden, mit welchen Bussen wir in das Gebiet fahren können und welche Route wir nehmen, konnten wir am Ende natürlich doch nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Ende fahren. Bevor das ganze Gebiet anfing, sahen wir uns auf einem großen Busparkplatz wieder, an dem wir ein Ticket zur Weiterfahrt für 30RMB kaufen mussten und gleichzeitig die Eintrittskarte für 70RMB. Ruckzuck waren wir also 10EUR los. Für meinen nächsten Ausflug muss ich eine neue Lösung finden.
Im Gebiet angekommen und nachdem wir uns mit Wasser und etwas zu essen versorgt haben, ging es die perfekt montierten Wanderwege entlang. Die gesamte Strecke wurde mit dicken Granitsteinen verlegt, die eine bequeme Bewerkstelligung des Pfades möglich machte. Doch so schön die Natur auch sein mag, am Anfang war das Bild wie an allen chinesischen Touristen-Orten von tausenden (zumindest gefühlte 1000) Souvenirständen. Eine endlos erscheinende Reihe von Zelten, die alle mehr oder weniger dasselbe anboten. Lediglich unterbrochen von Männern, die anboten einen auf einer Bahre die Treppen hochzutragen. Als wir diesen Bereich hinter uns ließen, verschwanden auch seltsamerweise die Scharen von Touristen. Nach etwa einem Sechstel der Strecke war es angenehm ruhig und wir konnten die Natur tatsächlich ohne Ablenkungen genießen. Diese Stille wurde lediglich von meinem quietschenden Rucksack und den Leuten, die Tee und andere Lebensmittel anbieten, unterbrochen. Immer mal wieder gibt es jemanden, der seine Ware anbietet. Aber das kann ja auch nützlich sein und außerdem gibt es China keine VÖLLIGE Einsamkeit ;-). Ja, aber nun zu meinem Rucksack. Für teures Geld hab ich mir den während meines letzten Chinaaufenthaltes besorgt, originale Vaude Ware und ich erinner mich auch nicht, dass er jemals Geräusche von sich gab. Wieso also quietscht er nun auf einmal bei jedem Schritt, ja sogar beim Ein- und Ausatmen!! Wenigstens könne meine neuen Wanderschuhe alles (Wasserdichtheit an Bachlauf getestet).
Der Tag war auf alle Fälle wundervoll, das Wetter ideal und als Abschluss fanden wir auf dem Rückweg (den es auf der Karte nicht mehr gab und der deswegen auch ungepflegt und leicht überwuchert war) ein altes Ehepaar, das ein kleines Teefeld betrieb, auf dem man gleichzeitig ihren Tee trinken und kaufen konnte. Laoshan Tee gilt als regionale Spezialität, weswegen man auch rund auf den Berghängen Teefelder angelegt sind. Ungleich besser als an allen Gelegenheiten, die wir vorher geboten bekamen, tranken wir also in einem Teefeld sitzend Tee von einem alten, buckligen Chinesen. In China trinkt man nicht mit Beuteln, sondern nur mit den Kräutern an sich. Die kommen in die Kanne und werden so lange mit neuem Wasser begossen, bis sie keinen Geschmack mehr hergeben. Dementsprechend wurden wir von dem alten Greis „abgefüllt“. Der Teestand meines kleinen Tässchens erreichte nicht ein Mal den Boden, weil es stetig wieder aufgefüllt wurde. Die dementsprechend überfüllte Blase war erst später ein Thema ;-).
Zurück zum Ausgangspunkt ging es wieder mit Bussen, in die wir aber nur einsteigen konnten, in dem wir bei einem trampten. Die eigentliche Bushaltestelle wäre 1h Fußmarsch entfernt gewesen. Ein Glück, dass so was hier nicht so ein Problem wie in Deutschland ist.

