Samstag, 29. August 2009
Ausnahmezustand Beijing (Fr, 28.08.09)
Oh Leute, meine Haare an den Waden sind immer noch zerstört. Vor zwei Tagen dachten wir uns eine Fußmassage zu gönnen. Nachdem es schien, als müsste die Masseurin extra geholt werden (denn eigentlich war es ein Friseur), weil um 23Uhr niemand mehr damit zu rechnen schien, waren die beiden erstmal mit der Menge unserer Beinhaare beschäftigt. Im Zuge dessen nahm mein Masseur zu wenig Öl und das machte sie vor allem dann bemerkbar, wenn er wild mit den flachen Händen die Waden entlang rieb. Aber so kräftig und schnell, dass es weh tat und überall zwickte. Doch ich wollte nicht rumjammern und außerdem fielen mir nicht die richtigen Vokabeln ein, um ihm mein Leid zu beschreiben. Also biss ich die Zähne zusammen. Naja und bisher sieht man immernoch die roten Überreste. Mein Waden sehn so aus, als hätten sie mords viele Pickel, danke! Aber immerhin sieht man diese Punkte nicht so sehr, weil ich ja so viele Haare habe ;).

Den Tag verbrachte ich mit Daniel, in dem wir planlos durch die Stadt irrten, auf der Suche nach leckerem Essen, Kaffee und einem Park. Unser Weg brachte uns auch in ein Viertel, in welchem man nur Botschaften findet. Alles sehr sauber, keine Händler und nur große, bewachte und mit Stacheldraht eingezäunte Gebäude.

Am Abend waren wir bei Jinge zum Essen eingeladen, einem Chinesen, den wir aus Freiburg kennen. Bei diesem erfuhren wir, dass man heute auf der Hauptachse der Stadt, der Straße, die direkt an der Verbotenen Stadt und dem Tiananmen vorbeigeht, die Parade für den Nationalfeiertag proben würde. In der ersten Oktoberwoche wird jedes Jahr eine ganze Woche lang die Staatsgründung der Volksrepublik China gefeiert. Das war diese Goldene Woche (oder Psycho-Woche-weil-ALLE-Chinesen-Urlaub-machen), in der ich das erste Mal mit Chantal und ihrer Schwester durch die Lande zog, falls ihr euch erinnert. Dieses Jahr wird der 60ste Geburtstag gefeiert und die Parade wird einmal durchgespielt. Deswegen war es nicht mehr möglich die Hauptachse, die sich direkt in der Mitte der Stadt befindet, mit dem Auto zu überqueren. Da auch eine Metrolinie gesperrt wurde, waren wir kurzerhand gezwungen 1,5h nach Hause zu laufen. Dadurch konnten wir aber in Ruhe die Straßensperren und Hunderte von Polizisten beobachten. Zusammenfassen gesagt: Ausnahmezustand in Beijing! Wenn wir den Dingen, die uns Jinge erzählt hat, geglaubt hätten, hätten wir um unser Leben fürchten müssen, wenn wir dem Treiben zu nahe kommen und es stören wollen. Aber so schlimm war's dann doch nicht. Jedoch übertrieben sie schon ein wenig, meiner Meinung nach.

Blöderweise war auch die gesamte Straße, in der ich wohne, abgesperrt und alle 25 Schritte stand ein Polizist. Hoffentlich würden die mich am Ende überhaupt wieder rein lassen ^^. Allein an der Kreuzung, an der die Sperrung dieser Seitenstraße endete, standen über 50 Polizisten! Also das war ja 500m von der Hauptachse entfernt. Dadurch könnt ihr euch die Ausmaße vielleicht besser vorstellen. Während wir auf dem Weg zum Sanlitun (dieser Gegend mit den vielen Bars) waren, bekamen wir schon die erste Gruppe der Parade zu sehen und ehe man sich versah war die GESAMTE Straße von Menschen gefüllt. Diese Parade im Oktober muss wirklich ein riesiges Spektakel sein und ungleich allem, was man in Europa zu sehen bekommt. Nach einer weiteren halben Stunde laufen, weil wir kein Taxi fanden, ging es endlich in die Barblue, unsere Barblue, die uns schon im März glückliche Stunden bereitet hat. Ein netter Abend unter Ausländern, ist mein Resumee. Eine Sprachschule mit 100 Leuten war an diesem Abend zu Gast und dadurch waren wir Ausländer definitiv in der Mehrheit. Ein etwas seltsames Gefühl.
Noch seltsamer war allerdings eine Frau, die wir danach auf der Straße kennen lernten. Eine Koranerin, die wegen ihrer behandelten Zähne nicht sprechen konnte und sich deshalb nur mit Zeichensprache und Bildern auf einem Block kommunizierte. Sie konnte auch nur wenig Chinesisch, deshalb schrieb sie auch selten Sätze. Zudem war sie schon recht knülle, wollte aber trotzdem, dass wir ihr was zum Trinken oder essen bestellten. Sie war schon über 50 nehm ich an. Das ganze kam mir so surreal vor und ich hatte auch keine Lust auf sie, aber Daniel spielte mal mit und "unterhielt" sich mit ihr. Etwas schwer zu beschreiben alles, deswegen häng ich euch ein Bild von so einer Notiz an, damit ihr selbst seht, wie seltsam das alles war.

Nach Hause kam ich aber ohne Probleme, falls euch das noch interessieren sollte.



Die Bilder:

Man beachte meine hübsche Snoopy Bettdecke ;) und dieses komische Gesicht mit den vielen Strichen links und rechts der Augen. Das hatte sie mehrmals gezeichnet...*kopfschüttel*


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PS: Ich hab in nem alten Beitrag noch paar Bilder angehängt.