Den Abend verbrachte ich in der Jugendherberge von Josefine, in dessen Bar zufällig der Monatsabend meiner Praktikums-Organisation stattfand. Dort treffen sich alle, die etwas mit der Organisation zu tun haben. Habe dort auch neue, nette Leute kennen gelernt. Vielleicht eine Chinesin, die mir Kalligraphie beibringen kann und natürlich weitere Horrorgeschichten bezüglich der Familien und der Scheinheiligkeit der Agenturs-Mitarbeiter. Das Hauptproblem scheint nachwievor zu sein, dass die Agentur mit Sprachunterricht für die chinesischen Kinder wirbt, die Studenten davon aber nichts wissen und dass das Geld, dass man für die Familie bezahlt hat, deswegen nicht an die Familie weitergeleitet wird. Schließlich würde man dort „arbeiten“, laut dem Deal. Toitoitoi, das kann ich nur wiederholen, dass ich niemals auf diese Leute angewiesen bin und dass meine Familie so super bleibt wie bisher! Und falls ich doch mal auf die Agentur angewiesen bin, bringt es vielleicht etwas, dass ich mich mit dem Chef gerade etwas gut stell. Er geht regelmäßig klettern, was ich auch gerne mal machen würde. Deswegen habe ich mit ihm schon ausgemacht, dass ich das nächste Mal mitkomme. Somit bekomme ich die Chance Sport zu treiben und stelle vielleicht eine bessere Beziehung zu ihm her als der Rest der Praktikanten. Vielleicht würde ich dann nicht so schlecht behandelt werden? Wobei ich ja persönlich bisher nur gute Erfahrungen machte und mich immer sehr nett mit den Leuten unterhalten habe.

Das erste Bild zeigt übrigens einen Ausflug in den Park des Alten Steinmannes. Sehr schön dort und nur 20min von mir entfernt! An manchen Stellen des Parkes hörte man sogar nicht mehr die laut schallende Musik, die aus Lautsprechern am Eingangsbereich dröhnte. Wenige Augenblicke, in denen man sich tatsächlich wie in der Natur fühlte.

Shilaoren TEXT
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Wanderschuhe, Jacke und Haarspray
Fragt mich nicht, aber ich kann mein Jäckchen immer noch nicht finden. Doch langsam gibt es Tage mit Temperaturen, an denen man nicht nur mit einem T-shirt bekleidet den Tag verbringen möchte. Somit werde ich gezwungen sein eine neue Jacke zu kaufen, außer ich trage immer meine Trekking-Jacke, was modisch wohl ein Griff ins Klo gleicht.
Um beim Thema Mode zu bleiben. Damit ich in der Welt da draußen glänzen und die Gemüter vor Neid erblassen lassen kann, pflege ich mein Haar und style es mit den Errungenschaften der westlichen Hairstyling Industrie. Als krönender Abschluss einer jeden In-Form-Bringungs-Aktion im Bad, wird Haarspray oder besser –lack in das fertig gestylte Haar gesprüht. Da ich wusste, dass es in westlichen Ketten in China nahezu alle Produkte verfügbar sind, nahm ich aus Deutschland nur eine kleine Dose Haarlack mit. Diese ist nun seit gut einer Woche leer und Nachschub ist noch nicht in Sicht. In chinesischen Geschäften einfach nicht existent, fand ich aber auch im Carrefour (Jialefu) nicht meine gewünschte Ware. Lediglich Haargel hätte ich mir kaufen können. Das alles bedeutet, dass mein „Glänzen“ in der Welt stark an Glorie verloren hat und ich nun lediglich Wall-Mart als meine letzte Chance ansehe, zu dem ich mal gehen sollte, der aber recht weit weg ist.

Lange, lange habe ich gesucht und am Ende mehr oder weniger gefunden: ich bin Besitzer von Wanderschuhen der Marke Jack Wolfskin. Da ich nur große und sehr steife Wanderschuhe besitze (die qualitativ zwar top sind, mit denen ich aber unglaubliche Knieschmerzen bekomme), wollte ich mir halbhohe, wasserdichte Wanderschuhe kaufen, die ausreichend federn und trotzdem so fest sind, damit ich mit ihnen mit Gepäck über Geröll auf einem Berg wandern kann. Gefunden habe ich sie nun, aber es war ein weiter Weg. Das Problem war, dass die Schuhe nicht günstiger als in Deutschland sind, außer es wird gerade eine mega-super-tolle Rabattaktion gestartet. Diese kann man aber nicht voraussehen. Anfangs gabs sie auch nicht, aber auch China ist Verlass. Das Mykal Department Store (ein 7-stöckiger Komplex mit verschiedensten Marken dieser Welt) feierte dritten Geburtstag und bot Rabatte von 20-60%. Somit entschied ich mich am Ende gegen GoreTex Schuhe und Schuhe unbekannter Trekking-Marken für Jack Wolfskin wegen dem preislichen Unterschied, der möglichen Garantie in Deutschland und weil die Wasserdichtheit, nach Recherchen von mir, angemessen zu sein scheint. Ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht. 62Eur zahlte ich nun, anstatt 90.- .